BGH-Urteil

Miet-Batterien in Elektroautos: Fernabschaltung ist laut BGH unzulässig

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Batterien von E-Autos dürfen vom Vermieter nach einer Vertragskündigung nicht per Fernzugriff abgeschaltet werden – das hat nun der BGH entschieden.

Es ist kein Geheimnis: Einen großen Teil des Preises eines Elektroautos macht die Batterie aus. Damit der hohe Kaufpreis nicht zu viele potenzielle Kunden abschreckt, entschieden sich einst einige Autobauer für ein spezielles Konzept: Man kauft das Auto und mietet dazu die Batterie – die in Zukunft ganz anders verbaut werden könnte als heutzutage. Unter anderem setzte Renault mit dem Zoe auf dieses Konzept. Auch wenn die Batterie-Miete aktuell kaum noch eine Rolle spielt, ging es vor dem Bundesgerichtshof in Karlshof nun um die Frage: Dürfen Vermieter die Batterien per digitalem Fernzugriff abschalten, wenn der Vertrag gekündigt wird?

Miet-Batterien in Elektroautos: Fernabschaltung ist laut BGH unzulässig

Konkret hatten Verbraucherschützer gegen eine französische Bank geklagt, deren Geschäftsbedingungen Klauseln enthalten, die eine solche Abschaltung erlauben. Nun fiel das Urteil: Ein solcher Eingriff ist nicht zulässig (Az. XII ZR 89/21). Einer der Gründe ist laut dem Gericht, dass das Fahrzeug nahezu untrennbar mit der Batterie verbunden ist – und der Mieter „keine zumutbare Möglichkeit“ habe, eine gesperrte Batterie durch ein anderes Fabrikat zu ersetzen. Mit der Abschaltung würde das Fahrzeug unbrauchbar. Der Austausch eines E-Auto-Akkus ist extrem aufwändig und teuer.

Beim Renault Zoe gab es die Möglichkeit, das Auto zu kaufen und die Batterie zu mieten.

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BGH: Batteriesperrung lässt das komplette E-Auto unbrauchbar werden

Durch die Batteriesperrung würde somit nicht nur die Batterie, sondern mit dem kompletten E-Auto ein „wesentlich höherwertiger Vermögensbestandteil“ für den Mieter unbrauchbar. Dazu komme, dass die E-Fahrzeuge in vielen Fällen vom Mieter beruflich genutzt würden oder auch für die private Lebensgestaltung von wesentlicher Bedeutung seien.

Wie die dpa berichtet, würden nach Angaben des ADAC aktuell keine neuen E-Autos mit Batteriemiete angeboten. „Renault hatte dieses als letzter Anbieter Ende 2020 abgeschafft“, habe ein Sprecher anlässlich der Verhandlung mitgeteilt. Wie häufig die Klausel zur Fernabschaltung angewendet wurde, könne der Autoclub nicht beurteilen.

Elektroauto laden: Diese zehn kommen nach 20 Minuten am weitesten

Kia EV6
Kia EV6: 309 Kilometer. Dank moderner 800-Volt-Ladetechnik fährt das Mittelklasse-SUV aus Südkorea klar an die Spitze. Die Version mit Heckantrieb und 77,4-kWh-Akku war das einziges Modell des Testfeldes, das die 300-Kilometer-Marke knackte. Basispreis: 46.990 Euro. © weigl.biz
Mercedes-Benz EQS 450+
Mercedes-Benz EQS 450+: 275 Kilometer. Die Luxuslimousine für mindestens 107.326 Euro holt aus der verwendeten 400-Volt-Technik dank präzisem Lade- und Temperatur-Management das Optimum heraus. Getestet wurde die Long-Range-Version mit 108-kWh-Akku und Heckantrieb. © Deniz Calagan/Mercedes-Benz AG
BMW iX
BMW iX: 273 Kilometer. Das große Elektro-SUV trat als xDrive50 mit serienmäßigem Allradantrieb zum Test in der Oberklasse-Kategorie an – und mit mächtigem 105,2-kWh-Akku. Der Basispreis des mächtigem Stromers liegt bei 84.600 Euro. © Uwe Fischer/BMW
Hyundai Ioniq 5
Hyundai Ioniq 5: 272 Kilometer. Das südkoreanische SUV ist technisch mit dem Testsieger Kia EV6 verwandt, und nutzt dieselbe schnelle 800-Volt-Technik. Die sparsamere Heckantriebsversion kostet ab 43.900 Euro, getestet wurde die Ausführung mit 72,6-kW-Akku für 4.000 Euro Aufpreis. © Dino Eisele/Hyundai
Porsche Taycan GTS
Porsche Taycan: 271 Kilometer. In der Oberklasse lagen die Testwerte relativ dicht beieinander. In der Version GTS fährt der Elektro-Porsche (Basispreis 86.733 Euro) mit 93,4-kWh-Akku nur knapp hinter den Klassenbesten her, er kann ebenfalls mit 800 Volt laden. © Porsche AG
Audi e-tron GT quattro
Audi e-tron GT quattro: 237 Kilometer. Der viertürige, Elektrosportler mit Allradantrieb basiert auf dem Porsche Taycan und verfügt daher ebenfalls über schnelle 800-Volt-Technik und einen 93,4-kWh-Akku, ist aber etwas größer und geräumiger. Preis: ab 104.000 Euro. © Audi
BMW i4 eDrive40
BMW i4: 235 Kilometer. Die Elektroversion der konventionell angetriebenen 4er-Reihe ist das sportlichste Modell der Mittelklasse-Wertung. Als eDrive40 kostet er ab 59.200 Euro und verfügt über einen Akku mit 83.9 kWh Kapazität. © BMW
Tesla Model 3
Tesla Model 3: 221 Kilometer. Der Elektroauto-Pionier legt seit jeher mehr Wert auf Reichweite als auf schnelles Laden, was bei der Akku-Auslegung ein Zielkonflikt ist. Der Test der Long-Range-Version mit 82,1-kWh-Akku erfolgte an markeneigenen Superchargern. Basispreis des Model 3: 52.965 Euro. © Tesla
Polestar 2
Polestar 2: 218 Kilometer. Die noch junge Marke gehört zum chinesischen Geely-Konzern, die Autos werden von dessen Tochter Volvo entwickelt und in China produziert. Den Polestar gibt es ab 46.495 Euro, gemessen wurde die heckgetriebene Long-Range-Version mit 78-kWh-Akku. © Polestar
BMW iX3
BMW iX3: 201 Kilometer. Ein weiterer BMW nach dem bewährten Muster, ein Verbrennermodell zum Stromer umzurüsten. Das Mittelklasse-SUV kostet ab 67.300 Euro und verfügt über einen Akku mit 80 kWh Kapazität. © BMW

Zukunftsträchtiges BGH-Urteil: Auch Nio setzt auf Batterie-Miete

Interessant ist das Urteil des BGH dennoch, denn demnächst könnte das Thema wieder eine größere Rolle spielen. Denn der chinesische Hersteller Nio beispielsweise setzt auf ein Batteriewechselkonzept: In entsprechenden Stationen kann der Akku einfach ausgetauscht werden. Ursprünglich wollte der Hersteller sein Modell als Leasing-Fahrzeug anbieten – nun soll es aber doch eine Kauf-Option geben, bei der dann die Batterie gemietet wird.

Rubriklistenbild: © Geisser/Imago

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