VonLinus Prienschließen
Im Süden Spaniens existiert der „Gemüsegarten Europas“. Ein Ort, der schöner klingt, als er ist. Arbeiter berichten von unwürdigen Arbeitsbedingungen und Slums.
Almería - Wo kommen eigentlich die Tomaten aus den Supermärkten in Deutschland her? Eine maßgebliche Quelle ist das EU-Land Spanien. Genauer gesagt, die südspanische Region Almería. Sie ist auch als „Gemüsegarten Europas“ bekannt. Tomaten im Wert von etwa knapp 200 Millionen Euro werden jährlich in deutsche Supermärkte versendet. Wie tagesschau berichtet, ist die Bundesrepublik der Hauptabnehmer der Region und importiert 30 Prozent der Erzeugnisse aus Almería.
Doch die Umstände, unter denen die Lebensmittel vor Ort hergestellt werden, entsprechen nicht den Vorstellungen, die die meisten deutschen Konsumenten wohl haben dürften. Insbesondere die Situation der Arbeiter in den Treibhausplantagen scheinen problematisch zu sein.
Europas Gemüsegarten: Unter diesen Bedingungen entstehen unsere Lebensmittel
Zehntausende Arbeiter sorgen dafür, dass die Gemüse- und Obstregale unter anderem auch in Deutschland stets gefüllt sind. Häufig kommen sie aus Nordafrika. Dem Spiegel zufolge arbeiten vor Ort jedoch Menschen aus über 110 Nationen. Offiziell arbeiten sie 40 Stunden in der Woche und erhalten den gesetzlichen Mindestlohn. Einer Recherche von tagesschau zufolge weichen diese Angaben jedoch von der Realität ab: „Wir arbeiten mehr. Bis zu 70 Stunden pro Woche. Bezahlt werden aber nur 40, von Montag bis Freitag. Samstage und Sonntage und Überstunden werden nicht abgerechnet“, berichtete einer der Arbeiter aus Almería.
Damit jedoch noch nicht genug. Bei seinem ehemaligen Arbeitgeber, Bio Cemosa, habe der Arbeiter zudem erlebt, wie Pflanzenschutzmittel ohne Schutzkleidung verwendet wurde. Gewaschen werden konnte sich danach ebenso wenig, da es vor Ort keine entsprechenden sanitären Einrichtung gäbe. Bio Cemosa liefert auch an deutsche Supermarktketten.
Europas Gemüsegarten: „Ein System der Angst“
Ein Vertreter einer regionalen Gewerschaft klärt weiter über die Lage Almería auf. Auch er berichtet von unterschlagenen Lohnzahlungen und menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen. Es gäbe „ein System der Angst“, berichtet der Gewerkschafter. „Systematisch schüchtern Arbeitgeber ihre Arbeitnehmer ein. Jeder, der seine Rechte einfordert, wird sofort entlassen.“ Bedingung dafür, dass die Arbeiter derartig behandelt werden können, ist vor allem, dass viele von ihnen keine spanische Staatsbürgerschaft haben. Inspektoren der Regionalregierung fanden 2022 bei jeder dritten Kontrolle Erntehelfer, die ohne Vertrag arbeiteten, wie tagesschau berichtet.
Dazu leben Teile der Arbeiterschaft in Slums. Genauer gesagt in Hütten, die sie aus Holzpalletten, Steinen und Stöcken bestehen. Fließend Wasser ist nicht vorhanden, der Strom muss bei der nächstgelegenen Stromleitung abgezapft werden. (lp)
