VonSusanne Sasseschließen
Die Klimakrise und Umweltkatastrophen setzen einigen so sehr zu, dass die Angst ihren Alltag bestimmt. Die Klima-Angst kann zu psychischen Störungen führen, wie Chefärztin Dr. Katharina Grobholz erklärt.
„Angst an sich ist nichts Schlechtes. Sie macht wachsamer und möglicherweise kann aus ihr heraus auch etwas Produktives entstehen“, sagt Dr. Katharina Grobholz, Psychologin und Chefärztin an der Privatklinik Jägerwinkel am Tegernsee. Gelinge es jedoch nicht, Abstand zu den eigenen Sorgen und Ängsten zu halten, sondern beeinträchtigen sie das alltägliche Leben immer mehr, könne es sinnvoll sein, sich professionelle Hilfe zu suchen. „Bei den Fachleuten wird abgeklärt, ob sich zum Beispiel eine Depression oder Angststörung entwickelt hat und man kann geeignete Therapien besprechen“, erklärt die Doppelfachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie sowie Neurologie.
Zwangsstörungen entstehen oft beim Versuch, Ängste in den Griff zu bekommen
Wenn aus der Angst und der Sorge um die Zukunft der Wunsch entsteht, das Leben nachhaltiger zu gestalten, ist das zunächst positiv. Denn dann verharrt man nicht in der Angst, sondern wird aktiv. Aber es besteht die Gefahr, dass die eigenen Ansprüche unrealistisch werden und nur noch dazu dienen, übersteigerte Ängste in den Griff zu bekommen, warnt die Expertin. „Dann können das eigene Verhalten oder die Gedanken im Extremfall sogar zwanghaft werden.“
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In der Verhaltenstherapie lernen Betroffene, mit ihren Gefühlen umzugehen
Wenn schlechte Gefühle das Ruder übernehmen, entwickeln manche Menschen Zwangsgedanken oder Zwangshandlungen. Dr. Grobholz erklärt: „Mit ritualisierten, sich wiederholenden Handlungen oder Gedanken versuchen sie, die Kontrolle wiederzuerlangen und die belastenden Gefühle zurückzudrängen.“ Was zunächst oft wie eine Marotte wirkt, bedeutet für Betroffene jedoch meist eine enorme Belastung. Im Rahmen einer Therapie, in der Regel eine Verhaltenstherapie, lernen Betroffene druckmachende Situationen rechtzeitig zu erkennen und ihre Emotionen angemessen zu regulieren.
Traumatisierende Erfahrungen können die Psyche langfristig schädigen
Auch Posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS) können als indirekte Folgen der Klimakrise entstehen. Und zwar dann, wenn Menschen unmittelbar einer Naturkatastrophe ausgesetzt sind, wie 2021 bei der Flut im Ahrtal. Belastende, traumatisierende Erfahrungen werden, ausgelöst durch sogenannte Trigger, immer wieder erlebt. Wiederkehrende, belastende Gedanken und Emotionen, Schlafstörungen, Albträume oder eine depressive Stimmungslage sind einige typische Merkmale von Traumafolgestörungen. Eine Behandlung durch einen Psychiater kann helfen, die Lebensqualität wiederherzustellen und Folgeerkrankungen wie einer Depression vorzubeugen.
Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unserer Redaktion leider nicht beantwortet werden.
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