Aktuelle Demenz-Forschung

Alzheimer: Krankheit möglicherweise durch Fettablagerungen in den Gehirnzellen verursacht

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Entstehung und Behandlung von Demenz: Forscher vermuten, dass eine Anhäufung von Fetttröpfchen in den Gehirnzellen mit der Entstehung von Alzheimer zusammenhängen könnte.

Genetisch bedingte Ansammlungen von Fetttröpfchen könnten an der Entstehung von Alzheimer maßgeblich beteiligt sein. Der größte genetische Risikofaktor für die Alzheimer-Krankheit scheint dazu zu führen, dass sich die Ablagerungen in den Immunzellen des Gehirns ansammeln. Bisher wurde dies als eine mögliche Ursache für die Entstehung der Krankheit übersehen. Die gezielte Bekämpfung dieses Risikofaktors könnte in Zukunft allerdings zu einer wirksameren Behandlung führen. Statt Medikamente, die auf Proteine abzielen, könnte dadurch ein neuer therapeutischer Weg eröffnet werden.

Verborgene Ursache von Alzheimer bereits seit Jahrzehnten bekannt

Eine mögliche Ursache für die Entstehung von Alzheimer könnten Fettablagerungen im Gehirn sein. Diese wurden bereits vor Jahrzehnten von Alois Alzheimer beschrieben (Symbolbild)

Bisher gingen Forscher davon aus, dass die Alzheimer-Krankheit durch Ablagerungen von Beta-Amyloid-Proteinen in den Plaques zwischen den Nervenzellen sowie verklumpten Tau-Proteinen verursacht wird. Trotz umfassender Untersuchung konnte allerdings bisher nicht herausgefunden werden, welches der beiden Proteine tatsächlich für die Entstehung verantwortlich ist.

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Bei dieser Debatte wird jedoch außer Acht gelassen, dass auch in den Gehirnen von Menschen, die an der Krankheit verstorben sind, Fetttröpfchen zu finden sind, erklärte Michael Haney von der University of Pennsylvania. Jahrzehntelang wurden die Fetttröpfchen übersehen und nicht weiter untersucht. Bereits Alois Alzheimer, der die Krankheit Anfang des 20. Jahrhunderts benannte, beschrieb die Fetttröpfchen in den Gehirnen von betroffenen Menschen.

Tipps für ein Leben mit Demenzkranken: Warum Angehörige Aggressionen nicht persönlich nehmen sollten

Junger und ältere Mann spielen Schach
Die Diagnose Demenz ist ein Schock für alle Familienmitglieder. Wichtig ist, dass sich besonders die Menschen, die dem Betroffenen nahe stehen, weitestgehend über das Krankheitsbild informieren. So können alle Beteiligten den Prozess der Erkrankung und die damit verbundenen Veränderungen besser einordnen. Denn Veränderungen kommen zwangsläufig bei Demenz auf die Familie zu. Daher ist es auch wichtig, Gewohnheiten der Betroffenen und Dinge, die sie gerne tun, so lange wie möglich aufrecht zu halten. Sei es das geliebte Schachspiel mit dem Enkelsohn, der Stammtisch mit Freunden oder die wöchentlichen Chorproben – was es auch ist, das Ihrem an Demenz erkranktem Familienmitglied Freude bereitet, unterstützen Sie es darin, solange es geht. © Cavan Images/Imago
Familie am Tisch beim Essen
So groß an manchen Tagen der Kummer und die Traurigkeit über das erkrankte Familienmitglied – die Oma, der Opa, der Papa oder die Mama – sein mag, umso wichtiger ist es, dass die Familie näher zusammenrückt und die kleinen Freuden im Alltag sucht. Lenken Sie Ihren Nahestehenden so gut es geht ab, achten Sie jedoch auf einen gleichbleibenden Tagesablauf mit geregelten Abläufen, Mahlzeiten und wenig Überforderung. Schaffen Sie so gut es geht eine entspannte und vertraute Umgebung, in der Sie laute Geräusche vermeiden. Zu viele und belastende Aktivitäten können Menschen mit Demenz verunsichern und nicht selten sogar aggressiv machen. © Monkey Business 2/Imago
Vater und Sohn
So schwer es im Trubel des Alltags sein kann, nehmen Sie sich Zeit für ruhige Momente mit dem Betroffenen. Achten Sie auf eine klare und sanfte Ansprache sowie Körperkontakt durch beispielsweise Hände berühren, über den Rücken streicheln oder in den Arm nehmen – das kann auch beruhigen. Hören Sie zu und sprechen sowie argumentieren Sie auf der Gefühlsebene mit Ihrem Nahestehenden, der an Demenz erkrankt ist, so fühlt sich dieser verstanden, zum Beispiel, „Das macht Dich jetzt ganz unruhig“, „Ich sehe, Du bist jetzt richtig ärgerlich“ oder „Du fühlst Dich ganz alleingelassen, richtig.“ Beginnen Sie ein Gespräch am besten immer mit einer wertschätzenden Aussage, „Das hast Du jetzt richtig gut gemacht“, wie die Alzheimer Gesellschaft e. V. empfiehlt, das schafft vonseiten des an Demenz-Ekrankten Vertrauen, reduziert Ängste sowie Unsicherheiten. © Monkey Business 2/Imago
Frau sitzt mit Mann auf einer Bank
Wichtig und so gut es geht: Bleiben Sie als Angehöriger eines an Demenz-erkrankten Familienmitglieds gelassen. Beziehen Sie die Aggressionen und Gefühlsschwankungen nicht auf sich persönlich. Das Verhalten und die Situation sind sehr belastend, doch letztlich sind es die typischen Symptome der Erkrankung, die Einfluss auf das Wesen des Betroffenen haben. Sobald Sie merken, dass Sie an Ihre Grenzen kommen, suchen Sie sich Hilfe, über den Hausarzt und entsprechende Beratungsstellen. © Monkey Business 2/Imago
Mann streitet mit Frau
Versuchen Sie im Alltag Auseinandersetzungen, Streit und schlechte Stimmung zu vermeiden. Menschen, die an Demenz erkrankt sind, argumentieren häufig in ihrer eigenen Welt, folgen einer anderen Logik und lassen sich nur schwer mit Gegenargumenten überzeugen. Das kann mitunter auch zu schweren Aggressionen den Mitmenschen gegenüber und Kurzschlussreaktionen führen. Lösen Sie als Angehöriger hingegen den Konflikt über Ablenkung, indem Sie ein neues Thema anreißen oder etwas ganz „Banales“ ansprechen. © xfizkesx/Imago
Älterer erwachsener Männchen steht hinter einer traurigen älteren erwachsenen Frau
Versuchen Sie auch in schwierigen Situation und Gesprächen Verständnis aufzubringen und geduldig zu sein. Ihre nahestehende Person verhält sich nicht aus einer Absichtshaltung heraus so. Menschen, die an Demenz erkranken, reagieren häufig nicht mehr verstandesmäßig, vielmehr impulsiv und unkontrolliert. Häufig sind es Ängste, Überforderung, Stress und Unsicherheit, die zu dem aggressiven Verhalten führen. Bleiben Sie unbedingt ruhig, sprechen Sie deutlich und langsam sowie in einfachen, kurzen Sätzen. Wiederholen Sie das Gesagte und geben Sie den Betroffenen ausreichend Zeit zu reagieren. © imageBROKER/Andy Dean/Imago
Ältere Frau mit Mann
Als gesunde Angehörige können Sie Ihrem erkrankten Familienmitglied Orientierung geben. Äußern Sie, wo nötig, Anweisungen, und zwar in einzelnen Schritten hintereinander. Stellen Sie Fragen, die der Erkrankte möglichst einfach, zum Beispiel mit „Ja“ oder „Nein“ beantworten kann. Vermeiden Sie W-Fragen wie zum Beispiel, „Wie?“, „Wieso?“, „Warum?“, „Wann?“ – das kann schnell zur Überforderung beitragen. Setzen Sie im Verlauf der Erkrankung auf Hilfsmittel wie gut lesbare Hinweisschilder, beispielsweise an den Schubladen, einen Kalender mit dem aktuellen Datum und wichtigen Mitteilungen, große Uhren im Zuhause oder letztlich einen Rollator für bessere Mobilität. Suchen Sie immer wieder den Kontakt zu Ihrem geliebten Vertrauten, das gibt ihm Sicherheit. © Lisa F. Young/Imago
Junge Frau mit älterer Frau am Computer
Unterstützen Sie den Betroffenen in seinen Aktivitäten, wo sinnvoll. Aufgaben wie Einkäufe, Bank-Überweisungen oder anderes können auch gemeinsam getätigt werden, oder Sie als Angehöriger übernehmen es ab einem bestimmten Zeitpunkt der voranschreitenden Demenz-Erkrankung für Ihren Nächsten. Wichtig ist dabei, dass Sie dies erklären und ankündigen, wenn Sie bei Aufgaben unterstützen wollen oder diese übernehmen. So fühlt sich Ihr Familienmitglied weniger bevormundet. © gulliver20 via imago-images.de/Imago
Enkelin und Großmutter schauen ein Fotoalbum an
Unterstützen Sie das Langzeitgedächtnis Ihres Nahestehenden durch positive Dinge: Schauen Sie in der Familie regelmäßig Fotos an, sprechen Sie oft über schöne Erlebnisse aus der Vergangenheit, so lassen sich so lange wie möglich positive Gefühle bei den Demenz-Betroffenen hervorrufen. © imagebroker/Imago
Person schließt Haustür ab
So hart es zunächst in der Vorstellung sein mag, so wichtig kann es zur Gefahrenreduzierung auch sein: Menschen, die gerade an einer vorangeschrittenen Demenz leiden, verlieren zunehmend die Orientierung. Das kann auch dazu führen, dass sie einfach das Zuhause verlassen und irgendwohin laufen. Daher sollten Sie am besten immer die Haustür von innen absperren, wenn Sie mit Ihrem Nächsten zu Hause sind, und auch andere Familienmitglieder darüber unterrichten, dass diese Gleiches tun. Gleichzeitig sollten Sie darauf achten, dass mögliche Stolperquellen im Haus oder der Wohnung reduziert werden, um die Unfall- und Verletzungsgefahr zu reduzieren. Menschen mit Demenz verlieren zusehends ihr Zeitgefühl, stehen nicht selten nachts auf und wandeln umher. © sarahdoow/Imago

APOE1 bis APOE4: Risikogene bei Alzheimer

Im Rahmen einer aktuellen Studie, welche im Fachmagazin „Nature“ veröffentlicht wurde, untersuchten die US-amerikanischen Wissenschaftler die Auswirkungen genau dieser Fettablagerungen. Im Mittelpunkt stand dabei das Gen APOE, welches das Protein codiert, das beim Transport von Fett in und aus den Zellen verantwortlich ist. Es gibt verschiedene Varianten dieses Gens, die als APOE2, 3 und 4 bezeichnet werden. Von diesen Varianten birgt APOE2 das geringste Risiko, an Alzheimer zu erkranken, während APOE4 das höchste Risiko mit sich bringt – bis jetzt war jedoch nicht klar, warum.

Die Forscher untersuchten verschiedene Arten von APOE in Zellen, die im Labor synthetisiert wurden, und in Gewebeproben von Menschen, die an Alzheimer gestorben waren. Sie wollten herausfinden, wie die vier APOE-Varianten – also APOE1 bis APOE4 – das Risiko, an Alzheimer zu erkranken, verändern. Sie stellten fest, dass das APOE4-Gen mit einer höheren Konzentration eines bestimmten Enzyms verbunden war, das wiederum dazu beiträgt, dass sich Fett leichter ansammelt, wie das Wissenschaftsmagazin Science Alert berichtet.

Fett-Stoffwechsel: Ablagerungen in Zellen verursachen Beschwerden

Irundika Dias von der britischen Aston University in Birmingham, die nicht an der Arbeit beteiligt war, erklärte gegenüber dem Wissenschaftsjournal New Scientist, dass frühere Studien darauf hindeuten, dass der Fettstoffwechsel in anderen Arten von Gehirnzellen ebenfalls eine Rolle spielen könnte. „Das Gemeinsame, das all diese Ergebnisse verbindet, ist die Beteiligung des Lipid-Fett-Stoffwechsels“, sagt sie.

Obwohl die aktuelle Forschungsarbeit weitere Einblicke in die Mechanismen und die Behandlung der Alzheimer-Krankheit gibt, sind laut den Wissenschaftlern weitere Studien notwendig. Die Ergebnisse geben jedoch einen weiteren Hinweis darauf, wie sich Alzheimer bekämpfen und möglicherweise sogar vorbeugen lassen könnte.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unserer Redaktion nicht beantwortet werden.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Andrew Brookes

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