VonJulian Baumannschließen
Das Auto wurde bekanntlich in Baden-Württemberg erfunden, eine andere Erfindung aus dem Ländle verhalf dem Fortbewegungsmittel aber erst zum weltweiten Durchbruch.
Stuttgart - Die Geschichte des Automobils ist mit einer kleinen Auswahl an Pionieren aus Baden-Württemberg verknüpft. Gottlieb Daimler und Wilhelm Maybach entwickelten mit der „Standuhr“ im Jahr 1885 den ersten schnell laufenden Benzinmotor der Welt. Diesen testeten sie im weltweit ersten Motorrad und in einem motorisierten Boot. Ein Jahr später meldete Carl Benz seinen Motorwagen zum Patent an, der als erstes Auto der Welt gilt. Ein Name, der bei der weiteren Entwicklung aber ebenfalls nicht fehlen darf, ist Robert Bosch.
Die zehn größten Unternehmen aus Baden-Württemberg




Robert Bosch hatte im Jahr 1886 in Stuttgart eine Werkstätte für Feinmechanik und Elektrotechnik gegründet, aus der der heutige Weltkonzern Bosch hervorging, eines der größten Unternehmen Baden-Württembergs. Als eine der wichtigsten Erfindungen von Bosch gilt ein Hochspannungs-Magnetzünder mit einer Zündkerze. Dieser gewährleistete erstmals eine zuverlässige Zündung des Benzin-Luft-Gemisches in Verbrennungsmotoren und verhalf dem Auto somit zum Durchbruch. Obwohl sich Bosch inzwischen ebenfalls auf die E-Mobilität und andere alternative Antriebe fokussiert, produziert der weltgrößte Autozulieferer bis heute Zündkerzen.
Bosch meldet 1902 den Magnetzünder zum Patent an und liefert erste Zündkerze an Daimler
Die von Gottlieb Daimler und Wilhelm Maybach entwickelte „Standuhr“ wurde 1883 als „Gasmotor mit Glührohrzündung“ zum Patent angemeldet. Die Glührohrzündung war damit die erste Variante einer Zündung im Benzinmotor, die bis Anfang des 20. Jahrhunderts verwendet wurde. Diese sehr störanfällige Variante wurde von der Niederspannungs-Magnetzündung abgelöst, die wiederum die Grundlage für den Hochspannungs-Magnetzünder von Bosch war. Dieser wurde im Übrigen nicht von Robert Bosch selbst entwickelt, sondern in dessen Auftrag vom Ingenieur Gottlob Honold, dem Leiter der Robert Bosch Werkstätte für Feinmechanik und Elektrotechnik.
Die Erfindung der heute gängigen Zündkerze kann somit nicht direkt der Person Robert Bosch zugeschrieben werden, sondern dem Unternehmen. Dieses meldete im Jahr 1902 den Hochspannung-Magnetzünder mit Zündkerze zum Patent an. Im selben Jahr lieferte Bosch die erste Zündkerze an die Daimler Motorenwerke, die im Jahr 1926 mit der Benz & Cie zum heutigen Mercedes-Konzern fusionierten. Die Weiterentwicklung der Zündkerze wurde für Bosch schnell zum Erfolg und hatte einen nicht unerheblichen Anteil daran, dass der Stuttgarter Technologiekonzern zum größten Autozulieferer der Welt aufstieg.
Wie Bosch in einer Ausgabe der Historien-Reihe „History Blog“ auf seiner Website erklärt, hatte das Unternehmen in den frühen Jahren zwischen 1897 und 1902 weniger als 50.0000 Stück der Niederspannungs-Magnetzünder gefertigt. Seit der Patentanmeldung im Jahr 1902 wurde die Produktion aber ordentlich nach oben geschraubt, sodass das Unternehmen bis 1912 schon rund eine Million Zündkerzen produziert hatte. Im Jahr 1914 gründete Bosch im Stuttgarter Stadtteil Feuerbach ein erstes Produktionswerk für seine Zündkerzen, dem 1939 ein weiteres in Bamberg folgte.
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Zündkerze verhilft Bosch nach Zweitem Weltkrieg erneut zum wirtschaftlichen Aufschwung
In einer anderen Ausgabe des „History Blogs“ beschreibt Bosch, wie die Zündkerzen nur wenige Jahre später erneut zum Aufschwung des Unternehmens beitrugen. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Stadt Stuttgart stark zerstört; das Stammwerk von Bosch lag in Trümmern und wurde von den verbliebenden Mitarbeitern mühsam wieder aufgebaut. Nachdem Stuttgart schließlich zur US-Besatzungszone gezählt hatte, rückte die Army mit einem großen Fuhrpark in die Stadt ein. Die Fahrzeuge benötigten aber bald neue Zündkerzen und Batterien, weshalb die Produktionsbeschränkungen für Bosch rasch aufgehoben wurden.
Die Bosch-Zündkerzen wurden in den folgenden Jahren und Jahrzehnten zu einem der wichtigsten Produkte des Konzerns. Im Jahr 1968 produzierte Bosch die 1-milliardste Zündkerze, im Jahr 2012 wurde die 11-milliardste produziert. Bosch befindet sich wie Mahle und ZF allerdings mitten in der Transformation zur E-Mobilität. Da bei E-Autos keine klassischen Zündkerzen benötigt werden, ist die Zukunft der bahnbrechenden Entwicklung deshalb ungewiss.
Rubriklistenbild: © Robert Bosch GmbH




