Boomer schneiden gut ab

Wenig fortschrittlich: Große Teile von Gen Z und Millennials fürchten um Verlust der Männlichkeit durch Care-Arbeit

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Für die Gleichstellung gibt es noch einiges zu tun. Eine Umfrage zeigte jetzt, dass deutlich mehr junge Menschen Care-Arbeit mit einer Bedrohung der Männlichkeit gleichsetzen.

Hamburg – In Hinblick auf den Weltfrauentag haben das Marktforschungsunternehmen Ipsos und das Global Institute for Women’s Leadership am King’s College London weltweit die Geschlechterverhältnisse und Geschlechterinklusion untersucht. Einige Ergebnisse für junge Generationen erstaunen.

Positive Entwicklung zur Wahrnehmung von Gleichstellung

Für Deutschland gibt es erst einmal aber gute Nachrichten: Grundsätzlich kommt die Studie zu dem Ergebnis, dass sich die Wahrnehmung über die Gleichstellung der Geschlechter in Deutschland positiv entwickelt. So geben zwei von drei Deutschen an, dass es für sie nicht relevant sei, ob ein Mann oder eine Frau eine Führungsposition bekleidet – zum Beispiel in einem Unternehmen (67 Prozent ohne Präferenz), aber auch innerhalb der Politik (65 Prozent ohne Präferenz). Zuletzt bilanzierte eine Indeed-Befragung aber auch, dass immer noch jede zweite Frau davon ausgeht, im Job schlechtere Karrierechancen als ein Mann zu haben.

Junge Generationen denken weniger fortschrittlich, als immer angenommen

Die Ergebnisse, die die Studie im Vergleich der Generationen zutage bringt, lassen allerdings aufhorchen. Sie widersprechen nämlich deutlich dem allgemein gängigen Klischee, dass jüngere Menschen auf jeden Fall auch progressiver sind, wenn es um das Rollenverständnis geht. Zwar stimmt insgesamt betrachtet nur jeder fünfte Deutsche der Ansicht zu, dass ein Mann nicht wirklich ein Mann sei, wenn er sich zu Hause um die Kinder kümmere. Die Altersverteilung unter den Zustimmenden zeigt aber eine große Kluft.

Nur acht Prozent der Babyboomer schließen sich dieser Ansicht an. In der ihnen nachfolgenden Generation X, geboren in den Jahren 1966 bis 1980, sind es schon ein Fünftel (18 Prozent). Bei den Millennials sind es dann mehr als ein Drittel, genau genommen 35 Prozent. Laut Sozialwissenschaftlern vom US-Meinungsforschungsinstitut Pew Research Center gehören dazu alle Menschen, die in den Jahrgängen zwischen 1981 und 1996 geboren sind. Die vielfach kritisierte Gen Z bremst diesen Trend dann aber immerhin wieder etwas ab. Ziemlich genau ein Viertel (26 Prozent) der Personen mit den Geburtsjahren zwischen 1997 und 2012 sehen Männlichkeit durch Care-Arbeit bedroht.

Die allgemeinen Zahlen in Sachen Care-Arbeit sind eindeutig: Frauen leisten immer noch 43,8 Prozent mehr unbezahlte Arbeit als Männer. Zu dieser sogenannten „Care-Arbeit“ zählen Haushaltsarbeiten, Essenszubereitung, sowie die Pflege von Kindern und erwachsenen Familienmitgliedern.

Symbolbild: Junger Vater mit sechs Monate altem Sohn.

Auch weltweit gesehen sind Baby-Boomer progressiver als Millenials und Gen Z

Dieser Trend spiegelt sich auch außerhalb von Deutschland wider. Global gesehen sind es ebenfalls die Befragten aus der Gen Z und die Millennials, die am ehesten einen Verlust von Männlichkeit befürchten. Parallel finden diese Generationengruppen in der weltweiten Analyse sogar auch, dass die Emanzipation schon weit genug fortgeschritten ist. In der Generation Z sehen das 57 Prozent, unter den Millennials sind es 59 Prozent und bei den Boomern sind es 43 Prozent.

Repräsentative, weltweite Studie

Die Studie zum aktuellen Stand der Gleichberechtigung wurde unter dem Namen „International Women’s Day 2024. Global attitudes towards women’s leadership“ veröffentlicht und online wie auch mit Interviews zwischen dem 22. Dezember 2023 und dem 5. Januar 2024 durchgeführt. Es nahmen insgesamt 24.269 Personen von 16 bis 74 Jahren teil. 31 Länder wurden einbezogen. Es handelt sich dabei also um eine repräsentative Studie. (jh)

Rubriklistenbild: © Jens Büttner/dpa/picture alliance

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