VonMaximilian Kettenbachschließen
Die Klimaaktivisten der „Letzten Generation“ spalten Deutschland und sind auch beim ZDF-Jahresrückblick von Markus Lanz Thema. Markus Söder lässt sich aus.
München – Temperaturrekorde, Waldbrände, Ernteausfälle – Europa glüht im Sommer und wird von Naturereignissen heimgesucht. Auch 2022 wieder. Strittig ist bei den allermeisten Verantwortlichen aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft längst nicht mehr, ob diese Katastrophen mit dem Klimawandel zusammenhängen. Intensiv wird nun darüber diskutiert, wie man das Thema Tag für Tag auf die Agenda bringen darf und sollte. Und hier scheiden sich die Geister.
„Letzte Generation“ eine „Klima-RAF“? Merz bezieht bei Lanz Stellung
Markus Lanz setzte den Klimawandel beim Jahresrückblick im ZDF groß auf die Agenda, befragte die Klimaaktivistin Carla Reemtsma und den Klimaforscher Mojib Latif nach den ernüchternden Ergebnissen des Weltklimagipfels im Herbst dazu. Beide sind sich einig: Die Häufung der Wetterereignisse und die Intensität dergleichen weisen klar auf die Klimakrise hin. Doch während Reemtsma die Methoden der „Letzten Generation“, die sich als „Klima-Kleber“ auf den Straßen zuletzt nicht nur einen Namen machten, sondern so auch die Wut vieler auf sich zogen, unterstützt, kann Latif dem nichts abgewinnen. Er hält diese Art des Protests für zu radikal und spaltend. Die eigentliche Debatte um den Klimaschutz gerate so aus dem Fokus.
Auch CSU-Chef Markus Söder war an dem Abend aus München zugeschaltet. Dass der ebenfalls über Leinwand anwesende CDU-Vorsitzende Friedrich Merz die Zuspitzung von CSU-Fraktionschef Alexander Dobrindt, Klima-Kleber als „Klima-RAF“ zu bezeichnen, legitim findet, ist für Lanz die perfekte Überleitung. Die Verharmlosung der Gewalt gegen Sachen führe immer auf Abwege und zu Gewalt gegen Personen, sagte Merz. Lanz gab das Statement direkt an Söder weiter. Und der brauchte nur wenige Sekunden für den ersten Schlag gegen die Klimaaktivisten.
Im ZDF-Jahresrückblick: Söder spottet und gibt „Klima-Klebern“ Ratschläge
„In Bayern haben wir ja normalerweise das Motto Leben und leben lassen. Nun würde ich auch sagen: Kleben und kleben lassen“, spottete er. „Wer sich heute bei dem Schneematsch irgendwo auf die Straße klebt, der ist ja selbst schuld.“ Tatsächlich sind die Witterungsbedingungen in Bayern aktuell ein Thema für Klima-Kleber. Zuletzt verfehlten die Kleber ihr Ziel. Die Hände klebten nicht wie gewohnt auf den Münchner Straßen, die Polizei hatte leichtes Spiel.
Er sei normalerweise liberal, erklärte Bayerns Ministerpräsident. Dazu muss man wissen, Bayern geht rigoros mit den Aktivisten um, steckt sie in Präventivhaft. Söder gibt sich nun beunruhigt, da Sicherheitsbehörden prüften, ob es sich bei den „Klebern“ um eine „kriminelle Vereinigung“ handle. „Dann ist das schon eine ernste Sache“, sagte er und gab den Aktivisten Ratschläge: „Ich würde diesen jungen Leuten, die was fürs Klima tun wollen, immer empfehlen, Bäume zu pflanzen, Wälder zu säubern und Moore zu renaturieren.“ Da gebe es so viele gute Dinge, die man tun könne, so Söder. „Aber zu glauben, dass man sich ankleben muss, um ein Neun-Euro-Ticket durchzusetzen, finde ich nicht überzeugend.“
Für die Aktivisten muss all das wie Hohn klingen. Viel Gegenwehr hatte Söder nicht mehr zu erwarten, Carla Reemtsma war da schon nicht mehr im Studio.
