Koalition im Bund

Kretschmann sieht Chancen auf Schwarz-Grün „sehr groß“ – und Widerstand bei Merz schrumpfen

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Die Grünen aus Hauptgegner der CDU? Merz sei inzwischen von dieser These abgerückt, glaubt Grünen-Landeschef Kretschmann. Ab 2025 werde es wahrscheinlich eine schwarz-grüne Regierung geben.

Stuttgart/Berlin – Eine Koalition mit den Grünen unter einem Kanzler Friedrich Merz? Ausgeschlossen – so klang es noch vor gut einem halben Jahr. Der CDU-Chef rief die Grünen als Hauptgegner der Union aus, ähnlich wie zuvor auch schon CSU-Chef Markus Söder. Selbst Unions-Politikern ging das Grünen-Bashing teils zu weit, gibt es doch auf Landesebene einige schwarz-grüne Koalitionen, die ohne größere Zerwürfnisse miteinander arbeiten.

Einer von ihnen ist Winfried Kretschmann (Grüne) der in Baden-Württemberg seit acht Jahren eine grün-schwarze Koalition als Ministerpräsident anführt. Kretschmann sagte jetzt in einem Interview, er glaube, Merz sei mittlerweile von seiner These, die Grünen seien der Hauptgegner, wieder abgerückt. Er habe „nicht den Eindruck, dass er diese These weiter vertritt“, sagte Kretschmann in einem Interview mit web.de.

Grünen-Ministerpräsident Winfried Kretschmann (M.) sieht eine Koalition von Grünen und CDU/CSU unter Friedrich Merz als wahrscheinliche Option.

Grünen-Bashing von Merz laut Kretschmann „aus Bauch heraus“ – „Zur Zeit sind wir der böse Bube“

Die Aussage von Merz, die Grünen seien der Hauptgegner, sei nach Kretschmann Einschätzung „aus dem Bauch heraus“ gekommen. Denn die Aussage von Merz sei „kurzsichtig“: „Ja, mit wem will er denn dann koalieren, wenn er die Wahlen gewinnt?“, so der Grünen-Politiker. Kretschmann kritisiert: „Zurzeit sind wir irgendwie der böse Bube. Alles, was nicht funktioniert, wird bei uns abgeladen. Da macht man es sich ein bisschen sehr einfach.“

Tatsächlich scheint Merz in Sachen Grünen-Bashing wieder zurückzurudern: In seinem wöchentlichen Newsletter schrieb er vor zwei Tagen, dass er auch für eine Koalition mit den Grünen offen sei. Sein Hauptziel: Ein Politikwechsel in Deutschland, möglich seien dafür Koalitionen mit der SPD, der FDP oder auch mit den Grünen.

Die Union wolle sich nicht auf einen Koalitionspartner festlegen, betonte der Parteichef. Absolut ausgeschlossen sei nur eine Koalition mit der AfD, da sie „als rechtsradikale Partei außerhalb jeden denkbaren Spektrums für uns“ stehe.

Angela Merkel: Die wichtigsten Momente ihrer Karriere

Angela Merkel (CDU) im Scheinwerferlicht
Die Kanzlerin im Scheinwerferlicht: Angela Merkel (CDU) hat eine beeindruckende Karriere vorzuweisen. © Ina Fassbender/dpa
Helmut Kohl und Angela Merkel beim Parteitag der CDU
Der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) und seine damals neu gewählte Stellvertreterin, Frauenministerin Angela Merkel (CDU) bei einem Parteitag. (1991) © Michael Jung/dpa
Gerhard Schröder und Angela Merkel geben sich die Hand
Der bisherige Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) übergibt das Bundeskanzleramt an die neue Kanzlerin Angela Merkel (CDU). (2005) © Peer Grimm/dpa
Angela Merkel (CDU) trifft europäische Staatsmänner beim Euro-Gipfel zur Finanzkrise in Paris
Angela Merkel (CDU) spricht mit dem niederländischen Minister Jan Peter Balkenende and dem belgischen Prime Minister Yves Leterme beim Euro-Gipfel zur Finanzkrise in Paris. (2008) © Dolega/dpa
2009 wird Angela Merkel (CDU) zum zweiten Mal als Bundeskanzlerin vereidigt
Angela Merkel (CDU) wird in Berlin zum zweiten Mal als Bundeskanzlerin vereidigt. (2009) © Michael Hanschke/dpa
Angela Merkel (CDU) und Queen Elizabeth II. unterhalten sich bei einem Klimagipfel in London
Angela Merkel (CDU) und Queen Elizabeth II. unterhalten sich bei einem Klimagipfel in London. (2009) © dpa
Angela Merkel (CDU) und US-Präsident Barack Obama mit der Freiheitsmedaille in Washington
Angela Merkel (CDU) erhält die Freiheitsmedaille, die höchste zivile Auszeichnung der USA, von US-Präsident Barack Obama in Washington. (2011) © Rainer Jensen/dpa
Angela Merkel (CDU) stimmt bei der Abstimmung zum Energiegesetz für den Atomausstieg
Angela Merkel (CDU) stimmt bei der Abstimmung zum Energiegesetz für den Atomausstieg. (2011) © Michael Kappeler/dpa
Shinzo Abe, Angela Merkel (CDU), Wladimir Putin, David Cameron und Barack Obama beim G8 Gipfeltreffen
Die Teilnehmer des G8 Gipfeltreffens, der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe (l-r), Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), der russische Präsident Wladimir Putin, der britische Ministerpräsident David Cameron und US-Präsident Barack Obama. (2013) © Tim Brakemeier/dpa
Angela Merkel (CDU) legt im Bundestag in Berlin den Amtseid ab.
Angela Merkel (CDU) legt am im Bundestag in Berlin beim Parlamentspräsidenten Norbert Lammert (CDU) zum dritten Mal den Amtseid ab. (2013) © Michael Hanschke/dpa
Angela Merkel (CDU) und Joachim Gauck (parteilos) mit der deutschen Nationalmannschaft beim Gewinn des Weltmeistertitels
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der damalige Bundespräsident Joachim Gauck (parteilos) jubeln nach dem Gewinn des Weltmeister-Titels in der Kabine des Maracana-Stadions mit den deutschen Nationalspielern. (2014) © Guido Bergmann/dpa
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) macht ein Selfie mit einem Migranten
Angela Merkel (CDU) besucht eine Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber der Arbeiterwohlfahrt (AWO) und macht ein Selfie mit einem Migranten. Ihr Satz „Wir schaffen das“ bleibt eng mit ihrer Kanzlerschaft verbunden. (2015) © Bernd von Jutrczenka/dpa
Angela Merkel (CDU) ist auf dem Cover der ersten deutschsprachigen Ausgabe der französischen Satire-Zeitschrift Charlie Hebdo
Angela Merkel (CDU) ist auf dem Cover der ersten deutschsprachigen Ausgabe der französischen Satire-Zeitschrift Charlie Hebdo. (2016) © Christian Charisius/dpa
Angela Merkel (CDU) bei einer Privataudienz mit Papst Franziskus
Angela Merkel (CDU) schüttelt die Hand von Papst Franziskus bei einer Privataudienz im Vatikan. (2017) © dpa
Angela Merkel (CDU) verneigt sich am Sarg von Helmut Kohl (CDU) beim europäischen Trauerakt für den verstorbenen Altkanzler im EU-Parlament in Straßburg
Angela Merkel (CDU) verneigt sich am Sarg von Helmut Kohl (CDU) beim europäischen Trauerakt für den verstorbenen Altkanzler im EU-Parlament in Straßburg. (2017) © dpa
Angela Merkel (CDU) spricht bei einem Wahlkampfauftritt in Siegen
Angela Merkel (CDU) spricht bei einer Wahlkampfveranstaltung für die Bundestagswahl in Siegen. Der Name ist Programm: „Mutti“ wird zum vierten Mal zur Kanzlerin gewählt. (2017) © Oliver Berg/dpa
Angela Merkel (CDU) steckt eine Kerze an der Berliner Mauer in den Sand.
Zum 30. Jahrestag des Mauerfalls steckt Angela Merkel (CDU) eine Kerze an der Gedenkstätte Berliner Mauer in der Bernauer Straße in den Sand. (2019) © Michael Kappeler/dpa
Angela Merkel (CDU) und Donald Trump beim Nato Gipfel in London
Angela Merkel (CDU) und der damalige US-Präsident Donald Trump sind sich beim Nato Gipfel nicht ganz einig. (2019) © Michael Kappeler/dpa
Angela Merkel (CDU) mit Maske bei einer Bundespressekonferenz über den Lockdown und die Corona-Maßnahmen
Angela Merkel (CDU) mit einem Mund-Nasenschutz bei einer Bundespressekonferenz über den Lockdown und die weiteren Corona-Maßnahmen. (2020) © Kay Nietfeld/dpa
Angela Merkel (CDU) und Armin Laschet (CDU) besuchen Flutgebiete
Angela Merkel (CDU) und Armin Laschet (CDU) besuchen Flutgebiete und reden mit den Anwohnern eines betroffenen Dorfs. (2021) © Oliver Berg/dpa
Angela Merkel (CDU) füttert australische Loris im Vogelpark Marlow und wird dabei gebissen.
Sympathische Kanzlerin: Angela Merkel (CDU) füttert australische Loris im Vogelpark Marlow und wird dabei gebissen. (2021) © Georg Wendt/dpa

Merz würde Koalition aus CDU/CSU und FDP präferieren - doch Lindners Partei kämpft

Eine Präferenz hat Merz aber durchaus für eine mögliche Koalition nach der Bundestagswahl 2025, wie er in seinem Newsletter durchblicken ließ: die FDP. Mit ihr „ließe sich eine bürgerliche Koalition am ehesten verwirklichen“, schrieb er. Jedoch, so Merz, sei fraglich „ob sie als Partei überlebt.“

Tatsächlich würden die Liberalen laut einer aktuellen Umfrage wegen der Fünf-Prozent-Hürde aus dem Bundestag fliegen, wenn jetzt schon Bundestagswahlen wären. Die Union liegt danach derzeit bei 30 Prozent, die Grünen bei 12,5 Prozent, die SPD bei 15 Prozent. Möglich wäre nach diesen Zahlen nur eine Große Koalition, für schwarz-grün würde es nicht reichen.

Dennoch: Kretschmann hält die Chancen, dass aber 2025 schwarz-grün regiert, für „sehr groß“: „Wir brauchen diese Verbindung von Ökologie und Ökonomie. Darum bin ich ein überzeugter Anhänger dieser Konstellation.“ (smu/dpa)

Rubriklistenbild: © Imago (Bildmontage)

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