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Kfz-Steuer sparen mit H-Kennzeichen: Welche Modelle 2024 zum Oldtimer werden

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Der Autojahrgang 1994 stand vor allem für den Aufbruch in eine Zeit vielfältiger Karosseriekonzepte. Fahrzeuge von damals werden 2024 nun zu Oldtimern.

Nie waren sie beliebter als heute: Vielleicht, weil Oldtimer Zeitkapseln sind, die das Lebensgefühl vergangener Dekaden beschwören – damals als vermeintlich alles besser war: Das Kraftfahrt-Bundesamt verzeichnete 2023 erstmals über 700.000 Pkw, die vor mindestens 30 Jahren zugelassen wurden und damit auch die kritische Altersgrenze zur Beantragung des begehrten Historienkennzeichens erfüllen. Tatsächlich erklärt das H-Kennzeichen Klassiker zu technischem Kulturgut, das einige Privilegien genießt – allerdings muss zuvor ein Gutachten einen weitgehend originalen und guten Erhaltungszustand des alten Autos bescheinigen.

Autos von 1994 werden Oldtimer – darunter auch das Opel Tigra Coupé

Wer sich 2024 einen jungen Oldtimer zulegen will, hat eine große Auswahl: Begann doch vor 30 Jahren eine Ära besonders vielfältiger Karosseriekonzepte. Neben Cabriolets – die übrigens fast 30 Prozent aller Oldtimer auf deutschen Straßen ausmachen – sorgten frühe Crossover-Typen wie der Toyota RAV4 Funcruiser und Familienvans japanischer und europäischer Hersteller für Furore. Legendär sind etwa die Eurovans von Citroën (Evasion), Fiat (Ulysse), Lancia (Zeta) und Peugeot (806) als Kooperationsprojekt wie im heutigen Stellantis-Konzern, aber auch Herausforderer des 1995 folgenden Van-Trios von VW (Sharan), Seat (Alhambra) und Ford (Galaxy). In der Mittelklasse konkurrierten Renault Laguna und Audi A4 (B5) in rundlichen Bio-Formen und in der kleinen Klasse garantierten das Opel Tigra Coupé und der erste BMW 3er Compact (E36) Coolness.

Debüttierte ebenfalls im Jahr 1994: Das Opel Tigra Coupé.

Sportgeschichte: 1994 wird Michael Schumacher erster deutscher Formel-1-Weltmeister

Tempo lag 1994 im Trend, wie die neuen Ferrari-Modelle F355 und F512 M und das zügig ausgebaute Portfolio der erfolgreichen Porsche 911 (993) oder das erste BMW M3 Cabrio sowie der Volvo 850 T-5R als bis dahin schnellster Schwede andeuteten. Andererseits ereignete sich im Motorsport damals eines der tragischsten Formel-1-Wochenenden. Beim Qualifying zum Imola Grand-Prix verunglückte Roland Ratzenberger tödlich und im Rennen am Sonntag starb der dreifache Weltmeister Ayrton Senna. Die Fans des brasilianischen Formel-1-Titanen trugen noch Trauer, als am Ende der Saison 1994 Michael Schumacher als erster deutscher Formel-1-Weltmeister Sportgeschichte schrieb, dies in einem Benetton-Ford.

Sport und Ford, dafür stand auch der technisch nachgeschärfte Escort RS Cosworth. Ansonsten sorgte der Kölner Volumenhersteller vor 30 Jahren für Verwunderung, als der finale Scorpio in schwülstig rundlicher Form mit Glupschaugen und Fischmaul gegen den ebenfalls neuen Opel Omega (B) antrat. Was noch keiner ahnte: Obwohl in diesem Duell Sieger nach Verkaufszahlen, gab der Omega ebenfalls seinen Abschied. Dagegen bewarb Lancia seine klar gezeichnete Kappa-Limousine als „Granturismo in Vollendung“, letztlich überzeugte aber auch dieser Businessliner zu wenige Käufer.

Rundlich und etwas schwülstig präsentierte sich 1994 der Ford Scorpio.

Volvo 960: Sechszylinder-Limousine wird 1994 technisch aufgefrischt

Europa wuchs 1994 dichter zusammen: Der Eurotunnel zwischen Calais in Frankreich und Folkestone in England wurde eröffnet, Ungarn stellte den Antrag auf Beitritt zur EU, und in Österreich und Schweden entschieden sich die Menschen via Volksabstimmung für den EU-Beitritt. Mit der technisch aufgefrischten Sechszylinder-Limousine Volvo 960 (Werbeslogan: „Er verrät nicht alles auf den ersten Blick“), die auch das schwedische Königshaus nutzte, nahm der Göteborger Autobauer europaweit einen neuen Anlauf im Rennen um die Parkplätze vor politischen Machtzentralen und Konzern-Palästen. Dort allerdings dominierten weiterhin nationale Prestigesymbole sowie V8 und V12 süddeutscher oder britischer Provenienz. „Den Weltklasse-Standard für Luxuslimousinen neu definieren“, wollten Jaguar und Daimler mit XJ-Serie und Double Six, das gelang ihnen jedoch lediglich im Umfeld von Downing Street 10, dort wo der proeuropäisch eingestellte Premier John Major regierte.

Die zehn seltensten Autos der Welt – und was sie kosten

Das wertvollste Auto der Welt: Mercedes-Benz 300 SLR Uhlenhaut Coupé.
Uhlenhaut-Coupé: Teurer als der Mercedes 300 SLR Coupé, benannt nach dem Ingenieur und Daimler-Benz-Vorstand Rudolf Uhlenhaut, ist kein anderes Auto auf der Welt. Es erzielte bei einer Versteigerung 135 Millionen Euro. Ein weiteres Exemplar des für Autorennen konzipierten, aber nie eingesetzten 302-PS-Wagens von 1955 steht (ohne Motor) im Stuttgarter Mercedes-Museum. © Mercedes-Benz AG – Communicati
Ferrari 250 GTO
Ferrari 250 GTO: Gerade mal 39 dieser Rennwagen wurden von 1962 bis 1964 produziert. Damals kostete das Coupe mit 301 PS starkem V12-Motor 18.000 US-Dollar – vor einigen Jahren erzielte ein von Stirling Moss pilotiertes Exemplar bei einer Auktion über 38 Millionen Dollar. Ein anderer Wagen soll sogar für 70 Millionen Dollar privat verkauft worden sein. © Simon West/Imago
Aston Martin DB4 GT Zagato
Aston Martin DB4 GT Zagato: 20 Exemplare der leichteren und verbesserten Version des normalen DB4 wurden Anfang produzierte Aston Martin Anfang der 60er-Jahre. Eines der 314 PS starken Coupés mit viel Alu-Teilen wurde vor Kurzem für 14,3 Millionen Dollar versteigert. © Ingo Wagner
Mercedes 300 SL Flügeltürer
Mercedes 300 SL Flügeltürer: 1.400 Coupés und 1.858 Roadster baute Mercedes von 1954 bis 1963 – die frühere, geschlossene Version mit den charakteristischen, nach oben schwingenden Türen ist also die rarere und auch höher gehandelte. Der bisherige Auktions-Höchstpreis des bis zu 240 PS starken Sechszylinder-Sportlers liegt bei 4,62 Millionen Dollar. © Oscar Gonzalez/Imago
Lamborghini Veneno
Lamborghini Veneno: Der (wie bei der VW-Tochter üblich) nach einem Kampfstier benannte Extremsportler wurde ab 2013 nur fünf mal gebaut. Die Leistung des V12-Motors ist mit 740 PS gar nicht mal besonders spektakulär, trotzdem fand der Roadster für die aufgerufenen 4,5 Millionen Dollar problemlos seine Käufer. © Lamborghini
Maybach Exelero
Maybach Exelero: 2005 war so einiges anders. Die Mercedes-Benz Group hieß noch DaimlerChrysler, Maybach agierte als eigenständige Marke – und baute für den Reifenhersteller Fulda diese Version der Luxus-Limousine mit 700 PS starkem V12-Motor. Gerüchten zufolge kaufte ein US-Rapper das Einzelstück, das immer mal in TV-Serien und Musik-Videos zu sehen war, für acht Millionen US-Dollar. © Mercedes-Benz
Jaguar XKSS
Jaguar XKSS: Nur 16 Exemplare dieses 237 PS leistenden Roadsters bauten die Briten 1956 und 1957. Hollywood-Star Steve McQueen erstand einen für vergleichsweise lächerliche 5.000 Dollar, der Wert dieses speziellen Exemplars wird heute auf 30 Millionen Dollar geschätzt. Schnäppchenjäger können den „Jag“ aber schon für 1,5 Millionen schießen. © Daniel Prest/Imago
Ferrari Testa Rossa
Ferrari 250 Testa Rossa: Der Rennwagen wurde 1957 bis 1961 in verschiedenen Varianten und mit bis zu 390 PS 34 mal gebaut. Der mittlerweile legendäre Name steht für die roten Zylinderköpfe. Das bislang teuerste Exemplar wurde für 39,8 Millionen US-Dollar versteigert. © epa ansa Benvenuti/Ho
BMW 507
BMW 507: Der ikonische Roadster von Designer Albrecht Graf von Goertz wurde 1956 bis 1959 nur 252 mal gefertigt. Mit 150 PS war er seinem direkten Konkurrenten, dem offenen Mercedes SL 300, zwar leistungsmäßig unterlegen, US-Stars wie Elvis Presley griffen trotzdem zu – sein Exemplar ist heute wieder in BMW-Besitz. Der Marktwert für gut gepflegte 507 liegt bei etwa zwei Millionen Dollar. © Imago
W Motors Lykan HyperSport
W Motors Lykan HyperSport: Der durch den Film „Furious 7“ bekannte, 792 PS starke Supersportler ist das einzige nicht europäische Auto dieser Liste – er stammt nämlich aus dem Libanon. Seit 2012 wurde er sieben mal gebaut, im Preis von 3,4 Millionen Dollar sind 420 Diamanten an den Scheinwerfern inbegriffen. © Ali Haider

Der XL-Benz soll graziler wirken: S-Klasse bekommt 1994 ein Facelift

Hierzulande blieb Helmut Kohl bei der zweiten Bundestagswahl nach der deutschen Wiedervereinigung Kanzler einer CDU/CSU-FDP-Koalition – und seiner Mercedes S-Klasse (W 140) treu. Das mediale Geschrei, ob die Baureihe W 140 auf den Autozug nach Sylt passe oder ob die von Bruno Sacco in klassisch-klaren, aber kolossal wirkenden Konturen gezeichnete Karosse wirklich nur mit Hilfe ausfahrbarer Peilstäbe am Heck in Parklücken zu manövrieren sei, interessierte Helmut Kohl ebenso wenig wie die anderen treuen S-Klasse-Kunden: Der XL-Benz blieb globaler Marktführer im Luxussegment. Allein die Mercedes-Entwickler muss die Kritik getroffen haben, wie sich beim großen Facelift 1994 zeigte, zielte es doch darauf ab, das Flaggschiff etwas graziler wirken zu lassen. Damit konterte die Marke mit dem Stern zugleich den Lexus LS zweiter Generation, vor allem aber die dritte Auflage des BMW 7ers (E38).

Hightech trifft Eleganz: Der neue BMW 7er (E38) war einer der Stars des Autojahres 1994.

Eleganz trifft Hightech: BMW bringt den neuen 7er (E38) an den Start

Für Kenner verbindet das BMW-Flaggschiff Eleganz mit Hightech (erste europäische Limousine mit integriertem Navi). Stichwort Hightech: Mit dem A8 verankerte sich 1994 auch Audi endgültig in der Luxusklasse. Der bis zu 5,16 Meter lange, aber schlank gezeichnete A8 – Nachfolger des glücklosen V8 – brillierte als erste Oberklasselimousine mit leichtgewichtiger Aluminiumkarosserie sowie Allradantrieb, vor allem aber als erste moderne Staatskarosse im Zeichen der Ringe. Gerhard Schröder, ab 1998 Kanzler der ersten rot-grünen Koalition auf Bundesebene, setzte mit dem Audi A8 einen Kontrapunkt zur bis dahin omnipräsenten S-Klasse. Und auch Angela Merkel nutzte später einen A8.

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Volumenmodelle 1994: Das waren die Trendsetter

Aber welche Volumenmodelle waren die Trendsetter des Jahres 1994? Allen voran Kleinwagen wie der VW Polo, der in dritter Generation größer wurde als ein Golf I. Aber auch der Skoda Felicia reüssierte, dies als erste tschechische Entwicklung nach dem Einstieg des VW-Konzerns. Der Hyundai Accent überraschte als erster kompakter Exportbestseller „Made in Korea“ und der Mazda 323 F als kleiner Fünftürer in Coupéform. Auch beim Allradantrieb fuhr Nippon weiterhin vorn: der erneuerte Subaru Legacy war auf dem Weg zum meistgebauten 4x4-Pkw aller Zeiten, der frische Toyota Celica Turbo 4WD triumphierte als unschlagbarer Rallye-Weltmeister, und die Geländewagen-Verkaufscharts wurden ohnehin von Suzuki, Nissan & Co dominiert.

Cabrios lagen 1994 im Trend – auch im Kleinwagensegement wie etwa der Fiat Punto.

Emotionen weckte Alfa Romeo, denn die Marke verstand es auch unter Fiat-Regie, unverwechselbare Modelle mit sportiver Note zu präsentieren. Etwa die von Ermanno Cressoni gezeichneten, kompakten Typen Alfa 145 und 146 oder die bei Pininfarina entworfenen Parallelmodelle GTV und Spider. Apropos Cabrios: Die Sommerhits 1994 wie „Cotton Eye Joe“ von Rednex oder „Without You“ von Mariah Carey klangen häufig aus neuen viersitzigen Verdeckträgern: vom winzigen Fiat Punto über den Peugeot 306 als vorerst letztes von Pininfarina in Italien gebautes Cabrio bis zum klassischen Mercedes E200 (W 124). Nicht zu vergessen das neu aufgelegte Saab 900 Cabrio, das bis heute in TV-Filmen und Werbespots automobile Hauptrollen besetzt. Ein buntes Portfolio aus insgesamt über 80 potenziellen „H“-Anwärtern, die eines eint: Die neuen Oldtimer verkörpern faszinierende Zeitgeschichte. (Wolfram Nickel/SP-X)

Rubriklistenbild: © Fiat

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