Kinderwunsch und Schwangerschaft

Frauen mit 40 sind genauso fruchtbar wie Jüngere, wie Expertin für Familienplanung erklärt

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Ab Ende 30 ist es schwierig, schwanger zu werden. Das hört man immer wieder. Doch ist es wirklich so? Grund zur Hoffnung geben Studien und Experten.

Laut Statistischem Bundesamt liegt das Durchschnittsalter der Frauen in Deutschland, die den ersten oder weiteren Nachwuchs bekommen, heute bei Anfang oder Mitte 30, je nach Bundesland. Vor zehn Jahren wurden Frauen im Durchschnitt mit 28,8 Jahren schwanger. „Das Erstgeburtsalter steigt kontinuierlich. Das ist ein eindeutiger Trend, der sich immer dynamischer entwickelt. Kinderwunsch wird oft erst dann angegangen, wenn beide beruflich Fuß gefasst haben.“, wie das Ärzteblatt den Forschungsdirektor des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB), Dr. Martin Bujard, zitiert.

Studie: Fruchtbarkeit der 40-Jährigen nur minimal niedriger als von unter 35-Jährigen

Frauen mit Anfang 40 können grundsätzlich genauso wie Jüngere noch schwanger werden. (Symbolbild)

Schwangerschaft ist für viele Frauen mit zunehmendem Alter ein schwieriges Thema. Hat sich eine Frau bewusst dafür entschieden, ab 30 die Familienplanung anzugehen, so wird allgemein vermittelt, dass es doch mit zunehmendem Alter schwieriger wäre, schwanger zu werden. Manche Wissenschaftler beziehen sich dabei auf Statistiken und Thesen wie „Die Fruchtbarkeit und die Fähigkeit, ein Kind zu gebären, nimmt mit dem Alter der Frau deutlich ab.“ aus einer Studie des Human Reproduction Update (2005). Dabei basieren die ursprünglichen Daten auf französischen Geburtsstatistiken aus den Jahren 1670 bis 1830.

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Mental Load, Stress, Schlafmangel, Einsamkeit: Dinge, die sich Eltern mit Kind anders vorgestellt haben

Mutter liegt mit Baby in der Wiese
Die Elternzeit wird schön, endlich Freizeit, wie Urlaub, abschalten und die Zeit mit dem Baby genießen, viel spazieren gehen, die angefangenen Bücher fertig lesen, neue Kochrezepte ausprobieren. Was sich gerade Mütter während der ersten Schwangerschaft ausmalen, entspricht in vielen Fällen nicht dem, wie es dann wird. Manche Mütter und Väter fühlen sich vom neuen Lebensabschnitt überrollt und trotz aller Vorbereitungen doch nicht genug vorbereitet. (Symbolbild) © Kzenon/Imago
Frau enttäuscht am Telefon
So sehr sich viele Mütter über den positiven Schwangerschaftstest und den Nachwuchs freuen, umso herausfordernder kann dann die Organisation rund um die Geburt werden. Je nachdem, in welcher Stadt sie leben, wird Eltern geraten, sich frühzeitig um einen Platz zur Entbindung in einer Klinik zu bemühen. 24vita.de sprach mit einer Mutter, die bereits in der 6. Woche der Frühschwangerschaft von Kliniken am Telefon abgewiesen wurde, weil sie zum errechneten Entbindungstermin keinen Platz ermöglichen konnten. „Das habe ich wirklich nicht erwartet“, berichtete die Mutter. (Symbolbild) © AntonioGuillem/Imago
Zwei Frauen mit Baby am Wickeltisch.
Ein für viele Mütter besonders frustrierender Umstand ist der Mangel an Hebammen in Deutschland, insbesondere zur Nachsorge. Ein Umstand, den sich so manche Eltern wohl anders vorgestellt haben. Die Hebamme kommt nach der Geburt zu den Müttern nach Hause – anfangs täglich, später wöchentlich – sieht nach dem Baby und ist auch wertvolle Ansprechpartnerin für die Mutter. Eltern brauchen speziell am Anfang Unterstützung und Kraft, um ihre nötige Kompetenz entwickeln zu können. Gerade nach der Geburt fühlen sich viele Mütter körperlich und mental erschöpft. Die Hebamme kontrolliert in der Nachsorge zudem die Rückbildung der Gebärmutter bei der betreffenden Mutter, den Wochenfluss sowie die Wundheilung von Riss- oder Operationswunden bei Dammriss oder -schnitt sowie Kaiserschnitt. Außerdem zeigt die Hebamme ihnen erste Übungen der Rückbildungsgymnastik. (Symbolbild) © Mareen Fischinger/Imago
Mutter sitzt erschöpft vor Babybett
Ein Baby bedeutet das pure Glück – so denken und hoffen es die meisten Eltern. Doch nicht immer stellt sich nach der Geburt das Gefühl von Glück und unendlicher Liebe ein. Bei etwa 710.000 Geburten pro Jahr in Deutschland zeigen über 70.000 Frauen und mit ihnen auch Männer pro Jahr Symptome einer postpartalen Depression. (Symbolbild) © Highwaystarz/LOOP IMAGES/Imago
Vater und Sohn schlafen im Sitzen
„Schlaf immer dann, wenn das Baby schläft.“ Ein gut gemeinter Rat von anderen Eltern, der nach der Geburt eine besondere Bedeutung einnehmen wird. Denn den schwierigen Umstand der veränderten Schlafqualität mit Schlafmangel haben sich viele Eltern definitiv anders vorgestellt. Nicht selten fühlen sich die übermüdeten Mütter und Väter dann über den ganzen Tag schläfrig-benommen, leiden unter Konzentrationsschwierigkeiten, Stimmungsschwankungen und sind stark reizbar. (Symbolbild) © Tanya Yatsenko/Imago
Mutter mit Baby erinnert sich
Zu dem neuen Leben mit Baby kommen auch jede Menge Aufgaben auf Mütter und Vater zu, angefangen vom neuen Tagesablauf, den oftmals kurzen Nächten, über das Stillen des Babys und Fläschchen geben bis hin zu Nachsorge- und Vorsorgeterminen. Gerade Mütter berichten, das Gefühl zu haben, an vieles denken zu müssen und machen dabei häufig die Erfahrung – auch wenn das Kind schon älter ist sowie, wenn Geschwister dazu kommen – Termine, Verabredungen oder Aufgaben zu vergessen. (Symbolbild) © Highwaystarz/LOOP IMAGES/Imago
Frau sortiert Wäsche in Waschmaschine
Mit dem Nachwuchs wird die Arbeit im Haushalt nicht weniger, ganz im Gegenteil. „Ich hätte es nie für möglich gehalten, so viel Wäsche pro Woche zu waschen“, erzählt eine Mutter 24vita.de im Gespräch. Mit dem Baby in der Familie fehlt es dann schlicht und ergreifend häufig an Zeit und vielen Eltern auch an Energie, Aufgaben zu erledigen, selbst wenn Eltern das Kind einbinden oder sich zur Erholung zum schlafenden Baby dazu legen. (Symbolbild) © YAY Images/Imago
Frau in der Dusche
Eine ausgiebige Dusche oder ein schönes, warmes Bad. Was für Menschen ohne Kinder meist selbstverständlich ist, muss von Eltern mit Baby nicht selten zeitlich eingeplant werden. „Ich habe anfangs immer nur ganz schnell duschen können, weil unser Kleiner nicht gerne abgelegt werden wollte und dann viel weinte“, beschreibt eine Mutter im Gespräch mit 24vita.de. Zwar mag es für die einen absurd klingen, doch ist dieser Umstand für so manche Mutter oder manchen Vater nach der Geburt des Babys blanke Realität, die vorher nicht in ihrer Vorstellung vorkam. (Symbolbild) © Ihar Ulashchyk/Imago
Mutter wiegt Baby im Arm
Über neun Monate warten Eltern darauf, ihr Baby in den Armen halten zu können. „Jeden Tag war das für mich ein besonderer Moment, wenn ich unser kleines Baby im Arm hielt, sie wiegte, an ihr roch“, so die Mutter einer jetzt 4-Jährigen. Die meisten Eltern freuen sich auf ihre Elternzeit mit Kind, doch es gibt auch die Mütter und Väter, die sich in dieser ersten Zeit mit Kind dennoch alleine fühlen, da ihnen beispielsweise die Ansprache mit anderen fehlt. (Symbolbild) © Monkey Business 2/Imago
Eltern mit kleinem Baby
Mit der Geburt des Babys werden aus zwei Menschen eine Familie. Wo sich vorher die Frau und der Mann voll auf ihre Partnerschaft konzentrieren konnten, stehen nun in der Regel vorrangig die Bedürfnisse des Nachwuchses im Zentrum der Aufmerksamkeit. Ein Baby verändert zwar eine Partnerschaft, kann sie aber auch bereichern. Mutter und Vater ist eine Rolle im Leben, in die Eltern zunächst hineinwachsen müssen, die auch mit Tücken, Hindernissen und verschiedenen Gefühlen verbunden ist, auch wenn es in der eigenen Vorstellung einfacher schien. (Symbolbild)  © Cavan Images/Imago

Eine andere Studie des Statistikers David B. Dunson in Obestrics & Gynecology aus dem Jahr 2004 zeigte bereits wesentlich positivere Resultate: Nach einem Jahr waren 78 Prozent der 35- bis 40-Jährigen Teilnehmerinnen schwanger. Bei den 20- bis 34-Jährigen waren es 84 Prozent, also lediglich sechs Prozent mehr. Somit scheint das Alter der Frau als alleinigen Richtwert zu betrachten, wenig sinnvoll zu sein. Insgesamt nahmen 770 Frauen an der Studie teil.

Frauen mit 40 genauso fruchtbar wie Jüngere, laut Expertin

Mittlerweile gibt es einige Mediziner, Ärzte und Experten, die sich mit dem Thema Kinderwunsch ab 35 sehr differenziert beschäftigen, verschiedene Parameter wie Lifestyle und Ernährung einbeziehen sowie Frauen ganzheitlich beraten und betreuen.

Wie Melissa Schemionek, Coach zum Thema Familienplanung, die mit Frauen und Paaren hinsichtlich Kinderwunsch und Schwangerwerden zusammenarbeitet. Frauen kämen immer wieder mit der gleichen Frage und Sorge auf sie zu: „Bin ich vielleicht schon zu alt für meinen Kinderwunsch, hat mein Alter einen zu großen Einfluss?“ Schemioneks Antwort darauf ist ganz deutlich: „Ja, Frauen können auch über 35 und über 40 noch schwanger werden. Es braucht nur eine Eizelle, die eine gute Qualität hat, um schwanger zu werden. Das Gute ist, dass sie heutzutage die Eizellqualität beeinflussen können“, erläutert die Expertin zum Thema Kinderwunsch. Es gibt praktische Fragen beziehungsweise Antworten, die betroffene Frauen näher betrachten können, um das Thema Schwangerwerden einerseits etwas differenzierter und andererseits mit weniger Druck angehen zu können.

Schwangerwerden mit 40: Fruchtbarkeit ist beeinflussbar

Drei Gesichtspunkte und Fragen, mit denen sich Frauen bei einem Schwangerschaftswunsch beschäftigen sollten:

  • „Wann ist meine Mutter in die Wechseljahre (Menopause) gekommen?“ – Das kann ein Richtwert für die jeweilige Frau sein. Ist beispielsweise ihre Mutter erst mit 50 oder über 50 in die Wechseljahre gekommen, so ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass dies auch bei der Tochter passiert. Dieses Wissen kann Frauen mit Kinderwunsch möglicherweise etwas beruhigen.
  • „Was ist, wenn mein Anti-Müller-Hormon (AMH) niedrig ist?“ – Der AMH-Wert sagt grundsätzlich aus, wie viele Eizellen zukünftig noch zur Verfügung stehen, um schwanger werden zu können. Er sagt jedoch nichts darüber aus, wie hoch die Chancen aktuell liegen, im nächsten Zyklus schwanger zu werden. Diese Chance kann erstmal genauso hoch sein wie bei einer Frau mit einem höheren AMH-Wert. Zudem gibt es weitere Behandlungsmethoden, die zum gewünschten Nachwuchs verhelfen.
  • „Kann ich noch was an meiner Ernährung und meinem Lifestyle ändern?“ – Das Thema Lifestyle und Ernährung, beispielsweise Folsäure schon vor der Schwangerschaft einnehmen, ist wichtiger als vielleicht vermutet. Die Darmgesundheit kann ebenfalls Einfluss auf die Eizellenqualität haben. (Crash-)Diäten sind nicht unbedingt förderlich, sie fördern nicht nur Gallensteine, sondern könnten auch den Hormonhaushalt negativ beeinflussen. Sinnvoll wäre es auch, allen voran die Schilddrüsenwerte und Leberwerte in Augenschein zu nehmen.

Anmerkung der Redaktion: Dieser Text ist bereits in der Vergangenheit erschienen. Er hat viele Leserinnen und Leser besonders interessiert. Deshalb bieten wir ihn erneut an.

Schwangerwerden: Frauen und Männer sind angesprochen

Wichtig für das Schwangerwerden ist es, nicht nur die Frauen und ihre Bedürfnisse zu betrachten. Auch der Mann kann vieles dazu beitragen, um den Nachwuchs im wahrsten Sinne zu zeugen. Neben dem Augenmerk auf gesunde Ernährung und Lebensgewohnheiten ist es sinnvoll, die Spermienqualität anhand eines Spermiogramms zu betrachten. Es gibt Auskunft über Anzahl, Form und Beweglichkeit der Spermien im Sperma (Ejakulat).

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unserer Redaktion nicht beantwortet werden.

Rubriklistenbild: © Cavan Images/Imago

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