Freie-Wähler-Chef will ans Jagdrecht

Nach tödlicher Bären-Attacke – Aiwanger nimmt den Wolf ins Visier: „Muss bejagt werden“

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Ein Wolf im Wildpark Eekholt fotografiert durch ein Zielfernrohr. Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger spricht sich für die Bejagung aus.
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Wölfe sind in Deutschland streng geschützt – Hubert Aiwanger will das ändern. Bayerns Vize-Regierungschef fordert bei Merkur.de eine Änderung des Jagdrechts.

München – Der Wolf als Wahlkampfthema. Ein halbes Jahr vor der bayerischen Landtagswahl setzt Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger das Tier auf die Agenda. Der Auslöser für den bayerischen Wirtschaftsminister: Die Tragödie von Trentino, wo ein Bär einen Jogger tötete. Das sei „das Ergebnis von Heile-Welt-Ideologien aus der Großstadt, die den ländlichen Raum als Spielwiese sehen.“ Wölfe und Bären hätten keine natürlichen Feinde. „Die Konflikte bis hin zu menschlichen Todesfällen nehmen logischerweise immer mehr zu.“ Schuld daran sei „die unvernünftige Politik“.

Seit Karfreitagabend (7. April) hat Aiwanger den Wolf ins Visier genommen, twitterte zehnmal über das Tier und nahm an einer Kundgebung in Niedersachsen teil. Bei Merkur.de spricht er sich für eine Änderung des Jagdrechts aus. Aiwangers Forderung: „Der Wolf muss bejagt werden.“

Wolfspopulation in Deutschland steigt – allein in Niedersachsen leben mehr Tiere als in Schweden

Der Wolf galt in Europa lange als ausgerottet, ehe er Ende der 1990er Jahre nach Deutschland zurückkehrte. Naturschützer sehen darin einen Erfolg für die Artenvielfalt. Kritiker wie Aiwanger meinen, die Wolfspopulation gerate zusehends außer Kontrolle. Tatsächlich steigt die Anzahl der Tiere hierzulande an. Laut der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes für den Wolf leben aktuell 161 bestätigte Rudel, 43 Paare und 21 Einzeltiere in Deutschland (Stand: November 2022).

Ein Rudel besteht aus acht bis zwölf Tieren. Aiwanger geht von 2000 frei lebenden Wölfen in Deutschland aus, allein in Niedersachsen würden mit 450 fast so viele Wölfe wie in ganz Schweden leben. Auch in den ostdeutschen Bundesländern sind die Tiere zu Hause, etwa in den Wäldern von Brandenburg. In Bayern haben sich nach Behördenangaben mindestens 26 Wölfe angesiedelt.

Die Entwicklung der Wolfsterritorien in Deutschland. Es werden Jahr für Jahr mehr Tiere.

Wir dürfen uns nicht länger auf den Kopf scheißen lassen. Wir müssen uns zur Wehr setzen.

Hubert Aiwanger auf einer Kundgebung in Niedersachsen zum Thema Wolf.

Wolf sorgt immer wieder für Ärger: „Wir müssen uns zur Wehr setzen“

Einen Angriff eines Wolfes auf einen Menschen gab es seit der Wiederansiedlung des Wildtieres in Deutschland nach Behördenangaben nicht. Das Tier gilt als menschenscheu. Dennoch sorgt der Wolf immer wieder für Ärger. Weidetierhalter sorgen sich vor Wolfsübergriffen. Auch ihnen will Aiwanger nun eine Stimme geben, wenn er wie in Niedersachsen sagt: „Wir dürfen uns nicht länger auf den Kopf scheißen lassen. Wir müssen uns zur Wehr setzen“.

Im noch nicht öffentlichen Wahlprogramm der Freien Wähler, der unserer Redaktion vorliegt, kommt der Wolf mehrmals vor. So ist die Rede von „effektiven Managementplänen für große Beutegreifer wie den Wolf“, oder dem „Schutz von Wild- und Nutztieren vor dem Wolf durch Aufnahme in das Jagdrecht“. In Niedersachsen ist das bereits der Fall. In der Regel genießt der Wolf nach dem Bundesnaturschutzgesetz aber höchstmöglichen Schutz – und darf nur unter besonderen Umständen bejagt werden, etwa wenn ein Tier nachweislich wiederholt Nutztiere gerissen hat. Ansonsten gilt das Abschießen eines Wolfes als Straftat.

Aiwanger fordert Änderung des Jagdrechts: „Wenn die Wölfe mehr werden, gibt es weniger Wild“

Aiwanger kritisiert die aktuellen Regelungen bei Merkur.de: „Derzeit haben wir das Revierjagdsystem in Deutschland. Das heißt, dass die Grundbesitzer ihre Flächen an einen Jagdpächter verpachten, der dafür Geld bezahlt.“ In Aiwangers Rechnung sorgt der Wolf nun dafür, dass die Jagdflächen weniger werden. „Wenn die Wölfe immer mehr werden, gibt es weniger Wild und die Jäger bezahlen kein Geld mehr für die Jagd.“

Aiwangers Prognose: „Dann wird der Staat die Zuständigkeit übernehmen und die Grundbesitzer ideologisch bevormunden. Die Grundbesitzer werden dann – Eigentum verpflichtet – für staatliche Wildtiermanager Gebühren bezahlen müssen.“ Es brauche eine Änderung des Jagdrechts, auch aus Gründen des Tourismus. „Wenn wir nicht aktiv den Wolf bejagen dürfen, ist in wenigen Jahren der Tourismus massiv gefährdet, weil die Landwirte keine Weidetiere mehr austreiben können und damit die Landschaft verbuscht und ihre Attraktivität verliert.“

Ampel gegen die Jagd auf Wölfe: Bundesregierung setzt auf Dialog „Weidetierhaltung und Wolf“

Anfang 2022 hatte in Oberbayern ein Wolf für Schlagzeilen gesorgt, der in Siedlungsnähe Schafe, Ziegen und Wildtiere gerissen oder verletzt hatte und danach von der Regierung von Oberbayern zum Abschuss freigegeben worden war. Sein Kadaver wurde schließlich in Tschechien gefunden.

Der Wolf gehört zu den streng geschützten Tierarten. Die Bundesregierung spricht sich gegen Bejagung aus, eine Merkur.de-Anfrage an das zuständige Landwirtschaftsministerium blieb zunächst unbeantwortet. Im Koalitionsvertrag heißt es: „Unser Ziel ist es, das Zusammenleben von Weidetieren, Mensch und Wolf so gut zu gestalten, dass trotz noch steigender Wolfspopulation möglichst wenige Konflikte auftreten.“ Dafür soll ein Dialog „Weidetierhaltung und Wolf“ eingerichtet werden. Gesprächsbedarf scheint in jedem Fall vorhanden. (as)

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