Demenz verändert die Persönlichkeit: Wenn Patienten plötzlich aggressives Verhalten zeigen
VonJudith Braun
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Manche Demenz-Patienten zeigen aggressives Verhalten – auch gegenüber Angehörigen. Wie Sie am besten darauf reagieren können.
Eine Demenz-Erkrankung führt nicht nur zum geistigen Abbau oder sogar zu einem Gedächtnisverlust: Auch die Persönlichkeit von Betroffenen verändert sich durch Alzheimer. Dies hat Auswirkungen auf die Patienten selbst und kann vor allem auch für Angehörige belastend sein. Besonders schwierig ist dabei häufig der Umgang mit aggressivem Verhalten, das manche Erkrankten zeigen. Der Verein Alzheimer Forschung Initiative e. V. (AFI) gibt pflegenden Angehörigen deshalb Anregungen und Tipps, wie sie auf Aggressionen vonseiten ihrer erkankten Familienmitglieder reagieren können.
Aggressionen bei Demenz: Wie Angehörige mit Verhalten von Erkrankten umgehen – Vier Tipps
Warum manche Alzheimer-Patienten aggressiv werden, kann verschiedene Gründe und Ursachen haben. Häufig leiden sie beispielsweise unter einem Gefühl der Hilflosigkeit und Abhängigkeit, welches Aggressionen auslösen kann. Zudem leben sie immer mehr in ihrer eigenen Realität und können deshalb gewohnte Abläufe nicht mehr verstehen oder das Handeln ihrer Mitmenschen nachvollziehen. Auch dies kann bei Betroffenen zu Unsicherheit, Angst und Wutanfällen führen. Zu viel Licht, laute Geräusche oder fremde Menschen können ebenfalls aggressives Verhalten auslösen. Die AFI rät Angehörigen in solchen Situationen daher zu folgenden Reaktionen und Umgangsweisen:
Nehmen Sie das Verhalten nicht persönlich: In Situationen, in denen der Erkrankte aggressiv reagiert, hilft es, sich zu vergegenwärtigen, dass das Verhalten nicht gegen Sie persönlich gerichtet ist. Es ist stattdessen durch die Demenz bedingt. Allerdings ist es ganz normal, dass man nicht immer auf diese Weise reagieren kann – gerade im stressigen Pflegealltag. Nehmen Sie sich deshalb in herausfordenden Situationen kurz Zeit, um das Zimmer zu verlassen, tief durchzuatmen und sich wieder zu sammeln.
Lassen Sie sich auf die Gedankenwelt des Patienten ein: Die AFI empfiehlt außerdem, sich als Angehöriger auf die Realität des Erkrankten einzulassen. Reagieren Sie anstatt mit Zurechtweisungen oder Richtigstellungen mit einer einfühlsamen und wertschätzenden Haltung, wenn sich der Patient aggressiv zeigt. Während erstere den Patienten eher verunsichern oder noch mehr verärgern können, kann zweitere Reaktion Aggressionen sogar vermindern. Achten Sie außerdem auf bestimmte Auslöser von aggressivem Verhalten und stellen Sie diese nach Möglichkeit ab.
Sorgen Sie für einen strukturierten Alltag und bieten Sie Orientierung: Ein so einfach wie möglich gestalteter Alltag hilft dem Erkrankten dabei, sich nicht überfordert zu fühlen. Indem Sie die Wohungseinrichtung nicht unnötig verändern, Gegenstände am gewohnten Platz lassen und Alltagsroutinen beibehalten, bieten Sie Sicherheit und Orientierung. Reduzieren Sie außerdem Auslöser wie zu viel Lärm, zu grelles Licht oder auch bestimmte Personen. Termine, wie etwa Arztbesuche, sollten Sie außerdem mit ausreichend Vorbereitungszeit ankündigen.
Kommunizieren Sie angemessen und auf eine einfache Art: Sprechen Sie mit dem Erkrankten langsam, deutlich sowie in kurzen Sätzen und nutzen Sie Fragen, auf denen er mit „ja“ oder „nein“ antworten kann. Wenn Sie auf eine angemessene und einfache Kommunikation achten, fühlt sich der Betroffene wahrgenommen und verstanden. Auch Gesten und eine deutliche Körpersprache können das Gesagte unterstreichen und beim Verständnis unterstützen. Wenn Sie merken, dass das erkrankte Familienmitglied einem Gesprächsthema nicht mehr folgen kann oder es Irritationen bei ihm hervorruft, wechseln Sie am besten das Thema. Ist die Demenz-Krankheit bereits fortgeschritten, wird außerdem sowohl Blick- als auch Körperkontakt immer wichtiger, da Sprachfähigkeit und Kognition immer mehr nachlassen.
Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unserer Redaktion leider nicht beantwortet werden.