VonYannick Hankeschließen
Verliert Wladimir Putin den Ukraine-Krieg, könnte ihm der Sturz drohen. Brisante Mails rücken „Putins Koch“ und Putins Bluthund in den Fokus von Kreml-Konflikten.
Moskau – Für manch einen Politik-Beobachter ist es wohl nur eine Frage der Zeit, bis es zum Sturz von Wladimir Putin kommt. Es häufen sich die Berichte, dass innerhalb der Regimes in Russland zunehmend am Kreml-Herrscher gezweifelt werden soll. Der von Putin begonnene Ukraine-Krieg könnte womöglich zu seinem Ende führen und in Putins Sturz münden.
Nicht abebben wollende Gerüchte, die durch den Leak von Mails eines russischen Geheimdienstagenten neues Futter erhalten. In diesen Mails soll der Whistleblower ein düsteres Bild von Russlands naher Zukunft zeichnen und zudem zwei enge Vertraute Putins in den Fokus rücken. Doch der Reihe nach.
Sturz von Wladimir Putin: Laut Whistleblower steht Russland vor „Chaos, Bürgerkrieg, Kollaps“
Die Mails des russischen Whistleblowers würden dem US-Nachrichtenmagazin NewsWeek vorliegen. Dem Vernehmen nach habe das Magazin die Mails erhalten, welche der Informant „Wind of Change“ an den im Exil lebenden Menschenrechtsaktivisten Wladimir Oseschkin schickt. Ein FSB-Experte, dem Inlandsgeheimnis Russlands, hätte die Echtheit der Mails bereits überprüft und bestätigt, heißt es.
Chaos, Bürgerkrieg, Kollaps – ja, das liegt alles noch vor uns. Es ist unvermeidlich.
Spielen die dort enthaltenen Informationen nun explizit auf einen möglichen Sturz von Wladimir Putin an? Nun, zunächst einmal heiße es in der letzten Mail des Whistleblowera, dass es bereits innere Unruhen sowie Konflikte im Kreml gebe. Der russische Geheimdienstagent würde einen „unvermeidlichen Bürgerkrieg“ prognostizieren und sehe Russland bald „in den Abgrund des Terrors hinabsteigen“. Schließlich würde die Bevölkerung Russlands des Ukraine-Krieges langsam überdrüssig werden.
Kein „einfacher Machtwechsel“ bei Sturz von Putin – Geheimdienstagent skizziert zwei Szenarien
Problem nur: Im Falle eines Sturzes von Wladimir Putin gebe es in Russland kein Modell für einen „einfachen Machtwechsel“, so beschreibt es der russische Geheimdienstagent. „Am Anfang können wir einen willkürlichen Aufruhr bekommen, nur mit Plünderungen und chaotischen Zuständen und Auseinandersetzungen zwischen allen“, heiße es in einer ersten Prognose von „Wind of Change“. Und alternativ?
„Oder es wird Kämpfe der Regionen um die Aufteilung der Ressourcen geben. Ein Gerangel verschiedener Kräfte um die Kontrolle über Teile des Landes“, laute die zweite Prognose des Whistleblowers. Im Fokus der Unruhen im Kreml würden ihm zufolge zwei Verbündete Putins stehen, die letztlich auch zum Putin-Sturz beitragen könnten. Die Rede ist zum einen von Jewgeni Prigoschin, „Putins Koch“ und Gründer der russischen Söldnergruppe „Wagner“. Und zum anderen von Ramsan Kadyrow, der mitunter auch zahme Bluthund Putins und Chef der russischen Teilrepublik Tschetschenien.
Gerüchte um Sturz: „Putins Koch“ und Bluthund als größte Gefahr für den Kreml-Herrscher?
Schon das Institute for the Study of War (ISW) hatte zuvor analysiert, dass Prigoschin und Kadyrow versucht hätten, ihre Macht weiter auszubauen und somit unter Umständen den Sturz von Wladimir Putin zu forcieren? Zumindest wäre es für den Kreml nach Informationen des Whistleblowers schwer, Prigoschin kleinzuhalten, wenn er eine Bedrohung für Putins Herrschaft darstellen sollte.
Beide hatten im Verlauf des Ukraine-Kriegs immer wieder Kritik an der Kriegsführung von Wldimir Putin geübt. Laut des Whistleblowers „Wind of Change“ würde das bereits darauf hindeuten, dass Risse im Kreml entstehen könnten. Zudem sei sich der russische Geheimdienst sicher, dass Kadyrow und Prigoschin eine Reihe von Provokationen starten werden, die den Geheimdienst diskreditieren und dessen „Unfähigkeit, die Situation im Land zu kontrollieren“, unter Beweis stellen sollen.
Nach Sturz von Putin könnten sich Jewgeni Prigoschin und Ramsan Kadyrow in Stellung bringen
Laut „Wind of Change“ wüssten „Putins Koch“ und der Bluthund des Kreml-Herrschers, dass nun ihre Zeit gekommen ist, um sich zu profilieren. „Beide sind sich darüber im Klaren, dass sie für Putin nicht mehr notwendig sind, wenn sie aufhören zu kämpfen und einen Dialog beginnen“, heißt es in diesem Kontext. Eine Rückkehr in die jeweils alte Rolle? Das würden weder Prigoschin noch Kadyrow akzeptieren.
Der Ausbau der eigenen Macht, während Putin zunehmend geschwächt und möglicherweise gar gestürzt wird – das könnte bereits die nähere Zukunft zeigen. Ein Osteuropa-Historiker prognostizierte zumindest bereits, dass sich das russische Regime in der „Endphase“ befinden würde. Aber ob nach Putin wirklich ein „Wind der Veränderung“ durch das einstige Zaren-Reich wehen würde?
Rubriklistenbild: © Bai Xueqi/dpa/imago/Montage

