VonKilian Bäumlschließen
Die letzten deutschen Atomkraftwerke werden abgeschaltet, die Entscheidung führt zu Unstimmigkeiten bei Politik und Bürgern. Welche Auswirkung hat das für Verbraucher?
München – Deutschland schaltet die Atomkraftwerke aus, der Entschluss steht bereits seit 2011. Nachdem es im japanischen Fukushima zu einer Nuklearkatastrophe gekommen war, legte sich die damalige Regierung das Ziel, alle deutschen Atomkraftwerke bis November 2022 abzuschalten – dann kam der Ukraine-Krieg und mit ihm die Energiekrise.
Als Reaktion auf den Import-Stopp von russischem Gas beschloss die Ampel-Regierung, die verbliebenen Atomkraftwerke noch ein halbes Jahr länger am Netz zu lassen. Diese „Schonfrist“ ist inzwischen bald verstrichen und die letzten deutschen AKWs werden am Samstag (15. April) abgeschaltet. Doch der Schritt wird von mehreren Seiten kritisiert. Die Argumentation: mögliche Versorgungsengpässen und steigenden Energiepreisen. Welche Auswirkungen haben Verbraucherinnen und Verbraucher ab Samstag zu befürchten?
AKW-Abschaltung am Samstag: Welche Kernkraftwerke sind noch aktiv?
Drei deutsche Atomkraftwerke wurden im Dezember, wie ursprünglich geplant, abgeschaltet. Drei weitere werden am Samstag (15. April) vom Netz genommen:
| Im Dezember abgeschaltet | Werden am 15. April abgeschaltet |
|---|---|
| Grohnde | Isar 2 |
| Gunderemmingen C | Emsland |
| Brokdorf | Neckarwestheim 2 |
| Quelle: bundesregierung.de |
Doch warum ließ man drei AKWs weiter am Netz, nur um sie im April dann doch abzuschalten? Wohl aus bürokratischen Gründen. Die Bundesregierung schreibt dazu auf ihrer Website, dass ein Weiterbetrieb über diesen Zeitpunkt hinaus aus rechtlichen, technischen und betriebswirtschaftlichen Gründen nicht möglich ist.
Letzte deutsche AKW werden abgeschaltet – Experten aus der Wirtschaft sind kritisch
Peter Adrian, Präsident der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), steht der Abschaltung der Atomkraftwerke kritisch gegenüber. „Beim Thema Versorgungssicherheit sind wir noch nicht über den Berg“, sagte er der Rheinischen Post. Nur mithilfe der AKWs sei es möglich, eine erneute Steigerung der Energiepreise zu vermeiden oder abzumildern. Zudem blieben trotz gesunkener Gaspreise die Energiekosten der meisten Betriebe weiter hoch. Laut einer Umfrage lehnt auch die Mehrheit der deutschen Bürgerinnen und Bürger die Abschaltung der AKW ab.
Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) sieht hingegen keine Probleme bei der Versorgungssicherheit. „Die Energieversorgungssicherheit in Deutschland wurde in diesem schwierigen Winter gewährleistet und wird auch weiter gewährleistet sein“, heißt es von der Bundesregierung. Kritik gibt es jedoch nicht nur von außerhalb der Ampel, auch die FDP möchte die letzten AKWs retten.
AKW werden abgeschaltet – es könnte teurer werden
Trotzdem könnte es teurer werden, denn „Gas- und erneuerbare Energien sind in der Energiegewinnung deutlich teurer als durch die bestehenden Kernkraftwerke“, äußert sich Walter Tromm vom Karlsruher Institut für Technik KIT gegenüber der Bild-Zeitung. Erneut steigende Energiepreise würden Wirtschaft und Verbraucher belasten. Die gestiegenen Preise haben bereits jetzt dazu geführt, dass sich Verbraucher weltweit einschränken.
Der CDU-Wirtschaftsrat geht einen Schritt weiter und warnt in Folge der Abschaltung vor Schäden für deutsche Unternehmen. Verbandspräsidentin Astrid Hamker bezeichnet das Vorhaben lauf Redaktionsnetzwerk Deutschland als „große Gefahr für den Wirtschaftsstandort Deutschland.“
Zudem ist auch der Rückbau der AKWs mit Kosten verbunden. Je nach Größe kostet der gesamte Rückbau laut dem Energiekonzern RWE zwischen 500 Millionen und einer Milliarde Euro. Bis dahin werden außerdem noch einige Jahre vergehen, denn der Energiekonzern geht weiter davon aus, dass beispielsweise das AKW Emsland erst 2037 frei von Radioaktivität sein wird. (kiba/dpa)
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