Neue Risikofaktoren identifiziert 

Demenz-Diagnose: Tragen wir selbst Verantwortung für Alzheimer-Risiko?

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Bisher gibt es keine Heilung für Demenz, aber es ist möglich, sie zu verlangsamen. Wie ein gesunder Lebensstil dazu beitragen kann, Risikofaktoren zu reduzieren.

Die Diagnose Demenz ist nicht nur für Betroffene ein Schock. Auch für Angehörige hat die Erkrankung weitreichende Folgen. Während hierzulande rund 1,8 Millionen Menschen an Alzheimer oder einer anderen Demenzform erkrankt sind, ist die Behandlung immer noch sehr begrenzt. Auch eine Heilung ist bisher nicht möglich. Obwohl Wissenschaftler nach den genauen Ursachen für Demenz forschen, ist mittlerweile klar, dass der Lebensstil neben der genetischen Veranlagung eine entscheidende Rolle spielt. Doch ist man als Betroffener selber Schuld, wenn die furchtbare Krankheit einen trifft? 

Alzheimer und Demenz: Hohes Cholesterin als neuer Risikofaktor erkannt

Forscher haben zwei neue Risikofaktoren gefunden: ein abnehmendes Sehvermögen und hohe Cholesterinwerte.

Das Schicksal Demenz lässt sich laut einem aktuellen Bericht der Lancet-Kommission in vielen Fällen verhindern. Die „Lancet Commission on dementia prevention, intervention, and care“ ist ein internationales Forscherteam, das in seinen Berichten den aktuellen Stand der Forschung zu Demenz darstellt. Rund 45 Prozent aller Demenzfälle könnten den Wissenschaftlern zufolge verhindert oder zumindest hinausgezögert werden. 14 Risikofaktoren begünstigen laut dem internationalen Forschungskollegium die Entstehung von Demenz.

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Die Risikofaktoren sind für viele bereits alte Bekannte: Rauchen, Fettleibigkeit, Bewegungsmangel, Bluthochdruck und Alkoholkonsum schädigen die Gefäße und damit auch das Gehirn. Wer gesund lebt, bietet der Demenz also deutlich weniger Chancen: Kein Tabak, wenig Alkohol und mehr Bewegung. Kombiniert mit einer gesunden Ernährung mit viel Obst und Gemüse, Fisch und wenig Fast-Food liefert man dem Gehirn ausreichend Nährstoffe. Neu hinzugekommen ist in diesem Jahr der LDL-Cholersterinwert, der den Blutfettwert angibt. Ist dieser dauerhaft zu hoch, können sich Ablagerungen in den Blutgefäßen bilden. Cholesterin-Blocker helfen daher nicht nur das Herz zu schützen, sondern auch das Hirn.

Demenz im Alter vorbeugen: Zehn Tipps, mit denen Sie täglich Ihr Risiko senken können

Zwei Männer, die Kaffee trinken.
Kaffelieberhaber unter Ihnen wird es freuen: ein bis zwei Tassen des Wachmacher-Getränks können nachweislich das Risko einer Demenz senken. Zu viel Kaffeegenuss von über vier bis fünf Tassen hat hingegen einen gegenteiligen Effekt. „Es kommt auf die Ausgewogenheit an, daher ist mäßiger Kaffeekonsum in Ordnung, aber zu viel ist wahrscheinlich nicht zu empfehlen“, erklärt Dr. Kelsey R. Sewell vom Advent Health Research Institute in Orlando zu den neuesten Studienergebnissen, die am 30. Juli auf der „Alzheimer‘s Association International Conference (AAIC) 2024“ vorgestellt wurden. © Francesco Buttitta/Imago
Heidelbeeren in der Hand
Neben dem Kaffee zum Frühstück kann auch eine Handvoll Beeren (maximal 100 Gramm pro Tag) das Gehirn schützen. Dunkle Beeren wie Heidelbeeren und Schwarze Johannisbeeren sind nicht nur dank ihrer Polyphenole so gesund. Auch ihr hoher Anteil an Vitamin C reduziert nachweislich die Plaquebildung in den Gefäßen, was als Risikofaktor für Demenz gilt.  © Zoonar.com/Lev Kropotov/Imago
Omega-3-Fettsäuren in Zucht- und Wildlachs verhindern die Bildung von Blutgerinnseln und verhindern Arterienverkalkung.
Zum Mittag- oder Abendessen sollten Sie regelmäßig auf gesunde Fettsäuren setzen, die beispielsweise in Fisch und Olivenöl enthalten sind. Genießen Sie dazu bestimmte Gemüsesorten, insbesondere Zucchini und Auberginen, die reich an Stigmasterol sind und zellschützende Wirkung im Gehirn übernehmen. Eine gesunde Ernährung mit vorzugsweise mehrfach ungesättigten Fettsäuren wirkt sich zudem positiv auf die Cholesterinwerte aus. © foodandmore/Imago
Paar joggt
Für wen es am Morgen zu anstrengend ist, kann das Joggen oder Spazierengehen auf den Nachmittag oder frühen Abend verlegen. Schon 30 Minuten Bewegung und moderates Training pro Tag fördern die Durchblutung und unterstützen die Gehirnfunktion, was das Risiko für Demenz reduziert. © Moof/Imago
Frau am Computer unter Stress mit Kopfschmerzen
Steht ein Mensch unter häufiger Belastung und fühlt sich permanent gestresst, steigt der Blutdruck an. Dauerhaft erhöhter Blutdruck kann zu chronischen Durchblutungsstörungen im Gehirn führen und das Risiko für eine vaskuläre Demenz erhöhen. Chronischer Stress lässt zudem den Cortisolspiegel ansteigen, was das Gehirn schädigen kann. Bauen Sie rechtzeitig Stress ab und schützen das Gehirn, indem Sie sich regelmäßig Pausen gönnen und durch Entspannungstechniken wie Meditation, Yoga oder Atemübungen ergänzen. © AndreyPopov/Imago
Mann mit Kaffee beim Telefonieren
Stressfreie Pausen können Sie für einen Austausch mit Kollegen oder ein Gespräch mit der Familie sowie Freunden nutzen. Soziale Interaktionen sind für die Gesunderhaltung des Gehirns wichtig. Täglicher Kontakt zu Mitmenschen kann nicht nur die positive Stimmung erhalten, sondern fördert auch die kognitiven Fähigkeiten. Ein Mangel an sozialem Austausch kann laut einer Langzeitstudie der Fudan Universität in China mit der Zeit zu einem Abbau der grauen Hirnsubstanz führen und die Wahrscheinlichkeit einer späteren Demenzerkrankung um ca. 26 Prozent erhöhen. © X Resolution/IMAGO
Alzheimer disease AD, Asian elderly woman playing sudoku puzzle game to practice brain training for dementia prevention.
Wer seine freie Zeit lieber anders als mit Gesprächen füllen möchte, sollte öfters Bücher lesen, neue Fähigkeiten erlernen – das kann auch ein Musikinstrument sein – oder einfach Kreuzworträtsel sowie Sudoku lösen. Alle Aktivitäten, die Ihre geistige Flexibilität fördern, können das Demenzrisiko senken. © IMAGO
Frau hört über Kopfhörer Musik
Der wohlverdiente Feierabend darf dann auch ruhig öfters mit Musik eingeläutet werden! Diese fördert und verbessert kognitive Fähigkeiten. Doch Vorsicht: die Lautstärke sollten Sie eher gemäßigt wählen, um Hörverlust vorzubeugen. Schwerhörigkeit gilt als ein entscheidender Risikofaktor für Demenz, wenn sie nicht behandelt wird. Mediziner gehen davon aus, dass ein Hörverlust vermutlich zu Schäden im Gehirn führen kann. Wer bereits Schwierigkeiten mit dem Hören hat, sollte sich frühestmöglich mit einem Hörgerät behandeln lassen, um das Risiko einer Demenz zu senken. © adamgregor/Imago
Mann und Frau stoßen mit Alkohol an
Nach einem anstrengenden Tag gönnen sich so manche zur Entspannung gerne ein Glas Wein oder Bier. Regelmäßiger und hoher Alkoholkonsum kann jedoch eine frühe Demenz auslösen, wie die „Ärztezeitung“ berichtet. Alkoholmissbrauch ist einer französischen Studie zufolge mit 32 Millionen Personendaten eine entscheidende Ursache für eine früh beginnende Demenz vor dem 65. Lebensjahr, insbesondere bei Männern. © William Perugini/Imago
Paar schläft im Bett
Achten Sie zudem auf ausreichend erholsamen Schlaf von mindestens sieben bis acht Stunden, denn Schlafmangel kann die Bildung von schädlichen Proteinablagerungen im Gehirn fördern, die wiederum mit Alzheimer in Verbindung stehen. © Monkey Business 2/Imago

Schwerhörigkeit und Sehschwäche als neue Risikofaktoren identifiziert

Schwerhörigkeit ist laut dem Lancet-Report ein weiterer Faktor, der die Entstehung und den Verlauf der Demenz beeinflusst. Bereits im Bericht von 2020 wurde eine unbehandelte Schwerhörigkeit und Sehschwäche als die gravierendsten aller Risiko-Ursachen identifiziert. Schwerhörige haben eine zweimal höhere Wahrscheinlichkeit als gut hörende Menschen, Demenz zu entwickeln, wie die Welt berichtet. Eine Sehschwäche kann zudem das gesellschaftliche Leben der Betroffenen einschränken, wodurch Einsamkeit und Depressionen entstehen können. Die Forscher fordern daher flächendeckende Hört- und Sehtests für alle, um die Zahl der Demenzerkrankungen zu senken.

Rubriklistenbild: © Pond5 Images/Imago

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