Smartphone-Infotainment

Apple Carplay und Android Auto: Welchen Vorteil die Systeme speziell für ältere Modelle haben

Autos altern, Smartphones bleiben jung – und mit ihnen das Infotainment im Fahrzeug. Zumindest gilt das, wenn Carplay oder Android Auto an Bord sind.

Als Super-Gadget für Alltag und Beruf trat das Smartphone ab 2007 seinen Siegeszug an. Musik hören, im Internet surfen, E-Mails verwalten, Videokonferenzen abhalten, navigieren – all das und noch viel mehr war nun mit einem kleinen mobilen Gerät möglich. Es war das Jahr, in dem das iPhone auf den Markt kam – und zum Mega-Erfolg wurde. Mit einem eigenen Auto-Projekt, das nie offiziell angekündigt wurde, scheiterte Apple allerdings.

Das Problem der schnell veralteten Infotainmentsysteme in Autos

Und die Smartphones wurden in rasantem Tempo immer leistungsfähiger und intelligenter und von den Nutzern oft schon nach wenigen Jahren durch bessere Geräte ersetzt. Autos hingegen, die in der Regel über viele Jahre genutzt werden, konnten mit diesem Entwicklungstempo nicht mithalten, was dazu führte, dass die in den Fahrzeugen eingebauten Infotainmentsysteme oft schon nach wenigen Jahren als veraltet gelten. Angestaubte Benutzeroberflächen, veraltetes Kartenmaterial und lange Reaktionszeiten gehören mit zunehmendem Alter des Fahrzeugs zum automobilen Alltag. Mit Carplay von Apple und Android Auto von Google gibt es mittlerweile zwei etablierte Lösungen, mit denen das In-Car-Entertainment auch langfristig auf der Höhe der Zeit bleiben kann.

Ansätze, Mobiltelefone mit dem Bordsystem im Auto zu verbinden, gab es schon lange vor Carplay und Android Auto. Das erste Serienfahrzeug mit Bluetooth-Freisprecheinrichtung war die 2001 eingeführte Neuauflage des 7er BMW. Ab 2002 integrierte Mercedes diese Funktionen in sein Comand-System. Top-down verbreitete sich Bluetooth schnell in fast allen Fahrzeugklassen.

MirrorLink: Ein erster großer Schritt Richtung Vernetzung

Der erste große Schritt in Richtung Vernetzung des Fahrer-Smartphones mit den zunehmend verbreiteten Infotainmentsystemen war die Einführung von MirrorLink im Jahr 2011. MirrorLink war ein früher Standard für die Integration von Smartphones in Autos, der zunächst von Nokia und dann vom Car Connectivity Consortium (CCC) für eine größere Anzahl von Automobilherstellern entwickelt wurde. Es war ein offener Standard. Zunächst ließen sich damit Inhalte von Nokia-Mobiltelefonen auf dem Zentraldisplay spiegeln. Später war dies auch für Android-Geräte möglich. Mirrorlink war jedoch nur eine kurze Blütezeit beschieden. Es hatte Potenzial, litt aber unter Kompatibilitätsproblemen, langsamer Performance und mangelnder Unterstützung durch die Hersteller. Heute gilt Mirrorlink als gescheitert, CCC hat seine Aktivitäten bereits vor einigen Jahren eingestellt.

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Apple Carplay: Premiere im Ferrari FF

Mirrorlink wurde nie von Apple unterstützt und blieb daher für iPhone-Nutzer uninteressant. Ein Grund dafür dürfte gewesen sein, dass Apple selbst an einem Konkurrenzsystem arbeitete, das dann 2014 unter dem Namen Carplay zunächst im Ferrari FF auf den Markt kam und kurze Zeit später auch von Mercedes und Volvo angeboten wurde. Die Software ermöglichte es erstmals, eine angepasste iPhone-Oberfläche auf die fest eingebauten Displays der Autos zu zaubern. 2015 folgte Google mit Android Auto, das eine vergleichbare Kernfunktionalität bietet. Das erste Auto mit der Google-Lösung war der Hyundai Sonata.

Mit Android Auto und Apple Carplay lässt sich das Problem der schnell veralteten Infotainment-Systeme in Autos umschiffen. (Symbolbild)

Android Auto und Apple Carplay: In-Car-Display dient als Anzeige- und Bedienfläche

Beide Systeme basieren auf der Idee, dass Smartphones ihre Rechenleistung bereitstellen, während das In-Car-Display lediglich als Anzeige- und Bedienoberfläche dient. Der Clou: Sowohl die Software als auch die Benutzeroberfläche mit ihren zahlreichen Apps bleiben stets updatefähig und können um neue Funktionen und Anwendungen erweitert werden. Das Problem der Veralterung der Hard- und Software im Auto wird damit weitgehend auf das Smartphone ausgelagert. Ein weiterer Vorteil der Smartphone-Integration: Das mobile Endgerät vernetzt das Fahrzeug mit dem Internet, was unter anderem intelligente Funktionserweiterungen wie die Integration von Echtzeit-Verkehrsinformationen in die Routenführung ermöglicht.

Anschluss per Bluetooth oder per Kabel

Die Funktionsweise der Connectivity-Technologie ist denkbar einfach: Nach Anschluss und Anmeldung des Smartphones an das Bordsystem im Auto – entweder per Kabel oder bei neueren Modellen meist drahtlos per Bluetooth – kann der Fahrer in den Carplay- oder Android-Auto-Modus wechseln. Dabei wird die gewohnte Benutzeroberfläche des Smartphones an die Nutzung im Fahrzeug angepasst. Große Symbole, klare Strukturen und eine vereinfachte Bedienung sorgen dafür, dass der Fahrer so wenig wie möglich abgelenkt wird. Die Steuerung erfolgt über Touchscreen, Drehregler oder Sprachsteuerung – Siri bei Apple, Google Assistant bei Android. Dank Sprachsteuerung können Anrufe getätigt, Nachrichten diktiert oder Podcasts abgerufen werden, ohne dass der Fahrer die Hände vom Lenkrad nehmen muss.

Von der Bildfläche verschwunden: Zehn große Automarken, die es nicht mehr gibt

Ein Simca 1100 GLS Baujahr 1972 auf einer Oldtimermesse
Simca – Die Geschichte von Simca (Société Industrielle de Mécanique et Carrosserie Automobile) begann 1934 als Lizenzfertiger von Fiat-Fahrzeugen in Frankreich. Nach dem zweiten Weltkrieg wurden auch eigene Modelle produziert. Im Jahr 1978 wurde der Autobauer von Peugeot übernommen und die Marke Simca aufgegeben. Die noch existierenden Modellreihen wurden bis 1986 unter dem Markennamen Talbot verkauft. © Sebastian Geisler/Imago
Ein Oldsmobile Vista Cruiser
Oldsmobile – Hierzulande weitgehend unbekannt, gehörte Oldsmobile in den USA vor allem in den 1960er- und 1970er-Jahren zu den erfolgreichsten Marken. Ein bekanntes Modell war beispielsweise der Vista Cruiser (Foto): Ein markant gestalteter Kombi, von dem zwischen 1964 bis 1977 mehr als 360.000 Exemplare gebaut wurden. Anfang der 2000er-Jahre gingen die Verkäufe stark zurück, sodass die Mutter General Motors im Jahr 2004 die Produktion von Fahrzeugen der Marke komplett einstellte. © Pond5 Images/Imago
Ein NSU Prinz auf einem Oldtimer-Treffen
NSU Motorenwerke – Die Geschichte des Unternehmens begann in den 1870er-Jahren als Hersteller von Strickmaschinen. Später produzierte das Unternehmen Fahr- und Motorräder. Erst Ende 1958 kam mit dem Prinz das erste Automodell des Herstellers auf den Markt – es wurde in mehreren Generationen bis 1973 produziert. Bereits 1969 fusionierten NSU und Auto Union zur Audi NSU Auto Union AG, die 1985 wiederum in Audi umfirmierte – mit diesem Schritt verschwand auch der Name NSU. © CEPix/Imago
Ein Plymouth Superbird in einem Museum
Plymouth – Einst gehörte Plymouth zu den erfolgreichsten Automobilmarken der USA und war in den 1940er-Jahren sogar der zweitgrößte US-Hersteller – noch vor Ford. Anfang der 1960er-Jahre verlor die Marke jedoch rapide Marktanteile, bevor man ab 1965 mit Muscle-Car-Modellen wie dem Barracuda oder Road Runner kurzfristig wieder Boden gut machen konnte. Eines der bis heute legendärsten Modelle war der Plymouth Superbird (Foto): eine stark modifizierte Version des Road Runner. Das Modell mit dem gigantischen Spoiler fand jedoch Anfang der 1970er-Jahre kaum Kunden, weshalb weniger als 2.000 Exemplare gebaut wurden. Nach und nach verlor die Marke immer mehr ihre Identität. 2001 entschied die Mutter DaimlerChrysler schließlich, die Marke Plymouth einzustellen. © Pond5 Images/Imago
Eine Borgward Isabella auf einer Messe
Borgward – Zu den größten Verkaufserfolgen des Bremer Autobauers Borgward zählte die von 1954 bis 1962 gebaute Isabella (Foto). Doch bereits ab Mitte der 1950er-Jahren ging es mit dem Unternehmen wirtschaftlich bergab. Anfang der 1960er-Jahre führten die Probleme schließlich zum Untergang. Mitte der 2010er-Jahre wurden die Markenrechte nach China verkauft. Mit SUV-Modellen wurde schließlich ein Comeback-Versuch gestartet, der aber nach kurzer Zeit im Sande verlief. © Pond5 Images/Imago
Ein Daewoo Matiz auf einer Automesse
Daewoo – Mitte der 1990er-Jahre versuchte sich in Europa die koreanische Marke Daewoo zu etablieren – unter anderem mit dem Kleinstwagen Matiz (Foto). Allerdings war dem Hersteller kein Erfolg beschieden: Nachdem das Unternehm in finanzielle Schwierigkeiten geraten war, wurde die Pkw-Sparte von einem Konsortium um General Motors übernommen. Ab 2005 wurden die Daewoo-Modelle (auch der Matiz) dann unter dem Namen Chevrolet verkauft.  © Papsch/Imago
Der 1.000.000 Trabant im Museum
Trabant – Obwohl der Trabant bereits in den 1960er-Jahren als veraltet galt, war er ein echter Verkaufsschlager – allerdings gab es in der ehemaligen DDR auch kaum Alternativen zu dem von Sachsenring produzierten Zweitakter. Geduld war nicht nur aufgrund der geringen Motorleistung, sondern auch wegen der durchschnittlichen Wartezeiten auf ein Fahrzeug von mehreren Jahren gefragt. Dennoch: Mehr als drei Millionen „Trabis“ liefen zwischen 1958 und 1991 vom Band. Das Foto zeigt das 1.000.000-ste Exemplar, das im November 1973 gebaut wurde. Mit dem Ende der DDR endete auch bald die Produktion des Trabis. © Eberhard Thonfeld/Imago
Ein Pontiac Firebird Trans Am, Baujahr 1984
Pontiac – Die US-Marke Pontiac war vor allem in den 1960er-Jahren sehr erfolgreich. Hierzulande kennen viele den Hersteller vor allem aus Serien und Filmen. Der schwarze Pontiac Firebird Trans Am (zweite Generation) mit dem riesigen Adler auf der Haube faszinierte die Zuschauer in „Smokey and the Bandit“ (1977). Die dritte Generation des Firebird (Foto) wurde in den 1980er-Jahren als Basis des Serien-Wunderautos K.I.T.T bekannt. Der große Erfolg früherer Jahre stellte sich dennoch nicht mehr ein: 2010 legte der General-Motors-Konzern die Marke Pontiac auf Eis. © Pond5 Images/Imago
Ein Saab 900 Cabrio Baujahr 1991
Saab – Das erste Pkw-Modell des Herstellers ging 1949 als Saab 92 in Serie. Wirklich große Stückzahlen produzierte der schwedische Autobauer zwar nie, dennoch gelten einige Baureihen wie der 900 (Foto zeigt die Cabrio-Version) als legendär. 1998 ging Saab eine Kooperation mit General Motors ein. Fortan wurden viele Gleichteile aus dem Konzernverbund eingesetzt, dennoch stellte sich auf lange Sicht kein wirtschaftlicher Erfolg ein. 2011 meldete Saab Insolvenz an.  © Sebastian Geisler/Imago
Ein Rover 75
Rover – Die Geschichte des englischen Automobilherstellers Rover geht bis ins Jahr 1896 zurück. Über viele Jahrzehnte konnten sich die Briten im Automobilgeschäft behaupten, bis das Unternehmen 1967 Teil der British Leyland Motor Cooperation wurde. Durch eklatante Fertigungs- und Qualitätsmängel ruinierte die Marke ihren Ruf – bis es Anfang der 1980er-Jahre durch eine Kooperation mit Honda wieder etwas bergauf ging. 1994 übernahm schließlich BMW die britische Marke – und versenkte dadurch Milliarden. 2000 zog der bayerische Autobauer die Reißleine und gliederte Rover wieder aus. 2005 folgte die Insolvenz. © Heritage Images/Imago

Vorteil beim Fahrzeugwechsel: Keine Umgewöhnung nötig

Ein weiterer zentraler Vorteil ist die tiefe Integration von Navigationsanwendungen. Zwar bieten viele Autohersteller mittlerweile proprietäre Navigationslösungen serienmäßig an, doch viele Autofahrer nutzen inzwischen lieber Google Maps, Apple Maps oder Waze. Diese Apps sind immer aktuell und können zudem auf Echtzeit-Verkehrsdaten zurückgreifen. Außerdem können auf dem Smartphone geplante Routen direkt im Auto abgerufen werden. Auch Musik- und Podcast-Apps wie Spotify oder Audible sind voll integriert, ebenso Messenger-Dienste wie WhatsApp oder Signal.

Ein weiterer Vorteil ist die Verfügbarkeit der gewohnten Smartphone-Funktionen beim Fahrzeugwechsel. Steigt man von seinem Dienst-VW in einen Miet-Ford um, muss man sich nicht umstellen, denn das Infotainmentsystem zeigt immer die gleiche Benutzeroberfläche und man kann dem neuen Auto einfach sagen: „Navigiere bitte nach Hause!“

Die Smartphone-Lösung hat auch Nachteile

Trotz der offensichtlichen Vorteile, die dazu geführt haben, dass sich beide Konnektivitätslösungen mittlerweile als Serienstandard in den meisten Neufahrzeugen durchgesetzt haben, gibt es auch Nachteile. Die Systeme sind auf die Verbindung zum Smartphone angewiesen. Fällt die Verbindung aus oder ist der Akku des Smartphones leer, stehen die Funktionen nicht mehr zur Verfügung. Zudem sind nicht alle Apps mit Carplay oder Android Auto kompatibel – vor allem aus Sicherheitsgründen, um Ablenkungen zu minimieren. Ein weiteres Problem: Auf die Verfügbarkeit von Smartphone-Konnektivität eines Autos kann man sich noch lange nicht verlassen. Einige Autohersteller bieten Carplay und Android Auto nur in bestimmten Ausstattungslinien an oder verlangen dafür einen Aufpreis. Beim Gebrauchtwagenkauf kann es daher sinnvoll sein, auf eine Ausstattung zu achten, die beide Konnektivitätslösungen beinhaltet. Wählt man ein Auto ohne Carplay und Android Auto, könnte das On-Board-Infotainment bald etwas altbacken wirken. (Mario Hommen/SP-X)

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