Alzheimer: Krankheit möglicherweise durch Fettablagerungen in den Gehirnzellen verursacht
VonLaura Knops
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Entstehung und Behandlung von Demenz: Forscher vermuten, dass eine Anhäufung von Fetttröpfchen in den Gehirnzellen mit der Entstehung von Alzheimer zusammenhängen könnte.
Genetisch bedingte Ansammlungen von Fetttröpfchen könnten an der Entstehung von Alzheimer maßgeblich beteiligt sein. Der größte genetische Risikofaktor für die Alzheimer-Krankheit scheint dazu zu führen, dass sich die Ablagerungen in den Immunzellen des Gehirns ansammeln. Bisher wurde dies als eine mögliche Ursache für die Entstehung der Krankheit übersehen. Die gezielte Bekämpfung dieses Risikofaktors könnte in Zukunft allerdings zu einer wirksameren Behandlung führen. Statt Medikamente, die auf Proteine abzielen, könnte dadurch ein neuer therapeutischer Weg eröffnet werden.
Verborgene Ursache von Alzheimer bereits seit Jahrzehnten bekannt
Eine mögliche Ursache für die Entstehung von Alzheimer könnten Fettablagerungen im Gehirn sein. Diese wurden bereits vor Jahrzehnten von Alois Alzheimer beschrieben (Symbolbild)
Bei dieser Debatte wird jedoch außer Acht gelassen, dass auch in den Gehirnen von Menschen, die an der Krankheit verstorben sind, Fetttröpfchen zu finden sind, erklärte Michael Haney von der University of Pennsylvania. Jahrzehntelang wurden die Fetttröpfchen übersehen und nicht weiter untersucht. Bereits Alois Alzheimer, der die Krankheit Anfang des 20. Jahrhunderts benannte, beschrieb die Fetttröpfchen in den Gehirnen von betroffenen Menschen.
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Im Rahmen einer aktuellen Studie, welche im Fachmagazin „Nature“ veröffentlicht wurde, untersuchten die US-amerikanischen Wissenschaftler die Auswirkungen genau dieser Fettablagerungen. Im Mittelpunkt stand dabei das Gen APOE, welches das Protein codiert, das beim Transport von Fett in und aus den Zellen verantwortlich ist. Es gibt verschiedene Varianten dieses Gens, die als APOE2, 3 und 4 bezeichnet werden. Von diesen Varianten birgt APOE2 das geringste Risiko, an Alzheimer zu erkranken, während APOE4 das höchste Risiko mit sich bringt – bis jetzt war jedoch nicht klar, warum.
Die Forscher untersuchten verschiedene Arten von APOE in Zellen, die im Labor synthetisiert wurden, und in Gewebeproben von Menschen, die an Alzheimer gestorben waren. Sie wollten herausfinden, wie die vier APOE-Varianten – also APOE1 bis APOE4 – das Risiko, an Alzheimer zu erkranken, verändern. Sie stellten fest, dass das APOE4-Gen mit einer höheren Konzentration eines bestimmten Enzyms verbunden war, das wiederum dazu beiträgt, dass sich Fett leichter ansammelt, wie das Wissenschaftsmagazin Science Alert berichtet.
Fett-Stoffwechsel: Ablagerungen in Zellen verursachen Beschwerden
Irundika Dias von der britischen Aston University in Birmingham, die nicht an der Arbeit beteiligt war, erklärte gegenüber dem Wissenschaftsjournal New Scientist, dass frühere Studien darauf hindeuten, dass der Fettstoffwechsel in anderen Arten von Gehirnzellen ebenfalls eine Rolle spielen könnte. „Das Gemeinsame, das all diese Ergebnisse verbindet, ist die Beteiligung des Lipid-Fett-Stoffwechsels“, sagt sie.
Obwohl die aktuelle Forschungsarbeit weitere Einblicke in die Mechanismen und die Behandlung der Alzheimer-Krankheit gibt, sind laut den Wissenschaftlern weitere Studien notwendig. Die Ergebnisse geben jedoch einen weiteren Hinweis darauf, wie sich Alzheimer bekämpfen und möglicherweise sogar vorbeugen lassen könnte.
Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unserer Redaktion nicht beantwortet werden.