Depressiv oder nur schlecht drauf?

Depressionen erkennen: Dauerhaft negative Gefühle, Gedankenspiralen und Antriebslosigkeit

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Im Job fehlt die Motivation, das Treffen mit Freunden erscheint auf einmal zu anstrengend und nachts kreisen die Gedanken: Wenn negative Gefühle zum Dauerzustand werden, steckt womöglich mehr dahinter. 

In Deutschland erkranken etwa 12 von 100 Menschen einmal im Leben an einer Depression – damit gehören sie zu den häufigsten Erkrankungen. In den letzten Jahren haben die Zahlen weiter zugenommen, auch Kinder und Jugendliche sind immer öfter betroffen. Das ergibt etwa der “Kinder- und Jugendreport” der DAK – so erkrankten beispielsweise acht Prozent mehr Jugendliche im Bereich der 15- 17-Jährigen während der Corona-Pandemie. 

Nach wie vor werden Depressionen jedoch häufig unterschätzt und durch Sätze wie „Sei doch nicht so depressiv“ verharmlost. Dabei handelt es sich um eine ernsthafte Krankheit, die das Leben der Betroffenen stark einschränkt und sogar tödlich enden kann. Doch wodurch unterscheiden sich zwischenzeitliche “Tiefphasen” von einer Depression?

Welche Depressionen gibt es?

Depressionen sind in Deutschland eine echte Volkskrankheit.

Grundsätzlich unterscheiden Ärzte Depressionen sowohl nach ihrer Schwere als auch nach ihrem Verlauf. So gibt es einerseits leichte, mittelgradige und schwere Depressionen. In der Regel verläuft eine Depression in Phasen – bei Personen, die nur eine einzige Phase erleben, sprechen Ärzte von einer einmaligen, depressiven Episode. Bei über der Hälfte der Betroffenen wiederholt sich diese Episode zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal – es kommt zu einer rezidivierenden depressiven Störung.

Wenn die depressiven Zustände über einen Zeitraum von zwei Jahren bestehen, gilt die Erkrankung als chronisch. Eine Ausnahme stellt die Dysthymie dar – sie hält zwar ebenfalls mindestens zwei Jahre an, die Symptome sind jedoch viel weniger ausgeprägt als die einer chronischen Depression. 

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Depressionen: Diese Symptome sind Warnzeichen 

Viele Menschen kennen Phasen, in denen sie sich bedrückt, traurig oder antriebslos fühlen – zum Beispiel, wenn sie Stress in der Arbeit haben, Liebeskummer oder einen Todesfall erleben müssen. In den meisten Fällen gehen diese Gefühle auch wieder vorbei. Wenn der Zustand jedoch länger anhält, taucht oft die Frage „Bin ich depressiv?“ auf.  Auf eine Depression weisen verschiedene Anzeichen hin. Laut Patienteninformation.de gibt es drei Hauptsymptome der Erkrankung:

  • eine gedrückte, depressive Stimmung – manche Betroffene fühlen sich auch innerlich leer oder empfinden gar keine Gefühle mehr
  • Verlust von früheren Interessen und Freudlosigkeit
  • Antriebslosigkeit und schnelle Ermüdbarkeit

Dazu kommen unter Umständen weitere Zusatzsymptome:

  • nachlassende Konzentration und Aufmerksamkeit
  • geringes Selbstwertgefühl und Gefühle von Schuld oder Wertlosigkeit
  • Suizidgedanken und selbstverletzendes Verhalten
  • Schlafstörungen
  • Hoffnungslosigkeit beim Gedanken an die Zukunft
  • veränderter Appetit

Grundsätzlich gilt: Eine Depression liegt laut der Deutschen Depressionshilfe dann vor, wenn mindestens fünf Symptome zwei Wochen lang oder länger auftreten – davon mindestens ein Hauptsymptom. 

Was löst Depressionen aus?

Für eine Depression gibt es in der Regel nicht einen einzigen Auslöser – stattdessen spielen verschiedene Faktoren eine Rolle. Das Risiko für die Erkrankung erhöhen dabei einerseits psychosoziale und andererseits neurobiologische Faktoren. 

Die psychosoziale Faktoren sind auch als Entwicklungs- und Persönlichkeitsfaktoren bekannt. Etwa erhöht sich das Risiko für eine Depression, wenn es in der Kindheit zu traumatischen Erlebnissen wie Missbrauch oder dem Verlust eines Elternteils kommt. Auch der Erziehungsstil kann bei einem späteren Ausbruch der Erkrankung eine Rolle spielen: Eltern, die zu ängstlich und überfürsorglich agieren, verhindern möglicherweise, dass Kinder später mit Problemsituationen gut umgehen können. In einigen Fällen entsteht eine Depression auch aufgrund eines bestimmten belastenden Ereignisses –  das kann etwa eine Trennung oder der Verlust eines geliebten Menschen sein. Dauerhafter Stress macht Menschen ebenfalls anfälliger für eine Depression.

Zu den neurobiologischen Faktoren zählt dagegen etwa die genetische Veranlagung. Studien zeigen: Wenn Eltern oder Geschwister eine Depression haben, ist auch das eigene Risiko, die Krankheit zu entwickeln erhöht. Zudem haben Forscher herausgefunden, dass bei depressiven Menschen bestimmte Botenstoffe wie Serotonin, Dopamin oder Noradrenalin im Gehirn aus der Balance geraten sind. 

Außerdem können bestimmte Substanzen wie Cannabis oder Alkohol das Risiko für eine Depression erhöhen.  

Depression: So sieht die Behandlung aus

Depressionen kommen relativ häufig vor – laut dem Bundesgesundheitsministerium erkranken etwa sechzehn bis zwanzig von hundert Personen in ihrem Leben daran. Die Therapie der Erkrankung stützt sich im Wesentlichen auf zwei Säulen: eine medikamentöse Behandlung mit Antidepressiva und eine Psychotherapie. Häufig ist auch die Kombination der beiden Ansätze. Daneben gibt es auch unterstützende Maßnahmen, wie zum Beispiel eine Bewegungstherapie oder künstlerische Therapien. 

Eine Therapie verläuft in mehreren verschiedenen Phasen. In der Akuttherapie geht es zunächst einmal darum, die Symptome zu mildern, die bei einem aktuellen Schub auftreten. Ziel ist es auch, dass Patienten ihren Alltag weitestgehend wieder meistern können. Laut Patienteninformation.de dauert diese Phase etwa sechs bis zwölf Wochen. Anschließend kommt es zur Erhaltungstherapie. Diese soll für einen stabilen Zustand der Betroffenen sorgen und Rückfälle verhindern. Werden zusätzlich Medikamente eingesetzt, dauert diese Behandlungsphase etwa vier bis neun Monate. Mit reiner Psychotherapie kann sie auch acht bis zwölf Monate brauchen. Für Menschen, die bei einer Depression schon einige Rückfälle erlebt haben oder stark unter den Symptomen leiden, bietet sich auch eine anschließende Wiedererkrankungs-Vorsorge (Rezidivprophylaxe) an.

Wie wirken Antidepressiva?

Antidepressiva sind eine gute Möglichkeit, um schwere oder chronische Depressionen zu behandeln. Sie wirken sich unterschiedlich auf die Botenstoffe im Gehirn aus – je nach Art des jeweiligen Antidepressivums. So verringern sie die Symptome einer Depression wie Ängste oder eine gedrückte Stimmung. Abhängig machen sie nicht, auch wenn viele Menschen das befürchten.

Was passiert bei einer Psychotherapie?

Etwas langsamer als Medikamente schlägt eine Psychotherapie an – sie ist jedoch genauso wirksam. Die Therapie hilft Betroffenen, depressive Phasen zu überwinden und auch eventuelle Rückfälle zu vermeiden. Sie lernen beispielsweise Strategien für den Alltag, um etwa passive Verhaltensmuster aufzubrechen und mit negativen Gefühlen umzugehen. Es gibt verschiedene Therapieformen, beispielsweise:

  • Kognitive Verhaltenstherapie: Sie besteht aus drei Säulen: Zuerst sollen Patienten wieder für einen geregelten Tagesablauf sorgen, bei dem sie aber auch bewusst Raum für positive Erlebnisse schaffen. Außerdem lernen sie, negative Denkmuster durch realistischere zu ersetzen. Die dritte Phase konzentriert sich auf soziale Beziehungen. 
  • Analytische Psychotherapie: Hier geht es darum, sich mit negativen, vergangenen Erlebnissen auseinander zu setzen, die die Depression möglicherweise auslösen.
  • Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie: Sie gleicht der analytischen Psychotherapie, beschäftigt sich aber besonders mit aktuellen Konfliktsituationen. 
  • Systemische Therapie: Bei dieser Therapieform stehen soziale Beziehungen, vor allem die zur eigenen Familie im Vordergrund. 

Hier bekommen Sie Hilfe bei Depressionen

Wer glaubt, an einer Depression erkrankt zu sein, sollte zunächst einmal seinen Hausarzt aufsuchen. Dieser schreibt anschließend eine Überweisung an Fachärzte für Psychiatrie oder an Psychotherapeuten. Mit diesen kann auch direkt Kontakt aufgenommen werden. Wer konkrete Suizidgedanken hat, wendet sich dagegen direkt an eine psychiatrische Klinik oder wählt die 112! Direkte Hilfe bei der Suche nach Anlaufstellen bietet auch das Info-Telefon Depression der deutschen Depressionshilfe. 

Psychische Gesundheit stärken: Zehn Tipps, die Balsam für die Psyche sind

Eine Frau hält ein Fernglas in der Hand.
Offenheit und Neugierde für neue Erlebnisse schaffen nicht nur Abwechslung im Leben, sondern regen auch die Lebensgeister an. Wer seiner Seele etwas Gutes tun möchte, bleibt dem Leben gegenüber deshalb neugierig und sorgt immer wieder für neue Herausforderungen und Erfahrungen. © Vasily Pindyurin/IMAGO
Eine Frau sitzt im Schneidersitz im Gras und meditiert.
Um Ihre psychische Gesundheit zu stärken, sorgen Sie für genügend Entspannung in Ihrem Leben. Dabei gibt es verschiedene Techniken, wie zum Beispiel Meditation oder Yoga, die Sie hier unterstützen können. Finden Sie die für Sie passende Entspannungsmethode und lassen Sie einfach mal los. © Daniel Ingold/IMAGO
Eine Frau sitzt an einem Schreibtisch und stützt ihren Kopf auf ihre Hände.
Stress und Überlastung im Job können Gift für die psychische Gesundheit sein. Achten Sie deshalb darauf, dass Sie, wenn möglich, im beruflichen Alltag immer wieder kleine Pausen einlegen. Gehen Sie ein paar Schritte, atmen Sie tief ein oder aus oder schauen Sie einfach mal ein paar Minuten aus dem Fenster. Das wird Ihren Körper und Ihren Geist entspannen. © Rainer Berg/IMAGO
Eine Seniorin und ein junger Mann spielen zusammen Karten.
Wer anderen hilft, tut auch sich selbst etwas Gutes. Denn soziales Engagement fördert die Selbstwertschätzung und damit gleichzeitig die psychische Gesundheit. Seien Sie ehrenamtlich tätig und unterstützen Sie beispielsweise Senioren in ihrem Alltag. © Maskot/IMAGO
Freunde sitzen zusammen an einem Tisch.
Einsamkeit wirkt sich negativ auf die Psyche aus. Soziale Beziehungen und Freundschaften gehören zu einem guten Leben dazu. Deshalb sollten Sie diese pflegen und sich regelmäßig bewusst Zeit für Freunde und Familie nehmen. Wer zum Beispiel neu in einer Stadt ist und vor Ort noch keine Bekanntschaften hat, kann sich beispielsweise Vereinen oder Nachbarschaftstreffs anschließen, um Menschen kennenzulernen.  © IMAGO/Maskot
Eine Frau hält ein Bild in ihren Händen.
Malen, Zeichnen oder Schreiben: Künstlerisch oder kreativ tätig zu sein, wirkt sich bei vielen Menschen positiv auf ihre Stimmung und ihr Wohlbefinden aus. Greifen Sie deshalb gerne mal zu Pinsel und Farbe und toben Sie sich auf einer Leinwand aus.  © Emma Innocenti/IMAGO
Eine Frau umarmt einen Mann
Vermeidung ist keine gute Strategie, um Problemen aus dem Weg zu gehen. Anstatt sie zu verdrängen, holen Sie sich Unterstützung von anderen. Tauschen Sie sich zum Beispiel mit guten Freunden aus. Oder nehmen Sie eine Beratungsstelle in Anspruch, um Probleme anzugehen und Lösungen zu finden. Sich Hilfe zu holen, ist keineswegs ein Zeichen von Schwäche. Im Gegenteil: Sie beweisen damit Mut und Ehrlichkeit. © Maskot/IMAGO
Frau hält eine Tasse in der Hand und lacht.
Um sich wohlzufühlen, ist es wichtig, dass man seine ganz eigenen Bedürfnisse kennt. Trainieren Sie sich deshalb in Achtsamkeit sich selbst gegenüber. Nehmen Sie sich öfters Zeit nur für sich. Es empfiehlt sich dafür, das Handy einmal auszuschalten, um nicht gestört zu werden. Außerdem besteht dann weniger die Gefahr, dass man sich ablenken lässt. © "AntonioGuillem"/Imago
Eine Person trainiert an einem Sportgerät.
Sport kann ein guter Ausgleich zur Arbeit sein. Nebenbei macht er sogar noch glücklich. Schließlich schüttet der Körper Endorphine aus, bei denen es sich um die bekannten Glückshormone handelt. Dabei muss man nicht gleich Leistungssport betreiben. Auch andere Formen von Bewegung, wie etwa ein täglicher Spaziergang, unterstützen das Wohlbefinden. © Uwe Umstätter/IMAGO
Eine Person hält ein Fahrrad und eine Tasche mit Gemüse.
Wer allgemein auf einen gesunden Lebensstil achtet, der kann seine psychische Gesundheit damit positiv beeinflussen. Neben einer guten Ernährung gehören beispielsweise ein geregelter Tagesablauf, ausreichend Bewegung und genügend Schlaf und Erholung dazu. Außerdem sollten Sie auf Rauchen und übermäßigen Alkoholkonsum verzichten. © IMAGO/David Munoz

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren RedakteurInnen leider nicht beantwortet werden.

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