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Öko-Test hat zahlreiche Hafermilch-Marken unter die Lupe genommen. Viele Marken überzeugen. Beliebte Produkte von Alpro und Oatly sind jedoch ganz hinten.
Kassel – In der Vorweihnachtszeit ist es guter Brauch, das Jahr Revue passieren zu lassen. Da lohnt sich auch ein Blick auf die Gewinner und Verlierer aus zahlreichen Tests von Öko-Test oder Stiftung Warentest. Bei Orangensaft lag 2023 eine Eigenmarke im Test ganz vorn – in diesem Artikel gilt das Augenmerk Milchersatzprodukten.
Diese sind längst kein Trend mehr, sondern haben sich fest auf dem Markt etabliert. Eines davon ist die nachhaltige Alternative Hafermilch. Der Hafer lässt sich regional anbauen und braucht im Gegensatz zum Herstellungsprozess bei Kuhmilch weniger Wasser sowie Fläche. Während pro Kilo Hafermilch 0,3 Kilogramm CO₂ freigesetzt werden, sind es bei Kuhmilch 1,4 Kilogramm CO₂ pro Kilo. Neben diesem positiven Aspekt schneiden die Haferdrinks auch bei Öko-Test gut ab.
36 Produkte im Öko-Test: Die beste Hafermilch 2023
Insgesamt 30 der 36 getesteten Marken erhalten demnach die Note „sehr gut“. Die Gewinner reichen von teuren Bio-Produkten über Barista-Drinks bis hin zu den günstigen Eigenmarken von Edeka, Kaufland und Aldi. 33 von 36 Drinks schmecken laut den Sensorikern sehr gut – wobei das letztendlich Geschmackssache ist. Kleine Mängel sahen sie bei Bio Hafer-Barista, Voelkel Hafer Drink Glutenfrei und Provamel Hafer, die entweder zu bitter oder zu wässrig schmeckten. Für diese Auffälligkeiten wurde eine Note abgezogen.
Einige der Gewinner von Stiftung Warentest im Überblick:
- Share Bio Hafer Natur und Share Bio Hafer-Barista, Note: sehr gut
- Gut Bio Hafer Drink Natur Barista Qualität, Note: sehr gut
- Alnatura Hafer Alge Drink, Bioland und Alnatura Hafer Drink Natur, Bioland, Note: sehr gut
Giftige Schimmelpilze und Zuckerzusätze im Test entdeckt: Finger weg von dieser Hafermilch
Neben den positiv bewerteten Haferdrinks gibt es auch einige „schwarze Schafe“, von welchen das Ergebnis von Öko-Test dringend abrät. Besonders erschreckend liest sich die Bewertung von „Velike! Bio Haferdrink Nature“ vom Anbieter „Black Forest Nature“: In dieser Hafermilch wurde eine hohe Konzentration an Schimmelpilzgift nachgewiesen. Ein Glas reiche nach dem Bericht von Öko-Test aus, um den Verdauungstrakt zu schädigen sowie das Nerven- und Immunsystem zu stören.
Einige Hersteller werben zudem mit Aussagen rund um das Thema Zucker für ihre Hafermilch. Daher wurden die Haferdrinks auch in diesem Zusammenhang untersucht. Das Ergebnis von Öko-Test: Der Zuckergehalt der Marken variiert zwischen null und sechs Prozent. Allerdings wird darauf hingewiesen, dass nur mit „ohne Zucker“ geworben werden darf, wenn auf 100 Milliliter maximal 0,5 Gramm Zucker anfallen. Auch den oft beworbenen Zusatz von Vitaminen und Mineralien sieht Öko-Test kritisch, da der tägliche Bedarf durch eine gesunde Ernährung gedeckt werden kann.
Die Verlierer im Überblick:
- Velike! Bio Haferdrink Nature, Bioland, Note: ungenügend
- Alpro This Is Not M*lk 3,5% Fett, Note: ausreichend
- Oatly! Barista Edition Hafer Gekühlt, Note: befriedigend
Schimmelpilzgefahr? Das sagt der Hersteller der Velike-Hafermilch zum Test
Der Geschäftsleiter von „Black Forest Nature“, Dr. Andreas Helm, wehrt sich auf Nachfrage gegen die Vorwürfe. Aus seiner Sicht berge die untersuchte Hafermilch kein Risiko. Als Begründung nennt er, dass die Öko-Test-Bewertung nicht auf Grundlage des geltenden Richtwerts der EU-Kommission erfolge. „Das getestete Produkt erfüllt zu jeder Zeit die hohen Sicherheitsstandards des deutschen und europäischen Lebensmittelrechts“, so Helm.
Er erklärt, dass in der Hafermilch „Velike! Bio Haferdrink Natur“ die Mykotoxine T-2 und HT-2 nachgewiesen wurden. „Dabei handelt es sich um einen Getreidepilz, nicht um einen Schimmelpilz“, so Helm. Selbst der geltende und künftige T2/HT-2-Höchstwert für getreidebasierte Babynahrung werde ihm zufolge deutlich unterschritten.
Schimmelpilzgift in Lebensmitteln
Schimmelpilzgifte (Mykotoxine) sind Stoffwechselprodukte von Schimmelpilzen, die auf verschiedene Weise in Lebensmittel gelangen können. Meistens entstehen sie dann, wenn der Pilz besonders günstige Wachstumsbedingungen vorfindet. Bei Menschen führt der Verzehr von Lebensmitteln mit Schimmelpilzgift zu unterschiedlichen Krankheiten. Des Weiteren beeinträchtigt es das Immunsystem, verursacht Erbrechen und Durchfall, schädigt Leber sowie Niere und begünstigt die Entstehung von Krebs, so das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit.
Helm argumentiert: „Öko-Test weist selbst darauf hin, dass man als Maßstab keinen geltenden Grenzwert verwendet hat, sondern eine tolerierbare tägliche Aufnahmemenge.“ Dieser Wert beschreibe die Menge eines Stoffes, die über die gesamte Lebenszeit jeden Tag aufgenommen werden könne. Verbraucher bräuchten demnach keine Auswirkungen auf die Gesundheit zu befürchten, da der geltende Mykotoxin-Richtwert zu jeder Zeit eingehalten wurde.
Forderung von Öko-Test nach mehr Transparenz
Um mehr Klarheit auf die Verpackung zu bringen, hat der Arbeitskreis Lebensmittelchemischer Sachverständiger der Länder und des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit eine neue Formulierung festgelegt. Diese sei für Produzenten und Überwachungsbehörden bei Kontrollen verbindlich: Wenn Hersteller mit dem Versprechen „ohne Zuckerzusatz“ werben, die Hafermilch aber „natürlichen“ Zucker enthält, müssen sie das Produkt mit einem entsprechenden Hinweis versehen.
Da nicht alle Hersteller diese Regelung umgesetzt haben, zieht Öko-Test bei einigen Haferdrinks eine Note unter den „weiteren Mängeln“ ab.
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