Wenn Angst krank macht

Zwänge, Angststörungen und Depressionen durch übertriebene Klima-Angst: Chefärztin gibt Tipps

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Die Klimakrise und Umweltkatastrophen setzen einigen so sehr zu, dass die Angst ihren Alltag bestimmt. Die Klima-Angst kann zu psychischen Störungen führen, wie Chefärztin Dr. Katharina Grobholz erklärt.  

„Angst an sich ist nichts Schlechtes. Sie macht wachsamer und möglicherweise kann aus ihr heraus auch etwas Produktives entstehen“, sagt Dr. Katharina Grobholz, Psychologin und Chefärztin an der Privatklinik Jägerwinkel am Tegernsee. Gelinge es jedoch nicht, Abstand zu den eigenen Sorgen und Ängsten zu halten, sondern beeinträchtigen sie das alltägliche Leben immer mehr, könne es sinnvoll sein, sich professionelle Hilfe zu suchen. „Bei den Fachleuten wird abgeklärt, ob sich zum Beispiel eine Depression oder Angststörung entwickelt hat und man kann geeignete Therapien besprechen“, erklärt die Doppelfachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie sowie Neurologie.

Zwangsstörungen entstehen oft beim Versuch, Ängste in den Griff zu bekommen

Dr. Katharina Grobholz behandelt in der Privatklinik Jägerwinkel am Tegernsee Menschen mit Angst- und Belastungsstörungen, depressiven Störungsbildern oder Post-Covid.

Wenn aus der Angst und der Sorge um die Zukunft der Wunsch entsteht, das Leben nachhaltiger zu gestalten, ist das zunächst positiv. Denn dann verharrt man nicht in der Angst, sondern wird aktiv. Aber es besteht die Gefahr, dass die eigenen Ansprüche unrealistisch werden und nur noch dazu dienen, übersteigerte Ängste in den Griff zu bekommen, warnt die Expertin. „Dann können das eigene Verhalten oder die Gedanken im Extremfall sogar zwanghaft werden.“

Depression bis Alkoholsucht: Die häufigsten psychischen Krankheiten im Überblick – Jeder dritte ist betroffen

Eine Frau hält ein gefülltes Sektglas in ihrer Hand.
Alkoholsucht zählt zu den am dritthäufigsten diagnostizierten psychischen Leiden. Mit der Medikamentenabhängigkeit zusammen entfallen 5,7 Prozent der Diagnosen auf die Alkoholabhängigkeit. Etwa jeder siebte Erwachsene trinkt Alkohol in gesundheitlich riskanten Mengen. Damit ist Alkohol nach Nikotin das häufigste Suchtmittel in Deutschland, so die Bundes Psychotherapeuten Kammer. 1,8 Millionen Menschen gelten als alkoholabhängig, weitere 1,6 Millionen trinken Alkohol in schädlichen Mengen, heißt es weiter. (Symbolbild) © Bode/Imago
Medikamentensucht bei Senioren
Neben der Alkoholsucht zählt die Medikamenten-Abhängigkeit zu den am dritthäufigsten verbreiteten psychischen Erkrankungen in Deutschland.  © Jens Kalaene/dpa
Frau schaut aus Fenster
Die sogenannten affektiven Störungen zählen zu den psychischen Erkrankungen, die am zweithäufigsten in Deutschland vorkommen. Die Depression ist wohl der bekannteste Vertreter aus dieser Gruppe. Der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde e.V. (dgppn) zufolge, entfallen fast 10 Prozent der Diagnosen auf diese Krankheitsgruppe. Alleine 8,2 Prozent sind von einer unipolaren Depression betroffen. Depressionen gehören damit zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. Rund 16 Prozent der Bevölkerung leiden mindestens einmal in ihrem Leben an einer depressiven Störung, innerhalb eines Jahres sind es ungefähr 8 Prozent, informiert die Bundes Psychotherapeuten Kammer. (Symbolbild) © Fabian Sommer/dpa
Junge Frau vor dem Schrankspiegel
Angststörungen sind am weitesten verbreitet. Der dgppn zufolge entfallen 15,4 der Diagnosen auf Angststörungen wie Panikattacken, Angst vor weiten Plätzen etc. Bei Betroffenen ist das Angstgefühl so übermächtig, dass es den Alltag immens einschränkt. Beschwerden wie Herzrasen, Schwitzen und Zittern zählen zu den Symptomen einer Angststörung. (Symbolbild) © Imago
Frau mit Maßband in der Hand
Essstörungen wie Bulimie oder Magersucht sind zwar insgesamt gesehen weniger weit verbreitet als oben genannte Krankheiten. Doch in der weiblichen Bevölkerung zwischen Pubertät und dem 30. Lebensjahr gehören die Essstörungen zu den häufigen psychischen Erkrankungen, informiert die Bundes Psychotherapeuten Kammer. Etwa ein Prozent der Frauen erkrankt während ihres Lebens an einer Magersucht, rund zwei Prozent leiden im Laufe ihres Lebens an einer Bulimie. (Symbolbild) © Sergiy Tryapitsyn/Imago

In der Verhaltenstherapie lernen Betroffene, mit ihren Gefühlen umzugehen

Wenn schlechte Gefühle das Ruder übernehmen, entwickeln manche Menschen Zwangsgedanken oder Zwangshandlungen. Dr. Grobholz erklärt: „Mit ritualisierten, sich wiederholenden Handlungen oder Gedanken versuchen sie, die Kontrolle wiederzuerlangen und die belastenden Gefühle zurückzudrängen.“ Was zunächst oft wie eine Marotte wirkt, bedeutet für Betroffene jedoch meist eine enorme Belastung. Im Rahmen einer Therapie, in der Regel eine Verhaltenstherapie, lernen Betroffene druckmachende Situationen rechtzeitig zu erkennen und ihre Emotionen angemessen zu regulieren.

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Traumatisierende Erfahrungen können die Psyche langfristig schädigen

Viele, vor allem junge Leute sorgen sich um das Klima. Nimmt die Klima-Angst überhand, kann sich eine psychische Krankheit entwickeln.

Auch Posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS) können als indirekte Folgen der Klimakrise entstehen. Und zwar dann, wenn Menschen unmittelbar einer Naturkatastrophe ausgesetzt sind, wie 2021 bei der Flut im Ahrtal. Belastende, traumatisierende Erfahrungen werden, ausgelöst durch sogenannte Trigger, immer wieder erlebt. Wiederkehrende, belastende Gedanken und Emotionen, Schlafstörungen, Albträume oder eine depressive Stimmungslage sind einige typische Merkmale von Traumafolgestörungen. Eine Behandlung durch einen Psychiater kann helfen, die Lebensqualität wiederherzustellen und Folgeerkrankungen wie einer Depression vorzubeugen.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unserer Redaktion leider nicht beantwortet werden.

Rubriklistenbild: © Privatklinik Jägerwinkel

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