Bis 20.000 Euro

Elektroauto: In Europa fehlen die günstigen Stromer – gut die Hälfte kostet über 50.000 Euro

  • schließen

In Europa wächst das Angebot an Elektroautos immer weiter. Meistens handelt es sich jedoch um teure SUVs. Bezahlbare Stromer sind indes Mangelware.

Auf Europas Elektroauto-Automarkt herrscht ein Überangebot an teuren Modellen. Die Nachfrage nach günstigen Stromern wird hingegen kaum gedeckt, wie sich aus Daten der Unternehmensberatung Jato ergibt. Demnach fallen 48 Prozent aller angebotenen E-Auto-Modelle in die Preisklasse oberhalb von 50.000 Euro.

Der Anteil diese Fahrzeuge an den Verkäufen beträgt allerdings lediglich 18 Prozent. Am unteren Ende des Marktes sieht es genau genau anders aus: Während Modelle bis 20.000 Euro Kaufpreis lediglich ein Prozent des Angebots ausmachen, liegt ihr Marktanteil bei zehn Prozent.

Günstige Elektroautos wie den Dacia Spring sind noch eine Seltenheit.

Elektroauto: Europa fehlen die günstigen Stromer

In Deutschland sind aktuell rund 80 unterschiedliche Elektroautos auf dem Markt. Davon sind gut die Hälfte SUVs, die generell teurer sind als klassische Limousinen. Normale Kleinwagen sind kaum verfügbar. Dazu kommt, dass vor allem die deutschen Hersteller ihre Modelle auf hohe Motorleistung und große Reichweiten hin optimieren, was zusätzlich für gehobene Preise sorgt.

Elektroautos: Die zehn beliebtesten Modelle in Deutschland

BMW i3
Platz 10: BMW i3. Schon seit 2013 auf dem Markt, und immer noch recht beliebt: 12.178 BMW i3 wurden 2021 neu zugelassen. Trotzdem läuft die Produktion des City-Stromers mit knapp 300 Kilometern Reichweite nach insgesamt 250.000 Einheiten dieses Jahr ohne Nachfolger aus. Preis: ab 39.000 Euro. © BMW
Fiat 500
Platz 9: Fiat 500. Das aktuelle Modell des Kleinstwagens, auch als Fiat 500e oder Fiat 500 Elektro bezeichnet, wird ausschließlich als E-Auto angeboten. 2021 fand er 12.516 Kunden. Je nach Akku-Größe schafft der kleine, aber charakterstarke Cityflitzer aus dem Stellantis-Konzern 190 bis über 300 Kilometer. Preis: ab 26.790 Euro. © Fiat/Stellantis
VW ID.5
Platz 8: VW ID.4. Die Crossover-Variante des braven Grundmodells ID.3 mit größerem Innenraum und etwas Off-Road-Fähigkeit wurde im vergangenen Jahr 12.734 mal zugelassen. Die Reichweite der Top-Version gibt VW reichlich optimistisch mit 518 Kilometern an. Preis: Ab 46.515 Euro. © Ingo Barenschee/VW
Skoda Enyaq iV
Platz 7: Škoda Enyaq iV. Der technische Ableger des VW ID.3 und ID.4 auf der MEB-Plattform ist mit 4,65 Metern etwas länger, und erfüllt somit das übliche Marken-Image als Alternative für die Familie. 13.026 Käufer und Leasingnehmer überzeugte das E-SUV mit offiziell bis zu 500 Kilometern Reichweite. Preis: ab 46.515 Euro. © Skoda Auto a.s.
Hyundai Kona Elektro
Platz 6: Hyundai Kona Elektro. Im Gegensatz zum neuen Ioniq 5 bietet Hyundai den seit Kona mit verschiedenen Antriebsversionen an, das seit 2018 verkaufte Elektroauto brachte es auf 17.240 Neuzulassungen. Die Motoren leisten 136 oder 204 PS, die Reichweite beträgt maximal 484 Kilometer. Preis: ab 35.650 Euro.  © Hyundai
Smart EQ fortwo Edition Bluedawn smart EQ fortwo edition bluedawn: stylish and electrifying eye-catcher
Platz 5: Smart EQ Fortwo. Wie beim BMW i3 ist auch das Ende des Elektrozwergs besiegelt. Künftig kommen die Elektroautos aus China und als größere SUV daher. Das Original fand trotz seiner mickerigen Reichweite von offiziell 153 Kilometer noch 17.413 Abnehmer. Preis: ab 21.940 Euro. © Mercedes-Benz AG
Renault Zoe
Platz 4: Renault Zoe. Beim Crashtest versagte die aktuelle Version des französischen City-Stromers (null Sterne!), aber mit 24.736 Neuzulassungen war er hierzulande durchaus beliebt. Dank bis zu 395 Kilometern maximaler Reichweite eignet er sich auch für längere Trips. Preis: ab 33.140 Euro. © Renault
VW ID.3
Platz 3: VW ID.3. Das Grundmodell des „Modularen E-Antriebs-Baukastens“ des VW-Konzerns gilt längst als elektrischer VW Golf, auch wenn sich manch Stromer-Fan einen etwas aufregenderen Auftritt gewünscht hätte. Europaweit brachte es der ID.3 mit seinen offiziell bis zu 553 Kilometern Reichweite schon auf über 100.000 Verkäufe, auf Deutschland entfielen 26.693 Zulassungen. Preis: ab 36.960 Euro. © VW
VW e-Up
Platz 2: VW e-Up. Seine große Beliebtheit führt zu seinem größten Nachteil: Immer wieder ist der kleine, 30.797 mal zugelassene Stromer ausverkauft, was letztendlich auch zu einer kräftigen Preissteigerung führte. Bis zu 260 Kilometer Reichweite gehen für diese Größe ok. Preis: ab 26.895 Euro. © VW
Tesla Model 3
Platz 1: Tesla Model 3. Das Einstiegsmodell des Elektroauto-Pioniers sicherte sich mit 35.262 Neuzulassungen klar die Pole-Position, und schaffe es wochenweise sogar an die Spitze der Gesamt-Charts aller Pkw. Die Reichweite beträgt laut Werksangabe bis zu 547 Kilometer. Preis: ab 52.965 Euro. © Tesla

Der Nachfrage nach den Stromern tut das indes keinen Abbruch. So sind die Elektroautos von Volkswagen für 2022 längst ausverkauft. Bei den Neuzulassungen eroberte Tesla in Deutschland zuletzt mit dem Model Y den Spitzenplatz von den Wolfsburgern.

Elektroauto: Marktangebot in China deckt sich

Ein ähnliches Missverhältnis zwischen Angebot und Nachfrage gibt es auf dem US-Markt. Auch dort fällt rund die Hälfte aller angebotenen Elektroautos in die Preisklasse oberhalb von 50.000 Euro. Nicht zuletzt auch wegen zahlreicher Preiserhöhungen in den letzten Monaten. Unter 20.000 Euro ist kaum ein Stromer zu bekommen.

Noch mehr spannende Auto-Themen finden Sie in unserem kostenlosen Newsletter, den Sie gleich hier abonnieren können.

Ganz anders hingegen in China: Dort decken sich Modellangebot und tatsächliche Verkäufe nahezu. So stellen etwa Autos bis 15.000 Euro rund 19 Prozent des Modellangebots, während ihr Marktanteil den gleichen Wert erreicht. Das macht auch Hoffnung für Deutschland und Europa, denn zahlreiche Hersteller aus dem Reich der Mitte stehen unmittelbar vor einem Markteintritt. (Holger Holzer/SP-X)

Rubriklistenbild: © Dacia

Kommentare