VonKarolin Schaeferschließen
Fast-Food-Verpackungen aus Papier sollen zwar die Umwelt schonen, enthalten aber oft gesundheitsschädliche Chemikalien. Das zeigen zwei Studien.
Kassel – Seit dem EU-weiten Plastikverbot sind Plastikstrohhalme, Plastikgeschirr und andere Einwegartikel passé. Inzwischen werden alternativ vielerorts Burger-Boxen, Pommes-Tüten, Sandwichpapier und Strohhalme aus Papier angeboten. Dass diese Verpackungen aber auch der Gesundheit schaden können, ist womöglich nicht jedem bekannt.
Fast-Food-Verpackungen aus Papier enthalten schädliche PFAS-Chemikalien
Viele Pappverpackungen von Fast-Food-Ketten sollen sogenannte Fluorchemikalien (kurz: PFAS) enthalten. Sie werden vor allem wegen ihrer fett- und wasserabweisenden Eigenschaften eingesetzt. Sonst sind die Chemikalien auch in Outdoor-Kleidung, Imprägniersprays sowie beschichteten Pfannen zu finden.
Unter PFAS fallen mehr als 10.000 verschiedene Substanzen. Sie werden auch „ewige Gifte“ genannt, da sie sehr langlebig sind und sich in Menschen sowie Tieren anreichern können. „Einmal freigesetzt verteilen sie sich über Luft, Wasser oder die Nahrungskette und verweilen in der Umwelt für eine sehr lange Zeit“, teilte die Umweltschutzorganisation Bund mit. Deshalb könne man die Stoffe heutzutage fast überall nachweisen, „von der Arktis bis in unserem Blut“.
Studie untersucht Verpackung von Fast-Food-Ketten: Ergebnis ist erschreckend
In einer Studie von Bund und acht weiteren Umweltverbänden wurden europaweit 42 Fast-Food-Verpackungen untersucht, darunter von McDonald‘s, KFC, Subway, Dunkin‘ Donuts und Nordsee. In allen Proben wurden Spuren von PFAS gefunden. „Dies deutet auf Verunreinigungen entlang der gesamten Produktions- und Lieferketten hin“, hieß es in dem Bericht. 32 Verpackungen seien sogar eindeutig mit PFAS angereichert worden. In als kompostierbar deklariertem Einweggeschirr aus Zuckerrohr sei die höchste Konzentration gemessen worden.
Dass die gesundheits- und umweltschädlichen Chemikalien auch in Papierstrohhalmen enthalten sind, bestätigte eine Untersuchung des Europäischen Verbraucherverbands. Das „ewige Gift“ wurde in Einweggeschirr unter anderem aus Pflanzenfasern in vier Ländern nachgewiesen. Über die Hälfte der Proben enthielten einen oder mehrere der bedenklichen Stoffe.
Die gesundheitlichen Auswirkungen von PFAS gut untersucht – vor allem bei den Chemikalien Perfluoroktansäure (PFOA) und Perfluoroktansulfonsäure (PFOS). Laut Bund werden diese Stoffe mit folgenden Auswirkungen in Verbindung gebracht:
- erhöhtes Krebsrisiko
- Leberschädigungen
- Störungen der Schilddrüsenfunktion
- Störungen des Immun- und Hormonsystems
- verzögerte Pubertät
PFAS in Fast-Food-Verpackung: Keine Grenzwerte in Deutschland
Obwohl PFAS fast überall vorkommen, gibt es in Deutschland und auch in der EU keine Grenzwerte in Lebensmittelverpackungen. Sogar in Toilettenpapier ist die Ewigkeitschemikalie nachgewiesen worden. Lediglich Dänemark hat eine Obergrenze festgelegt. Das spiegelt sich auch in den Verpackungen wider: Die Fast-Food-Kette McDonalds verpackt im Nachbarland die Pommes in einer Tüte mit rund 70mal weniger PFAS als in Deutschland, berichtete Bund. Eine Kennzeichnungspflicht für PFAS gibt es nicht.
Nicht immer sind Verbraucher mit der Papier-Variante in der Fast-Food-Branche zufrieden. „Der Milkshake lässt sich mit einem dünnen Papierstrohhalm kaum trinken, ist aber gut für‘s Gewissen. Für‘s Auskratzen musste dann doch ein Plastiklöffel herhalten“, ärgerte sich ein McDonalds-Kunde beim Twitter-Nachfolger X. Im Mai kündigte der Fast-Food-Riese zumindest an, bei Softgetränken künftig auf Papiertrinkhalme verzichten zu wollen.
So funktioniert deutscher #Umweltschutz. Der Milkshake lässt sich mit einem dünnen Papierstrohhalm kaum trinken, ist aber gut für's Gewissen. Für's Auskratzen musste dann doch ein Plastiklöffel herhalten. Und ja, der Becher ist auch aus Plastik.#McDonalds pic.twitter.com/PJw5XithBo
— Eric Mitka ⭐ (@Teutoyankee) September 19, 2020
Die Verbraucherzentrale rät, auf Mehrwegdosen zurückzugreifen – etwa aus Edelstahl. Darin könnten sich Verbraucher das Essen zum Mitnehmen einpacken lassen. Verbraucher haben seit diesem Jahr ohnehin das Recht, Essen und Trinken zum Mitnehmen in Mehrwegbehältern zu erhalten. Bei Strohhalmen eignen sich Glas- oder Edelstahlalternativen. Die weichen dann auch nicht so schnell durch. Nach Medienberichten soll es offenbar in einer Stadt eine überdurchschnittlich hohe Belastung mit PFAS-Chemikalien geben. (kas)
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