Mindestens sieben Stunden

Zu wenig Schlaf erhöht MS-Risiko: Schwedische Forscher finden Zusammenhang

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Sie schlafen schlecht und zu wenig? Das hat Auswirkungen auf Ihre psychische und körperliche Gesundheit. Wenn Teenager wenig Schlaf abbekommen, steigt das Risiko für Multiple Sklerose.

Im Schlaf regenerieren unsere Zellen, das Immunsystem wird über Nacht gestärkt, Geist und Körper tanken neue Energie. Bereits eine Nacht ohne ausreichend Schlaf führt zu Konzentrationsproblemen, Tagesmüdigkeit, schlechter Laune und gereizter Stimmung, bis hin zu höherer Anfälligkeit für Infektionen. Ausgeprägte Schlafstörungen können sogar so weit führen, dass die Betroffenen ohne Medikamente ihrem Alltag nicht mehr nachgehen können. 

Auch in Hinblick auf Krankheiten spielt Schlaf eine wichtige Rolle. So kann man Virusinfekte oftmals noch gut abfangen, indem man bei den ersten Beschwerden Ruhe sucht und viel schläft. Doch wo tiefer und ausreichend langer Schlaf heilsame Effekte entfaltet, kann wenig Schlaf sogar die Entstehung von Krankheiten fördern. So kommen schwedische Forscher zu der Erkenntnis, dass wenig Schlaf im Teenageralter die Entstehung der Autoimmunkrankheit Multiple Sklerose triggert. 

Wer nachts schlecht schläft, hat häufig mit Tagesmüdigkeit zu kämpfen. Schlechter Schlaf kann aber weitaus drastischere Auswirkungen haben.

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Weniger als sieben Stunden Schlaf oder doch mehr als zehn?

“Unzureichender Schlaf und schlechte Schlafqualität in der Jugend scheinen das Risiko zu erhöhen, später an MS zu erkranken”, schreiben die Forschenden um Torbjörn Åkerstedt von der Stockholm University in ihrer Studie. Die schwedische Forschungsarbeit wurde auf dem Fachportal BMJ Journals veröffentlicht. Für ihre Analyse legten die Wissenschaftler die Gesundheitsdaten von 2.075 Menschen zugrunde, die an MS leiden und verglichen deren Schlafverhalten mit Personen, die nicht erkrankt sind. 

Die Teilnehmenden wurden in unterschiedlichen Altersstufen nach ihren Schlafmustern an Arbeits- und Schultagen, Wochenenden und anderen freien Tagen befragt. Als kurze Schlafdauer definierten die Forschenden weniger als sieben Stunden pro Nacht, so das Ärzteblatt. Als normale Dauer galten sieben bis neun Stunden und eine lange Schlafphase wurde in der Studie als zehn Stunden und mehr angegeben.

Wenig Schlaf begünstigt die Entstehung von Multipler Sklerose

Die Studienergebnisse formulieren die Forscher wie folgt: „Verglichen mit einer Schlafdauer von sieben bis neun Stunden pro Nacht in der Jugend war ein kurzer Schlaf (weniger als sieben Stunden/Nacht) mit einem erhöhten MS-Risiko verbunden. Ebenso erhöhte eine subjektiv schlechte Schlafqualität in der Jugend das Risiko, später an MS zu erkranken“. 

Weniger als sieben Stunden Schlaf pro Nacht waren bei Teenagern sogar mit einem um 40 Prozent höheren Risiko für MS verbunden, zitiert auch das Ärzteblatt aus der Studie. Dies war auch nach Berücksichtigung wichtiger Einflussfaktoren wie BMI und Rauchen noch der Fall, heißt es weiter. Bei einer Schlafdauer von über zehn Stunden konnten die Forscher kein erhöhtes MS-Risiko feststellen. 

Warum fördert schlechter Schlaf MS?

Die Forschenden können zwar nicht ausschließen, dass schlechter Schlaf bereits ein Symptom einer vorliegenden neurologischen Schädigung ist, so das Ärzteblatt. Doch bewiesen ist, dass schlechter Schlaf das Immunsystem und Entzündungsprozesse im Körper negativ beeinflusst. „Ausreichend erholsamer Schlaf ist die Voraussetzung für eine adäquate Funktion des Immunsystems und könnte deshalb einen weiteren wichtigen Faktor in der Prävention der MS darstellen“, so das Fazit der Forschenden. 

Zehn Tipps, dank derer Sie nie wieder schlecht schlafen

Zwei Frauen trinken Kaffee
Tipp 1: Wenn Sie öfter nicht einschlafen können, sollten Sie versuchen, mindestens sechs Stunden vor dem Zubettgehen keinen Kaffee mehr anzurühren. Ein heißer Kakao oder Tee entspannt dagegen sogar. Zudem ist es wichtig, dass Sie ab 21 Uhr alle digitalen Geräte, die ablenken könnten, zur Seite legen. Ein gutes Buch hilft besser, sich auf die Nachtruhe vorzubereiten. © Josep Suria/Imago
Frau wacht auf
Tipp 2: Wenn Sie unter Schulterschmerzen leiden und sich deshalb in der Nacht hin- und herwälzen, ist es besser, wenn Sie versuchen, auf dem Rücken zu schlafen. Zudem hilft es, ein Kissen so unter die Arme zu klemmen, dass es aussieht, als würden Sie es „umarmen“. © Tanya Yatsenko/Imago
Wecker
Tipp 3: Versuchen Sie stets zur selben Zeit aufzustehen - auch am Wochenende. So gewöhnt sich der Körper an einen festen Zeitrythmus. © kvkirillov/Imago
Frau trinkt Wein
Tipp 4: Trinken Sie kurz vor dem Zubettgehen keinen Alkohol mehr. Studien zufolge kann das Glas Wein den Schlaf stören und für weniger Tiefschlafphasen sorgen. © Sofiya Garaeva/Imago
Frau schläft
Tipp 5: Wenn Sie Rückenschmerzen haben, empfiehlt es sich, ein Kissen unter Ihre Oberschenkel zu schieben, wenn Sie auf dem Bauch schlafen und unter die Beine, wenn Sie es auf dem Rücken tun. © Vasily Pindyurin/Imago
Frau hält Kissen vors Gesicht
Tipp 6: Nackenschmerzen oder -verspannungen können ganz schön fies sein - besonders in der Nacht. Um einen erholsamen Schlaf zu fördern, ist es daher ratsam, mindestens alle zwei Jahre, das Kopfkissen auszuwechseln. Studien zufolge waren Probanden besonders von festeren Nackenstützkissen aus Latex angetan. © Sofiya Garaeva/Imago
frau massiert ihre wade nach einem nächtlichen wadenkrampf
Tipp 7: Wachen Sie in der Nacht manchmal auf, weil Sie plötzlich einen Wadenkrampf haben? Dann hilft Magnesium vor dem Schlafen gehen, um die Muskeln zu entspannen. Zur Soforthilfe empfiehlt sich das Massieren der betroffenen Stelle, um den Schmerz zu lindern. © Rolf Kremming/Imago
Paar liegt im Bett
Tipp 8: Wer unter Reflux leidet, kann oftmals ebenfalls unter Schlafstörungen leiden. Reden Sie mit Ihrem Hausarzt über entsprechende Medikamente und schlafen Sie fortan auf der linken Seite. Am besten auf einem etwas erhöhten Kissen. © AndreyPopov/Imago
Tasse mit Baldrian-Tee
Tipp 9: Manche schwören auch auf einen Schlummertrunk, um schneller ins Land der Träume abzutauchen. Begehrt sind vor allem Teesorten wie Baldrian- oder Hopfentee, weil sie schlaffördernde Wirkung entfalten sollen.  © O. Diez/Imago
Frau macht Yoga
Tipp 10: Entspannungsübungen lassen Körper und Geist zur Ruhe kommen. 15 Minuten entspannende Yoga-Übungen, Mediation oder autogenes Training können Ihnen so helfen, den Tag hinter sich zu lassen und schneller einzuschlafen.  © Imago

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren RedakteurInnen leider nicht beantwortet werden.

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