E-Tron, EQ & Co.

Elektro-Submarken der Autohersteller: Bei vielen wohl nur ein teures Intermezzo

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E-Tron, E-Tech, EQ: In den vergangenen zehn Jahren haben viele Autohersteller mit Millionenaufwänden elektrische Submarken kreiert – doch viele Elektro-Signets werden bald wieder verschwinden. 

Wenn es um die Benennung von Automobilen geht, haben nicht alle Hersteller immer ein glückliches Händchen. Mit großem Aufwand haben in den vergangenen Jahren viele Hersteller Submarken für E-Modelle kreiert – nicht jede konnte so recht überzeugen. Und wenn die überwiegende Mehrheit der Modellpalette elektrisch ist, dann kann man den Namenszusatz ja eigentlich wieder weglassen. Einer der ersten Hersteller, die es treffen dürfte, ist Mercedes mit seiner EQ-Familie. Der Grund für das schrittweise Streichen des EQ-Zusatzes in der Modellbezeichnung hat einen weiteren Grund. Mit Fahrzeugen wie der G- oder S-Klasse haben die Schwaben seit Jahrzehnten eigene Submarken, die stärker sind als mancher Autohersteller für sich. Und so richtig sind viele Kunden ohnehin nicht auf den EQ-Geschmack gekommen. 

Elektro-Submarken der Autohersteller: Bei vielen wohl nur ein teures Intermezzo

Nicht viel anders sieht es bei anderen Herstellern aus. Audi griff bei seinen Elektromodellen zur Bezeichnung E-Tron, Hyundai nannte die Stecker-Modelle schrittweise Ioniq und auch Renault spendierte den seinen Stromspendern immer wieder neue Namen – zuletzt E-Tech. So recht durchgesetzt hat sich der Namenszusatz bei keinem Hersteller und auch ein vereinfachter Namenszusatz wie BMW i, Opel e, Skoda iV oder VW mit seiner ID-Familie stockt vielen Kunden bei der vermeintlich immer schwereren Kaufentscheidung im Kopf. Doch es geht nicht allein um die Kunden an sich. Selbst Autoverkäufer einiger Marken schüttelten angesichts immer neuer Kampagnen und Namenskreationen bisweilen irritiert den Kopf, wenn es darum geht, den Käufern durch die verschiedenen Antriebsarten zu führen.

Elektro-Submarken der Autohersteller: Wieder S-Klasse statt EQS?

Wenn nahezu alles elektrisch wird, kann man ein Image-Aushängeschild wie die Mercedes S-Klasse auch wieder so benennen und kann den Begriff EQS streichen. In der nächsten Generation dürfte es sich wieder um die S-Klasse handeln, die elektrisch oder in einzelnen Versionen noch als Verbrenner mit Hybridzusatz zu bekommen ist. Anzunehmen, dass Mercedes 2024 mit der Mercedes G-Klasse oder spätestens mit der neuen Frontantriebsplattform von CLA den EQ-Annex streichen wird. Wenn der Elektroantrieb der vermeintliche Normalfall wird, dann muss man ihn eben auch nicht mehr besonders als solchen deklarieren. 

Auf dem Pariser Autosalon 2016 präsentierte der damalige Daimler-Chef Dieter Zetsche den Elektro-Zusatz „EQ“.

Elektro-Submarken der Autohersteller: BMW müsste im Ernstfall nur ein „i“ streichen

Am einfachsten könnte das noch für einen Hersteller wie BMW laufen, der bei den Elektroversionen wie i7/7er oder i5/5er einfach ein kleines „i“ vor die eigentliche Modellbezeichnung setzt, die erst einmal bestehen bleiben kann, solange Verbrenner und Elektromodell Seite an Seite im Verkaufsraum stehen. Bei Porsche heißen die Elektromodelle aktuell anders als die vergleichbaren Verbrenner – Taycan/Panamera. Problematisch wird es bald, wenn Macan und Cayenne elektrische Nachfolger bekommen, bei denen sich die Produktzyklen überschneiden. Da man keine neue Bezeichnung einführen will, dürfte hier wohl schlicht ein „E“ zum Einsatz kommen – nach Vorbild des Panamera E-Hybrid.

Elektro-Submarken der Autohersteller: „E-Tech“ von Renault dürfte einfach verschwinden

Auch bei einer Marke wie Renault dürfte das „E-Tech“ einfach verschwinden und der Mégane bleibt eben auch elektrisch angetrieben das, was er schon immer war: ein Mégane oder ein Twingo eben ein Twingo (dessen erste Generation inzwischen als E-Mobil neues Leben eingehaucht bekommt). Audi kann sein „E-Tron“ hinter Q6 oder Q8 dann einfach streichen und auch Hyundai wird sein „Ioniq“ wohl mittelfristig in die Wüste schicken. Den Zusatz „iV“ bei Škoda benennt sowieso niemand, da Elektromodelle wie der Enyaq oder der zukünftige Elroq sowie eigenständige Namen haben und der iV-Zusatz niemanden interessiert.

Elektro-Submarken der Autohersteller: Ford streicht bekannte Namen

Etwas anders sieht die Sache bei Volkswagen aus, die ihre Verbrennermodelle mit den altbekannten Namen Polo, Golf oder Passat deklarieren und die Elektromodelle ID.3, ID.4 oder ID.7 nennt. Dass jetzt Rufe laut werden, seit Jahrzehnten bestens eingeführte Verkaufsbezeichnungen, die ähnlich wie bei Mercedes mit seiner S-Klasse oder G-Klasse eigenständige Submarken sind, wieder zurückzuholen, erscheint wenig sinnvoll. Bei Volkswagen sollte das elektrische Einstiegsmodell seinerzeit lange VW Neo heißen, ehe das Vertriebsteam unter dem damaligen Vorstand Jürgen Stackmann entschied, für die Elektromodelle eine neue, eigenständige Nomenklatur einzuführen, die an die Modellgröße angepasst werden kann. Ford krempelt ein Portfolio um und streicht Modelle wie Fiesta, S-Max oder Focus ersatzlos. Die elektrischen Crossover bekommen neue Namen – mitunter höchst bekannte. 

Konzeptautos der Extreme: Zehn spektakuläre Einzelstücke, die nie in Serie gingen

Das Renault Trezor Renault concept
Platz 10 – Renault Trezor Concept (2016): Auf dem Pariser Autosalon im Jahr 2016 präsentierte Renault einen echten Hingucker: Die futuristische Flunder Trezor Concept gab einen Ausblick, wie ein rein elektrischer Gran Turismo der Franzosen aussehen könnte. Highlight des Konzeptfahrzeugs waren fehlenden Türen – stattdessen öffnete sich zum Einstieg das Dach samt Motorhaube. Schon bei der Vorstellung war allerdings klar: Dieses Gefährt ist einfach zu außergewöhnlich, um jemals in Serie zu gehen. Schön anzuschauen ist es trotzdem. © CTK Photo/Imago
Ein Peugeot e-legend 2019
Platz 9 – Peugeot e-Legend (2018): Es muss nicht immer alles neu sein: Auf dem Pariser Autosalon 2018 zeigte Peugeot die Retro-Studie e-Legend. Beim Design ließen sich die Franzosen dabei vom 504 inspirieren – einem Modell, das Ende der 1960er-Jahre Premiere feierte. Während man bei der Gestaltung in die Vergangenheit schaute, warf man technisch einen Blick in die Zukunft: Das Fahrzeug war mit einem reinen Elektroantrieb ausgestattet und sollte zeigen, wie man sich autonome Fahrmodi vorstellt. So ließ sich beispielsweise das Lenkrad unter der Soundbar versenken. Dennoch: In Serie ging der e-Legend nicht. © Xinhua/Imago
VW Futura
Platz 8 – VW Futura (1989): Wenn es um ein Messe-Showcar geht, dann greifen Autodesigner gerne zu Flügeltüren – so wirkt auch ein verhältnismäßig unspektakuläres Fahrzeug zumindest einigermaßen aufregend. Auch der VW Futura wurde im Jahr 1989 für seinen Auftritt auf der IAA in Frankfurt damit ausstaffiert – wohl wissend, dass es diese aufwendige Technik höchstwahrscheinlich nicht in ein Serienmodell schafft. Sowohl die Flügeltüren als auch die gläserne Heckklappe ließen sich zudem abnehmen, wodurch der Wolfsburger zu einer Art T-Top-Cabrio wurde. Der Futura blieb ein Einzelstück, allerdings gab er schon mal einen kleinen Ausblick auf das Design des späteren VW Sharan. © VW
Der Audi urban concept
Platz 7 – Audi Urban Concept (2011): Bei Showcars hat jeder Hersteller seine eigene Philosophie – im Falle von Audi sind die Fahrzeuge zumeist schon ein relativ konkreter Ausblick auf ein Serienauto. Nicht so beim Audi Urban Concept: Auf der IAA 2011 in Frankfurt zeigten die Ingolstädter das Schmalspurfahrzeug, in dem zwei Personen hintereinander Platz nehmen. Der dynamische Rennwagen-Look täuschte etwas über die bescheidene Motorisierung hinweg: Zwei Elektromotoren sollten 20 PS leisten. Dafür wog das Gefährt nur 480 Kilogramm – die Höchstgeschwindigkeit lag bei 100 km/h, die Reichweite gab Audi mit rund 60 Kilometern an. Später wurde die Studie, die als reines Stadtmobil konzipiert war, auch noch als Spyder-Version gezeigt – in Serie gingen beide nicht. © Audi
Der BMW M1 Hommage
Platz 6 – BMW M1 Hommage (2008): Im Herbst 1978 begann BMW mit der Produktion des legendären Supersportwagens M1 – bis Ende 1981 wurden 460 Exemplare gebaut. Die 277 PS aus einem Reihensechszylinder klingen heute allerdings nicht mehr wirklich gewaltig. Umso mehr erinnert man sich noch immer an des keilförmige Design des Mittelmotorsportlers. BMW ließ die Legende im Jahr 2008 wieder aufleben: Auf dem Concorso d‘Eleganza am Comer See zeigten die Münchner den BMW M1 Hommage. Die extrem designte Studie in oranger Metallic-Lackierung ist ein echter Hingucker. In Serie ging die Retro-Flunder nicht – allerdings nahm das Design schon etwas von einem anderen Fahrzeug voraus: dem BMW i8, der ab dem Jahr 2013 gebaut wurde. © BMW
Das Opel Monza Concept
Platz 5 – Opel Monza Concept (2013): In Serienfahrzeug sind Flügeltüren eine echte Rarität – zumeist sieht man sie nur in Supersportwagen, denn die Technik ist aufwändig und anfällig. Ein Hingucker sind sie aber immer, weshalb sie sich perfekt für Messestudien eignen. Auch Opel entschied sich beim Monza Concept auf der IAA in Frankfurt 2013 dafür. Die Serien-Chancen für ein schickes Luxus-Coupé dieser Art aus dem Hause Opel waren aber von vorneherein gering. Es blieb bei dem einen Showcar. Wer heute einen Monza fahren will, muss sich deshalb auf die Suche nach einem Original machen, das ab Ende der 1970er-Jahre gebaut wurde. © YAY Images/Imago
Das Bugatti 16C Galibier Concept
Platz 4 – Bugatti 16C Galibier Concept (2009): Die Marke Bugatti kennt man heutzutage vor allem durch zwei Modelle: die Supersportwagen Veyron und Chiron – beide mit einem 16-Zylindermotor und einer Leistung von weit mehr als 1.000 PS ausgestattet. 2009 zeigte die Marke mit dem Bugatti 16C Galibier Concept jedoch ausgewählten Gästen, wie man sich eine Luxuslimousine der Franzosen vorstellen könnte. Die Öffentlichkeit bekam das Showcar dann auf dem Genfer Autosalon 2010 zu sehen. Wie der Zusatz „16C“ verrät, wäre auch die sportliche Limousine mit einem gewaltigen 16-Zylindermotor ausgestattet gewesen. Den Weg in die Serienfertigung – wenn man bei den geringen Stückzahlen der Marke überhaupt davon sprechen kann – fand der Galibier nicht. Umso exklusiver bleibt damit die Besonderheit des Konzeptautos: Auf dem Armaturenbrett des Wagens ist eine Tourbillon-Uhr von Parmigiani Fleurier verbaut – diese lässt sich aus der Halterung herausnehmen und als Armbanduhr tragen. © Uli Deck/dpa
Der Citroën Tubik
Platz 3 – Citroën Tubik (2011): Vans sind optisch eher unspannende Fahrzeuge, was mit ihrer naturgemäß meist kastenartigen Form zu tun hat. Dass man ein solches Fahrzeug aber auch durchaus außergewöhnlich gestalten kann, zeigte Citroën im Jahr 2011 auf der IAA in Frankfurt mit dem Tubik. Ob einem das Design – speziell der Front – gefällt, steht natürlich auf einem ganz anderen Blatt. Eine riesige Flügeltüre öffnet den Zugang zum loungeartigen Innenraum des Turik. Die Sitzgelegenheiten bieten maximale Variabilät – und lassen sich beispielsweise auch zu einem Bett umbauen. Ein Fahrzeug der Extreme, das ebenfalls ein Einzelstück blieb. © Sebastian Geisler/Imago
Ein BMW E1
Platz 2 – BMW E1 (1991): Es gibt immer wieder Konzeptfahrzeuge, die ihrer Zeit einfach zu weit voraus sind. Zu diesen gehört wohl auch der BMW E1, den die Münchner im Jahr 1991 auf der IAA in Frankfurt vorstellten. Ein kompaktes Elektrofahrzeug mit einer Länge von knapp 3,50 Metern, in dem vier Personen Platz finden sollen. Die Natrium-Schwefel-Batterie bot eine Kapazität von 20 kW und hätte unter günstigen Umständen für eine Reichweite von rund 200 Kilometern reichen sollen. Der 32 kW starke Elektromotor trieb BMW-typisch nur die Hinterräder an, die Höchstgeschwindigkeit lag bei 120 km/h. 1993 stellte BMW eine zweite Version des E1 vor – diesmal mit einem Verbrennungsmotor. Doch weder die eine noch die andere Variante schafften es in die Serie – dennoch gilt der E1 so manchem als früher Vorläufer des i3, der ab 2013 produziert wurde. © BMW
Mercedes NAFA
Platz 1 – Mercedes Nafa (1982): Beim Anblick dieses Gefährts mag man an viele Hersteller denken – aber sicher nicht an Mercedes. Allerdings präsentierten die Schwaben im Jahr 1982 tatsächlich die Studie Nafa – eine Abkürzung für „Nahverkehrsfahrzeug“. Die kantige Kiste war gerade einmal 2,5 Meter lang und 1,5 Meter breit und hoch. Sie bot Platz für zwei Personen und war als minimalistisches Stadt-Mobil konzipiert. Das kuriose Gefährt blieb ein Einzelstück – und gilt dennoch als Ur-Vater von späteren City-Flitzern wie dem Smart oder der A-Klasse.  © Mercedes-Benz

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Elektro-Submarken der Autohersteller: Nio, Tesla und MG haben keine großen Probleme

Keine großen Probleme haben die neuen Autohersteller, die ihre Elektrofahrzeuge zumeist ohne jegliche deklaratorische Altlasten benennen können, weil die Vorgängermodelle fehlen. Der Kunde muss sich bei Tesla Model 3, Nio ET7 oder MG4 keine Gedanken darüber machen, ob das vermeintliche Verbrennermodell eine andere Bezeichnung hat, denn den Vorgänger mit Benziner oder Diesel unter der Haube gibt es nicht. (Stefan Grundhoff/press-inform)

Rubriklistenbild: © Mercedes

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