40.000 Frauen und Männer

Sie sollen Putin abschrecken: Amerikaner, Briten, Deutsche — Wo Nato-Soldaten die Ostflanke sichern

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Amerikaner in Polen: US-Marines fahren am 17. September mit einem Militär-Buggy in das amphibische Kriegsschiff USS Kearsarge, das in Danzig stationiert wurde.
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Rund 40.000 Soldaten bewachen die Nato-Ostflanke als Abschreckung Russlands. Vom Baltikum, über Polen bis nach Rumänien - wer wo wieviele Truppen stellt. Und welche Rolle die deutsche Bundeswehr hat.

München/Rzeszow — Das transatlantische Verteidigungsbündnis Nato zeigt im Ukraine-Krieg Geschlossenheit. Während die ukrainische Armee die russischen Angreifer zurückdrängt, zeigen die Bündnispartner Entschlossenheit an ihrer Ostflanke. Die Nato hat ihre Truppenstärke an der Ostflanke seit Anfang des Jahres fast verzehnfacht. Konkret: Bereits Mitte Mai hatte die Zahl der Soldatinnen und Soldaten rund 40.000 erreicht.

Amerikaner, Briten, Deutsche - Merkur.de erklärt, wer aktuell wo wieviele Truppen an der Nato-Ostflanke (von Nord nach Süd) stellt, um Moskau-Machthaber Wladimir Putin abzuschrecken.

Im Video: Kompakt - Die wichtigsten News zum Russland-Ukraine-Krieg

Nato-Ostflanke in Estland: Soldaten der British Army und Eurofighter der deutschen Luftwaffe

Estland: Nach der völkerrechtswidrigen Besetzung der Krim durch Russland baten die Mitgliedsstaaten Polen, Litauen, Lettland und Estland beim Nato-Gipfel in Warschau 2016 um militärische Sicherheiten. Deshalb stationierte die Nato ab 2017 vier multinationale Gefechtsverbände. Solche gibt es fortan auch in der Slowakei, in Ungarn, Rumänien und in Bulgarien.

Die sogenannte Nato-Battlegroup Estonia steht dabei unter der Führung der British Army. Zuletzt kündigte London an, seine Truppenstärke von bislang 800 Frauen und Männern zu verdoppeln. Zudem stellen Frankreich und Dänemark Truppenteile. In den vergangenen Monaten schickte das britische Ministry of Defence (MoD) ferner bis zu 8000 Soldaten für Übungen („Hedgehog“, „Defender, „Swift Response“) „von Finnland bis Nordmazedonien“. Begleitet von 72 Kampfpanzern „Challenger 2“, 120 „Warrior“-Schützenpanzern und zwölf Artilleriegeschütze vom Typ „AS90“.

Den Luftraum überwacht indes die deutsche Luftwaffe mit fünf Eurofightern, dafür sind 140 Bundeswehr-Soldatinnen und -Soldaten in Ämari rund 45 Kilometer westlich der Hauptstadt Tallinn stationiert.

Estland: Ein deutscher Eurofighter in Ämari. In Estland kontrolliert die Luftwaffe im Nato-Auftrag den Luftraum über dem Baltikum.
Nato-Ostflanke (von Nord nach Süd):Einwohner:Grenzt an:
Estland1,3 MillionenRussland
Lettland1,9 MillionenRussland, Belarus (Verbündeter Moskaus)
Litauen2,8 MillionenBelarus, russische Exklave Kaliningrad
Polen38 MillionenUkraine, Belarus
Slowakei5,5 MillionenUkraine
Ungarn9,7 MillionenUkraine
Rumänien19,1 MillionenUkraine
Bulgarien6,9 MillionenSchwarzes Meer

Nato-Ostflanke in Lettland: Kanadische, spanische und dänische Soldaten zur Abschreckung Russlands

Lettland: Kanada steht der Nato Battlegroup Latvia vor - mit einem Hauptquartier in Ādaži. Bislang stellten die kanadischen Streitkräfte etwa 500 Soldatinnen und Soldaten. Jüngst beschloss die Regierung in Ottawa die Entsendung von bis zu 460 weiteren Soldaten. Zudem sollen eine zusätzliche Fregatte und ein Küstenpatrouillenflugzeug ins Baltikum verlegt werden. Spanien ist der zweitgrößte Truppensteller. Zusätzlich rund 150 Soldaten sollen „sehr schnell und sehr zügig“ entsendet werden, erklärte Ministerpräsident Pedro Sánchez kürzlich.

Dazukommen etwa 750 Soldaten der dänischen Streitkräfte, hauptsächlich aus dem Garde-Husaren-Regiment (1. Brigade der dänischen Armee). Kräfte der lettischen Armee unterstützen. Zur Ausrüstung zählen laut Facebook-Seite der Battlegroup schwere Haubitzen vom Typ M777 sowie Boxer-Radpanzer aus deutscher Produktion.

Nato-Ostflanke in Litauen: Battlegroup unter Anleitung der deutschen Bundeswehr

Litauen: Derzeit hat Bundeswehr-Oberstleutnant Marco Maulbecker vom Panzerbataillons 203 aus Augustdorf (NRW) das Kommando über rund 1.600 Frauen und Männer. Dem Bataillon gehören Soldatinnen und Soldaten aus den Niederlanden, aus Norwegen, Belgien, Tschechien und Luxemburg an. Den Großteil in Litauen stellt aber die deutsche Bundeswehr mit 1000 bis 1200 Soldaten. Besagte Nato-Battlegroup arbeitet eng mit der litauischen Iron-Wolf-Brigade zusammen.

Die Bundeswehr wird künftig auch den Kern der schnell verlegbaren Brigade für Litauen von 3000 bis 5000 Soldaten stellen. Dafür ist die Panzergrenadierbrigade 41 „Vorpommern“ aus Neubrandenburg vorgesehen. Bereits im Februar wurden vor Kriegsausbruch sechs Panzerhaubitzen 2000 auf den Stützpunkt in Rukla verlegt, der rund 110 Kilometer von der belarussischen Grenze entfernt liegt. 2017 hatte Deutschland 20 „Marder“-Schützenpanzer und sechs Kampfpanzer „Leopard 2“ in Litauen stationiert.

Mit mehreren Panzerhaubitzen 2000 in Litauen: Die deutsche Bundeswehr hilft bei der Sicherung der Nato-Ostflanke.

Nato-Ostflanke in Polen: Einzig 10.500 Soldaten der US-Streitkräfte

Polen: Einzig die amerikanischen Nato-Truppen in Polen wuchsen innerhalb von Monaten von 1.010 auf 10.500 Soldaten an. Darunter sind Soldaten der 82. Luftlandedivision der US-Army, dem weltweit größten Verband seiner Art. Sie sind in Rzeszów stationiert, knapp 100 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt.

Das Weiße Haus kündigte weiter an, dass in Polen „die ersten permanenten US-Truppen an der Ostflanke der Nato“ mit einem Hauptquartier des V. US-Korps stationiert werden. Schon 2017 hatten die USA 86 Kampfpanzer und 144 Schützenpanzer nach Polen geschickt. US-Einheiten sind zudem an der Ostsee in Danzig stationiert - gegenüber der russischen Exklave Kaliningrad.

Nato-Ostflanke in Slowakei: Deutsche und Niederländer sichern Luftraum mit Flugabwehrsystem „Patriot“

Slowakei: Tschechien, dessen Armee das Komando hat, schickte bis zu 650 Soldaten in sein Nachbarland, mit dem es zu Zeiten der Sowjetunion einen Staat gebildet hatte - die Tschechoslowakei. An der neuen Nato-Battlegroup sind neben der Slowakei selbst Deutschland, Slowenien, Polen und die Niederlande beteiligt.

Die Bundeswehr stellt 300 Soldaten als Teil des deutsch-niederländischen Flugabwehrraketenverbandes („FlaRakVbd eVAenhanced Vigilance Activities SVK“). Sie sichern den Luftraum mit dem „Patriot“-Flugabwehrsystem.

Nato-Ostflanke in Ungarn: Budapest hat selbst die Führung

Ungarn: Diese Battlegroup operiert im Rahmen der ungarischen Verteidigungsstreitkräfte. Weitere Nationen schicken nach Angaben von Verteidigungsminister Tibor Benkő einige Hunderte Soldaten nach Westungarn - Kroatien, Montenegro, die Türkei und die Vereinigten Staaten.

Die gefühlt geringe Anzahl an Soldaten kommt daher, dass die Battlegroups im Falle eines russischen Angriffs „Stolpersteine“, so der Nato-Jargon, sein sollen. Bis die permanente Nato Response Force (NRFNATO Response Force) innerhalb weniger Tage mit bis zu 50.000 Soldaten eingreifen kann.

Nato-Ostflanke in Rumänien: Französischen Gebirgsjäger und amerikanische Abfangjäger

Rumänien: Frankreich führt diese Battlegroup. Das Gros sind Elite-Soldaten der französischen Gebirgsjäger. Wie die Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien berichtete, hatte Präsident Emmanuel Macron angekündigt, das Kontingent auf künftig 1000 Soldaten aufzustocken. Im Oktober war die Verlegung einer Einheit von Leclerc-Kampfpanzern vorgesehen. Ferner gehören rund 300 belgischen Soldaten dem Gefechtsverband an.

Langfristig ist zudem eine Brigade mit 3000 US-Soldaten am Nato-Stützpunkt Câmpia Turzii in der Nähe der Stadt Cluj vorgesehen. Seit Kriegsbeginn wurden zwischenzeitlich 20 Kampfflugzeuge und Abfangjäger aus den USA, Italien und Deutschland (Eurofighter) hierher verlegt. 16 Nato-Kampfjets und 21 Abfangjäger waren bereits auf dem Militärflugplatz nahe des Schwarzen Meeres stationiert. Sie stehen aktuell unter dem Kommando der britischen Royal Air Force.

Nato-Ostflanke in Bulgarien: Italien schickt Infanterieregiment ans Schwarze Meer

Bulgarien: Die Führungsnation ist Italien mit dem 82. Infanterieregiment „Torino“ aus Apulien. Laut Radio Bulgaria übernahmen am 19. Oktober 800 italienische Soldaten offiziell die Anleitung der 1100 Mann starken Battlegroup. Soldaten aus Bulgarien selbst, Griechenlands und aus den USA komplettieren die Battlegroup. (pm)

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