Marktstart auch in Deutschland

BYD: Elektroautobauer aus China will Europa erobern

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Der Autokonzern BYD startet im Herbst in Deutschland. Im Gepäck haben die Chinesen zunächst drei Modelle – sie fahren ausschließlich elektrisch.

Bislang gab es unter den chinesischen Autoherstellern lediglich zaghafte Versuche, die Tür in Europa aufzustoßen. Manche davon scheiterten kläglich – an der Crashwand. Doch das ist längst Geschichte. Heute, in Zeiten der Elektromobilität, sind die Karten neu gemischt. China wagt erneut den Schritt, im schwierigsten Automarkt der Welt Fuß zu fassen. Mit Nio, Aiways und MG sind bereits die ersten Modelle eingetroffen, teils über Pilotmärkte wie Norwegen oder den Niederlanden.

Jetzt hat auch der weltgrößte Hersteller von Elektroautos Europa auf dem Zettel: BYD (Build Your Dreams). Die Marke, die 1995 als Batteriehersteller begann, hat im ersten Halbjahr mehr NEV (New Energy Vehicle), wie die Elektroautos in China genannt werden, als Tesla verkauft: 640.000. Zählt man die vergangenen Jahre hinzu, kommt BYD auf über zwei Millionen.

BYD: Elektroautobauer aus China will Europa erobern

Die Chinesen nutzen den Pariser Autosalon, um ihre Europa-Modelle der Öffentlichkeit zu präsentieren. Es ist jedoch nicht der erste Messeauftritt auf europäischem Boden. Vor 14 Jahren zeigte BYD das Plug-in-Hybridmodell F3DM. Jetzt aber geht es ausschließlich elektrisch weiter, die Produktion von Verbrennermodellen stellte BYD in diesem Jahr ein.

Der Atto 3 wird als erstes Auto von BYD in Deutschland erhältlich sein.

Wie andere große Autohersteller setzen auch die Chinesen für ihre Stromer auf eine dezidierte Elektroarchitektur. Sie ist skalierbar und modular, passt vom Kleinwagen bis zum großen SUV. BYD nennt sie schlicht 3.0. Versprochen werden Reichweiten bis zu 1.000 Kilometer und „Nachtanken“ von 150 Kilometern in nur fünf Minuten. In derselben Zeit könnten Elektroautos dank einer NASA-Technik künftig vollgeladen sein.

BYD: Europa-Start mit drei Elektroautos

Ihr Debüt hatte die 3.0-Plattform im Concept Car Ocean X, einer sportlichen Mittelklasselimousine. Erstes Serienfahrzeug auf 3.0-Basis ist das kompakte Steilheckmodell Atto 3, ein Konkurrent zum VW ID.3. Im Boden stecken allerdings Lithium-Eisen-Phosphat-Zellen (LFP), anstelle der üblichen Lithium-Nickel-Mangan Kobalt-Version (NMC). LFP sollen zwar zyklenfester und brandsicherer sein, können jedoch weniger schnell Leistung aufnehmen. Der 60,5 kWh große Akku verträgt maximal nur 88 kW DC-Ladeleistung – viel zu wenig im Segment. 420 Kilometer soll die WLTP-Reichweite betragen.

Elektroautos: Die zehn beliebtesten Modelle in Deutschland

BMW i3
Platz 10: BMW i3. Schon seit 2013 auf dem Markt, und immer noch recht beliebt: 12.178 BMW i3 wurden 2021 neu zugelassen. Trotzdem läuft die Produktion des City-Stromers mit knapp 300 Kilometern Reichweite nach insgesamt 250.000 Einheiten dieses Jahr ohne Nachfolger aus. Preis: ab 39.000 Euro. © BMW
Fiat 500
Platz 9: Fiat 500. Das aktuelle Modell des Kleinstwagens, auch als Fiat 500e oder Fiat 500 Elektro bezeichnet, wird ausschließlich als E-Auto angeboten. 2021 fand er 12.516 Kunden. Je nach Akku-Größe schafft der kleine, aber charakterstarke Cityflitzer aus dem Stellantis-Konzern 190 bis über 300 Kilometer. Preis: ab 26.790 Euro. © Fiat/Stellantis
VW ID.5
Platz 8: VW ID.4. Die Crossover-Variante des braven Grundmodells ID.3 mit größerem Innenraum und etwas Off-Road-Fähigkeit wurde im vergangenen Jahr 12.734 mal zugelassen. Die Reichweite der Top-Version gibt VW reichlich optimistisch mit 518 Kilometern an. Preis: Ab 46.515 Euro. © Ingo Barenschee/VW
Skoda Enyaq iV
Platz 7: Škoda Enyaq iV. Der technische Ableger des VW ID.3 und ID.4 auf der MEB-Plattform ist mit 4,65 Metern etwas länger, und erfüllt somit das übliche Marken-Image als Alternative für die Familie. 13.026 Käufer und Leasingnehmer überzeugte das E-SUV mit offiziell bis zu 500 Kilometern Reichweite. Preis: ab 46.515 Euro. © Skoda Auto a.s.
Hyundai Kona Elektro
Platz 6: Hyundai Kona Elektro. Im Gegensatz zum neuen Ioniq 5 bietet Hyundai den seit Kona mit verschiedenen Antriebsversionen an, das seit 2018 verkaufte Elektroauto brachte es auf 17.240 Neuzulassungen. Die Motoren leisten 136 oder 204 PS, die Reichweite beträgt maximal 484 Kilometer. Preis: ab 35.650 Euro.  © Hyundai
Smart EQ fortwo Edition Bluedawn smart EQ fortwo edition bluedawn: stylish and electrifying eye-catcher
Platz 5: Smart EQ Fortwo. Wie beim BMW i3 ist auch das Ende des Elektrozwergs besiegelt. Künftig kommen die Elektroautos aus China und als größere SUV daher. Das Original fand trotz seiner mickerigen Reichweite von offiziell 153 Kilometer noch 17.413 Abnehmer. Preis: ab 21.940 Euro. © Mercedes-Benz AG
Renault Zoe
Platz 4: Renault Zoe. Beim Crashtest versagte die aktuelle Version des französischen City-Stromers (null Sterne!), aber mit 24.736 Neuzulassungen war er hierzulande durchaus beliebt. Dank bis zu 395 Kilometern maximaler Reichweite eignet er sich auch für längere Trips. Preis: ab 33.140 Euro. © Renault
VW ID.3
Platz 3: VW ID.3. Das Grundmodell des „Modularen E-Antriebs-Baukastens“ des VW-Konzerns gilt längst als elektrischer VW Golf, auch wenn sich manch Stromer-Fan einen etwas aufregenderen Auftritt gewünscht hätte. Europaweit brachte es der ID.3 mit seinen offiziell bis zu 553 Kilometern Reichweite schon auf über 100.000 Verkäufe, auf Deutschland entfielen 26.693 Zulassungen. Preis: ab 36.960 Euro. © VW
VW e-Up
Platz 2: VW e-Up. Seine große Beliebtheit führt zu seinem größten Nachteil: Immer wieder ist der kleine, 30.797 mal zugelassene Stromer ausverkauft, was letztendlich auch zu einer kräftigen Preissteigerung führte. Bis zu 260 Kilometer Reichweite gehen für diese Größe ok. Preis: ab 26.895 Euro. © VW
Tesla Model 3
Platz 1: Tesla Model 3. Das Einstiegsmodell des Elektroauto-Pioniers sicherte sich mit 35.262 Neuzulassungen klar die Pole-Position, und schaffe es wochenweise sogar an die Spitze der Gesamt-Charts aller Pkw. Die Reichweite beträgt laut Werksangabe bis zu 547 Kilometer. Preis: ab 52.965 Euro. © Tesla

Nummer zwei im Gepäck der Chinesen ist der Han, eine Limousine der Business-Klasse ähnlich dem Tesla Model S. Der fünf Meter lange Han verfügt über zwei E-Motoren mit zusammen 380 kW/517 PS, die LFP-Batterie im Blade-Design hat eine Kapazität von 85,4 kWh. Damit soll der Han bis zu 521 Kilometer schaffen. Mit dem Tang ist BYD bereits im norwegischen Markt unterwegs, und dies sehr erfolgreich. Das Allrad-Modell, fast so groß wie ein Audi e-tron, war dort im Juli gleich das bestverkaufte Elektro-SUV. Im Tang stecken ebenfalls zwei Motoren mit zusammen 380 kW Leistung. Die Reichweite gibt BYD mit 400 Kilometern an. Dürftig ist erneut die DC-Ladeleistung: 110 kW, was bei Langstreckenfahrern nur Kopfschütteln auslösen wird.

BYD: Seal soll mit Model 3 konkurrieren

Wer glaubt, dass Chinas Autobauer ihre Stromer trotz der Lademängel bei uns zu Dumpingpreisen anbieten, wird enttäuscht. Der Atto 3 startet bei 42.250 Euro. Die Limousine Han gibt es ab 70.800 Euro, das SUV Tang kostet mindestens 71.400 Euro. Folgen sollen den drei Startmodellen Atto3, Han und Tang im kommenden Jahr der Dolphin. Das kleine Hatchback-Modell ist vorwiegend für den City-Einsatz gedacht. Unterhalb des Han wird BYD vermutlich 2024 den Seal positionieren. Er hat die Größe eines Tesla Model 3.

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Sein europäisches Headquarter hat sich BYD in den Niederlanden eingerichtet. Selbst der Vertrieb ist nahezu in trockenen Tüchern. Für Deutschland will BYD mit der schwedischen Hedin Mobility Group zusammenarbeiten. Ausgewählte Händler, sogenannte „Top-of-the-line Dealerships“, wie auf der Internetseite zu lesen ist, sollen den Verkauf abwickeln. Welche Händler das sind, verschweigt BYD allerdings noch. Verkündet wird dagegen, Elektroautos weltweit in 400 Städten, 70 Ländern und sechs Kontinenten zu verkaufen. Motto: „Cool the Earth by 1° C“. (Michael Specht/SP-X)

Rubriklistenbild: © Hindustan Times/Imago

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