Gegen den Trend

Elektroauto günstiger laden: Fastned senkt Preis für Strom

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Die Firma Fastned aus den Niederlanden ist mit ihrem Ladenetz auch in Deutschland präsent – und senkt nun als erster Anbieter die Preise für schnellen Gleichstrom.

Update vom 3. November 2022, 10:02 Uhr: Der niederländische Anbieter Fastned war angetreten, um die löcherige Infrastruktur von Schnelllade-Säulen dichter zu knüpfen. Tatsächlich gibt es mittlerweile mehr als 200 Stationen mit charakteristischen gelben Dach in Europa.

Elektroauto günstiger laden: Fastned senkt Preise für Strom

Nun geht der Ladenetz-Betreiber mit einem ungewöhnlichen Schritt voran – und senkt die Preise für Gleichstrom, der allerorts, etwa bei Teslas Superchargern, teurer wird. An deutschen Standorten werden ab sofort 74 Cent statt wie zuletzt 83 Cent je Kilowattstunde fällig. Als Begründung geben die Niederländer gesunkene Strompreise an, behalten sich aber vor, auf erneute Änderungen zu reagieren. Allerdings gehörte Fastned bislang zu den teuren Strom-Anbietern. Die Preissenkung kann daher auch einfach eine Anpassung an die marktüblichen Preise sein.

Erstmeldung vom 12. Mai 2021, 15:19 Uhr: Als City-Mobile mögen Elektroautos die perfekte Wahl sein, aber vor längeren Strecken schrecken viele Automobilisten mit Akku noch zurück. Aus gutem Grund: Besetzte oder defekte Säulen, lange Ladezeiten, ein Flickenteppich beim Bezahlen und überhöhte Strompreise machen die Tour oft genug zur Tortur. Immer wieder geraten Reisende in ein nervenaufreibendes Lade-Drama. Letztendlich gilt die mangelhafte Infrastruktur noch immer als Bremsklotz bei der Verbreitung von E-Mobilen. Zwar bemühen sich die Hersteller mit Abo-Modellen und ihren Ionity-Ladepunkten um flächendeckende Versorgung, aber so richtig gut funktioniert bislang eigentlich nur das Supercharger-Netz von Tesla: CEO Elon Musk hat schnelles und lückenloses Laden bei seinem Geschäftsmodell von Anfang an mitgedacht. (Tesla Cybertruck kurvt durch New York: Elon Musk enthüllt Krankheit bei „Saturday Night Live“)

Supercharger für alle: Wie ein Anbieter das Lade-Chaos bei Elektroautos beenden will

Jetzt schickt sich eine niederländische Firma an, eine Ladestruktur nach Tesla-Art für alle Elektro-Mobilisten aufzubauen: Fastned aus Amsterdam, Marktführer im Nachbarland, plant ein dichtes Netz von Stationen mit vielen Ladepunkten an deutschen Autobahnen. Ziel ist das Nachladen für mehrere Hundert Kilometer Reichweite innerhalb von 20 Minuten. Die Standorte sollen weniger direkt in offiziellen Autobahnraststätten entstehen, sondern vor allem auf Grundstücken in der Nähe von Anschlussstellen. Hier soll es eigene komfortable, überdachte Pausenplätze für elektrisch Reisende geben. Die Offensive, für die Fastned derzeit noch passende Stellen und Grundstücks-Eigner sucht, ist Teil der Ausschreibung der Bundesregierung für 1.000 neue Ladepunkte bis 2023. (Elektroautos: Ist die Brennstoffzelle der bessere Antrieb als Strom aus dem Akku?)

Bald soll es, wie hier in Limburg, flächendeckend Fastned-Stationen geben.

Supercharger für alle: Das kostet der Strom der Niederländer

Bislang betreibt Fastned in Europa 137 Stationen, davon 19 in Deutschland, die nach eigenen Angaben zu 100 Prozent Ökostrom aus eigenen Solardächern oder lokalen Windrädern bereitstellen. Per App können die Kunden zu freien Ladepunkten navigieren, während der Kaffeepause den Ladestand abfragen und bezahlen; aber auch viele fremde Ladekarten werden akzeptiert. Mit 59 Cent pro Kilowattstunde ist der Strom nicht gerade billig – aber Vielfahrer können den Preis mittels Abo auf 35 Cent senken. (Vergleich der Langstrecken-Stromer: Deutsches E-Auto schlägt Tesla klar)

Elektroauto laden: Diese zehn kommen nach 20 Minuten am weitesten

Kia EV6
Kia EV6: 309 Kilometer. Dank moderner 800-Volt-Ladetechnik fährt das Mittelklasse-SUV aus Südkorea klar an die Spitze. Die Version mit Heckantrieb und 77,4-kWh-Akku war das einziges Modell des Testfeldes, das die 300-Kilometer-Marke knackte. Basispreis: 46.990 Euro. © weigl.biz
Mercedes-Benz EQS 450+
Mercedes-Benz EQS 450+: 275 Kilometer. Die Luxuslimousine für mindestens 107.326 Euro holt aus der verwendeten 400-Volt-Technik dank präzisem Lade- und Temperatur-Management das Optimum heraus. Getestet wurde die Long-Range-Version mit 108-kWh-Akku und Heckantrieb. © Deniz Calagan/Mercedes-Benz AG
BMW iX
BMW iX: 273 Kilometer. Das große Elektro-SUV trat als xDrive50 mit serienmäßigem Allradantrieb zum Test in der Oberklasse-Kategorie an – und mit mächtigem 105,2-kWh-Akku. Der Basispreis des mächtigem Stromers liegt bei 84.600 Euro. © Uwe Fischer/BMW
Hyundai Ioniq 5
Hyundai Ioniq 5: 272 Kilometer. Das südkoreanische SUV ist technisch mit dem Testsieger Kia EV6 verwandt, und nutzt dieselbe schnelle 800-Volt-Technik. Die sparsamere Heckantriebsversion kostet ab 43.900 Euro, getestet wurde die Ausführung mit 72,6-kW-Akku für 4.000 Euro Aufpreis. © Dino Eisele/Hyundai
Porsche Taycan GTS
Porsche Taycan: 271 Kilometer. In der Oberklasse lagen die Testwerte relativ dicht beieinander. In der Version GTS fährt der Elektro-Porsche (Basispreis 86.733 Euro) mit 93,4-kWh-Akku nur knapp hinter den Klassenbesten her, er kann ebenfalls mit 800 Volt laden. © Porsche AG
Audi e-tron GT quattro
Audi e-tron GT quattro: 237 Kilometer. Der viertürige, Elektrosportler mit Allradantrieb basiert auf dem Porsche Taycan und verfügt daher ebenfalls über schnelle 800-Volt-Technik und einen 93,4-kWh-Akku, ist aber etwas größer und geräumiger. Preis: ab 104.000 Euro. © Audi
BMW i4 eDrive40
BMW i4: 235 Kilometer. Die Elektroversion der konventionell angetriebenen 4er-Reihe ist das sportlichste Modell der Mittelklasse-Wertung. Als eDrive40 kostet er ab 59.200 Euro und verfügt über einen Akku mit 83.9 kWh Kapazität. © BMW
Tesla Model 3
Tesla Model 3: 221 Kilometer. Der Elektroauto-Pionier legt seit jeher mehr Wert auf Reichweite als auf schnelles Laden, was bei der Akku-Auslegung ein Zielkonflikt ist. Der Test der Long-Range-Version mit 82,1-kWh-Akku erfolgte an markeneigenen Superchargern. Basispreis des Model 3: 52.965 Euro. © Tesla
Polestar 2
Polestar 2: 218 Kilometer. Die noch junge Marke gehört zum chinesischen Geely-Konzern, die Autos werden von dessen Tochter Volvo entwickelt und in China produziert. Den Polestar gibt es ab 46.495 Euro, gemessen wurde die heckgetriebene Long-Range-Version mit 78-kWh-Akku. © Polestar
BMW iX3
BMW iX3: 201 Kilometer. Ein weiterer BMW nach dem bewährten Muster, ein Verbrennermodell zum Stromer umzurüsten. Das Mittelklasse-SUV kostet ab 67.300 Euro und verfügt über einen Akku mit 80 kWh Kapazität. © BMW

Supercharger für alle: So lange laden Elektroautos im „Fastned“-Netz

Mindestens so wichtig wie die Kosten: Die Ladedauer. Bislang bietet Fastned Standard-Säulen ab 50 Kilowatt an, sowie zunehmend Schnelllade-Säulen ab 150 Kilowatt. Mit diesem Wert lädt beispielsweise ein BMW iX3 (hier geht‘s zum Fahrbericht) in zehn Minuten Power für 100 Kilometer. Künftig will der niederländische Lade-Meister verstärkt Geräte mit bis zu 350 Kilowatt installieren. Entsprechend ausgerüstete Modelle wie der Porsche Taycan (lesen Sie hier den Fahrbericht zum Porsche Taycan Cross Turismo) können dann in 20 Minuten nahezu voll geladen werden. Jederzeit willkommen sind übrigens auch Tesla-Fahrer, die es nicht mehr bis zum nächsten Supercharger schaffen.

Rubriklistenbild: © Fastned

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