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Wer nach einem überstanden geglaubten Infekt Herzrhythmusstörungen, Schwäche und Atemnot verspürt, sollte umgehend zum Arzt gehen.
Es beginnt mit einer harmlosen Erkältung oder einem Magen-Darm-Infekt: Wenn das Herz nach einer abgeklungenen Virusinfektion plötzlich anfängt zu stolpern oder schon kleinste Anstrengungen Atemnot und Erschöpfung auslösen, könnte eine gefährliche Herzmuskelentzündung dahinterstecken. Die Symptome sind oft unspezifisch und schwer zu erkennen, dabei ist eine schnelle Behandlung wichtig, um schwere Komplikationen zu vermeiden.
Herzstolpern und Atemnot nach Erkältung – wenn Viren das Herz befallen
Wenn wir uns mit Viren oder anderen Erregern infizieren, können diese über die Blutbahn zum Herzen gelangen. In den meisten Fällen sorgt die körpereigene Abwehr dafür, dass die „Eindringlinge“ den Herzmuskel nicht erreichen. Schaffen sie es dennoch, können sie die Herzmuskelzellen befallen und dort eine Entzündung (Myokarditis) auslösen.
In vielen Fällen heilt eine Herzmuskelentzündung von alleine ab, wie die Deutsche Herzstiftung verweist. Bei jeder fünften Person kann es aber zu bleibenden Schäden am Herzmuskel mit Langzeitfolgen, wie einer Herzschwäche, kommen: Durch die anhaltende Entzündung werden die Herzmuskelzellen fortlaufend geschädigt und der Herzmuskel erweitert sich, seine Pumpfähigkeit lässt nach. Manchmal ist auch der Herzbeutel betroffen.
Häufige Auslöser einer Herzmuskelentzündung sind nach Angaben des Berufsverbands Deutscher Internistinnen und Internisten (BDI):
- Coxsackie-Viren
- Adenoviren
- Influenzaviren
- Masern- und Herpesviren
- Bakterien (Borrelien und die Erreger von Scharlach und Diphterie)
Auch eine Infektion mit dem Corona-Virus kann eine Herzmuskelentzündung zur Folge haben.
Bei diesen Symptomen an Herzmuskelentzündung denken
Eine Herzmuskelentzündung zu erkennen, ist nicht einfach, da die Symptome sehr unterschiedlich sein können. Manchmal treten auch keine oder sehr allgemeine Beschwerden auf. Wer gerade einen Infekt durchgemacht hat, bringt erste Anzeichen vielleicht erstmal mit der überstandenen Krankheit in Verbindung und geht nicht direkt zum Arzt. Häufig bemerken Betroffene erste Symptome einer Herzmuskelentzündung erst Wochen nach dem vorangegangenen Infekt, informiert das Deutsche Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK).
Vorsicht ist in jedem Fall geboten, wenn die Abgeschlagenheit und Müdigkeit nach einer Erkältung oder einem Magen-Darm-Infekt länger als üblich anhält oder weitere Symptome dazukommen, wie:
- Herzrhythmusstörungen (Herzstolpern, unregelmäßiger Herzschlag, Herzrasen)
- Engegefühl in der Brust bzw. Brustschmerzen
- Atemnot, Kurzatmigkeit
- Schwäche, Schwindel
- Fieber
- Glieder- und Kopfschmerzen
- Flüssigkeitseinlagerungen (Ödeme) in Armen, Beinen oder der Lunge
Manchmal ähneln die Symptome auch denen eines Herzinfarkts: Es kommt zu stechenden Schmerzen in der Brust, Atemnot und Herzrasen in Verbindung mit blasser, bläulicher Haut und Lippen.
Warum eine schnelle Behandlung wichtig ist
Wer den Verdacht hat, an einer Herzmuskelentzündung zu leiden, sollte schnellstmöglich zum Arzt gehen. Denn die Myokarditis muss möglicherweise mit Medikamenten behandelt werden. Ein Elektrokardiogramm (EKG), Ultraschalluntersuchungen und der Nachweis von potenziellen Auslösern im Blut können Klarheit bringen. Manchmal wird auch ein Herz-MRT oder ein Röntgenbild vom Brustkorb gemacht. Bestätigt sich der Verdacht, kommen – je nach Schwere der Entzündung und Symptomen – Medikamente zum Einsatz, die die Entzündung lindern und die Pumpffähigkeit des Herzens stabilisieren. Hat die Herzmuskelentzündung eine bakterielle Ursache, kann laut BDI die Einnahme von Antibiotika nötig sein.
Das Wichtigste bei Herzmuskelentzündung: Ausruhen
Die wichtigste Therapie bei einer Herzmuskelentzündung ist, neben einer medikamentösen Behandlung, Ruhe zu halten. Wer betroffen ist, sollte sich unbedingt schonen und dem Herzmuskel Zeit geben, sich zu regenerieren – und das mehrere Monate. Sport und andere körperliche Anstrengung sind in dieser Zeit tabu. Sonst kann es zu Folgeerkrankungen wie Herzinsuffizienz oder im schlimmsten Fall sogar zu Herzversagen kommen. Wer sich an die Vorgaben seines Arztes hält, hat gute Chancen, dass die Herzmuskelentzündung ohne Folgen und vollständig ausheilt.
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Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren nicht beantwortet werden.
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