VonLukas Rogallaschließen
Solange Putin im Kreml sitzt, wird der Krieg gegen die Ukraine nicht enden, glaubt der ukrainische Geheimdienstchef. Doch es gibt mögliche Auswege.
Kiew/Moskau – Schon seit dem großangelegten russischen Angriff auf die Ukraine am 24. Februar geht die Frage um, wann und wie der Krieg beendet werden kann. Dazu kursieren viele verschiedene Meinungen. Viele Experten scheinen sich allerdings einig zu sein, dass ein mögliches Kriegsende einzig und allein von Wladimir Putin abhängt. Ein hochrangiger Beamter aus der Ukraine wagt nun die Behauptung, dass es nur einen Weg aus dem Krieg gibt: der Tod Putins.
| Wladimir Wladimirowitsch Putin | Russischer Politiker |
| Geburtstag | 7. Oktober 1952 |
| Geburtsort | Leningrad (heute St. Petersburg), Russische SFSR |
| Amt | Präsident der Russischen Föderation |
Ukraine News: Kann der Ukraine-Krieg beendet werden, solange Putin lebt?
„Ihm einen Rückzugsweg zu lassen, ist eine Strategie, aber sie ist fast unrealistisch“, antwortete Kyrylo Budanow, Chef des ukrainischen Inlandsgeheimdienstes im Interview mit The New Voice of Ukraine auf die Frage, ob Wladimir Putin den Krieg lebend beenden könne. „Er ist ein Kriegsverbrecher für die ganze Welt. Das ist sein Ende, er hat sich selbst in eine Sackgasse manövriert.“
Ende des Ukraine-Kriegs: Geheimdienstchef sieht zwei Auswege für Wladimir Putin
Wie Putin aus dem Weg geräumt werden soll oder kann, dazu macht Budanow keine näheren Angaben – dafür jedoch zur Zukunft Russlands, die zwei verschiedene Wege einschlagen könne: Bei einer Niederlage werde Russland in mehrere Teile zerfallen, meint Budanow. Die zweite Option wäre die „relative Erhaltung der territorialen Integrität der Russischen Föderation bei einem Wechsel der Führung des Landes“.
Im letzteren Fall würde sich der neue Machthaber vom russischen Angriffskrieg und vom „kranken Diktator“ Putin distanzieren. Darüber hinaus stellt Budanow die Behauptung auf, Russland würde alle besetzten Gebiete aufgeben. Dazu würden neben Inseln Japans auch ehemals deutsche Gebiete wie Kaliningrad (damals Königsberg) gehören. „Machen Sie sich keine Sorgen“, meinte Budanow. „Die Ukraine wird gewinnen.“
Niederlage im Ukraine-Krieg: Russland könnte auseinanderbrechen
Was passiert in Russland, sollte die Ukraine siegreich aus dem Krieg hervorgehen? Viktor Andrusiw, Berater des ukrainischen Innenministers, hat eine genaue Vorstellung: „Historisch gesehen bricht Russland nach einer Niederlage zusammen. Die russischen Behörden erleben Putsche und Zerstörung nach einer militärischen Niederlage“, sagte er im Gespräch mit dem ukrainischen Sender Radio NV.
„Einen Putsch, nachdem Russland in der Ukraine besiegt wird, schließe ich nicht aus. Putins Auslieferung nach Den Haag könnte eine der Bedingungen sein, die Beziehungen zwischen Russland, dem Westen und uns zu regeln.“ Das wäre ein langer Prozess, sagt Andrusiw, „aber das Wichtigste ist, das es getan wird“. Die Niederlage Hitlers hätte „70 Jahre globale Stabilität“ bedeutet. Entsprechend müsse ein Sieg über Putin für einen langjährigen Frieden und internationale Sicherheit sorgen. „Es geht nicht um Fristen, sondern um die Gerechtigkeit, die kommt.“
Niederlage im Ukraine-Krieg wäre „die letzte“ für Russland
Eine Niederlage in der Ukraine wäre die zweite und „letzte für Russland“. Die erste sei der Zusammenbruch der Sowjetunion gewesen, die „Niederlage einer Generation“, behauptet Andrusiw. Danach stehe Russland ein Prozess der Umwandlung wie in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg bevor. Damals hätte Deutschland bemerkt, dass es nicht mehr möglich sei, ein Problem mit Gewalt zu lösen.
Auch US-Präsident Joe Biden hatte angedeutet, dass Putin beseitigt werden müsse. „Um Gottes Willen, dieser Mann kann nicht an der Macht bleiben“, sagte er bei einem Besuch in Warschau im März. Das Weiße Haus sah sich gezwungen, etwas zurückzurudern. Biden solle nicht so verstanden werden, dass er sich für ein Attentat oder einen Regierungsumsturz in Russland einsetze. Auch Außenminister Anthony Blinken sagte, es liege am russischen Volk, zu entscheiden, ob Putin im Kreml bleibt.
Die Äußerungen von Kyrylo Budanow fielen nur wenige Tage vor dem historisch bedeutenden 9. Mai, an dem Putin der Ukraine offiziell den Krieg erklären könnte, wie Experten vermuten. Mit einer Kriegserklärung könnten die Kampfhandlungen intensiviert werden – es wäre eine neue Stufe im Konflikt. Russland erzielt bei Weitem nicht so viele militärische Fortschritte wie geplant. Nun, sagt Budanow, müsse Putin einen Sieg suchen, den er der Bevölkerung präsentieren kann. „Putin kann nicht zugeben, dass er gegen die Ukraine verliert.“ (lrg)
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