VonNatalie Hull-Deichselschließen
Arthrose äußert sich vor allem durch schmerzende Hüft- und Kniegelenke. Helfen konservative Maßnahmen nicht mehr, setzen Experten auf zwei verschiedene Operationen.
Bei Arthrose handelt es sich nach Angaben des Deutschen Rheuma-Liga Bundesverband e. V. um eine Erkrankung, die den Gelenkknorpel unwiederbringlich schädigt. Zusätzlich treten Veränderungen im darunterliegenden Knochen auf. Diese Schäden entwickeln sich oft, wenn Gelenke übermäßig und dauerhaft stark beansprucht werden. Theoretisch können alle Gelenke im Körper erkranken, wobei die Fingergelenke am häufigsten betroffen sind. Besonders einschränkend sind die Auswirkungen der Arthrose für Hüft- oder Kniegelenke.
Wenn Arthrose an den entsprechenden Gelenken nicht behandelt wird, kann mit der Zeit jede Bewegung schmerzhaft werden. Eine frühzeitige Therapie ist entscheidend, um die Gelenkbeweglichkeit zu erhalten und zu verbessern. In manchen Fällen kann bereits über eine Ernährungsumstellung viel ausgerichtet werden, zum Beispiel zuckerarme Lebensmittel und Ernährung oder den Fleischkonsum drastisch zu reduzieren. Bringen konservative Behandlungsmethoden wie orthopädische Hilfsmittel, beispielsweise Bandagen, Einlagen und Gehhilfen, eine eventuell notwendige Gewichtsabnahme, die Einnahme von Schmerzmedikamenten sowie physiotherapeutische oder physikalische Maßnahmen keine Linderung mehr, ist eine Operation eine nächstmögliche und vielversprechende Option. „Ist der Leidensdruck wie durch Nacht- und Dauerschmerzen erheblich und kann der Betroffene nicht mehr am aktiven Leben teilnehmen, sollten chirurgische Optionen in Erwägung gezogen werden.“, so Prof. Dr. Hans-Georg Palm, Direktor des Zentrums für Orthopädie und Unfallchirurgie am Klinikum Ingolstadt, das auf Muskel-, Knochen- und Gelenkerkrankungen spezialisiert ist.
Arthrose behandeln: Für wen eine Operation sinnvoll ist
Um beurteilen zu können, welche Art von Operation für einen bestimmten Patienten am besten geeignet ist, ist die persönliche Beratung durch einen Facharzt wichtig. Denn die Ursachen und das Erscheinungsbild einer Arthrose sind mannigfaltig. „Gerade Patient*innen, die Nebenerkrankungen aufweisen und damit von einem höheren Komplikationsrisiko betroffen sein können, profitieren von der Behandlung in größeren Zentren“, erläutert Prof. Palm im exklusiven Interview mit IPPEN.MEDIA. Grundsätzlich werde zwischen gelenkerhaltenden Operationen, beispielsweise Gelenkspiegelung oder operative Umstellung der Beinachse, und einem künstlichen Gelenkersatz (Endoprothese) unterschieden.
Entzündung im Körper vorbeugen: Welche elf Lebensmittel Sie eher vermeiden sollten




Arthrose-Schmerzen lindern: Wie effektiv eine OP auf lange Sicht ist
„Der künstliche Gelenkersatz ist eine der am häufigsten in Deutschland durchgeführten Operationen. Mit hoher Erfolgsrate bringt diese Operationsmethode Schmerzlinderung und Beweglichkeit – und das erklärt auch die zahlreichen Anwendungen. Der Gelenkersatz ermöglicht Patient*innen über Jahre eine deutliche Schmerzlinderung, Verbesserung der Lebensqualität, Mobilität und Belastbarkeit und somit vermehrte Lebensfreude.“ erklärt Dr. Markus Peyerl gegenüber Ippen, Leiter der Abteilung „Orthopädische Chirurgie und Endoprothetik“ des Zentrums für Orthopädie und Unfallchirurgie am Klinikum Ingolstadt. Aufgrund der Verwendung moderner modularer Implantate und Operationsverfahren kann eine Haltbarkeit von 15 bis 20 Jahren des künstlichen Gelenkersatzes erreicht werden.
Nach der operativen Versorgung können die meisten der Patienten noch am OP-Tag, spätestens am ersten postoperativen Tag mit voller Belastung aufstehen und einige Schritte mit Gehhilfen zurücklegen – unter Kontrolle von Fachpersonal, um das Risiko eines Sturzes zu minimieren. Bei Entlassung ist der Patient in der Regel selbständig mobil. Eine kontinuierliche ambulante oder stationäre Nachbehandlung kann die Genesung und Rehabilitation beschleunigen.
Arthrose behandeln: Risiken und Komplikationen, die mit einer Operation verbunden sind
Auch wenn diese Operationen wie alle chirurgischen Eingriffe mit Risiken und Komplikationen verbunden sind, so weiß Dr. Peyerl aus Erfahrung, dass Endoprothesenoperationen oder Gelenkersatzoperationen in der Regel sichere und effektive Eingriffe darstellen. „Die Art und Schwere der Risiken und Komplikationen können variieren und hängen von verschiedenen Faktoren ab, wie dem Gesundheitszustand der Patient*innen oder der Art der gewählten Operationsmethode. Mögliche Risiken und Komplikationen können beispielsweise Infektionen, Blutungen, Knochenverletzungen, Schmerzen oder auch Thrombosen sein, die aber während der Krankenhausbehandlung engmaschig überwacht und sicher behandelt werden können.“
Individuelle Faktoren wie Patientenalter, Vorerkrankungen oder die Schwere der Arthrose spielten bei Operationen ebenfalls immer eine Rolle. Durch moderne Anästhesieverfahren und Operationsmethoden lassen sich heute jedoch die Risiken auch bei vorerkrankten Patienten deutlich reduzieren und durch individuelle Implantate auch schwere Arthrose-Erkrankungen erfolgreich behandeln.
Therapie bei Arthrose: neue chirurgische Techniken oder Technologien
Im Bereich der Arthrose-Erkrankung wird ständig an neuen Entwicklungen und Behandlungsmöglichkeiten geforscht. Hierzu gehören minimalinvasive Operationsverfahren oder innovative Endoprothesen aus dem 3D-Drucker. Durch ein besseres Verständnis der Erkrankung lassen auch andere Therapieansätze wie die Stammzellentherapie in naher Zukunft auf Behandlungserfolge hoffen. „Betroffene sollten beachten, dass sich viele dieser Technologien und Ansätze noch in der Entwicklungs- oder Forschungsphase befinden. Die Einführung neuer Technologien in die klinische Praxis erfordert umfangreiche klinische Studien und Bewertungen, um ihre Sicherheit und Wirksamkeit zu gewährleisten“, gibt Dr. Markus Peyerl als Ausblick für die Zukunft im Bereich der Arthrose-Behandlung.
Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unserer Redaktion nicht beantwortet werden.
Rubriklistenbild: © Prof. Dr. Hans-Georg Palm/Klinikum Ingolstadt


