Familie im Zarendorf

Putins bizarres Zarendorf: Wie Russlands Elite heimlich im Luxus schwelgt

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Wladimir Putin auf einer Yacht im Jahr 2011. (Archivbild)
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Wladimir Putin spricht nicht gerne über seine Familie. Aber er scheint sich sehr wohlwollend um Töchter und Ex-Frau zu kümmern. Und auch um deren heimliche Partner.

Moskau – Die Familie ist heilig. Offensichtlich auch für Wladimir Putin. Obwohl der Kreml-Chef, der den Ukraine-Krieg lostrat, aus seiner eigenen ein großes Geheimnis macht. Für seine beiden Töchter scheint der 70-Jährige jedenfalls nur das Beste zu wollen, ebenso für seine Ex-Frau. Das decken Recherchen von Proekt auf, einem unabhängigen russischen Medienunternehmen, das auf investigativen Journalismus spezialisiert ist.

Wie sehr Putin die Hand über die wichtigsten Frauen in seinem Leben hält, zeigen die Investigativ-Reporter in Zusammenarbeit mit der in Riga ansässigen Internetzeitung Meduza, der russischen Recherche-Plattform IStories und dem Journalisten-Netzwerk Organized Crime and Corruption Reporting Project (OCCRP). Demnach weiß Russlands mächtiger Präsident seine Töchter Maria Woronzowa und Katerina Tichonowa ebenso in seiner Nähe wie deren Mutter Ljudmila Putina, mit der er bis 2013 drei Jahrzehnte lang verheiratet war.

Putin beschenkt Schwiegersohn offenbar mit Luxushaus nahe Moskau

Im Mittelpunkt der Recherchen steht dabei Tichonowa, denn die Informationen stammen aus gehackten und dann an Journalisten weitergereichten Korrespondenzen ihres Ex-Mannes Kirill Schamalow. Dieser ist der Sohn von Putins engem Freund Nikolai Schamalow, einem mächtigen Bankier.

Tichonow und Schamalow wurden demnach am 24. Februar 2013 kirchlich getraut – also auf den Tag genau neun Jahre vor Beginn der russischen Invasion in die Ukraine. Allerdings soll diese Ehe nie registriert worden sein. So habe auch Schamalow auf einsehbaren Dokumenten immer behauptet, ledig zu sein.

Interessanterweise gilt dies demnach auch für eine Erklärung „an die zuständigen Behörden“ während eines bürokratischen Immobilienverfahrens für ein Luxushaus in Rubljowka, einer Villengegend westlich von Moskau. Bei diesem Anwesen allerdings soll es sich um ein Hochzeitsgeschenk für den Ehemann gehandelt haben. Offenbar von niemand Geringerem als dem prominenten Schwiegervater.

Damals waren sie noch Mann und Frau und er noch in Deutschland willkommen: Wladimir Putin und Ljudmila Putina treffen im Sommer 2007 zum G8-Gipfel in Heiligendamm ein.

Putin und die Frauen: Außereheliche Beziehungen offenbar die Normalität

Außereheliche Beziehungen sind bei den Putins weit verbreitet, wie Proekt betont. Aufgezählt werden die Liaison vom Familienoberhaupt selbst mit Alina Kabajewa, die 2004 olympisches Gold in der Rhythmischen Sportgymnastik gewann und gut 30 Jahre jünger ist als Putin. Oder die demnach ebenfalls nicht registrierte Beziehung seiner ältesten Tochter Woronzowa mit dem niederländischen Unternehmer Jorrit Faassen.

Den Mitgliedern der Herrscherfamilie würden diese nicht offiziellen Partnerschaften erlauben, in einer Art „Zarendorf“ vor den Toren Moskaus zu leben. Was unter dem Deckmantel von Sicherheits- und Offshore-Regelungen funktioniere.

So kaufte den Recherchen zufolge Mitte des Jahres 2006 die erst drei Jahre zuvor auf Zypern registrierte Firma Ermira Consultants Limited ein an Putins Residenz angrenzendes Grundstück, das sich seine Töchter demnach mittlerweile teilen. Das Unternehmen nennt Proekt „den persönlichen Geldbeutel des Präsidenten“. Um seine Liebsten möglichst in seiner Nähe zu wissen, sorgte der viel beschäftigte Vater den Recherchen zufolge dafür, dass aus den Immobilien eine Mitgift zur Hochzeit wurde.

Wladimir Putin: Der Aufstieg von Russlands Machthaber in Bildern

Wladimir Putin ist seit dem 24. Februar 2022 auch Kriegsherr – auch wenn in Russland nach offizieller Lesart nur von einer militärischen „Spezialoperation“ in der Ukraine gesprochen wird.
Am 24. Februar 2022 befahl Wladimir Putin den Angriff russischer Truppen auf die Ukraine. Setdem ist er nicht nur Präsident Russlands, sondern Kriegsherr – auch wenn in Russland der Ukraine-Krieg nach offizieller Lesart nur eine militärische „Spezialoperation“ genannt wird. © Mikhail Klimentyev/Imago
Wladmir Putin mit Flottenchef Kurojedow
Von 1975 bis 1982 war der am 7. Oktober 1952 geborene Putin KGB-Offizier, von 1984 bis 1985 besuchte er die KGB-Hochschule in Moskau. Ab 1985 war er in der DDR tätig, hauptsächlich in Dresden. Danach ging es wieder zurück nach St. Petersburg. Vom 25. Juli 1998 bis August 1999 war Putin Direktor des Inlandsgeheimdienstes FSB. In dieser Eigenschaft traf er sich im November 1998 mit Flottenchef Wladmir Kurojedow (rechts). © Stringer/dpa
So sah Wladimir Putin im Alter von 40 Jahren aus, als er an der Eröffnung der Honda Motor Show 1992 in St. Petersburg teilnahm.
Eine Schwarz-Weiß-Aufnahme zeigt Wladimir Putin im Jahr 1992 im Alter von 40 Jahren, als er an der Eröffnung der Honda Motor Show 1992 in St. Petersburg teilnahm. Zwei Jahre später wurde er von einem der Vizebürgermeister zum ersten Vizebürgermeister der Stadt ernannt. Sein politischer Aufstieg nahm Formen an. © Russian Look/IMAGO
Dieses Foto zeigt den russischen Präsidenten Wladimir Putin im Jahr 1994 in seinem Büro. Damals war er 42 Jahre alt und Vizebürgermeister von St. Petersburg.
In seinem ersten Jahr als erster Vizebürgermeister der Stadt St. Petersburg im Jahr 1994 wurde Wladimir Putin in seinem Büro fotografiert. Damals war er 42 Jahre alt. Von körperlichen Beschwerden aus dieser Zeit ist nichts bekannt. Putin war zudem bereits seit seiner Jugend sportlich und ging unter anderem dem Kampfsport Judo nach, in dem er sich einen Schwarzen Gurt verdiente. © Russian Look/IMAGO
Drei Jahre später enstand dieses Foto von Wladimir Putin zusammen mit Anatoly Sobchak, ehemaliger Bürgermeister von St. Petersburg.
Dieses Foto entstand drei Jahre später, 1997, und zeigt Wladimir Putin – damals 45 Jahre alt – zusammen mit Anatoly Sobchak, dem ehemaligen Bürgermeister von St. Petersburg. © Russian Look/IMAGO
Wladimir Putin mit Boris Jelzin im Kreml.
Im Jahr 1999 übernahm Putin zum ersten Mal das Amt des Ministerpräsidenten – mit Option auf die Nachfolge von Präsident Boris Jelzin (links). Als Jelzin am 31. Dezember 1999 sein Amt niederlegte, übernahm Putin kommissarisch auch die Amtsgeschäfte des Präsidenten. Im Mai 2000 wurde Putin dann regulär zum Präsidenten Russlands gewählt. © dpa
Im Jahr 2000 wurde Putin zum ersten Mal Präsident der Russichen Föderation. Das Foto zeigt den damals 48-Jährigen zusammen mit Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder in Berlin.
Im Jahr 2000 wurde Wladimir Putin erstmals zum Präsidenten der Russischen Föderation gewählt. Das Foto zeigt den damals 48-Jährigen zusammen mit Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) in Berlin. Die Beiden sollte im weiteren Verlauf eine innige Freundschaft verbinden, die auch über Schröders politische Karriere hinaus Bestand hatte. © Thomas Imo/IMAGO
Wladimir Putin während einer Trainingssession in Sotschi im Jahr 2019. Der russische Präsident gilt als großer Judo-Fan und hat im Jahr 2000 in Tokio den Titel des sechsten Dan des „Kodokan-Judo“ verliehen bekommen.
Wladimir Putin während einer Trainingssession in Sotschi im Jahr 2019. Der russische Präsident gilt als großer Judo-Fan und hat im Jahr 2000 in Tokio den Titel des sechsten Dan des „Kodokan-Judo“ verliehen bekommen. © Mikhail Metzel/Imago
Am 7. Mai 2000 legte Putin seinen Amtseid ab.
Am 7. Mai 2000 legte Putin unter den Augen von Boris Jelzin seinen Amtseid ab. Mit einer Ausnahme einer Zeit als Regierungschef von 2008 bis 2012 hat Putin seither das Amt des Präsidenten der Russischen Föderation inne.  © Imago
Wladimir Putin und Bill Clinton bei der Unterzeichnung eines Vertrages in New York.
Im September 2000 führte Putin der Weg in die USA. Bill Clinton (rechts) war der erste US-Präsident, mit dem er es in den kommenden Jahren zu tun bekam. in seiner Mit dem damals noch amtierenden US-Präsidenten B © Imago
Mit einer Umarmung begrüßen sich Gerhard Schröder und Wladmir Putin im Foyer des Taschenbergpalais in Dresden.
Als Russlands Präsident reiste Putin im September 2001 zu einem dreitägigen Staatsbesuch nach Deutschland. Im Foyer des Taschenbergpalais in der sächsischen Landeshauptstadt Dresden begrüßte ihn auch der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder (links). Die beiden verstanden sich offensichtlich schon damals ausnehmend gut. Die Freundschaft hat auch heute noch Bestand. © Jan-Peter Kasper/dpa
Der schwarze Labrador von Wladimir Putin läuft beim Treffen seines Herrchens mit Angela Merkel durchs Zimmer.
Putin spielt gerne psychologische Spielchen – so auch 2007 mit Kanzlerin Angela Merkel. Bei ihrem Treffen in Sotschi am Schwarzen Meer ließ Putin während einer gemeinsamen Pressekonferenz eine Labradorhündin ohne Leine herumlaufen. Merkel, einst in ihrer Jugend von einem Hund gebissen worden, fühlte sich sichtlich unwohl.  © Dmitry Astakhov/dpa
George Bush und Wladimir Putin spazieren auf dem Gelände von Putins Sommerresidenz Bocharov Ruchei.
George W. Bush (rechts) war der zweite US-Präsident, mit dem es Putin zu tun bekam. Im April 2008 trafen sich beiden Staatschefs auf dem Gelände von Putins Sommerresidenz Bocharov Ruchei. © Imago
Wladimir Putin neuer russischer Regierungschef.
Am 7. Mai 2008 löste Dmitri Medwedew nach zwei Amtszeiten Putin im Amt des russischen Präsidenten ab. Einen Tag danach wählte die Duma Putin auf Vorschlag des neuen Präsidenten zum neuen Regierungschef. Putin blieb auch in dieser Position der starke Mann. © dpa
Im Jahr 2009 ließ sich Putin mit freiem Oberkörper auf einem Pferd sitzend zur Demonstration von Macht fotografieren, als er durch die südsibirische Republik Tuwa ritt.
Im Jahr 2009 ließ sich Wladimir Putin mit freiem Oberkörper auf einem Pferd sitzend fotografieren, als er durch die südsibirische Republik Tuwa ritt. Mit solchen Fotos pflegte Putin sein Macho-Image. Er wollte er laut Informationen der „Süddeutschen Zeitung“ Wirkung in der russischen Bevölkerung erzielen und auch international demonstrieren, dass er ein starker Gegner ist. © epa Alexey Druzhinyn
Bekleidet mit olivgrüner Jagdhose und einem dazu passenden Sonnenhut präsentiert sich Wladimir Putin beim Angeln in den sibirischen Bergen im Jahr 2017. Geht es nach dem russischen Präsidenten, hat der Oberkörper aber freizubleiben.
Bekleidet mit olivgrüner Jagdhose und einem dazu passenden Sonnenhut präsentiert sich Wladimir Putin beim Angeln in den sibirischen Bergen im Jahr 2017. Geht es nach dem russischen Präsidenten, hat der Oberkörper aber freizubleiben. Das gilt für Reiten wie offenbar auch fürs Angeln. © Aleksey Nikolskyi/Imago
Putin und Obama stoßen miteinander an.
Am 7. Mai 2012 wurde Putin erneut zum Präsidenten gewählt. Sein Verhältnis zu US-Präsident Barack Obama war von Distanz geprägt. Das war auch im September 2015 bei einer Veranstaltung der Vereinten Nationen in New York der Fall.  © Amanda Voisard/dpa
Wladimir Putin in einem camouflage-farbendem Tauchanzug während eines Ausflugs in der russischen Republik Tuwa in Sibirien im Jahr 2017. Das Foto zeigt den russischen Präsidenten während einer Verschnaufpause.
Wladimir Putin in einem camouflage-farbendem Tauchanzug während eines Ausflugs in der russischen Republik Tuwa in Sibirien im Jahr 2017. Das Foto zeigt den russischen Präsidenten während einer Verschnaufpause. © Alexei Nikolsky/Imago
Putin trifft Trump beim Apec-Gipfel in Vietnam.
Als Donald Trump die US-Wahl 2016 gegen Hillary Clinton gewann, hatte Russland wohl seine Hände mit im Spiel. Putin hatte sicher seinen Grund. Mit Donald Trump kam er jedenfalls gut zurecht. Im November 2017 begrüßten sie sich Familienfoto im Rahmen des Gipfeltreffens der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (Apec) in Da Nang (Vietnam) herzlich.  © Mikhail Klimentyev/dpa
Der chinesische Präsident Xi Jinping (r) und der russische Präsident Wladimir Putin (l) geben sich am 04.07.2017 im Kreml in Moskau (Russland) bei einem Gespräch die Hände
Unter Putin sind sich Russland und China zuletzt immer nähergekommen. Ein wichtiger Termin war der 4. Juli 2017, als der chinesische Präsident Xi Jiping im Kreml in Moskau zu Besuch war. Damals wurden mehrere Verträge und Wirtschaftsabkommen unterzeichnet. © Sergei Ilnitsky/dpa
Wladimir Putin und Olaf Scholz am Tisch im Kreml.
So pflegt Putin inzwischen seine Gäste zu empfangen – vor allem die aus dem Westen. Am 15. Februar 2022 reiste Kanzler Olaf Scholz nach Moskau. Damals hatte der Ukraine-Krieg noch nicht begonnen. Putin ließ sich von Scholz aber nicht beeindrucken. © Kremlin Pool/Imago
Wladimir Putin im Kreml.
Putin forcierte in seiner dritten Amtszeit die kriegerischen Auseinandersetzungen. Seit dem 21. März 2014 betrachtet Russland die Krim als Teil des eigenen Staatsgebiets, seit September 2015 unterstützt die russische Luftwaffe im Militäreinsatz in Syrien den syrischen Präsidenten Assad im dortigen Bürgerkrieg.  © Sergei Ilnitsky/dpa
Wladimir Putin (links) und Joe Biden schütteln sich bei ihrem Treffen in der „Villa la Grange“ die Hand.
Anlässlich der Genfer Gipfelkonferenz traf sich Putin am 16. Juni 2021 mit US-Präsident Joe Biden zu einem Gespräch. Schon damals waren die russischen Truppenaufmärsche an der Grenze zur Ukraine ein Thema. © Denis Balibouse/dpa
Wladimir Putin lacht
Genutzt hat das Gipfelgespräch wenig. Am 24. Februar 2022 begann mit dem Einmarsch der russischen Truppen ins Nachbarland der Ukraine-Krieg. Putin wusste es wohl schon in Genf.  © Denis Balibouse/dpa
Selbst wenn sich der Kreml-Chef nahe den Gewässern Russlands erholt, sind die Kameras der russischen Staatspresse nicht weit entfernt. Schnappschüsse von einem schwimmenden Wladimir Putin, wie hier im Jahr 2017, würde ihnen sonst glatt entgehen.
Selbst wenn sich der Kreml-Chef nahe den Gewässern Russlands erholt, sind die Kameras der russischen Staatspresse nicht weit entfernt. Schnappschüsse von einem schwimmenden Wladimir Putin, wie hier im Jahr 2017, würde ihnen sonst glatt entgehen. © Alexei Nikolsky/Imago

Villen für die Putin-Familie: Offshore-Gesellschaften aus Zypern oder Panama kaufen Grundstücke

Woronzowa ließ sich nach ihrem großen Tag also ganz in der Nähe von Putins Anwesen Nowo-Ogarjowo nieder. Offiziell aber blieb das Grundstück, dessen Wert auf 350 Millionen Rubel (heute sind das etwa vier Millionen Euro) geschätzt wird, im Besitz von Offshore-Gesellschaften.

Zwei weitere Grundstücke samt Häusern gehörten demnach Offshore-Unternehmen mit Sitz in Panama, hier liefert die unabhängige russische Zeitung The Moscow Times die Namen Topsail Commercial Development und Dorrington Commercial. Diese Grundstücke blieben bis zur Hochzeit von Tichonowa sieben Jahre lang ungenutzt, zwei Wochen vor der heimlichen Vermählung gingen sie dann in den Besitz von Schamalow über, schreibt Proekt. Womit Putins Tochter keinerlei formale Verbindung zu dem Stück Land hatte. Sicher ist sicher – dürfte sich der mächtige Kreml-Chef gedacht haben.

Video: So teuer ist Putins Sicherheit für Russland

Putin-Schwiegersohn Schamalow bekommt Villa überschrieben: Mitgift der Tochter zur heimlichen Hochzeit

Dass der seine Finger im Spiel hatte, gilt den Recherchen zufolge als sehr wahrscheinlich. Denn die gehackten Dokumente offenbaren, dass das Paar mindestens seit dem Jahr 2012 immer wieder über die Einrichtung des Hauses diskutierte. Weil dieses offenbar schon damals im Besitz der Herrscherfamilie war, auch wenn es offiziell noch einer Firma aus Panama gehörte.

Tichonowa und Schamalow waren sich offenbar für keinen Prunk zu schade. In dem Briefwechsel soll ein Kostenvoranschlag über neun Millionen Euro entdeckt worden sein. Allein ein Kronleuchter für die Küche hätte 72.000 Euro verschlungen.

Mit den Zahlungen jedoch habe es der spätere Hausbesitzer nicht so genau genommen. Die Bauleiterin Maria Schkolnikowa beschwerte sich etwa darüber, dass eine Rechnung über 900.000 Euro viele Monate lang offen blieb. Zudem erklärte sie, sie sei oft mit dem Hinweis vertröstet worden, das Geld würde noch in der gleichen Woche fließen, doch so musste sie auch Summen für Subunternehmen vorstrecken.

Neuer Partner von Putin-Ex: Auch Otscheretnyj darf sich eine Villa aussuchen

Auch das zweite Haus, das die Offshore-Firma aus Panama in dieser Straße kaufte, wurde offiziell Putins Schwiegersohn überschrieben. Was auch damit zusammenhängen könnte, dass kurz nach der Hochzeit von Tichonowa und Schamalow Putins Ehe geschieden wurde. Seine Ex-Frau fand in Artur Otscheretnyj einen neuen Lebenspartner.

Der war damals zwar ein weitgehend unbeschriebenes Blatt, die Beziehung hatte aber offensichtlich den Segen des Kreml-Chefs. Denn der sorgte dafür, dass die Mutter seiner Kinder so viel Zeit wie möglich mit den beiden Töchtern verbringen kann. Und das nicht nur im Zarendorf nahe Moskau.

Eine Spur der Recherche führt auch an die Atlantikküste. Bereits im Oktober 2012 soll Schamalow in Biarritz, einem See- und Heilbad im französischen Teil des Baskenlandes, eine vierstöckige Villa mit sieben Schlafzimmern gekauft haben. Für 4,5 Millionen Euro. Von Gennadi Timtschenko, einem langjährigen Geschäftspartner und engen Freund von Putin.

Die Gegend muss auch Otscheretnyj gefallen haben, der für sich und Putina im Dezember 2013 eine Villa in der Stadt Anglet erwarb. Die beiden Anwesen liegen nur neun Autominuten voneinander entfernt. Der Verdacht liegt nahe, dass Putin für die aufgerufenen 5,3 Millionen Euro aufkam.

Hier lässt es sich leben: Biarritz an der Atlantikküste war zumindest zeitweise das Domizil einiger Mitglieder der Putin-Familie.

Putin-Ex im Zarendorf: Auch neuer Partner bekommt Grundstück - offiziell von Putins Schwiegersohn

Für Otscheretnyj, das neueste Mitglied der Herrscherfamilie, kam es aber noch besser. Im selben Monat schickte Schamalow ihm den Recherchen zufolge einen Brief samt Vollmacht, womit ihm die Verfügungsgewalt über das zweite Anwesen in der Straße nahe Putins Residenz übertragen wurde. Es war die offizielle Eintrittskarte ins Zarendorf. Auch hier wartete ein vierstöckiges Haus auf Leben in seinem Inneren.

Wer wirklich die Entscheidungsgewalt über all die Grundstücke besitzt, sollte sich aber noch zeigen. Im Jahr 2015 gönnten sich Tichonowa und Schamalow zwar noch zwölf Hektar Land am Ufer der Moskwa, auch dieses auf seinen Namen. Die Nachbarn dort heißen Dmitri Medwedew, einstiger Präsident und später Ministerpräsident von Putins Gnaden, und Timtschenko, der später noch aus einem unerfreulichen Anlass bei Schamalow vorstellig werden sollte.

Das neue Anwesen liegt nur eine Viertelstunde Autofahrt von Putins Residenz entfernt. Das Paar plante damals eine 4.500 Quadratmeter große Villa, doch spätestens im Frühjahr 2016 begann es zwischen den heimlichen Eheleuten zu kriseln. Schamalow hatte fortan deutlich mehr Interesse an seiner späteren Frau Zhanna Wolkowa, was für ihn gravierende Folgen haben sollte.

Putins Ex-Schwiegersohn wird fallengelassen: Zwei Häuser und ein Grundstück unter Wert abgeknöpft

Denn die Familie ist Putin heilig. Und zu der gehörte Schamalow nicht mehr. Sechs Monate später verlor er seine gesamten Anteile an Sibur, der größten russischen Öl- und Gasgesellschaft. Dabei soll es um umgerechnet etwa 1,85 Milliarden Euro gegangen sein – den größten Teil davon übernahmen einige der vielen Freunde des Präsidenten.

Dann traten Timtschenko und Arkadi Rotenberg, ein weiterer enger Freund von Putin, auf den Plan. Beide sollen im Jahr 2019 den Auftrag erhalten haben, die auf Schamalow registrierten Grundstücke zu beschlagnahmen. Der habe im Oktober zwei Häuser und ein Grundstück an Coral, eine Gesellschaft von Anwälten aus Rotenbergs Dunstkreis, übergeben.

In diesem Zusammenhang wurde – wie laut dem Bericht bei vielen Transaktionen für Putin – eine westliche Bank angezapft, bei der große Summen hinterlegt waren. 2,37 Milliarden Rubel – rund 27 Millionen Euro – erhielt Coral von Timtschenkos Konto einer Schweizer Bank, wie Finanzunterlagen offenbaren, fast die komplette Summe wurde dann im Rahmen eines Immobilienkaufvertrags auf Schamalows Konto überwiesen – damit erhielt der Ex-Schwiegersohn von Putin „fast dreimal weniger, als ihm zustand“. Beschwerde sinnlos.

Villa im französischen Biarritz: Felsen unter Gebäude einsturzgefährdet - Putin hat kein Interesse

Behalten durfte der Ex-Schwiegersohn des Kreml-Chefs immerhin die Villa in Biarritz. Allerdings wohl nicht aus reiner Güte. Wie sich herausgestellt hatte, war das Gebäude auf einem einsturzgefährdeten Felsen erbaut worden. Eine Verstärkung des Untergrunds hätte demnach fünf Millionen Euro verschlungen. Doch so locker saß das Geld bei Schamalow nicht mehr: Er soll sein einstiges Zuhause mit Meerblick außer Acht gelassen haben, weder die Rechnungen bezahlt haben noch für die Instandhaltung aufgekommen sein.

So sieht das Anwesen einem unschönen Ende entgegen. Schließlich ist es jetzt nicht mehr Familiensache. (mg)

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