VonJulia Cuprakowaschließen
Die Witwenrente bietet finanzielle Sicherheit, doch was gilt bei kurzer Ehe? Es gibt Ausnahmen, bei denen die Rentenversicherung zahlt.
Die Witwenrente bietet finanzielle Sicherheit nach dem Verlust des Ehepartners – doch was gilt, wenn die Ehe nur kurz bestand? Viele glauben, dass bei einer Ehe von weniger als einem Jahr grundsätzlich kein Anspruch auf Witwenrente besteht. Doch es gibt Ausnahmen: In bestimmten Sonderfällen kann die Rentenversicherung dennoch zahlen.
echo24.de verrät, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, um auch nach einer kurzen Ehe Rente für Hinterbliebenen zu erhalten und wie Betroffene ihre Ansprüche erfolgreich geltend machen können.
Witwenrente nach kurzer Ehe: Ausnahmen bestätigen die Regel
Im Jahr 2025 erwartet die Senioren in Deutschland die jährliche Rentenerhöhung. Gleichzeitig droht aber Millionen Rentnern ab Dezember eine Rentenkürzung. Grund ist eine Änderung bei der Witwenrente. Rund drei Millionen Rentner könnten ab Dezember also weniger Geld bekommen. Aber immerhin bekommen die Betroffenen überhaupt Geld.
Denn in manchen Fällen weigert sich die Deutsche Rentenversicherung (DRV), Geld an die Hinterbliebenen auszuzahlen, wenn der Ehepartner stirbt. Der Grund: Die Ehe dauerte weniger als zwölf Monate. In diesen Fällen geht der Gesetzgeber davon aus, dass die Ehe nur zur Sicherung der Hinterbliebenenversorgung geschlossen wurde. Laut dem Online-Portal Ihre-Vorsorge können die Hinterbliebenen diese Vermutung widerlegen und haben dann Anspruch auf eine Rente.
Kurze Ehe, langer Kampf: Wie ein Witwer seine Rente sicherte
Dass Hinterbliebene nach einer kurzen Ehe Anspruch auf Witwenrente haben, zeigt ein Urteil des Sozialgerichts Berlin (Az.: S 4 R 618/21 - Urteil vom 18. März 2024), auf das die Arbeitsgemeinschaft Sozialrecht des Deutschen Anwaltvereins hinweist. Im konkreten Fall hatte der Mann geklagt, weil die Deutsche Rentenversicherung (DRV) ihm die Witwerrente verweigert hatte.
Das Paar hatte nach siebenjähriger Beziehung im Jahr 2020 geheiratet, damit der Mann seine Frau während der Corona-Pandemie im Krankenhaus besuchen konnte. Kurz nach der Eheschließung verstarb die Frau, da sich ihr Gesundheitszustand rapide verschlechterte. Da die Ehe weniger als ein Jahr dauerte, ging die DRV von einer Versorgungsehe aus. Dagegen klagte der Witwer – mit Erfolg. Das Sozialgericht Berlin verurteilte die Rentenversicherung zur Zahlung der Witwerrente.
Witwenrente trotz kurzer Ehe: Unter diesen Voraussetzungen erhalten Betroffene ihre Rente
Doch welche Voraussetzungen waren im konkreten Fall erfüllt, damit der Mann Recht bekam? Laut dem Online-Portal Ihre-Vorsorge konnte der Mann nachweisen, dass konkrete Hochzeitsvorbereitungen getroffen worden waren. Die Anmietung eines Raumes und der Termin beim Standesamt machten deutlich, dass das Paar bereits vor der endgültigen Krebsdiagnose im Jahr 2020 den Entschluss gefasst hatte, zu heiraten.
Zudem konnte der Mann glaubhaft darlegen, dass die Hochzeit mit einem großen Fest im Familien- und Freundeskreis bereits geplant war. Im Klartext: Der hinterbliebene Partner hat durchaus einen Anspruch auf Witwenrente, wenn sie glaubhaft machen können, dass die Hochzeit nicht kurzfristig geplant und der Gesundheitszustand des verstorbenen Partners nicht der Auslöser für eine schnelle Eheschließung war.
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