Hohe Preise, knappes Angebot: Warum die E-Mobilität in Deutschland kaum in Fahrt kommt
VonSebastian Oppenheimer
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Die E-Mobilität kommt in Deutschland kaum in Schwung. Eine aktuelle Studie zeigt, was mögliche Gründe dafür sein könnten.
Seit Jahresbeginn gehen die Neuzulassungen von E-Autos in Deutschland nach oben. Ist das nach einem sehr schwierigen Jahr 2024 für die E-Mobilität hierzulande nun die Trendwende? Neue Zahlen lassen daran Zweifel aufkommen. Laut dem aktuellen EV-Index (Q1/2025) der Unternehmensberatung Deloitte sind aktuell nur 13 Prozent der Deutschen willens, sich ein Elektroauto zu kaufen.
Elektroauto oder Verbrenner? Die Preisunterschiede sind hoch
Die Gründe für die Kauf-Zurückhaltung sind vielfältig. Einer davon sind sicherlich die nach wie vor hohen Preise für Elektroautos. Der Auswertung zufolge kosten Stromer im Durchschnitt 10.200 Euro mehr als vergleichbare Verbrenner. Besonders extrem sind die Preisunterschiede in der Kleinwagen- und Kompaktklasse: Hier sind es sogar zwischen 15.000 und 12.000 Euro. Dazu kommt, dass genau in diesen Segmenten die Käufer besonders preissensibel sind.
Noch immer Bedenken bei Reichweite und Lade-Situation
Als schwierig wird von vielen Deutschen die Lade-Situation eingeschätzt: 66 Prozent gaben an, sich darum Sorgen zu machen – sowohl was die Ladedauer als auch die Anzahl der verfügbaren Ladestationen angeht. 49 Prozent der Befragten sind mit den aktuellen Reichweiten der E-Autos nicht zufrieden. Allerdings sind die Erwartungen auch vergleichsweise hoch: Viele wünschen sich mehr als 500 oder 600 Kilometer. Das schaffen aktuell nur wenige E-Autos.
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Elektroautos mit deutlichem höherem Wertverlust als Verbrenner
Neben dem hohen Kaufpreis für Elektroautos ist auch der hohe Wertverlust ein Problem. Der Studie zufolge haben E-Autos im Vergleich zu Verbrennern einen um 60 Prozent höheren Wertverlust. Dies führe zu einer Verunsicherung bei den Verbrauchern hinsichtlich des langfristigen Werts eines Fahrzeugs, heißt es in der Deloitte-Analyse. Und auch die Auswahl im Vergleich zu Verbrennern ist noch ausbaufähig: Während es im Klein- und Kompaktwagensegment jeweils nur sechs E-Modelle zur Auswahl gebe, seien es bei Verbrennern 15 beziehungsweise 19 Fahrzeuge.
Vergleichsweise hoher Strompreis in Deutschland
Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern ist auch der vergleichsweise hohe Strompreis ein Hemmschuh für einen Umstieg. Das Laden eines E-Autos ist der Auswertung zufolge in Spanien rund 40 Prozent billiger als in Deutschland. An öffentlichen Ladesäulen sind die Preise teils um ein Vielfaches höher, wie zuletzt der Automobilverband VDA kritisierte. Im Vergleich zu den Kraftstoffkosten für Verbrenner fährt man der Studie zufolge mit dem Strom für E-Autos aber immer noch um rund ein Drittel billiger.