Personalmangel ist spürbar

Überstunden können krank machen: „Gesundheitsrisiko Personalmangel“

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In vielen Branchen fehlen Arbeitskräfte, so kommt es oft zu Überstunden. Doch die zusätzliche Arbeit kann krank machen. Viele Angestellte bemerken das schon jetzt.

München – Wenn der Arbeitstag zwar vorbei, die Arbeit aber noch nicht getan ist, entstehen Überstunden. Situationen ergeben sich im Alltag von ganz allein, beispielsweise wenn andere Angestellte krank oder im Urlaub sind. Die Arbeit wird während der Abwesenheit der Kollegen und Kolleginnen nicht weniger, sondern muss einfach von weniger Personen erledigt werden.

Der Arbeitsmarkt entwickelt sich in vielen Branchen in eine Richtung, in der immer mehr Last auf immer wenige Schultern verteilt werden. Prominentestes Beispiel ist die Pflege. In einer Umfrage gaben inzwischen fast die Hälfte der Befragten an, von den Folgen des Personalmangels betroffen zu sein.

Fast die Hälfte der Arbeitenden spürt die Folgen des Personalmangels: „Kompett erschöpft“

Die Betroffenen stehen demnach unter starkem Termin- und Leistungsdruck, machen Überstunden und versäumen Pausen. „Die Arbeitsbelastungen steigen sehr stark mit der Intensität des erlebten Personalmangels“, heißt es in der DAK-Studie „Gesundheitsrisiko Personalmangel“.

Druck auf der Arbeit und Überstunden können sich auf die körperliche Gesundheit auswirken. (Symbolbild)

Dass die Personaldecke ohnehin viel zu dünn sei oder offene Stellen nicht besetzt würden, erlebe fast jeder zweite Beschäftigte in Bayern regelmäßig – häufig sogar mit gravierenden Folgen für die eigene Gesundheit. „Mehr als die Hälfte der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sind komplett erschöpft, viele leiden unter Beschwerden wie Kopfschmerzen“, heißt es im aktuellen Gesundheitsreport der Krankenkasse DAK Bayern. Die Folge: Viele Beschäftige erscheinen selbst krank am Arbeitsplatz.

In Brandenburg sieht die Lage mindestens genauso drastisch aus. Laut dem Presseportal sind dort zwei Drittel der Befragten bereits krank arbeiten gegangen. „Ständiger Personalmangel muss uns alarmieren, denn Überlastung kann die Gesundheit entscheidend beeinträchtigen“, sagte Anke Grubitz, Landeschefin der DAK-Gesundheit in Brandenburg, zu den Auswirkungen des Personalmangels.

Überstunden und Personalmangel: Stress setzt sich oft auch nach Feierabend fort

Auch in der Freizeit können Betroffene nicht richtig abschalten und verzichten auf Aktivitäten wie Sport oder andere Hobbys, weil schlicht nicht genug Zeit sei oder die Beschäftigten sich von der Arbeit zu erschöpft fühlten. Selbst die Familie kommt nach DAK-Bericht häufig zu kurz. Auf die Dauer mache sich das auch körperlich bemerkbar.

Stress nachhaltig reduzieren – mit bewährten Entspannungstechniken

Frau macht Yoga-Pose
Meditation ist eine Technik, mit deren Hilfe man in den Moment findet, statt sich in Gedanken zu verlieren. Wie die Techniker Krankenkasse weiter informiert, lernen Sie im Rahmen der Mediation, Gedanken kommen und gehen zu lassen, ohne diese festzuhalten oder zu bewerten. Das Ziel: Abstand zum alltäglichen Stress gewinnen. Krankenkassen, Yoga-Studios und auch viele Fitnessstudios bieten Kurse an. Auch mithilfe von Apps kann man ausprobieren, ob Meditation etwas für einen ist.  © Marcos Castillo/Imago
Frau macht Yoga-Übung
Yoga kräftigt und dehnt auch die tiefliegenden Muskelgruppen. Doch die fernöstliche Lehre, die viele körperliche, aber auch geistige Übungen umfasst, kann mehr. Denn die Entspannungsübungen im Yoga verlangsamen die Atmung, was beruhigende Wirkung auf den gesamten Organismus hat. Wer sich ausprobieren möchte, sieht sich mit einer Fülle von Angeboten konfrontiert. Yoga- und Fitnessstudios, aber auch Krankenkassen und Volkshochschulen bieten Kurse an.  © svyatoslav lipinskiy/Imago
Junge Frau liegt in Sportklamotten auf einer Yoga-Matte.
Viele Menschen schwören auf progressive Muskelentspannung, wenn sie zur Ruhe kommen wollen. Das Prinzip dahinter: Durch gezielte An- und Entspannung der Muskeln verringert sich die Aktivität der Nerven und die psychische Anspannung nimmt ab. Wie die AOK weiter informiert, kann man nach vorheriger Anleitung durch einen entsprechend ausgebildeten Therapeuten die Übungen auch selbstständig durchführen. © Ivan Gener/Imago
Frau liegt mit geschlossenen Augen im Gras
Autogenes Training ist ein Entspannungsverfahren, das über gedankliche Konzentration zur Ruhe finden lassen soll. Hier werden nicht, wie bei der progressiven Muskelentspannung, Muskeln bewusst angespannt und entspannt. Wie die Neurologen und Psychiater im Netz weiter informieren, ist es viel mehr eine Art Selbsthypnose, die beim autogenen Training stattfindet. Mithilfe von Mantra-artigen Übungsformeln (z. B. „Der rechte Arm ist ganz schwer“ oder „Der rechte Arm ist ganz warm“) soll erreicht werden, dass der gesamte Organismus zur Ruhe kommt. Kurse finden Sie unter anderem bei Ihrer Krankenkasse und der Volkshochschule.  © Olga Pankova/Imago
Frau atmet tief durch an der frischen Luft.
Atemtechniken helfen dabei, starken Stress zu reduzieren. Bei Anspannung flacht die Atmung in der Regel ab, die Luft wird nicht weiter als in den Brustraum eingeatmet. Eine ruhige, regelmäßige Bauchatmung führt aber dazu, dass sich Muskeln entspannen und der Körper besser durchblutet wird. Auch der Blutdruck kann so gesenkt werden. Und so sieht eine gesunde und tiefe Bauchatmung nach der 4/7/11-Regel aus: 4 Sekunden einatmen, 7 Sekunden ausatmen und das ganze 11 Minuten durchhalten. © Imago
Fröhliche, in eine Decke gehüllte junge Frau sitzt mit einer Tasse heißer Schokolade auf der Terrasse eines Bungalows
Achtsamkeit hat sich der Techniker Krankenkasse zufolge in vielen Studien als wirksam zur Stressreduktion erwiesen. In anerkannten Kursen zur „Mindfulness Based Stress Reduction“ würden Techniken erlernt werden, die helfen, im Hier und Jetzt statt in der Vergangenheit oder in der Zukunft zu sein – und das nicht nur körperlich, sondern auch mental. Ein wichtiger Aspekt: Achtsam sein bedeutet, jegliche Bewertung aus den Gedanken zu verbannen. Der Moment, die Atmung, die Geräusche im außen werden also ausschließlich wahrgenommen, man denkt an nichts.  © Aleksei Isachenko/Imago
Frau wandert auf den Heimgarten
Viele Menschen machen intuitiv das Richtige, wenn sie sich gestresst fühlen. Sport empfinden viele als sehr gutes Ventil, um Druck abzulassen. Der Techniker Krankenkasse zufolge zählt Sport zwar nicht zu den typischen Entspannungstechniken, man spricht vielmehr von einer sogenannten passiven Methode.  © Imago
Frau liegt in der Badewanne
Zu den sogenannten passiven Methoden zählt nicht nur der Sport. Auch eine entspannte Auszeit in der Badewanne, ein Spaziergang oder Zeit mit einem guten Buch können den Stresslevel enorm senken, indem sie Zufriedenheitserlebnisse schaffen, so die Techniker Krankenkasse.  © Imago

Angestellte sollten sich deshalb Überstunden nicht einfach gefallen lassen und auf ihre Rechte bestehen, raten Experten – eine Pflicht, Überstunden zu machen, gibt es nämlich nicht. Werden Überstunden geleistet, sollten diese detailliert aufgelistet werden, um sie zu erfassen und nachweisen zu können.

Überstunden durch Personalmangel: Auch weniger zu arbeiten, reduziert den Druck oft nicht

Einige Angestellte reduzieren auch ihre Arbeitszeit, doch dadurch erhöht sich der Druck häufig noch. Wenn sich die Angestellten überlastet fühlen, kann es zu einem anderen Phänomen kommen, das immer bekannter wird – Vorschrift nur nach Dienst, auch Quiet-Quitting genannt.

Um die Situation zu verbessern, bedarf es laut der DAK mehr als nur einzelne Maßnahmen, stattdessen müsse das Konzept erneuert werden. Das betriebliche Gesundheitsmanagement habe noch viel ungenutztes Potenzial. „Vorausgesetzt, alle Beteiligten sind bereit, sich neuen Wegen zu öffnen und die vorhandenen Angebote zu nutzen“, erklärt die DAK-Landeschefin. (kiba/dpa)

Rubriklistenbild: © Monique Wüstenhagen/dpa

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