2024 könnte Zeckenjahr werden

Experten warnen: Ganz Deutschland mittlerweile FSME-Risikogebiet

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Zecken kommen in Deutschland mittlerweile das ganze Jahr vor. Mit Folgen, denn die Parasiten können FSME übertragen. Das Risiko besteht bundesweit.

Das letzte Jahr war laut Deutschem Wetterdienst ein Rekordjahr, was die Temperaturen betrifft. Noch nie, seit Beginn der Wetteraufzeichnungen, war es so warm. Das führt dazu, dass Zecken nahezu das ganze Jahr aktiv sind. Eine Gefahr für den Menschen, denn die kleinen Blutsauger können unter anderem die gefährliche Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) übertragen. Mittlerweile besteht das Risiko in allen Bundesländern, warnen Experten.

FSME: Krankheit mit möglichen schweren Folgen

Durch die milden Temperaturen sind Zecken in Deutschland mittlerweile das ganze Jahr aktiv (Symbolbild).

Damit Zecken aus der Winterstarre erwachen, müssen die Temperaturen an mehreren Tagen hintereinander die fünf bis sieben Grad-Marke überschreiten. Durch das milde Wetter der letzten Wochen sind die kleinen Blutsauger bereits aktiv. Ein Risiko für den Menschen, denn Zecken können Überträger der FSME sein. Dabei handelt es sich um eine Erkrankung der Hirnhaut und des zentralen Nervensystems.

Ein Großteil der Infizierten bleibt laut Bundeszentrale für gesellschaftliche Aufklärung nach dem Stich einer infizierten Zecke beschwerdefrei. Bei einem kleinen Teil kommt es allerdings zu Komplikationen oder Folgeschäden. In sehr seltenen Fällen verläuft die FSME sogar tödlich.

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FSME: Das sind mögliche Krankheitszeichen

Erste Symptome einer FSME-Infektion sind nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) unspezifische grippeähnliche Beschwerden, wie:

  • Allgemeines Krankheitsgefühl
  • Fieber
  • Kopfschmerzen
  • Gliederschmerzen

Ein Teil der Erkrankten entwickelt außerdem rund eine Woche nach dem Zeckenstich eine Entzündung der Hirnhäute, eine sogenannte Meningoenzephalitis. Auch eine Entzündung des Rückenmarks ist möglich. Begleitet werden diese von erneutem Fieber, Übelkeit, Erbrechen und neurologischen Ausfällen. Dabei kann es zu Lähmungserscheinungen, Schluck- und Sprachstörungen sowie Atemlähmungen und starker Schläfrigkeit kommen. Besonders bei Erwachsenen können die Symptome lange bestehen bleiben. Eine vollständige Heilung ist aber auch bei schweren Verläufen möglich. Circa ein Prozent der Erkrankten überlebt die FSME hingegen nicht.

FSME-Gefahr mittlerweile fast in ganz Deutschland

Die Ansteckung mit FSME erfolgt in den meisten Fällen durch Zeckenstiche, in sehr seltenen Fällen auch durch verunreinigte Lebensmittel wie etwa Rohmilchkäse. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist nicht möglich. FSME-Infektionen müssen dem Gesundheitsamt gemeldet werden.

Besonders viele Fälle treten jährlich in Bayern und Baden-Württemberg auf. Zecken-Experten warnen aber davor, dass mittlerweile bundesweit mit einem FSME-Risiko zu rechnen ist. Ute Mackenstedt, Parasitologin an der Universität Hohenheim :„Ganz Deutschland ist ein Endemie-Gebiet für FSME geworden, mit deutlichen regionalen Unterschieden“. So finden Forscher immer wieder sogenannte „Naturherde“, räumlich begrenzte Gebiete mit Zecken, die FSME-Erreger in sich tragen.

Zeckenbisse: so kann man sich schützen

Die wichtigste Maßnahme zum Schutz vor FSME ist, einen Zeckenstich zu vermeiden. Entgegen häufiger Annahmen halten sich Zecken nicht auf Bäumen, sondern bevorzugt im hohen Gras, in Büschen und Sträuchern auf. Bei Wanderungen oder Spaziergängen in der Natur sind deshalb lange Hosen und Shirts, festes Schuhwerk und Socken (über den Hosenbeinen) zu empfehlen. In Drogerien, Supermärkten und Apotheken gibt es auch Sprays mit Anti-Zecken-Wirkstoffen.

Nach dem Aufenthalt im Freien ist es sinnvoll, den Körper nach Zecken abzusuchen und diese im Falle eines Stiches schnellstmöglich zu entfernen. Wichtig ist dabei, auch den Kopf der Zecke zu entfernen, sonst kann sich die Haut entzünden. Von Hausmitteln wie Öl ist abzuraten. Sie stressen das Tier unnötig und führen dazu, dass die Zecke zusätzlichen Speichel und damit potenziell zusätzliche Erreger in die Haut abgibt. Nach dem Entfernen der Zecke ist die Wunde zu reinigen.

Impfung bietet Schutz vor FSME

Eine weitere Möglichkeit, sich vor einer FSME zu schützen, ist die Impfung. Sie empfiehlt sich vor allem für Personen, die in FSME-Risikogebieten wohnen und/oder sich viel in der Natur aufhalten wie Waldarbeiter und Förster. Für einen vollen Schutz sind drei Impfungen nötig, nach drei Jahren sollte eine Auffrischungsimpfung vorgenommen werden. Hat sich eine nicht-geimpfte Person mit FSME-Erregern infiziert, kann eine Impfung den Ausbruch der Krankheit nicht mehr verhindern.

Diese Viren und Bakterien machen uns krank

Eine mit Coronaviren befallene Zelle
Ende 2019 wurde zum ersten Mal über das Coronavirus Sars-CoV-2 berichtet. Zuerst nur in China diagnostiziert, breitete sich die durch Coronaviren ausgelöste Krankheit Covid-19 weltweit aus. Die Pandemie hat im Jahr 2020 weltweit etwa 1.900.000 Todesopfer gefordert. Auf der Darstellung oben ist eine menschliche Zelle (grün) zu sehen, die mit Coronaviren (gelb) infiziert ist.  © Niaid/dpa
HIV-Virus: Das Virus löst die Immunschwäche Aids aus. Rund 20 Jahre nach seiner Entdeckung ist Aids die verheerendste Infektionskrankheit, die die Menschheit seit der Pest im 14. Jahrhundert herausgefordert hat.
HIV-Virus: Das Virus löst die Immunschwäche Aids aus. Rund 20 Jahre nach seiner Entdeckung ist Aids die verheerendste Infektionskrankheit, die die Menschheit seit der Pest im 14. Jahrhundert herausgefordert hat. © dpa
Pest Erreger Yersinia pestis: Die Infektionserkrankung wird erstmals im 6. Jahrhundert im Mittelmeerraum nachgewiesen. 1894 wird das Bakterium entdeckt. Heutzutage sind bei früher Diagnose die Heilungschancen durch Antibiotika hoch.
Pest Erreger Yersinia pestis: Die Infektionserkrankung wird erstmals im 6. Jahrhundert im Mittelmeerraum nachgewiesen. 1894 wird das Bakterium entdeckt. Heutzutage sind bei früher Diagnose die Heilungschancen durch Antibiotika hoch. © dpa
Ebola Virus: Das Virus verursacht mit inneren Blutungen einhergehendes Fieber. In bis zu 90 Prozent der Fälle verläuft die Krankheit tödlich. Wissenschaftler arbeiten mit Hochdruck an einem Impfstoff.
Ebola Virus: Das Virus verursacht mit inneren Blutungen einhergehendes Fieber. In bis zu 90 Prozent der Fälle verläuft die Krankheit tödlich. Wissenschaftler arbeiten mit Hochdruck an einem Impfstoff. © dpa
Grippe Virus
Grippe Virus: Antigene (gelbe und blaue Antennen) sitzen auf einer doppelten Fettschicht, die sich um die Erbsubstanz im Inneren schließt. Mit der Vermischung verschiedener Virentypen entstehen neue Erbsubstanzen und damit auch Antigene. © dpa
Herpes Virus: Herpes simplex-Viren sind weltweit verbreitet. Nach einer Erstinfektion verbleibt das Virus in einem Ruhezustand lebenslang im Organismus.
Herpes Virus: Herpes simplex-Viren sind weltweit verbreitet. Nach einer Erstinfektion verbleibt das Virus in einem Ruhezustand lebenslang im Organismus. © dpa
Rhinovirus Human rhinovirus 16 (HRV16)
Rhinovirus Human rhinovirus 16 (HRV16): Schnupfen verbreitet sich weltweit durch Rhinoviren. © dpa
Schweinegrippe Virus 1976: Die klassische Schweinegrippe ist ein Influenza-A-Virus vom Subtyp H1N1, der 1930 erstmals isoliert wurde. Daneben sind auch die drei Subtypen H1N2, H3N2 und H3N1 von Bedeutung.
Schweinegrippe Virus 1976: Die klassische Schweinegrippe ist ein Influenza-A-Virus vom Subtyp H1N1, der 1930 erstmals isoliert wurde. Daneben sind auch die drei Subtypen H1N2, H3N2 und H3N1 von Bedeutung. © dpa
Schweinegrippe Virus unter einem Transmissionselektronenmikroskop: 2009 brach die Schweinegrippe in Mexiko aus. Dabei handelt es sich um ein mutiertes Schweinegrippevirus vom Subtyp H1N1, das anders als gewöhnlich auch von Mensch zu Mensch übertragen werden kann.
Schweinegrippe Virus unter einem Transmissionselektronenmikroskop: 2009 brach die Schweinegrippe in Mexiko aus. Dabei handelt es sich um ein mutiertes Schweinegrippevirus vom Subtyp H1N1, das anders als gewöhnlich auch von Mensch zu Mensch übertragen werden kann. © dpa
Spanische Grippe Virus: Die Spanische Grippe (1918) gilt als die schlimmste Grippe-Pandemie aller Zeiten. Bei der Spanischen Grippe handelt es sich um den Virenstrang H1N1, der besonders junge Menschen dahin raffte. Experten schätzen die Zahl der Opfer auf 40 bis 50 Millionen.
Spanische Grippe Virus: Die Spanische Grippe (1918) gilt als die schlimmste Grippe-Pandemie aller Zeiten. Bei der Spanischen Grippe handelt es sich um den Virenstrang H1N1, der besonders junge Menschen dahin raffte. Experten schätzen die Zahl der Opfer auf 40 bis 50 Millionen. © dpa
Auslöser der Tuberkulose sind Bakterien (Mycobacterium tuberculosis)
Tuberkulosebakterium Mycobacterium tuberculosis: Die auch als Schwindsucht bekannte Krankheit ist, obwohl sie heutzutage als heilbar gilt, eine der gefährlichsten Infektionskrankheiten der Welt. © dpa
Vogelgrippe Influenza-A: Schema des Influenza-A-Virus (Computer-Darstellung von Januar 2006). Der aggressive Vogelgrippe-Virus des Subtyps H5N1 gehört zur Gruppe der Influenza-A-Viren, ebenso wie die zahlreichen menschlichen Grippeviren. Das Virus ist kugelrund, sein Durchmesser beträgt nur 0,1 tausendstel Millimeter. In seinem Inneren ist lediglich Platz für ein paar Proteine und die Erbsubstanz.
Vogelgrippe Influenza-A: Schema des Influenza-A-Virus (Computer-Darstellung von Januar 2006). Der aggressive Vogelgrippe-Virus des Subtyps H5N1 gehört zur Gruppe der Influenza-A-Viren, ebenso wie die zahlreichen menschlichen Grippeviren. Das Virus ist kugelrund, sein Durchmesser beträgt nur 0,1 tausendstel Millimeter. In seinem Inneren ist lediglich Platz für ein paar Proteine und die Erbsubstanz. © dpa

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unserer Redaktion leider nicht beantwortet werden.

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