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Im Gespräch mit einem russischen Propaganda-Macher redet der russische Autokrat Wladimir Putin auch über die potenzielle Nachfolger im Moskauer Kreml.
Moskau – Selbst ein Wladimir Putin, der sich nach außen oft als unfehlbar verkauft, ist den Regeln des Alterns unterworfen. Und so hat der Mann, der im Kreml mit harter Hand regiert und der den blutigen Ukraine-Krieg losgetreten hat, jetzt in einem inszenierten Interview mit einem Propagandisten über seine Nachfolge in der Russischen Föderation gesprochen, wie das riesige Land zwischen Pazifik und Ostsee amtlich heißt.
Er denke „ständig“ darüber nach, wer ihn ersetzen werde, und ziehe dabei mehrere Kandidaten in Betracht, erzählte Putin laut amerikanischem Nachrichtenmagazin Newsweek in einem Gespräch mit dem russischen Propagandisten Pawel Zarubin für den Film „Russia. The Kremlin. Putin. 25 Years.“ (Deutsch: Russland. Der Kreml. Putin. 25 Jahre).
Autokrat aus Moskau: Wladimir Putin äußert sich zu möglicher Nachfolge in Russland
Damit nicht genug: Der 72-jährige Putin, der im Oktober 73 wird, nannte in dem Interview ein angebliches Hauptkriterium für seine Nachfolge. „Aber letztendlich liegt die Entscheidung beim Volk, dem russischen Volk, den Bürgern, den Wählern“, sagte er laut einem Bericht des unabhängigen russischen Nachrichtenportals Meduza. „Wer nicht das Vertrauen der Bevölkerung genießt, hat kaum eine Chance, etwas Ernsthaftes zu bewirken. Das ist ein absolut grundlegendes Problem“, meinte er derselben Quelle zufolge in dem offenbar sorgfältig vorbereiteten Propaganda-Gespräch.
Putin drohte in demselben Interview Kiew und der Nato erneut mit seinem nuklearen Waffenarsenal. „Sie wollten uns provozieren, sie wollten uns zu Fehlern verleiten“, sagte er laut Newsweek mit Verweis auf Meduza: „Nun, es gab keinen Grund, die Waffen einzusetzen (Atomwaffen, d. Red.), die Sie gerade erwähnt haben. Und ich hoffe, es wird auch keinen Grund geben.“ Mit Blick auf den Ukraine-Krieg und seine Ziele in diesem betonte er: „Wir verfügen über genügend Kräfte und Ressourcen, um das, was 2022 begonnen wurde, zu Ende zu bringen. Mit dem Ergebnis, das Russland braucht.“
Wir verfügen über genügend Kräfte und Ressourcen, um das, was 2022 begonnen wurde, zu Ende zu bringen.
Nachfolge von Wladimir Putin in Russland: Alexei Djumin wird als Kandidat genannt
Der Titel des Propaganda-Films rührt daher, dass Putin zum 31. Dezember 1999 erstmals Präsident der Russischen Föderation wurde und sein Land seit einem Vierteljahrhundert durchgängig regiert. Zwar war er von 2008 bis 2012 wegen der Verfassung zwischenzeitlich „nur“ Ministerpräsident, und damit Regierungschef unterhalb des Staatspräsidenten. Doch diese Rolle füllte seinerzeit für ihn sein enger Vertrauter Dmitri Medwedew aus – nach Einschätzung etlicher westlicher Experten aus dem Hintergrund gesteuert durch Putin.
Was seine Nachfolge als Präsident angeht, rückt derweil immer wieder ein Name in den Fokus. So wird häufig Putins „Bodyguard“ Alexei Djumin als möglicher Nachfolger im Kreml genannt. Djumin ist seit Mai 2024 der persönliche Berater Putins in der Präsidialverwaltung und darüber hinaus Mitglied im Sicherheitsrat der Russischen Föderation. Der in Kursk geborene Politiker wird am 28. August dieses Jahres 52 Jahre alt. Er ist also deutlich jünger als sein Mentor, den er eigenen Erzählungen zufolge einst vor einem Bären bewahrte. (pm)
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