Merkur-Kommentar

FDP-Chef Lindner fordert Sozialstaatswende: Ein Überraschungsei für den Kanzler

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Bundesfinanzminister Christian Linder (FDP) fordert jetzt eine „Sozialstaatswende“. Ein Kommentar von Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis.
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FDP-Chef Lindners Forderungen nach einer „Sozialstaatswende“ ist ein Angriff auf die SPD. Der Ampel steht vor schicksalhafte Wochen. Ein Kommentar von Georg Anastasiadis.

Behält Fritze Merz doch noch Recht mit seiner Weissagung von Neuwahlen im September? Der Kanzler hat jedenfalls seit gestern noch mehr Grund, nervös zu sein: Dass sein liberaler Koalitionsfreund Christian Lindner nach der „Wirtschaftswende“ jetzt in kategorischem Ton auch noch die „Sozialstaatswende“ fordert, darf als Frontalangriff auf die Sozialdemokraten gewertet werden. Die haben in den vergangenen Monaten emsig rote Linien um den Sozialetat gezogen.

Lindners Frontalangriff auf die SPD – FDP kämpft ums parlamentarische Überleben

Mit seiner – richtigen – Analyse, die „stark steigenden Sozialausgaben“ stünden in Konkurrenz zu anderen epochalen Herausforderungen wie Klimaschutz, Bildung, Infrastruktur und Verteidigung und auch zu den dringend nötigen Entlastungen für arbeitende Bürger und Unternehmen, setzt Lindner der SPD zu Beginn der ohnehin knüppelharten Etatberatungen das Messer auf die Brust. In der Tat zeigt die niederschmetternde Frühjahrsprognose der Wirtschaftsinstitute, wie dramatisch die Lage in Deutschland ist.

Lindner, dessen FDP zudem ums parlamentarische Überleben kämpft, braucht einen politischen Erfolg – oder, falls SPD und Grüne ihm diesen nicht gönnen, einen triftigen Grund zur Aufkündigung der Koalition. Einen, der so stichhaltig ist, dass er die FDP gegen Vorwurf immunisiert, sie stehle sich nach ihrer Absage an ein Jamaikabündnis unter Merkel erneut aus ihrer staatspolitischen Verantwortung. Seit Wochen schon erhöht der FDP-Chef dafür den Druck auf die Koalitionspartner, und es fällt schwer, darin keine Kopie zum Vorgehen der Chefliberalen Genscher und Lambsdorff zu erkennen, die mit exakt demselben Drehbuch 1982 die sozialliberale Koalition samt SPD-Kanzler Helmut Schmidt zu Fall brachten.

Das sind die Minister und Ministerinnen der Ampel-Koalition

Bundeskanzler: Olaf Scholz (SPD)
Bundeskanzler: Olaf Scholz (SPD) © Michael Kappeler/dpa
Kanzleramt: Wolfgang Schmidt (SPD).
Kanzleramt: Wolfgang Schmidt (SPD). © Michael Kappeler/dpa
Innen: Nancy Faeser (SPD).
Innen: Nancy Faeser (SPD). © Michael Kappeler/dpa
Außen: Annalena Baerbock (Grüne).
Außen: Annalena Baerbock (Grüne). © Kay Nietfeld/dpa
Gesundheit: Karl Lauterbach (SPD).
Gesundheit: Karl Lauterbach (SPD). © Michael Kappeler/dpa
Christian Lindner (FDP).
Finanzen: Christian Lindner (FDP). © Michael Kappeler/dpa
Verteidigung: Christine Lambrecht (SPD).
Verteidigung: Christine Lambrecht (SPD). © Michael Kappeler/dpa
Bau: Klara Geywitz (SPD).
Bau: Klara Geywitz (SPD). © Michael Kappeler/dpa
Agrar: Cem Özdemir (Grüne).
Agrar: Cem Özdemir (Grüne). © Bernd Weissbrod/dpa
Familie: Anne Spiegel (Grüne).
Familie: Anne Spiegel (Grüne). © Andreas Arnold/dpa
Wirtschaft und Klima: Robert Habeck (Grüne).
Wirtschaft und Klima: Robert Habeck (Grüne). © Kay Nietfeld/dpa
Umwelt: Steffi Lemke (Grüne).
Umwelt: Steffi Lemke (Grüne). © Hendrik Schmidt/dpa
Bildung und Forschung: Bettina Stark-Watzinger (FDP).
Bildung und Forschung: Bettina Stark-Watzinger (FDP).  © Michael Kappeler/dpa
Justiz: Marco Buschmann (FDP).
Justiz: Marco Buschmann (FDP). © Michael Kappeler/dpa
Entwicklung: Svenja Schulze (SPD).
Entwicklung: Svenja Schulze (SPD). © Michael Kappeler/dpa
Verkehrsminister Volker Wissing (FDP)
Verkehr und Digitales: Volker Wissing (FDP). © Michael Kappeler/dpa
Arbeit: Hubertus Heil (SPD).
Arbeit: Hubertus Heil (SPD). © Michael Kappeler/dpa

Erneuter Streit in der Koalition? Ampel steht vor schicksalhaften Wochen

Viel ist zuletzt zusammengekommen. Mützenichs Abrücken von den Ukrainehilfen, dazu sein unnötig heftiger Taurus-Angriff auf FDP und Grüne hat die Entfremdung in der Regierung noch verstärkt. Aus Berlin wird berichtet, Abgeordnete von Union und FDP träfen sich regelmäßig zu vertraulichen Unterredungen. Die Ampel steht spätestens mit Linders vorösterlicher Grußbotschaft vor schicksalhaften Wochen. (Georg Anastasiadis)

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