Vermögen fließt nicht ein

Altersarmut in Deutschland – 42 Prozent der Rentner leben am Existenzminimum

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Acht Millionen Rentner beziehen weniger als 1000 Euro pro Monat. Zwischen Männern und Frauen bestehen große strukturelle Unterschiede, die kaum zu ändern sind.

Berlin – Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Insgesamt erhalten 42 Prozent der rund 19 Millionen Altersrentner in Deutschland monatlich weniger als 1000 Euro. Mehr als acht Millionen Senioren liegen damit unter dem Grundsicherungsniveau, das Ende 2024 bei 1011 Euro lag. Frauen sind besonders stark gefährdet, in die Altersarmut abzurutschen.

Vor allem Frauen sind von Altersarmut betroffen. (Symbolbild)

Diese Daten stammen aus einer Antwort des Bundesarbeitsministeriums an den AfD-Bundestagsabgeordneten René Springer, wie die Deutsche Presseagentur (dpa) berichtet. Die niedrigen Rentenbezüge haben verschiedene Ursachen. Entscheidend für die Höhe der gesetzlichen Rente sind vor allem das während des Erwerbslebens erzielte Einkommen sowie die Dauer der Beitragszahlungen. Wer wenig verdient oder nur kurze Zeit eingezahlt hat, muss im Alter mit entsprechend geringeren Bezügen rechnen. Frauen bekommen im Schnitt lediglich 955 Euro Rente pro Monat, Männer hingegen durchschnittlich 1405 Euro – ein Unterschied, der die dramatische Ungleichheit bei der Altersversorgung in Deutschland offenlegt.

Frauen sind am stärksten von Einbußen bei der Rente betroffen

Diese Kluft ist kein Zufall, sondern das Ergebnis struktureller Benachteiligungen, die Frauen ein Leben lang begleiten. Die Wurzeln der weiblichen Altersarmut liegen tief in gesellschaftlichen Strukturen. Ein zentraler Faktor ist die unbezahlte Care-Arbeit, die überwiegend von Frauen geleistet wird. Diese Arbeit, die von der Kinderbetreuung bis zur Pflege von Angehörigen reicht, führt oft zu Erwerbsunterbrechungen oder Teilzeitbeschäftigung. Die Problematik wird durch den Lohnunterschied zwischen den Geschlechtern weiter verschärft. 2024 lag die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen in Deutschland laut Statistischem Bundesamt noch immer bei 16 Prozent.

Besonders gravierend stellt sich die Situation für alleinerziehende Frauen dar. Sie sind einem erhöhten Risiko der Altersarmut ausgesetzt, da sie oft gezwungen sind, Kinderbetreuung und Erwerbstätigkeit alleine zu bewältigen. Die Herausforderungen der Vereinbarkeit von Familie und Beruf führen häufig zu eingeschränkten Karrieremöglichkeiten und somit zu geringeren Verdienstchancen. Trotz 45 Jahren Beitragszeit bleiben am Ende für Frauen oft weniger Rentenpunkte. Das Bundesarbeitsministerium betont jedoch, dass die reine Rentenhöhe nicht automatisch auf Bedürftigkeit schließen lässt. Viele Rentner verfügen über zusätzliche Einkünfte oder leben in Haushalten mit weiteren Einkommensquellen. Diese Faktoren bleiben in der reinen Statistik unberücksichtigt.

Rentner aufgepasst: Das sind die besten Länder für die Rente

Strand am Tayrona National Natural Park, Kolumbien.
Kolumbien hat es auf Platz 10 des Rankings von International Living geschafft. Das südamerikanische Land punktet demnach mit schönen Stränden und Natur, niedrigen Lebenshaltungskosten und einfachen Einreisebestimmungen. Allerdings sollten Auswanderungswillige auch die Sicherheitsrisiken dort beachten.  © robertharding/Imago
Mont-Saint-Michel in der Normandie: Unser Nachbarland hat nicht nur ein gutes Transport- und Gesundheitssystem, sondern auch schöne Städte und Natur zu bieten.
„Leben wie Gott in Frankreich“ ist nicht umsonst ein Sprichwort: Unser Nachbarland auf Platz 9 hat nicht nur ein gutes Transport- und Gesundheitssystem, sondern auch schöne Städte und Natur zu bieten. © robertharding/Imago
Die Insel Langkawi in Malaysia: Das südostasiatische Land ist im GRI-Ranking ein Newcomer.
Malaysia ist im GRI-Ranking ein Newcomer. Das multikulturelle südostasiatische Land bietet Auswanderungswilligen laut International Living große Gastfreundlichkeit, niedrige Lebenshaltungskosten und ein warmes tropisches Klima, das aber manchen Ruheständlern auch zu viel sein könnte. © Addictive Stock/Imago/Gabriel Trujillo
Thassos: Platz sieben im Ranking belegt Griechenland.
Platz sieben im Ranking belegt Griechenland. Das europäische Land überzeugt demnach nicht nur mit seiner Schönheit und dem milden Klima, sondern auch mit einem guten Gesundheitssystem und niedrigeren Lebenshaltungskosten. © robertharding/Imago/Frank Fell
Wandern am Illiniza Norte Volcano: Platz sechs belegt im Ranking des Magazins Ecuador – wohl auch wegen seiner Nähe zu den USA.
Platz sechs belegt im Ranking des Magazins Ecuador – wohl auch wegen seiner Nähe zu den USA. Das südamerikanische Land bietet ein mildes Klima, atemberaubende Natur und niedrige Lebenshaltungskosten. Doch wegen der aktuellen unruhigen politischen Situation rät das Magazin Auswanderungswilligen dazu, erstmal abzuwarten. © VWPics/ Matthew Williams-Ellis/Imago
Strand in Port de Soller, Mallorca: In einem Ranking über Ruhestandsparadiese darf natürlich Spanien nicht fehlen.
In einem Ranking über Ruhestandsparadiese darf natürlich Spanien nicht fehlen. Viele Sonnentage mit einem milden Klima gepaart mit einem guten Gesundheitssystem und einem großen kulturellen Angebot: Das südeuropäische Land auf Platz 5 erfreut sich schon länger bei auswanderungswilligen Senioren großer Beliebtheit. © Zoonar.com/Volker Rauch/Imago
Strand in Panama: Karibische Strände, mildes Klima und Steuervergünstigungen sprechen laut International Living für das zentralamerikanische Land.
Oh wie schön ist Panama: Karibische Strände, mildes Klima und Steuervergünstigungen sprechen laut International Living für das zentralamerikanische Land.  © Panthermedia/lesniewski/Imago
Strand in Tulum, Mexiko: Überzeugt haben International Living neben der Schönheit des Landes die niedrigen Lebenshaltungskosten
Auf dem Siegertreppchen im Ranking ist Mexiko mit Platz 3 gelandet. Überzeugt haben International Living neben der Schönheit des Landes die niedrigen Lebenshaltungskosten – auch im Gesundheits- und Immobilienbereich.  © Zoonar.com/Loes Kieboom/Imago
Machico in Madeira: Schon länger kein Geheimtipp mehr ist das schöne Portugal, das es im Ranking auf Platz 2 geschafft hat.
Schon länger kein Geheimtipp mehr ist das schöne Portugal, das es im Ranking auf Platz 2 geschafft hat. Rund 800.000 Auswanderer hat es mittlerweile nach Portugal gezogen, berichtet International Living. Das Land an der europäischen Atlantikküste punktet mit Sicherheit, guter Gesundheitsversorgung und einem milden Klima. © Zoonar.com/Mjucha/Imago
Strand in Costa Rica: Das Land gilt als „Schweiz Mittelamerikas“ – es ist sicher und stabil.
Auf Platz eins landet Costa Rica. Das Land gilt als „Schweiz Mittelamerikas“ – es ist sicher und stabil. Zudem überzeugen International Living die niedrigen Lebenshaltungskosten, schöne Natur und Strände sowie die „gute Lebensqualität“. Costa Rica bemüht sich zudem aktiv mit Steuervergünstigungen um Senioren. © YAY Images/xajnx 6025/Imago

Trotz der problematischen Entwicklung gibt es auch positive Nachrichten: Insgesamt ist die durchschnittliche Altersrente in Deutschland leicht gestiegen. Laut Angaben der Deutschen Rentenversicherung (DRV) erhielten Altersrentner im vergangenen Jahr durchschnittlich 1154 Euro monatlich. Im Jahr 2023 lag dieser Wert noch bei 1102 Euro. Die Zahlen des Ministeriums beziehen sich auf den Stichtag 31. Dezember 2024.

Es gibt auch Gegenbeispiele: Einige Rentner erhalten 3000 Euro und mehr im Monat. (Quellen: dpa, DRV, Statistisches Bundesamt) (diase)

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