Tipps für Angehörige

Demenz verändert die Persönlichkeit: Wenn Patienten plötzlich aggressives Verhalten zeigen

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Manche Demenz-Patienten zeigen aggressives Verhalten – auch gegenüber Angehörigen. Wie Sie am besten darauf reagieren können.

Eine Demenz-Erkrankung führt nicht nur zum geistigen Abbau oder sogar zu einem Gedächtnisverlust: Auch die Persönlichkeit von Betroffenen verändert sich durch Alzheimer. Dies hat Auswirkungen auf die Patienten selbst und kann vor allem auch für Angehörige belastend sein. Besonders schwierig ist dabei häufig der Umgang mit aggressivem Verhalten, das manche Erkrankten zeigen. Der Verein Alzheimer Forschung Initiative e. V. (AFI) gibt pflegenden Angehörigen deshalb Anregungen und Tipps, wie sie auf Aggressionen vonseiten ihrer erkankten Familienmitglieder reagieren können.

Aggressionen bei Demenz: Wie Angehörige mit Verhalten von Erkrankten umgehen – Vier Tipps

Versuchen Sie als Angehöriger eines Demenz-Erkrankten aggressives Verhalten nicht persönlich zu nehmen.

Warum manche Alzheimer-Patienten aggressiv werden, kann verschiedene Gründe und Ursachen haben. Häufig leiden sie beispielsweise unter einem Gefühl der Hilflosigkeit und Abhängigkeit, welches Aggressionen auslösen kann. Zudem leben sie immer mehr in ihrer eigenen Realität und können deshalb gewohnte Abläufe nicht mehr verstehen oder das Handeln ihrer Mitmenschen nachvollziehen. Auch dies kann bei Betroffenen zu Unsicherheit, Angst und Wutanfällen führen. Zu viel Licht, laute Geräusche oder fremde Menschen können ebenfalls aggressives Verhalten auslösen. Die AFI rät Angehörigen in solchen Situationen daher zu folgenden Reaktionen und Umgangsweisen:

  1. Nehmen Sie das Verhalten nicht persönlich: In Situationen, in denen der Erkrankte aggressiv reagiert, hilft es, sich zu vergegenwärtigen, dass das Verhalten nicht gegen Sie persönlich gerichtet ist. Es ist stattdessen durch die Demenz bedingt. Allerdings ist es ganz normal, dass man nicht immer auf diese Weise reagieren kann – gerade im stressigen Pflegealltag. Nehmen Sie sich deshalb in herausfordenden Situationen kurz Zeit, um das Zimmer zu verlassen, tief durchzuatmen und sich wieder zu sammeln.
  2. Lassen Sie sich auf die Gedankenwelt des Patienten ein: Die AFI empfiehlt außerdem, sich als Angehöriger auf die Realität des Erkrankten einzulassen. Reagieren Sie anstatt mit Zurechtweisungen oder Richtigstellungen mit einer einfühlsamen und wertschätzenden Haltung, wenn sich der Patient aggressiv zeigt. Während erstere den Patienten eher verunsichern oder noch mehr verärgern können, kann zweitere Reaktion Aggressionen sogar vermindern. Achten Sie außerdem auf bestimmte Auslöser von aggressivem Verhalten und stellen Sie diese nach Möglichkeit ab.
  3. Sorgen Sie für einen strukturierten Alltag und bieten Sie Orientierung: Ein so einfach wie möglich gestalteter Alltag hilft dem Erkrankten dabei, sich nicht überfordert zu fühlen. Indem Sie die Wohungseinrichtung nicht unnötig verändern, Gegenstände am gewohnten Platz lassen und Alltagsroutinen beibehalten, bieten Sie Sicherheit und Orientierung. Reduzieren Sie außerdem Auslöser wie zu viel Lärm, zu grelles Licht oder auch bestimmte Personen. Termine, wie etwa Arztbesuche, sollten Sie außerdem mit ausreichend Vorbereitungszeit ankündigen.
  4. Kommunizieren Sie angemessen und auf eine einfache Art: Sprechen Sie mit dem Erkrankten langsam, deutlich sowie in kurzen Sätzen und nutzen Sie Fragen, auf denen er mit „ja“ oder „nein“ antworten kann. Wenn Sie auf eine angemessene und einfache Kommunikation achten, fühlt sich der Betroffene wahrgenommen und verstanden. Auch Gesten und eine deutliche Körpersprache können das Gesagte unterstreichen und beim Verständnis unterstützen. Wenn Sie merken, dass das erkrankte Familienmitglied einem Gesprächsthema nicht mehr folgen kann oder es Irritationen bei ihm hervorruft, wechseln Sie am besten das Thema. Ist die Demenz-Krankheit bereits fortgeschritten, wird außerdem sowohl Blick- als auch Körperkontakt immer wichtiger, da Sprachfähigkeit und Kognition immer mehr nachlassen.

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Erste Anzeichen von Demenz: Elf Symptome können auf die Erkrankung hindeuten

Mann schläft in Bett
Schon Jahre zuvor kann ein gestörter Schlaf mit intensiven Träumen auf eine spätere Demenz-Erkrankung hindeuten. Laut Ergebnissen einer kanadischen Studie soll die sogenannte REM-Schlaf-Verhaltensstörung ein Warnzeichen für Gehirnerkrankungen sein, die ca. 15 Jahre später auftreten. Menschen, die heftig träumen und dabei um sich schlagen oder treten, sollen ein 80 bis 100 Prozent höheres Risiko haben, eine neurodegenerative Erkrankung wie Demenz oder Parkinson zu entwickeln. © Monkeybusiness/IMAGO
Verschwommene Frau am Tisch
Wahrnehmungsstörungen bis hin zu Halluzinationen sind auch als Frühsymptom bei einer Demenz möglich, insbesondere bei der Lewy-Körper-Demenz. Vielen Betroffenen fällt es schwer, Bilder, Farben, Kontraste zu erkennen und räumliche Dimensionen zu erfassen. Auch das Wiedererkennen von vertrauten Gesichtern kann dadurch beeinträchtigt sein. Betroffene sehen beispielsweise in einer fremden Person plötzlich die eigene Mutter. Laut Ärztezeitung zeigen Studien mit Alzheimerpatienten, dass etwa ein Drittel der Betroffenen Wahnvorstellungen entwickelt, etwa ein Sechstel ausgeprägte Halluzinationen. © weedezign/Imago
Person macht sich Notizen
Vergesslichkeit und Unaufmerksamkeit zählen zu den typischen Symptomen, die Betroffenen und auch Angehörigen durch eine beginnende Demenz auffallen. Betroffene können sich gefühlt plötzlich wichtige Termine nicht mehr merken, müssen ihren Alltag mithilfe von Gedächtnisstützen und Erinnerungsnotizen organisieren. Sie verpassen es, den Herd abzuschalten, lassen den Schlüssel in der Haustür nach dem Aufsperren stecken, verlegen Gegenstände – auch da sie diese plötzlich an ungewöhnlichen, abwegigen Orten verräumen. Zudem zeigen Betroffene Schwierigkeiten, bekannten Gesichtern die Namen zuzuordnen. Normale kognitive Veränderungen unterscheiden sich zur Vergesslichkeit in Zusammenhang mit einer angehenden Demenz dahingehend, dass Namen oder Verabredungen zwar kurzfristig vergessen, aber später häufig wieder erinnert werden, so die „Alzheimer Forschung Initiative e. V.“ © Ute Grabowsky/photothek.net/Imago
Älteres Paar
Demenz macht sich durch eine zunehmende Verwirrung bemerkbar, die sich in einem gestörten Urteilsvermögen zeigt. Die Kleidung wird nicht mehr dem Wetter entsprechend gewählt, Betroffene möchten plötzlich beispielsweise Winterstiefel oder eine Mütze an warmen Tagen tragen, wie es das Portal „Neurologen und Psychiater im Netz“ beschreibt. © Panthermedia/Imago
Mann stützt seinen Kopf
Depression und Demenz beeinflussen einander. Wer unter Depression leidet, hat ein um bis zu sechsfach erhöhtes Risiko, eine Demenz zu entwickeln. Umgekehrt sind auch Menschen mit Demenz um bis zu 50 Prozent eher von depressiven Phasen betroffen, begleitet von Schlafstörungen und abnehmendem Appetit. © imagebroker/theissen/Imago
Mann reagiert aggressiv
Persönlichkeitsveränderungen mit gereizter Stimmung und aggressivem Verhalten können ebenfalls eine beginnende Demenz ankündigen: Bisher sanftmütige Menschen zeigen plötzlich starke Stimmungsschwankungen ohne erkennbaren Grund, reagieren übertrieben, aufbrausend, feindselig, selbst vertrauten Menschen gegenüber. Meist sind es die Angehörigen, denen die Wesensveränderungen auffallen und die den Verdacht einer Demenz äußern. © marcus/Imago
Frau riecht an einem blühenden Ast eines Baumes im Frühling
Ähnlich wie bei Parkinson kann es durch eine sich entwickelnde Demenz zum Verlust des Geruchssinns und daran gekoppelt ein vermindertes Geschmacksempfinden kommen. Können ältere Menschen plötzlich nicht mehr riechen, kann dies auf eine künftige Demenz hindeuten, wie eine Studie der Mayo-Klinik in Rochester unter der Leitung von Dr. Rosebud Roberts nachweisen konnte. © imageBROKER/Manuel Kamuf/Imago
Ältere Frau am Telefon
Menschen, die eine Demenz entwickeln, fällt es zusehends schwer, einer Unterhaltung zu folgen und aktiv an einem Gespräch teilzunehmen, wie es die „Alzheimer Forschung Initiative e. V.“ schildert. Betroffene verlieren im Gespräch häufig gedanklich den Faden, wiederholen Sätze, zeigen Wortfindungsschwierigkeiten und verwenden unpassende Füllwörter. © edbockstock/Imago
Mann sitzt am Bettrand
An Demenz erkrankte Menschen leiden häufig an Schlafstörungen und Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus. Die „innere Uhr“ wird durch die absterbenden Nervenzellen im Gehirn beeinträchtigt. Betroffene können häufig abends nicht einschlafen, sind nachts sehr unruhig, irren zum Teil umher. © Monkeybusiness/Imago
Mann in Fußgängerzone
Menschen, die an Demenz erkranken, finden sich an neuen und selbst gewohnten Orten schwerer zurecht, entwickeln räumliche und zeitliche Orientierungsprobleme. Orte oder Zeitabstände können nicht mehr eingeordnet werden. Betroffene vergessen zum Beispiel das Jahr und die Jahreszeit, können die Uhrzeit nicht mehr lesen, wissen nicht mehr, wie ihr Heimweg ist. © Westend61/Imago
Ältere Dame mit Rechenmaschine
Menschen, die eine Demenz entwickeln, zeigen zunehmend kognitive Schwierigkeiten. Die „Alzheimer Forschung Initiative e. V.“ fasst zusammen, dass Demente komplexere Aufgaben, wie das Berechnen des Wechselgeldes, das Ausfüllen von Formularen sowie Lesen von Rezepten, schwerfällt. Betroffene bemerken selbst häufig, dass sie sich schlechter konzentrieren können und für vieles mehr Zeit als zuvor benötigen. © Joseffson/Imago

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unserer Redaktion leider nicht beantwortet werden.

Rubriklistenbild: © master1305/IMAGO

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