Aus für traditionsreiche Messe: Genfer Autosalon schließt endgültig seine Tore
VonSebastian Oppenheimer
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Der Genfer Autosalon galt als jährliches Messe-Highlight der Branche. Doch nun ist endgültig Schluss: Der Betreiber will keine Neuauflage mehr ausrichten.
Dröhnende Beats, zuckende Lichtblitze, schwungvolle Reden: Der Genfer Autosalon war einmal im Jahr so etwas wie das Mekka der Autobranche. Doch nach über einem Jahrhundert als eine der weltweit führenden Automessen hat der Autosalon nun offiziell für immer seine Pforten geschlossen. Die Entscheidung, keine weiteren Auflagen der Messe zu organisieren, wurde vom Messebetreiber Geneva International Motor Show (GIMS) bekannt gegeben. Der Schritt markiert das Ende einer Ära in der Automobilbranche.
Genfer Autosalon 2024: Kaum noch bedeutende Hersteller zu Gast
Die internationale Automobilmesse in Genf, die seit 1905 stattfand, präsentierte nicht nur die legendärsten Autos der jeweiligen Zeit, sondern galt auch als Wegweiser in der Branche. Jedes Jahr zog der Autosalon mehr als 600.000 Besucher an, eine Zahl, die zuletzt im Jahr 2019 erreicht wurde. Doch die jüngste Auflage der Messe, die vom 26. Februar bis zum 3. März 2024 stattfand, zeigte bereits deutliche Zeichen des Niedergangs: Die meisten großen Hersteller hatten abgesagt, dementsprechend weniger attraktiv war die Messe auch für Besucher. Viele Autobauer präsentieren sich mittlerweile kaum noch auf Messen – oder bevorzugen Tech-Veranstaltungen wie die CES in Las Vegas.
Autosalon in Genf: Absagen durch Corona-Pandemie zwischen 2020 und 2023
Die Corona-Pandemie hatte bereits einen erheblichen Einfluss auf die Durchführung des Genfer Autosalons, was zu mehreren Absagen der Veranstaltung in den Jahren 2020 bis 2023 führte. Als die Messe 2024 in einem kleineren Format wieder stattfand, wurde nur ein Bruchteil der üblichen Besucherzahlen erreicht und die Zahl der Aussteller ging stark zurück. Von den großen und bekannten Marken war lediglich noch Renault vertreten. Doch bereits zuvor war das generelle Interesse der Hersteller an Automessen stark zurückgegangen. Auch die IAA in Frankfurt sank in der Beliebtheit, weshalb der Verband der Automobilindustrie (VDA) als Betreiber auf einen Neustart in München drängte – 2021 ging die Messe dann erstmals am neuen Standort über die Bühne.
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„Sehr bedauerlicher Entscheid“: Messebetreiber wollte den Autosalon wieder zum Erfolg führen
„Die Anstrengungen und die Entschlossenheit, mit denen wir versucht haben, wieder zum Erfolg zurückzukehren, sollen durch diesen sehr bedauerlichen Entscheid nicht in Frage gestellt werden“, sagte Alexandre de Senarclens, Präsident des Autosalon-Messebetreibers laut einer Mitteilung. „Aber das mangelnde Interesse der Hersteller am Genfer Salon in einem schwierigen Umfeld, die Konkurrenz durch die Messen in Paris und München, die von den lokalen Konzernen bevorzugt werden, sowie die Investitionen, die notwendig sind, um den Salon am Leben zu erhalten, haben es unmöglich gemacht, die Veranstaltung fortzusetzen.“
Weiterleben soll der legendäre Autosalon an einem neuen Standort: in Qatar. Die erste Ausgabe der Geneva International Motor Show Qatar im Oktober 2023 war laut den Betreibern ein Erfolg, und die zweite Ausgabe ist für November 2025 in Doha geplant.