Versuch in Hamburg

Drei Monate ohne Auto: Experiment endet mit ernüchterndem Ergebnis

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Zwölf Haushalte in Hamburg haben drei Monate lang auf ein eigenes Auto verzichtet – doch vor allem Familien mit kleinen Kindern hatten damit Probleme.

Autofahrer haben es aktuell nicht gerade leicht: Dank Chipmangel und Lieferketten-Problemen sind die Wartezeiten für Neuwagen momentan teils sehr lang, Gebrauchtwagen sind ebenfalls knapp und teuer. Dazu kommen die hohen Spritpreise – der ein oder andere Autofahrer denkt mittlerweile sogar darüber nach, seinen Wagen abzuschaffen, wie auch eine aktuelle Umfrage belegt. Doch ist der Alltag ohne eigenes Auto wirklich so einfach zu meistern? In Hamburg haben nun zwölf Haushalte für drei Monate auf ein eigenes Fahrzeug verzichtet. Begleitet wurde der Versuch von Wissenschaftlern der Universität Hamburg.

Auf ein eigenes Auto komplett verzichten – vor allem für Familien zeigte sich das im Experiment als schwierig. (Symbolfoto)

Drei Monate ohne Auto: Experiment endet mit ernüchterndem Ergebnis

Zunächst einmal gab es für die Teilnehmer, die im Rahmen des Projekts „Klimafreundliches Lokstedt“ (ein Stadtteil von Hamburg) an dem Experiment teilnahmen, durchaus einige positive Erkenntnisse. So sei etwa das Netz des Hamburger Verkehrsverbunds (HVV) neu erkundet worden. Mit „Überraschung“ hätten einige Probanden dabei festgestellt, wie weit Busse und Bahnen in Hamburg tatsächlich fahren. Als gute Alternative zum Auto hätte sich dabei auch das (E-)Fahrrad herauskristallisiert.

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Drei Monate ohne Auto: Fahrzeug-Verzicht vor allem für Familien mit Kindern ein Problem

Allerdings brachte der Alltag ohne Auto auch einige Probleme mit sich. Besonders herausfordernd war die Situation für Familien mit kleinen Kindern. Einer der Gründe ist laut Projektleiterin Prof. Dr. Katharina Manderscheid fehlendes Zubehör. So mangelte es beispielsweise im Car-Sharing-Auto an einem zweiten Kindersitz oder beim Leih-E-Bike an einer Anhängerkupplung. Auch das Sicherheitsgefühl ohne Auto war ein anderes: So legten einige der Teilnehmer besonders abends großen Wert darauf, dass beispielsweise E-Scooter oder Stadträder an den Haltestellen verlässlich bereitstanden, um den restlichen Weg nach Hause auf menschenleeren Straßen schnell zurücklegen zu können.

Elektroautos: Die zehn beliebtesten Modelle in Deutschland

BMW i3
Platz 10: BMW i3. Schon seit 2013 auf dem Markt, und immer noch recht beliebt: 12.178 BMW i3 wurden 2021 neu zugelassen. Trotzdem läuft die Produktion des City-Stromers mit knapp 300 Kilometern Reichweite nach insgesamt 250.000 Einheiten dieses Jahr ohne Nachfolger aus. Preis: ab 39.000 Euro. © BMW
Fiat 500
Platz 9: Fiat 500. Das aktuelle Modell des Kleinstwagens, auch als Fiat 500e oder Fiat 500 Elektro bezeichnet, wird ausschließlich als E-Auto angeboten. 2021 fand er 12.516 Kunden. Je nach Akku-Größe schafft der kleine, aber charakterstarke Cityflitzer aus dem Stellantis-Konzern 190 bis über 300 Kilometer. Preis: ab 26.790 Euro. © Fiat/Stellantis
VW ID.5
Platz 8: VW ID.4. Die Crossover-Variante des braven Grundmodells ID.3 mit größerem Innenraum und etwas Off-Road-Fähigkeit wurde im vergangenen Jahr 12.734 mal zugelassen. Die Reichweite der Top-Version gibt VW reichlich optimistisch mit 518 Kilometern an. Preis: Ab 46.515 Euro. © Ingo Barenschee/VW
Skoda Enyaq iV
Platz 7: Škoda Enyaq iV. Der technische Ableger des VW ID.3 und ID.4 auf der MEB-Plattform ist mit 4,65 Metern etwas länger, und erfüllt somit das übliche Marken-Image als Alternative für die Familie. 13.026 Käufer und Leasingnehmer überzeugte das E-SUV mit offiziell bis zu 500 Kilometern Reichweite. Preis: ab 46.515 Euro. © Skoda Auto a.s.
Hyundai Kona Elektro
Platz 6: Hyundai Kona Elektro. Im Gegensatz zum neuen Ioniq 5 bietet Hyundai den seit Kona mit verschiedenen Antriebsversionen an, das seit 2018 verkaufte Elektroauto brachte es auf 17.240 Neuzulassungen. Die Motoren leisten 136 oder 204 PS, die Reichweite beträgt maximal 484 Kilometer. Preis: ab 35.650 Euro.  © Hyundai
Smart EQ fortwo Edition Bluedawn smart EQ fortwo edition bluedawn: stylish and electrifying eye-catcher
Platz 5: Smart EQ Fortwo. Wie beim BMW i3 ist auch das Ende des Elektrozwergs besiegelt. Künftig kommen die Elektroautos aus China und als größere SUV daher. Das Original fand trotz seiner mickerigen Reichweite von offiziell 153 Kilometer noch 17.413 Abnehmer. Preis: ab 21.940 Euro. © Mercedes-Benz AG
Renault Zoe
Platz 4: Renault Zoe. Beim Crashtest versagte die aktuelle Version des französischen City-Stromers (null Sterne!), aber mit 24.736 Neuzulassungen war er hierzulande durchaus beliebt. Dank bis zu 395 Kilometern maximaler Reichweite eignet er sich auch für längere Trips. Preis: ab 33.140 Euro. © Renault
VW ID.3
Platz 3: VW ID.3. Das Grundmodell des „Modularen E-Antriebs-Baukastens“ des VW-Konzerns gilt längst als elektrischer VW Golf, auch wenn sich manch Stromer-Fan einen etwas aufregenderen Auftritt gewünscht hätte. Europaweit brachte es der ID.3 mit seinen offiziell bis zu 553 Kilometern Reichweite schon auf über 100.000 Verkäufe, auf Deutschland entfielen 26.693 Zulassungen. Preis: ab 36.960 Euro. © VW
VW e-Up
Platz 2: VW e-Up. Seine große Beliebtheit führt zu seinem größten Nachteil: Immer wieder ist der kleine, 30.797 mal zugelassene Stromer ausverkauft, was letztendlich auch zu einer kräftigen Preissteigerung führte. Bis zu 260 Kilometer Reichweite gehen für diese Größe ok. Preis: ab 26.895 Euro. © VW
Tesla Model 3
Platz 1: Tesla Model 3. Das Einstiegsmodell des Elektroauto-Pioniers sicherte sich mit 35.262 Neuzulassungen klar die Pole-Position, und schaffe es wochenweise sogar an die Spitze der Gesamt-Charts aller Pkw. Die Reichweite beträgt laut Werksangabe bis zu 547 Kilometer. Preis: ab 52.965 Euro. © Tesla

Drei Monate ohne Auto: Kein Versuchs-Teilnehmer verkaufte im Anschluss sein Fahrzeug

Das Ergebnis: Ganz ohne Auto geht es offenbar nicht so einfach – keiner der Haushalte verkaufte nach Ende der Versuchszeit sofort das eigene Fahrzeug. Immerhin: Teils verzichten einige Teilnehmer auf bestimmte Strecken, etwa in die Innenstadt – da sich hier der ÖPNV als mindestens gleich schnelle Alternative herausstellte und zudem die Parkplatzsuche wegfällt. Allerdings wollen andere Probanden wiederum den HVV künftig nicht weiter nutzen, da dies – wenn das Auto schon vor der Tür stehe – mit zusätzlichen Kosten für die Tickets verbunden sei.

Fazit der Wissenschaftler: Ohne konkreten Anlass ist ein Auto-Verzicht eher unrealistisch

Das Fazit der Wissenschaftler der Uni Hamburg: Wenn es keinen konkreten Anlass gebe, sei es eher unrealistisch, dass Vielfahrer auf das Auto verzichten oder es gar verkaufen, so Prof. Dr. Katharina Manderscheid. Wahrscheinlicher sei eine Veränderung hingegen, wenn beispielsweise das Auto nicht mehr durch den TÜV komme oder aus anderen Gründen ein neues Fahrzeug beschafft werden müsste. Auch Umzüge oder Wechsel von Arbeitsstätten könnten einen solchen Umbruchsmoment darstellen. Die Empfehlung des Projektteams daher an die Politik: Neben dem Ausbau und der Verbesserung der bestehenden Angebote auch die Umbruchsmomente im Leben der Menschen im Blick zu haben.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Christian Ohde

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