Tickende Zeitbombe

Millionen Babyboomer gehen in Rente – das sind die Folgen für Deutschland

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Welche Auswirkungen hat die Babyboomer-Verrentung für die Bundesrepublik und warum wird von Folgen für alle und einer tickenden Zeitbombe gesprochen?

Der demografische Wandel stellt Deutschland vor große Herausforderungen. Die Verrentung der Babyboomer führt zu einem akuten Fachkräftemangel und belastet das Sozialsystem. Experten fordern dringend Maßnahmen, um die Zukunft Deutschlands zu sichern. Aber warum ist die Rente der Babyboomer so kritisch für das Land und was sind eigentlich Babyboomer? echo24.de gibt einen Überblick

Was sind Babyboomer und warum wird ihre Rente für Deutschland kritisch?

Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es in Deutschland einen starken Anstieg der Geburtenrate. Die Menschen, die in dieser Zeit geboren wurden, nennt man „Babyboomer“. Genauer handelt es sich um die Jahrgänge 1955 bis 1969, wie „WirschaftsWoche“ schreibt.

Was erst positiv klingt, hat aber harte Folgen für Deutschland, besonders für das Sozialsystem. Fast 20 Millionen Babyboomer gehen bis 2036 in Rente, wie „tagesschau“ berichtet. Dass das nicht folgenlos bleibt, klingt logisch.

Aber warum ist die Verrentung der Babyboomer ein Problem?

  • Weniger Arbeitskräfte
  • Mehr Rentner
  • Weniger junge Menschen

Wenn viele Menschen gleichzeitig in Rente gehen, fehlen dem Arbeitsmarkt plötzlich viele erfahrene Arbeitskräfte, sogenannte Fachkräfte. So ist es bei den Babyboomern. Die Folge: Fachkräftemangel in Deutschland. Bei mehr Rentnern müssen auch mehr Renten gezahlt werden. Und die müssen erst einmal finanziert werden, weshalb die Einkommen der Babyboomer im Alter das deutsche Rentensystem belasten.

Da nach den Babyboomern weniger Kinder geboren wurden, gibt es heute weniger junge Menschen, die arbeiten und in die Rentenkasse einzahlen können, um die Rente der Babyboomer zu finanzieren. Und dieses Problem hat Folgen für alle. Schließlich wird bei den Babyboomern von den Jahrgängen mit der höchsten Rente in Deutschland gesprochen.

Welche Folgen hat die Verrentung der Babyboomer für Deutschland?

Fachkräftemangel, eine erhöhte Zahl an Rentner, die Geld aus der Rentenversicherung erhalten wollen und weniger junge Menschen im Land, haben natürlich auch ihre Folgen.

Mögliche Folgen der Babyboomer-Verrentung für Deutschland:

  • Wirtschaftliche Probleme
  • Probleme für das Rentensystem
  • Soziale Folgen

Unternehmen können Schwierigkeiten haben, offene Stellen zu besetzen. Dies wiederum führt zu wirtschaftlichen Problemen für Deutschland, da die Produktion in vielen Branchen zurückgehen könnte. Das Wirtschaftswachstum könnte sich verlangsamen. Außerdem könnten die Renten sinken, weil weniger Geld in die Rentenkasse eingezahlt wird. Das deutsche Rentensystem könnte instabil werden.

Renten-Meilensteine in Deutschland in Bildern – von Bismarck über Riester bis Müntefering

Otto von Bismarck brachte im Juni 1889 nach jahrelanger Debatte das „Gesetz über die Invaliditäts- und Altersversicherung“ durch den Reichstag.
Der Name Bismarck hallt bis heute nach. Auch weil Otto von Bismarck im Juni 1889 nach jahrelanger Debatte das „Gesetz über die Invaliditäts- und Altersversicherung“ durch den Reichstag brachte. Die Geburtsstunde der Rente in Deutschland. © Photo 12/www.imago-images.de
Der Holzstich zeigt Dreher, Gießer und Former in einer Porzellanfabrik um 1880.
Altersrente gab es damals aber erst ab dem vollendeten 70. Lebensjahr – die Lebenserwartung betrug damals nicht mal 50 Jahre. Der Holzstich zeigt Dreher, Gießer und Former in einer Porzellanfabrik um 1880. © imago stock&people/Imagebroker
Bismarcks politisches Kalkül war klar: Er wollte die Arbeiter besänftigen.
Bismarcks politisches Kalkül war klar: Er wollte die Arbeiter besänftigen. Rentenversichert waren zunächst Arbeiter und „kleine Angestellte“ mit Einkommen bis 2.000 Mark. Die Beiträge zahlten Arbeitgeber und -nehmer zu gleichen Teilen. © IMAGO/GRANGER Historical Picture Archive
Angestellte waren ab 1913 bei der Reichsversicherungsanstalt für Angestellte angesiedelt.
Größere Reformen gab es Anfang des 20. Jahrhunderts. Angestellte waren ab 1913 bei der Reichsversicherungsanstalt für Angestellte angesiedelt. Sie konnten schon ab 65 Jahren in Rente gehen – anders als Arbeiter. © imago stock&people/Arkivi
Das Bild zeigt verwundete deutsche Soldaten in Frankreich.
Vor dem Ersten Weltkrieg hatten die deutschen Rentenversicherungsanstalten Überschüsse, die sie etwa in Wohnungsbau steckten. Entlassungswellen und Hinterbliebenenrenten änderten das schnell. Das Bild zeigt verwundete deutsche Soldaten in Frankreich. © imageBROKER/GTW
Frauen im Ghetto Warschau bei erzwungener Näharbeit
Im NS-Regime werden Jüdinnen und Juden und andere verfolgte Gruppen aus der Rentenversicherung ausgeschlossen. Millionen von Zwangsarbeitern - im Foto: Frauen 1941 im Ghetto Dambrowa Gornicza bei erzwungener Näharbeit – bleiben ohne Rentenansprüche. Überschüsse der Kassen flossen in Kriegsanleihen. © Imago/Reinhard Schultz
Bundeskanzler Konrad Adenauer (r) gibt in Bonn seine Stimme für die Bundestagswahl 1957 ab
„Keine Experimente“ lautete Konrad Adenauers Slogan zur Bundestagswahl 1957. Bei der Rente wagte er aber eine Reform. Bis dato waren die Renten enorm gering, 50 DM war der Mindestsatz, der Durchschnitt nur unwesentlich höher. Nun änderte sich die Berechnung, Arbeiterrenten stiegen um etwa 60 Prozent. © DB/picture alliance/dpa
Willy Brandt im Jahr 1972.
Die nächste große Neuerung gab es unter Willy Brandt. Seit (dem Wahljahr) 1972 können auch Nicht-Pflichtversicherte in die Rentenversicherung einzahlen – etwa Selbstständige und Hausfrauen. Letzteres war ein Schritt zur Unabhängigkeit von den Ehemännern. Ab 1977 gab es dann auch einen „Versorgungsausgleich“ bei Scheidung. © Imago/Sven Simon
Norbert Blüm klebt Rentenplakat
„Die Rente ist sicher“: Auch mit diesem Satz blieb der mittlerweile verstorbene Arbeitsminister Norbert Blüm in Erinnerung. Auch Blüm kümmerte sich aber um die Lage der Rentnerinnen – er führte 1986 die „Mütterrente“ ein. Seither zählen Kindererziehungszeiten für die Rentenhöhe. © Peter Popp/picture-alliance/dpa
13 09 1985 Berlin Deutsche Demokratische Republik DDR Alte Frauen unterhalten sich
Die nächste große Herausforderung ist die Eingliederung der Bürger der ehemaligen DDR (hier ein Foto aus Ostberlin 1985) in die bundesdeutsche Rentenkasse. Die Deutsche Rentenversicherung preist rückblickend die Stärke des umlagefinanzierten Systems: „Die Rentenversicherung zahlte von einem Tag auf den anderen fast vier Millionen zusätzlicher Renten. Das wäre in einem kapitalgedeckten Rentensystem nicht vorstellbar gewesen.“ © imago stock&people/Franksorge
Kanzler Helmut Kohl (re.), Blüm und Finanzminister Theo Waigel
Die nächste Reform folgt dennoch – Kanzler Helmut Kohl (re.), Blüm und Finanzminister Theo Waigel (li.) müssen sparen, auch angesichts der alternden Bevölkerung. Ab 1992 steigen Altersgrenzen. Frauen und Arbeitslose (bislang bis 62 Jahren) und langjährige Versicherte (bis 63) müssen nun bis 65 arbeiten. Nur noch ein Jahr Kindererziehungszeit ist anrechenbar. © Michael Jung/dpa/picture-alliance
Koalitionsverhandlungen Riester Schröder
Auch Gerhard Schröders Rot-Grün hat ebenfalls Rentenpläne im Gepäck. Arbeitsminister Walter Riester leiht der „Riester-Rente“ seinen Namen – der Staat fördert auf ihrem Wege private Altersvorsorge. Das Modell gilt mittlerweile aber als Flop. Riester arbeitete später auch für Carsten Maschmeyers Finanzdienstleister AWD, dem die Reform gelegen gekommen sein dürfte. © picture-alliance / dpa | Hermann_J._Knippertz
Franz Münterfering und Angela Merkel 2007 im Bundestag.
Heikle Operation: SPD-Vizekanzler Franz Müntefering brachte 2007 die „Rente mit 67“ auf den Weg. Angela Merkels GroKo plante allerdings lange Übergangsfristen, noch bis 2031 dauert die Anhebung des Eintrittsalters an. Für Menschen, die 45 Jahre einzahlten, gab es eine Sonderregel. © Imago/Metodi Popow
Angela Merkel und Andrea Nahles 2017 bei einer Kabinettssitzung.
Müntefering war nicht mehr dabei als Merkels zweite GroKo 2017 das nächste „Rentenpaket“ schnürte. Arbeitsministerin war nun Andrea Nahles. Diesmal ging es um Erleichterungen. Langjährig Versicherte konnten nun ab 63 in Rente, die Mütterrente wurde ausgeweitet. 2018 kamen im „Rentenpakt“ (ohne drittes e) „Haltelinien“ für Beiträge und Rentenniveau hinzu. © Michael Kappeler/dpa/picture alliance
19 02 2017 Angleichung der Rente Rente Ostrente Westrente Ost West Altersruhegeld Angleichu
Fast 35 Jahre wird es gedauert haben – aber ab 2025 werden für die Rente in Ost- und Westdeutschland die gleichen Berechnungsgrößen gelten. Ein durchaus historischer Schritt. Beschlossen wurde er schon 2017. © imago stock&people/Steinach
Arbeitsminister Hubertus Heil – zuständig auch für die Rente – im Bundestag.
Die Evolution der Rente geht weiter: Seit 2021 gibt es die Grundrente als Zuschlag für Menschen, die unterdurchschnittlich verdient haben. Es wird nicht der Schlusspunkt sein: Angedacht – aber umstritten – ist die Aktienrente. Zugleich altert die deutsche Bevölkerung weiter, das Umlagesystem ist unter Druck. Ist die Rente sicher, auch über die Amtszeit von Hubertus Heil hinaus? Die Zukunft wird es zeigen. © Hannes P. Albert/dpa/picture-alliance

Nicht zu vergessen die sozialen Folgen. Es könnte zu Konflikten zwischen den Generationen kommen, weil die Jüngeren höhere Steuern zahlen müssten, um die Renten der Älteren zu sichern. Die junge Generation könnte das Gefühl bekommen, die ältere Generation durchfüttern zu müssen. Zählt das zu den Herausforderungen der 80er und 90er-Jahrgängen mit Blick auf die Rente?

Außerdem könnte die Pflege älterer Menschen schwieriger werden, weil es weniger junge Menschen gibt, die sich um sie kümmern können. Die Plätze in Altenheimen sind aber schon jetzt oft knapp und teuer. Hierzu berichtet der „Deutschlandfunk“, dass die Betreiber von Seniorenheimen vor allem mit drei Problemen zu kämpfen haben: Steigende Mieten, hohe Energiepreise und Fachkräftemangel.

Warum wird die Verrentung der Babyboomer auch mit einer „tickender Zeitbombe“ verglichen?

Der Begriff „tickende Zeitbombe“ wird häufig im Zusammenhang mit dem Ausscheiden der Babyboomer aus dem Erwerbsleben verwendet, also der Rente der Jahrgänge 1955 bis 1969. Wie eine tickende Zeitbombe rückt der Renteneintritt der Babyboomer immer näher. Es ist unausweichlich, deshalb wird eine Lösung benötigt.

Denn die Auswirkungen der Verrentung der Babyboomer sind weitreichend und können zu ernsthaften Problemen führen, wenn nicht rechtzeitig gehandelt wird. Wie bei einer Explosion können die Folgen das gesamte System, und in diesem Fall Deutschland, erschüttern.

Rubriklistenbild: © Collage: echo24.de, Fotos: IMAGO/Steinach, IMAGO/McPhoto

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