Noch Mangelware

Elektroauto am Netz: Bord-Akku dient als Speicher und Kraftwerk

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Bidirektionales Laden ermöglicht es, dass das Elektroauto sowohl Strom aufnimmt als auch abgibt. Bislang können das aber hauptsächlich japanische Modelle.

Die Elektromobilität ist immer weiter auf dem Vormarsch und spätestens mit dem Verbrenner-Verbot in der EU ab 2035 scheint ihr Siegeszug nicht mehr aufhaltbar. Zumal die Stromer nicht nur für die Umwelt gut sind, sondern teilweise auch die Stromrechnung senken können. Das Stichwort heißt hier: bidirektionales Laden.

Was zunächst einfach klingt, kommt mit einer Handvoll kryptischer Bezeichnungen wie V2H, V2G und V2L. Dabei handelt es sich jedoch nicht etwa um irgendwelche Formeln, sondern wichtige Kürzel im Zusammenhang mit der bidirektionalen Be- und Entladung der Antriebsakkus der Elektroautos.

Mit der richtigen Wallbox wird das Elektroauto zum Stromspeicher.

Bidirektionales Laden: Elektroauto dient als Speicher und Kraftwerk

So steht V2H etwa für Vehicle-to-Home. Heißt: Das Haus wird bei Bedarf über die Wallbox mit im Elektroauto gespeichertem Strom versorgt. Das kann etwa dann der Fall sein, wenn Strom zu bestimmten Tageszeiten besonders teuer ist oder die Solarzellen auf dem Dach nicht genügend Energie liefern.

Elektroauto laden: Diese zehn kommen nach 20 Minuten am weitesten

Kia EV6
Kia EV6: 309 Kilometer. Dank moderner 800-Volt-Ladetechnik fährt das Mittelklasse-SUV aus Südkorea klar an die Spitze. Die Version mit Heckantrieb und 77,4-kWh-Akku war das einziges Modell des Testfeldes, das die 300-Kilometer-Marke knackte. Basispreis: 46.990 Euro. © weigl.biz
Mercedes-Benz EQS 450+
Mercedes-Benz EQS 450+: 275 Kilometer. Die Luxuslimousine für mindestens 107.326 Euro holt aus der verwendeten 400-Volt-Technik dank präzisem Lade- und Temperatur-Management das Optimum heraus. Getestet wurde die Long-Range-Version mit 108-kWh-Akku und Heckantrieb. © Deniz Calagan/Mercedes-Benz AG
BMW iX
BMW iX: 273 Kilometer. Das große Elektro-SUV trat als xDrive50 mit serienmäßigem Allradantrieb zum Test in der Oberklasse-Kategorie an – und mit mächtigem 105,2-kWh-Akku. Der Basispreis des mächtigem Stromers liegt bei 84.600 Euro. © Uwe Fischer/BMW
Hyundai Ioniq 5
Hyundai Ioniq 5: 272 Kilometer. Das südkoreanische SUV ist technisch mit dem Testsieger Kia EV6 verwandt, und nutzt dieselbe schnelle 800-Volt-Technik. Die sparsamere Heckantriebsversion kostet ab 43.900 Euro, getestet wurde die Ausführung mit 72,6-kW-Akku für 4.000 Euro Aufpreis. © Dino Eisele/Hyundai
Porsche Taycan GTS
Porsche Taycan: 271 Kilometer. In der Oberklasse lagen die Testwerte relativ dicht beieinander. In der Version GTS fährt der Elektro-Porsche (Basispreis 86.733 Euro) mit 93,4-kWh-Akku nur knapp hinter den Klassenbesten her, er kann ebenfalls mit 800 Volt laden. © Porsche AG
Audi e-tron GT quattro
Audi e-tron GT quattro: 237 Kilometer. Der viertürige, Elektrosportler mit Allradantrieb basiert auf dem Porsche Taycan und verfügt daher ebenfalls über schnelle 800-Volt-Technik und einen 93,4-kWh-Akku, ist aber etwas größer und geräumiger. Preis: ab 104.000 Euro. © Audi
BMW i4 eDrive40
BMW i4: 235 Kilometer. Die Elektroversion der konventionell angetriebenen 4er-Reihe ist das sportlichste Modell der Mittelklasse-Wertung. Als eDrive40 kostet er ab 59.200 Euro und verfügt über einen Akku mit 83.9 kWh Kapazität. © BMW
Tesla Model 3
Tesla Model 3: 221 Kilometer. Der Elektroauto-Pionier legt seit jeher mehr Wert auf Reichweite als auf schnelles Laden, was bei der Akku-Auslegung ein Zielkonflikt ist. Der Test der Long-Range-Version mit 82,1-kWh-Akku erfolgte an markeneigenen Superchargern. Basispreis des Model 3: 52.965 Euro. © Tesla
Polestar 2
Polestar 2: 218 Kilometer. Die noch junge Marke gehört zum chinesischen Geely-Konzern, die Autos werden von dessen Tochter Volvo entwickelt und in China produziert. Den Polestar gibt es ab 46.495 Euro, gemessen wurde die heckgetriebene Long-Range-Version mit 78-kWh-Akku. © Polestar
BMW iX3
BMW iX3: 201 Kilometer. Ein weiterer BMW nach dem bewährten Muster, ein Verbrennermodell zum Stromer umzurüsten. Das Mittelklasse-SUV kostet ab 67.300 Euro und verfügt über einen Akku mit 80 kWh Kapazität. © BMW

Auch im Falle eines Blackouts kann der Stromer dann als Notfallgenerator einspringen. In diesem Fall kann ein Elektroauto einen Drei-Personen-Haushalt mindestens drei Tage mit Storm versorgen, wie AutoBild berichtet. V2H hat zudem einen weiteren Vorteil: Zusammen mit einer Fotovoltaikanlage und einer stationären Batterie lässt sich selbstproduzierte Energie im Auto speichern, was für niedrigere Stromkosten sorgt.

Bidirektionales Laden: Elektroauto wird zur rollenden Powerbank

Ein ähnlicher Ansatz wird bei V2G (Vehivle-to-Grid) verfolgt. In diesem Fall wird das Elektroauto mit dem Stromnetz verbunden und als dezentraler Stromspeicher beziehungsweise Puffer genutzt. Energie, die von Fotovoltaikanlagen oder Windrädern zu viel produziert wird, kann dann dort zwischengespeichert werden und wird nachts oder bei Flaute wieder eingespeist. Abgeschaltete Windräder würden dann der Vergangenheit angehören.

Das Elektroauto kann jedoch auch einfach als rollende Powerbank genutzt werden. Das Ganze wird dann Vehicle-to-Load (V2L) bezeichnet. Mit dem richtigen Adapter kann dann beispielsweise das E-Bike am Auto geladen werden. Und auch die Stromversorgung des Wohnwagens wäre somit gesichert.

Bidirektionales Laden: Ford setzt auf Outdoor-Einsatz

Allerdings ist die Auswahl an Stromern, die bidirektionales Laden unterstützen, noch sehr begrenzt. Vor allem Fahrzeuge aus Japan, wie der Nissan Leaf oder der Mitusbishi i-MiEV, unterstützen die Funktion, auch das deutsche Solarauto Sono Sion soll sie bieten. Die Verbindung mit der Ladesäule erfolgt mit dem CHAdeMO-Stecker. „Die Japaner haben das vorangetrieben, weil dort die Angst vor Erdbeben verbreitet ist und das Auto im Ernstfall als Notstromaggregat funktionieren muss“, sagte Eduard Castaneda der AutoBild.

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Doch in Zukunft könnte das Angebot wachsen, da eine Initiative aus Autobauern, Netzbetreibern und Wallbox-Anbietern auf einheitliche Standards drängt. Eine praktische Lösung bietet da beispielsweise Ford: Für den Elektro-Pick-up F-150 Lightning gibt es für rund 1.200 US-Dollar (ca. 1.145 Euro) eine bidirektionale Ladebox. Diese setzt auf AC-Strom und ist vor allem für den Outdoor. und Baustelleneinsatz gedacht.

Bidirektionales Laden: Immer mehr Hersteller arbeiten an Funktion für Elektroautos

Hyundai Inoiq 5, Kia EV6, Honda-e und der MG Marvel R unterstützten ebenfalls bidirektionales Laden und das sogar über den in der EU etablieren CCS-Stecker. Es gibt jedoch kaum passende Wallboxen auf dem Markt. Auf Wunsch gibt es bei Hyundai zudem noch einen Adapter, mit dem man Pedelecs oder Musikanlagen an das Elektroauto anschließen kann.

Anmerkung der Redaktion: Dieser Text ist bereits in der Vergangenheit erschienen. Er hat viele Leserinnen und Leser besonders interessiert. Deshalb bieten wir ihn erneut an.

Honda hat sich im November 2022 in einem Pilotprojekt als erster Hersteller in Europa als Netzstabilisator zertifizieren lassen. Die Stromer von Volkswagen und seinen Tochter-Marken sollen ebenfalls bald bidirektionales Laden unterstützen. Jedoch nur, wenn die große Batterie verbaut ist und ein entsprechendes Update installiert wird.

Rubriklistenbild: © Martin Bäuml Fotodesign/Imago

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