- VonAnna-Lena Kiegerlschließen
Der Verkauf von halben Broten könnte in Rheinland-Pfalz bald der Vergangenheit angehören. Ein umstrittenes Vorgehen der Behörden sorgt für Aufsehen und Ärger.
Mainz – In Deutschland ist das Wegwerfen von Lebensmitteln leider alltäglich. Daher ist es umso wichtiger, sich über den eigenen Verbrauch im Klaren zu sein. Damit weniger Nahrung im Abfall endet, können alte Lebensmittel etwa mit einfachen Tricks wieder aufgefrischt werden. Oder es wird nur die benötigte Menge an Lebensmitteln gekauft. Auch Lidl, Aldi und Co. entwickeln regelmäßig Konzepte, um Lebensmittelverschwendung zu reduzieren.
Um weniger wegzuschmeißen, kaufen viele beim Bäcker nur ein halbes Brot. Doch das könnte nun vorbei sein. Denn das Landesamt für Mess- und Eichwesen Rheinland-Pfalz verhängt unter Umständen hohe Strafen für das Teilen von Broten. Grund dafür sei das deutsche Eichgesetz, wie Rheinpfalz am Sonntag berichtete.
Bäckereien verkaufen keine halben Brote mehr – das sorgt bei Kunden für Unmut
Das Eichgesetz schreibt vor, dass Brot vor dem Verkauf gewogen werden muss. Ausnahmen gelten für Produkte unter 250 Gramm, wie beispielsweise Brötchen. Wenn ein gewogenes Brot nun halbiert wird und anschließend in den Verkauf geht, ohne es noch einmal zu wiegen, stellt dies einen Verstoß gegen das Gesetz dar. Bäckereien in Rheinland-Pfalz hätten seit einigen Wochen keine halben Brote mehr verkauft, was bei den Kunden für Unmut gesorgt habe, schreibt Rheinpfalz am Sonntag.
Bäckereien, die Brot trotz des Gesetzes halbiert verkauften, ohne es nach dem Durchschneiden erneut zu wiegen, seien zu Geldstraßen im dreistelligen Bereich verdonnert worden. Das bestätigte das Landesamt für Mess- und Eichwesen gegenüber der Zeitung. Die Behörde habe zuvor verdeckte Käufe von halben Broten durchgeführt.
Kritik an Landesamt: CDU-Abgeordneter Martin Brandl verärgert über die Brot-Maßnahme
Die Maßnahme soll nun aber erneut geprüft werden, erklärte das Landesamt weiter. Man wolle das Thema intern diskutieren. Neben den Kunden zeigte sich auch Martin Brandl, CDU-Abgeordneter im Rheinland-Pfälzischen Landtag, verärgert über das Vorgehen der Behörde. „Seit jeher kann ich in einer Bäckerei ein halbes Brot zum halben Preis kaufen, noch nie habe ich die Sorge erlebt, jemand könnte am Ende eine Scheibe zu viel oder zu wenig bekommen haben“, kommentierte Brandl die Maßnahme mehreren Medienberichten zufolge. Statt Bäckereien zu schikanieren, sollte sich das Landesamt um die „tatsächlichen Probleme der Bürgerinnen und Bürger kümmern“, findet der Politiker.
In Rheinland-Pfalz werden Bäcker bestraft, die halbe Brote verkaufen. Muss die Rentnerin halt hartes Brot essen nach mehreren Tagen... 🤷#Deutschland https://t.co/6vtQ8zLsgK
— Beate K. (@sherabpaldroen) July 30, 2023
Zwar gibt es einige Tipps, mit denen Brot auch bei höheren Temperaturen etwas länger frisch bleibt, Bäckerei-Kunden wollen dennoch an der Option festhalten, nur einen halben Laib zu kaufen. Eine Nutzerin auf Twitter schreibt etwa: „Behörden-Irrsinn in Rheinland-Pfalz. Amt bestraft Bäcker für Verkauf von halben Broten. Und weiter geht der Wahnsinn in #Deutschland. Dann kaufe ich mir halt ein ganzes Brot und schmeiße die andere Hälfte weg. Besser?“ Eine weitere wettert: „In Rheinland-Pfalz werden Bäcker bestraft, die halbe Brote verkaufen. Muss die Rentnerin halt hartes Brot essen, nach mehreren Tagen.“
Für diesen von der Redaktion geschriebenen Artikel wurde maschinelle Unterstützung genutzt. Der Artikel wurde vor Veröffentlichung von Redakteurin Teresa Toth sorgfältig überprüft.
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