VonJudith Braunschließen
Es gibt Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen Herpes-Viren und Demenz. Laut einer Studie soll eine Gürtelrose-Impfung daher vor der Nervenkrankheit schützen.
Immer mehr Menschen erkranken im Alter an Demenz. In Deutschland leben aktuell schätzungsweise rund 1,8 Millionen Menschen mit der Nervenkrankheit. Die genaue Ursache von Demenz ist allerdings bislang nicht abschließend geklärt. Dadurch gibt es kaum Möglichkeiten, um sich vor der unheilbaren Erkrankung zu schützen. In einer sogenannten Preprint-Studie – bei der es sich um eine wissenschaftliche Vorab-Publikation handelt, die zwar der Öffentlichkeit bereits zur Verfügung steht, jedoch noch nicht von Fachkollegen begutachtet wurde – untersuchten Wissenschaftler nun allerdings den Zusammenhang von Demenz und einer Gürtelrose-Impfung. Dabei zeigen die Ergebnisse, dass die Impfung offenbar eine schützende Wirkung haben kann.
Gürtelrose-Impfung kann das Demenz-Risiko laut einer Studie drastisch senken
Da es immer mehr Hinweise darauf gibt, dass Herpes-Viren eine Demenz begünstigen können, untersuchten Forscher der Stanford University und der Universitäten Heidelberg, Mainz und Wien, ob ein Zusammenhang zwischen einer Gürtelrose-Impfung und der Nervenkrankheit besteht. Gürtelrose (Herpes Zoster) wird durch das Windpocken-Virus ausgelöst. Patienten leiden meist unter Juckreiz, Hautrötungen und Bläschen, wobei eine Erkrankung meist nach ein paar Wochen von selbst abheilt. Da Gürtelrose jedoch zu chronischen Nervenschmerzen führen kann, empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) vor allem älteren Menschen eine Impfung – die eben auch vor einer Demenz-Erkrankung schützen soll.
Für ihre Untersuchung werteten die Forscher Daten über Impfungen, Arztbesuche und Sterbeurkunden von Personen aus Wales aus. Dort wurde die Berechtigung für eine Gürtelrose-Impfung vom Geburtsdatum abhängig gemacht: Impfberechtigt waren nur Menschen, die nach dem 2. September 1933 geboren wurden. Die Analyse der Daten von fast 290.000 Personen ergab dabei, dass eine Gürtelrose-Impfung die Wahrscheinlichkeit einer Demenzdiagnose um 19,9 Prozent in den folgenden sieben Jahren verringerte. Zudem zeigten weitere Ergebnisse, dass die Schutzwirkung bei Frauen deutlich höher war als bei Männern.
Demenz-Risiko reduzieren: Für wen eine Gürtelrose-Impfung sinnvoll ist
Mehrere Studien deuten daraufhin, dass ein Zusammenhang zwischen Herpes-Viren und Alzheimer bestehen könnte. Treten das Herpes-Simplex-Virus und das Varicella-Zoster-Virus gemeinsam auf, dann kann die Kombination aus beiden laut einer Studie die Bildung der für Alzheimer typischen Protein-Plaques anstoßen. Da Menschen ab 60 Jahren aufgrund eines schwächer werdenden Immunsystems besonders gefährdet sind, empfiehlt die STIKO diesen eine Gürtelrose-Impfung sowie allen Personen ab 50 Jahren, deren Immunsystem durch Krankheit, nach einer Knochenmark- oder Organtransplantation geschwächt oder durch Therapie unterdrückt ist. Außerdem sollten sich Personen ab 50 Jahren mit einem schweren Grundleiden zum Beispiel der Lunge, der Nieren oder des Darmes impfen lassen.
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