Geschlechter-Klischees

Französische Verkehrskampagne: „Fahr Auto wie eine Frau“ – fahren Frauen sicherer als Männer?

Fahren Frauen besser Auto als Männer – oder andersherum? Eine französische Verkehrskampagne will die Antwort kennen.

Es sind diese unlösbaren Rätsel: Welches ist das stärkere Geschlecht? Was ist ein „Frauending“, was ist ein „Männerding“? Und allen voran: Wer fährt besser Auto? Antworten auf diese Fragen sind bestimmt von Geschlechter-Klischees, die die moderne Gesellschaft zu durchbrechen versucht. Eine Verkehrskampagne aus Frankreich macht sich das zunutze und schießt mit einem neuen Slogan gegen das statistisch gefährlichere Fahrverhalten von Männern.

Französische Verkehrskampagne: Männer sind für mehr Unfälle verantwortlich

Die neue französische Verkehrskampagne mit dem Slogan „Conduisez comme une femme!“ (auf Deutsch: „Fahr Auto wie eine Frau!“) wurde von der Hilfsorganisation Victimes et Citoyens ins Leben gerufen. Ziel der Kampagne ist es, Männer dazu zu bringen, ihr Fahrverhalten zu überdenken und sicherer zu fahren. Hintergrund dieser Initiative ist die alarmierende Statistik, dass 84 Prozent der tödlichen Verkehrsunfälle in Frankreich von Männern verursacht werden. Zudem sind Männer für 93 Prozent der Unfälle unter Alkoholeinfluss verantwortlich​. Diese Zahlen nennt die Werbekampagne und bezieht sich dabei auf eine Studie der französischen Regierung.

Trotz des hartnäckigen Klischees besagt eine Studie: Frauen sind tatsächlich die besseren Autofahrer.

Mit der Kampagne will Victimes et Citoyens, was auf Deutsch „Opfer und Bürger“ bedeutet, das weit verbreitete Vorurteil widerlegen, dass Männer die besseren Autofahrer seien. Die Botschaft „Fahr Auto wie eine Frau!“ wird sowohl online als auch auf digitalen Bildschirmen und in U-Bahn-Stationen verbreitet. Die Aussage dahinter ist klar: Fahren wie eine Frau bedeutet, sicher zu fahren und am Leben zu bleiben. Die Organisation hofft, durch diese Kampagne eine Veränderung in der Denkweise und dem Verhalten der Männer zu bewirken, um letztlich die Anzahl der Verkehrsunfälle zu reduzieren und Leben zu retten.

Neben der Betonung der Sicherheitsaspekte zielt die Kampagne auch darauf ab, die geschlechtsspezifischen Stereotypen zu hinterfragen und abzubauen. Durch die Hervorhebung der Statistik, dass Männer häufiger in tödliche Unfälle verwickelt sind, wird der Mythos widerlegt, dass Männer bessere Fahrer sind. Die Kampagne fordert daher zu einem sichereren und verantwortungsvolleren Fahrverhalten auf, das typischerweise mit weiblichen Fahrern assoziiert wird.

Statistiken: Männer bauen häufiger Unfälle als Frauen

Dass Männer häufiger Unfälle mit dem Auto verursachen, ist nicht nur in Frankreich Tatsache. Auch in Deutschland zeichnet sich dieser Trend ab. Laut dem Bericht „Unfälle von Frauen und Männern im Straßenverkehr 2020“ des Statistischen Bundesamtes sind 2020 insgesamt 190.233 Männer in Verkehrsunfälle geraten, dagegen nur 139.713 Frauen. Von den 2.719 im Straßenverkehr getöteten Personen waren 75,9 Prozent Männer. Frauen dagegen werden öfter als Beifahrerinnen in Unfälle verwickelt. Von allen Beifahrern, die in Unfallfahrzeugen saßen, waren 31,6 Prozent Frauen und nur 18,9 Prozent Männer.

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Auch das Fahren unter Alkoholeinfluss ist in Deutschland eher ein „Männerding“.  In der Statistik wird aufgezeigt, dass von den verunglückten Fahrern unter Alkoholeinfluss 93 Prozent Männer und nur sieben Prozent Frauen waren.

Geschlechter-Klischees: Wieso sollen Männer besser Autofahren können als Frauen?

Woher das Klischee kommen könnte, das irgendeines der Geschlechter besser Autofahren kann als ein anderes, kann wohl nur vermutet werden. Das Nachrichten-Outlet Funk vermutet, dass die frühere Ungleichheit beim Autofahren noch eine Rolle spielen könnte. Bis 1958 durfte ein Ehemann noch entscheiden, ob seine Ehefrau einen Führerschein machen durfte oder nicht. Als Folge dessen hatten weitaus weniger Frauen als Männer eine Fahrerlaubnis – ein Trend, der sich bis heute hält. Laut dem Kraftfahrt-Bundesamt machten 2023 insgesamt 1.434.758 Menschen in Deutschland den Führerschein. Nur 512.440 davon waren Frauen, was einem Anteil von lediglich knappen 36 Prozent entspricht.

Bußgeldkatalog: Mit welchen Geldstrafen Verkehrssünder rechnen müssen

Streit um Tempolimit für Ortsdurchfahrt
Zum 9. November 2021 ist der neue Bußgeldkatalog in Kraft getreten. Wer innerorts 16 bis 20 Stundenkilometer zu schnell fährt und geblitzt wird, zahlt statt wie früher 35 nun 70 Euro. © Sebastian Gollnow/dpa
Wer außerorts 16 bis 20 km/ zu schnell fährt und erwischt wird, zahlt statt früher 30 nun 60 Euro, auch hier gilt: je schneller, desto teurer. In vielen Fällen – also bei den Stufen der Geschwindigkeitsüberschreitungen – handelt es sich um eine Verdopplung der Bußgelder.
Wer außerorts 16 bis 20 km/ zu schnell fährt und erwischt wird, zahlt statt früher 30 nun 60 Euro, auch hier gilt: je schneller, desto teurer. In vielen Fällen – also bei den Stufen der Geschwindigkeitsüberschreitungen – handelt es sich um eine Verdopplung der Bußgelder. © Uwe Anspach/dpa
 Auch die vorschriftswidrige Nutzung von Gehwegen, Radwegen und Seitenstreifen durch Fahrzeuge wird teurer. Verstöße werden statt mit bis zu 25 Euro mit bis zu 100 Euro Geldbuße geahndet. M
Auch die vorschriftswidrige Nutzung von Gehwegen, Radwegen und Seitenstreifen durch Fahrzeuge wird teurer. Verstöße werden statt mit bis zu 25 Euro mit bis zu 100 Euro Geldbuße geahndet. (Symbolbild) © Arne Dedert/dpa
Manche Verstöße würden entsprechend auch für Radfahrer teurer, wie der ADFC mit Blick auf den neuen Bußgeldkatalog erläuterte.
Manche Verstöße würden entsprechend auch für Radfahrer teurer, wie der ADFC mit Blick auf den neuen Bußgeldkatalog erläutert hatte. Dies gelte dann, wenn Radfahrer vorschriftswidrig auf einem Gehweg fahren.  © Paul Zinken/dpa
Der allgemeine Halt- und Parkverstoß wird anstatt wie früher bis zu 15 Euro mit einem Verwarnungsgeld bis zu 55 Euro geahndet. (Archivbild/Symbolbild)
Der allgemeine Halt- und Parkverstoß wird anstatt wie früher bis zu 15 Euro mit einem Verwarnungsgeld bis zu 55 Euro geahndet. (Archivbild/Symbolbild)  © Swen Pförtner/dpa
Wer unberechtigt auf einem Schwerbehinderten-Parkplatz parkt, muss mit einem Bußgeld von 55 statt wie früher 35 Euro rechnen.
Wer unberechtigt auf einem Schwerbehinderten-Parkplatz parkt, muss mit einem Bußgeld von 55 statt wie früher 35 Euro rechnen. © Klaus-Dietmar Gabbert/dpa
Wer auf die Idee kommt, eine amtlich gekennzeichnete Feuerwehrzufahrt zuzuparken oder ein Rettungsfahrzeug zu behindern, muss mit 100 Euro Bußgeld rechnen.
Wer auf die Idee kommt, eine amtlich gekennzeichnete Feuerwehrzufahrt zuzuparken oder ein Rettungsfahrzeug zu behindern, muss mit 100 Euro Bußgeld rechnen. (Archivbild/Symbolbild) © Sebastian Gollnow/dpa
Wer keine Rettungsgasse bildet, muss mit einem Bußgeld zwischen 200 und 320 Euro sowie einem Monat Fahrverbot rechnen.
Wer keine Rettungsgasse bildet oder die sogar selbst zum schnelleren Vorankommen mit dem Auto nutzt, muss mit einem Bußgeld zwischen 200 und 320 Euro sowie einem Monat Fahrverbot rechnen.  © Patrick Seeger/dpa
Polizei-Kontrollaktion zu Drogen und Alkohol
Lkw-Fahrer, die gegen die neu eingeführte Pflicht verstoßen, mit dem Lastwagen beim Rechtsabbiegen innerorts nur mit Schrittgeschwindigkeit zu fahren, werden mit 70 Euro zur Kasse gebeten. (Archivbild/Symbolbild)  © Julian Stratenschulte/dpa
Die Geldbuße für das Verursachen von unnötigem Lärm und einer vermeidbaren Abgasbelästigung sowie dem belästigenden unnützen Hin- und Herfahren wird von bis zu 20 Euro auf bis zu 100 Euro angehoben.
Auto-Poser aufgepasst: Die Geldbuße für das Verursachen von unnötigem Lärm und einer vermeidbaren Abgasbelästigung sowie dem belästigenden unnützen Hin- und Herfahren wird von bis zu 20 Euro auf bis zu 100 Euro angehoben.  © Patrick Pleul/dpa

Dazu kommt, dass Autos – zum Beispiel als Spielzeuge oder wenn es um Sportarten wie etwa die Formel 1 geht – traditionell (und klischeebedingt) eher eine „Männerdomäne“ sind. Das gleiche gilt für die Autoindustrie. Es wurde zum Beispiel erst im Jahr 2022 der erste weibliche Unfall-Dummy entworfen.

Mit Klischees aufgeräumt: Wer fährt denn nun besser Auto?  

Ob jetzt Männer oder Frauen die besseren Autofahrer sind, wird sich wohl nie so ganz belegen lassen. Nach wie vor handelt es sich bei diesen Aussagen schließlich zu einem Großteil um vorurteilsbehaftete Klischees. Dass Männer so viel öfter Unfälle bauen als Frauen, könnte auch einfach daran liegen, dass deutlich mehr männliche Personen einen Führerschein besitzen. Dass Frauen in einem solchen Fall dann eher die mitfahrende Person sind, erklärt auch, warum mehr Frauen als Männer als Beifahrer verletzt werden.

Anmerkung der Redaktion: Dieser Text ist bereits in der Vergangenheit erschienen. Er hat viele Leserinnen und Leser besonders interessiert. Deshalb bieten wir ihn erneut an.

Fakt ist: Im Straßenverkehr sollte jeder Fahrer Vorsicht, Umsicht und Nachsicht walten lassen – völlig egal, zu welchem Geschlecht man sich zugehörig fühlt.

Rubriklistenbild: © Imago

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