E-Auto-Krise droht

Warnung für Deutschland: 680 Millionen Euro Verlust zeigen, was bei E-Auto-Boom droht

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Der E-Auto-Boom in China sorgt für hohe Kosten und Milliardenverluste. Was das für Deutschland bedeutet, zeigt ein Vergleich der Systeme.

Die Elektromobilität erlebt in China einen beispiellosen Aufschwung. Millionen Elektroautos werden jährlich neu zugelassen, und der Markt wächst rasant. Doch der Boom hat seine Schattenseiten: Versicherungen sind überfordert, denn E-Auto-Fahrer in China verursachen doppelt so viele Schäden wie herkömmliche Autobesitzer. In Deutschland hingegen scheint der Markt besser kalkuliert und stabiler aufgestellt. Doch wie lange noch?

Warnung für Deutschland: 680 Millionen Euro Verlust zeigen, was bei E-Auto-Boom droht (Symbolbild)

Während Elektroautos in China boomen, stehen Versicherer vor riesigen Herausforderungen. Wie Bloomberg berichtet, verzeichnete die Branche allein im Jahr 2024 Verluste von rund 680 Millionen Euro (5,7 Milliarden Yuan). Der Grund: Fahrer verursachen Schäden bei Elektroautos im Schnitt doppelt so häufig wie bei Verbrennern, und die damit verbundenen Reparaturkosten sind somit enorm.

Hohe Batteriekosten und systemische Risiken belasten den Markt

Die Hauptursache für die hohen Kosten in China sind die empfindlichen Batterien, die bei Unfällen häufig beschädigt werden. Sie sind teuer zu ersetzen und erfordern spezialisiertes Fachwissen. Hinzu kommt, dass viele Werkstätten in China nicht auf die anspruchsvolle Technik von Elektroautos vorbereitet sind. Besonders Fahrer von Fahrzeugen wie Tesla oder ausländischen Marken berichten von langen Wartezeiten und extrem hohen Rechnungen, da Reparaturen oft nur in autorisierten Werkstätten möglich sind. Gleichzeitig versuchen einige Besitzer, Kosten zu drücken, indem sie gewerblich genutzte Fahrzeuge als Privatfahrzeuge versichern – ein Problem, das die Prämien für alle in die Höhe treibt.

Versicherer in China kämpfen zudem mit einer unausgeglichenen Einnahmen- und Ausgabenbilanz. Trotz bis zu doppelt so hoher Prämien für Elektroautos übersteigen die Kosten die Einnahmen deutlich. Das sogenannte Schaden-Kosten-Verhältnis lag 2024 bei über 107 %. Das bedeutet, dass die Versicherer mehr auszahlen müssen, als sie durch die Beiträge einnehmen. Die chinesische Regierung versucht, mit Maßnahmen wie der Plattform „Easy to Insure“ gegenzusteuern, die Versicherer und Verbraucher besser zusammenbringen soll. Doch bislang bleibt der Markt ein Verlustgeschäft – mit massiven Auswirkungen auf die Verbraucher.

Im Vergleich zu China zeigt sich der deutsche E-Auto-Markt stabiler. Die Schadenhäufigkeit bei Elektroautos in Deutschland liegt sogar 10 bis 15 % niedriger als bei Benzinern. Allerdings sind die Reparaturkosten auch hier höher: Vollkasko-Schäden bei E-Autos sind 15 bis 20 % teurer als bei Verbrennern. Grund dafür ist auch hier die aufwendige Technik der Fahrzeuge. Dennoch profitieren deutsche Fahrer von einer besseren Infrastruktur und einer langsameren Marktentwicklung. Werkstätten haben hier mehr Erfahrung mit der Reparatur von Elektroautos, was die Kosten und Wartezeiten senkt.

Der deutsche Markt wächst zwar langsamer, ist aber nicht ohne Herausforderungen. Bis Anfang 2025 waren in Deutschland rund 1,65 Millionen E-Autos zugelassen – eine Verfünffachung seit 2021. Die meisten Neuzulassungen entfallen auf heimische Hersteller wie Volkswagen, Mercedes und BMW. Doch auch hier könnten steigende Zulassungszahlen und komplexere Technik langfristig Druck auf die Versicherer ausüben. Experten warnen, dass ein ungebremster Boom wie in China auch in Deutschland die Kosten explodieren lassen könnte, wenn nicht weiter in Infrastruktur und Ausbildung investiert wird. Auch interessant: China-Experte erklärt, warum bei E-Mobilität Welten zu Deutschland liegen.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Teresa Kröger

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