VonStella Henrichschließen
Öko-Test hat mittelscharfen Senf unter die Lupe genommen und 23 Sorten bewertet. Die Produkte von Aldi und Kaufland überzeugten die Prüfer. Eine Bio-Marke hingegen fiel komplett durch.
Kassel – Senf ist für viele ein unverzichtbares Gewürzmittel, nicht nur in der Grillsaison. Denn immerhin aß jeder Deutsche im Jahr 2022 rund 800 Gramm Senf laut des Lebensmittelverbandes Kulinaria. Im Nachbarland Österreich lag der Verbrauch sogar etwas höher. Hier betrug der Pro-Kopf-Verbrauch 2021 rund ein Kilogramm. (Bericht Land schafft Leben von 2021). Bei diesen Mengen darf daher davon ausgegangen werden, das die gelbe Paste nicht nur während der Grillsaison auf die Teller der Konsumentinnen und Konsumenten kommt.
Doch welche Inhaltsstoffe verbergen sich hinter diesem Würzmittel, das bei Verbrauchenden offenbar so beliebt ist? Dieses Interesse trieb die Experten von Öko-Test an, die Produkte aus Discountern, Supermärkten und Bio-Läden jetzt genauer unter die Lupe zu nehmen. Die Auswahl umfasste 23 verschiedene Sorten, die in Gläsern und Kunststoffbehältern angeboten wurden, wobei Tubensenf außer Acht gelassen wurde. Die Preisspanne erstreckte sich dabei von 0,45 bis 3,44 Euro pro 250 Gramm.
23 Senf-Sorten im Öko-Test: Das sind die acht Test-Sieger – darunter Eigenmarken von Aldi und Kaufland
Die 23 Produkte, darunter auch acht Bio-Sorten, wurden im Labor hinsichtlich ihres Geruchs, Geschmacks, ihrer Sensorik, Konsistenz und ihres Aussehens untersucht. Besonderes Augenmerk lag dabei auf potenziell bedenklichen oder umstrittenen Inhaltsstoffen wie Bisphenol A bzw. Bisphenol F, Erucasäure und Glyphosat. Auch die Verpackung spielte eine Rolle bei der Bewertung.
Zusätzlich ließen die Tester die salz- und fettfreie Trockenmasse bestimmen, was im Labor als ein wichtiger Parameter zur Beurteilung der Qualität des Senfs diente. Des Weiteren wurde eine Prüfung auf mögliche Keime durchgeführt, deren Ergebnis laut Bericht als „unauffällig“ beschrieben wurde.
Öko-Test kürt acht Senf-Sieger mit der Gesamtbewertung „sehr gut“:
- Byodo Mittelscharfer Senf von Byodo
- Campo Verde Feiner Senf Mittelscharf, Demeter (Bio-Senf)
- Delikato Delikatess Senf Mittelscharf von Aldi Süd
- Händlmaier Mittelscharfer Senf von Luise Händlmaier
- K-Classic Delikatess Senf Mittelscharf von Kaufland
- Kühne Mittelscharfer Senf fein würzig von Karl Kühne
- Löwensenf Bio Mittelscharf mild von Löwensenf
- Münchner Kindl Mittelscharfer Senf, Bioland von Münchner Kind‘l
Quelle: Öko-Test Heft Mai 2024
Unter den getesteten Senfsorten erhielten acht Artikel die Bewertung „gut“, drei wurden als „befriedigend“ eingestuft, und zwei erhielten immerhin ein „ausreichend“. Eine Marke schnitt jedoch komplett mit „mangelhaft“ ab: der Bio-Senf von Alnatura, genauer gesagt der Alnatura Mittelscharfe Senf. Dieses Produkt wies sowohl erhöhte Konzentrationen von Bisphenol F (BPF) als auch Erucasäure auf, was zu der negativen Bewertung durch die Testenden führte. Diese Ergebnisse sind besonders bedeutsam, da Stiftung Warentest jüngst erst vor Bisphenol A (BPA) in Konservendosen gewarnt hatte.
Öko-Test nimmt 23 Senf-Sorten unter die Lupe: Alnatura nimmt Stellung zu miserablem Ergebnis
Auf eine Anfrage bei Alnatura von IPPEN.MEDIA zu dem Öko-Test-Urteil verweist eine Unternehmenssprecherin auf die Seite „Aktuelle Neuigkeiten“. Darauf heißt es: „Das Produkt Alnatura Mittelscharfer Senf erhielt die Note „mangelhaft“.“ Zu einer Abwertung führten ein von Öko-Test als erhöht eingestufter Gehalt an Erucasäure und als stark erhöht bewertete Spuren von Bisphenol F. „Der von Öko-Test ermittelte Gehalt an Erucasäure liegt in einem typischen Bereich. Die strengen gesetzlichen Höchstgehalte für Erucasäure hat der Alnatura Mittelscharfe Senf deutlich unterschritten.“
Dennoch nehmen wir das Ergebnis sehr ernst und verfolgen gemeinsam mit unserem Herstellerpartner weiterhin aktuelle Entwicklungen. Neue Erkenntnisse fließen in die Qualitätssicherungsmaßnahmen mit ein, mit dem Ziel, diesen Stoff im Produkt zu vermeiden.
Ebenso liege der Stoff Bisphenol F innerhalb des typischen Schwankungsbereichs für einen mittelscharfen Senf. Derzeit seien keine Möglichkeiten bekannt, die Entstehung von BPF zu verhindern. „Dennoch nehmen wir das Ergebnis sehr ernst und verfolgen gemeinsam mit unserem Herstellerpartner weiterhin aktuelle Entwicklungen. Neue Erkenntnisse fließen in die Qualitätssicherungsmaßnahmen mit ein, mit dem Ziel, diesen Stoff im Produkt zu vermeiden.“
BPF und BPA - Gefahr für den Menschen?
Bisphenol F (BPF) ähnelt der weit verbreiteten Massenchemikalie Bisphenol A (BPA). Die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) hat festgestellt, dass Bisphenol F (BPF) die Kriterien für eine hormonelle Wirkung in der Umwelt erfüllt, insbesondere aufgrund von Studien an Fischen, wie das Umweltbundesamt berichtet. Es besteht der Verdacht, dass BPA nicht nur hormonschädlich ist, sondern auch das menschliche Immunsystem beeinträchtigen könnte. Allerdings fehlen laut ECHA noch wichtige Daten, um die Auswirkungen von BPF auf die menschliche Gesundheit vollständig einschätzen zu können. Das Bundesamt für Risikobewertung geht davon aus, dass BPF während des Herstellungsprozesses der Senfsaat entsteht, bewertet jedoch das Gesundheitsrisiko für den Menschen im Zusammenhang mit Senf als unwahrscheinlich.
Öko-Test untersucht mittelscharfen Senf im Labor: Erucasäure schwächt den Herzmuskel
Des Weiteren wurden alle Senfsorten auf ihren Gehalt an Erucasäure untersucht. Bei Erucasäure handelt es sich laut BfR um einen natürlichen Bestandteil von Pflanzensamen, die in Raps und Senfkörner vorkommt. Hohe Gehalte von Erucasäure in Lebensmitteln könnten die Gesundheit beeinträchtigen, so das Institut, und den Herzmuskel schwächen. Einige Senfprodukte wiesen erhöhte Erucasäurewerte auf, stellte Öko-Test nun im Labor fest. Darunter Bautz‘ner Senf Mittelscharf, Zwergenwiese und Alnatura. Das Gute an dem Ergebnis: Die Werte lagen noch innerhalb der von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) festgelegten Höchstgrenzen.
Zusätzlich überprüften die Tester die Verpackungen der Senfprodukte auf das Vorhandensein von PVS/PVDC-chlorierten Verbindungen in der Deckelbeschichtung. Dabei fielen fünf Produkte auf: Löwensenf Bio Mittelscharf Mild, Händlmaier Mittelscharfer Senf, Kühne Mittelscharfer Senf fein würzig, Löwensenf Medium pikant und Develey Mittelscharfer Senf.
23 Senf-Sorten im Test: Preisgünstige Eigenmarken von Aldi und Kaufland unter den Test-Siegern
Bei der Auswertung wurde auch festgestellt, dass sich zwei preisgünstige Produkte, eines von Aldi und eines von Kaufland, unter den acht Testsiegern befinden. Diese beiden Produkte kosten jeweils gerade einmal 45 Cent pro 250 Gramm. Im Gegensatz dazu kostet das teuerste Produkt, „Zwergenwiese Mittelscharfer Senf“, 3,44 Euro, erhielt jedoch nur eine Gesamtbewertung von „befriedigend“. Im direkten Vergleich dazu kostet das mangelhaft bewertete Produkt von Alnatura 2,15 Euro.
Nicht zu vergessen ist auch der Geschmack, der für viele Verbrauchende mit eine Rolle spiele dürfte. Daher hat Öko-Test dieses Kriterium ebenfalls im Labor untersucht. Bei sechs Artikeln wurde beispielsweise die fehlende Schärfe beanstandet. Interessanterweise wurde bei allen Produkten, die mit der Gesamtnote „sehr gut“ bewertet wurden, festgestellt, dass sie einen leichten, aromatischen Geschmack nach Essig und Senf aufwiesen, mit einer leichten Schärfe und einer leicht salzigen Note. Einige davon wurden sogar als leicht süßlich beschrieben.
Auch diese Meldung ist für Verbraucherinnen und Verbraucher von Bedeutung. Der Bundesrat mach den Weg für einheitliche Ladekabel frei. (sthe)
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