75 Jahre Staatsgründung

Wie der Staat Israel entstand - eine Chronik

+
Ein israelischer Offiziert hisst im Jahr 1948 die Nationalflagge.
  • schließen

Israel feiert in dieser Woche seinen 75. Geburtstag - überschattet von der umstrittenen Justizreform.

Die Idee einer „jüdischen Heimstatt“ erhält ihren ersten Schub 1896, als der österreichische Autor Theodor Herzl sein Buch „Der Judenstaat“ publiziert. Durch Herzl entsteht aus dem bis dato eher bildungsbürgerlichen Interesse an jüdischen Spuren der Zionismus.

Der politische Zionismus formt sich zu einer bestimmenden Kraft in der jüdischen Kultur in dem Maße, wie im 19. Jahrhundert im russischen Reich die Pogrome zunehmen und in den westeuropäischen Nationalstaaten der Antisemitismus an Boden gewinnt.

Die erste Alija – die Rückkehr des jüdischen Volkes aus der Diaspora – entwickelt sich über die bloße Flucht vor Verfolgung zum sozialistischen Experiment, aus dem die Kibbuz-Bewegung entstehen wird. Um die Jahrhundertwende sind jüdische Farmen in Palästina noch Einzelgründungen.

Agitation jüdischer Kreise und die langfristigen Perspektiven des Britischen Empire im zerbröckelnden Osmanischen Reich münden in der „Balfour-Deklaration“ 1917, worin ein „national home for the Jewish people“ versprochen wird - unter Berücksichtigung der religiösen und kulturellen Freiheiten dort lebender nicht jüdischer Gemeinden.

Vor 1939 wächst die Emigration in das britische Mandatsgebiet Palästina (Mandat des Völkerbundes), woraufhin die Behörden aus Angst vor arabischer Gewalt dort den Zuzug beschränken. Die Geheimorganisation Alija Bet schmuggelt daraufhin dem Holocaust Entkommene ins Land. 1945 beträgt der jüdische Bevölkerungsanteil 31 Prozent.

1947 verabschiedet die UN-Vollversammlung Resolution 181 (II), die eine Teilung Palästinas in einen jüdischen und einen arabischen Staat vorsieht. London weigert sich, weiterhin zu versuchen, den wachsenden Terror der beiden Völker einzudämmen.

Am 14. Mai 1948 verkündet David Ben-Gurion, Chef der Jewish Agency, die Gründung des Staates Israel. Nach dem jüdischen Kalender ist das der 5. Ijjar - ungefähr der 26. April.

Am 15. Mai 1948 beginnt der Unabhängigkeitskrieg. Ägypten, Syrien, Transjordanien und der Irak marschieren in Palästina ein. Der Jemen, Marokko die Saudis und der Sudan schicken Kontingente. Auch einige Nazis kämpfen mit. Auf Seiten Israels helfen viele ehemalige alliierte Soldaten. 1949 hat Israel alle seine Gegner geschlagen.

In der Suez-Krise 1956 und im Sechs-Tage-Krieg 1967 behauptet sich der Staat Israel und fügt allen arabischen Staaten vernichtende Niederlagen zu. Ein israelischer Vorschlag 1967 , die Westbank zu einem palästinensischen Staat zu machen, lehnen ihre Feinde ab. Extremistische jüdische Kreise starten die Siedlerbewegung.

1973 kommt Israel im Yom-Kippur-Krieg an den Rand seiner Vernichtung. Israelische Kampfbomber mit Atombomben stehen für einen finalen Einsatz bereit. Auf den allerletzten Drücker behaupten sich die israelischen Streitkräfte – auch Dank Munitionslieferungen aus den USA.

Proteste gegen Netanjahu

Alle Entwicklungen am „Tag der Störung“ in Israel in unserem Newsticker

Der Schock einer beinahe verlorenen Heimat treibt die Israelis an den Verhandlungstisch. Während mit Jordanien de facto schon Frieden ist (König Hussein I. hatte Israel 1973 vergeblich vor den ägyptisch-syrischen Attacken gewarnt) wird die von US-Präsident Jimmy Carter forcierte Übereinkunft Ägyptens mit Israel in Camp David als Beginn einer möglichen Normalisierung in Nahost gefeiert.

Der Terror der PLO und anderer palästinensischer Gruppen hält aber seit dem Sechs-Tage-Krieg an und verstärkt sich nun noch. Im vom Bürgerkrieg (seit 1976) zerfressenen Libanon hat die PLO über die dort seit 1948 bestehenden Flüchtlingslager sich eine paramilitärische Operationsbasis erschaffen, die quasi-staatlich den Kampf gegen Israel organisiert.

1982 marschieren israelische Truppen im Libanon ein. Die PLO muss fliehen, christliche Milizen verüben Massaker in Palästinenserlagern in Beirut, die Israelis bleiben drei Jahre im Süden stationiert, dann richten sie eine Pufferzone dort ein, in der bis 2000 ein unentwegter Kleinkrieg stattfindet.

1993 beginnt der Oslo-Friedensprozess, durch den die Autonomiegebiete in Westbank und Gaza möglich werden. Frieden in Palästina scheint erstmals seit 1948 eine reelle Option.

1995 erschießt ein junger Orthodoxer mit jemenitischen Wurzeln den entscheidenden Verfechter für den Frieden, Israels Ministerpräsident Jitzchak Rabin. Seitdem taumelt das Land, das mal als quasi sozialistisches Modell begann von einer rechten zur nächsten weit rechteren Regierung und zementiert den Nahostkonflikt zwischen zügellosem Siedlerfanatismus und palästinensischem Islamismus. rut

Kommentare