Mitgefühl entwickeln

Empathie lernen: Psychologin gibt Eltern vier Alltagstipps für mehr Mitgefühl

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Sich in andere Menschen hineinversetzen und Gefühle nachvollziehen können, diese Fähigkeit ist angeboren. Kinder müssen Empathie erst lernen. Doch wie?

Den meisten von uns ist es wahrscheinlich wichtig, dass wir uns verstanden und respektiert fühlen. Dazu zählt auch, dass unsere Mitmenschen unsere Bedürfnisse und Gefühle erkennen und ernst nehmen. Ähnlich wird es auch den Personen um uns herum gehen, auch sie wünschen sich Mitgefühl. Die Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen, nennt sich Empathie. Ein Wort, das heutzutage im sozialen Kontext nahezu als Trend zu erkennen ist, insbesondere in der Berufswelt. Soziale Kompetenzen mit Empathievermögen sind bei Arbeitgebern bzw. Arbeitnehmern immer mehr gefragt.

Tatsache ist: Empathie ist grundsätzlich angeboren, doch gerade bei Kindern muss sie sich entwickeln und gefördert werden. Menschen in Dänemark setzen in der Erziehung sehr auf die Förderung von Empathie, mit ihrer speziellen GLÜCK-Formel. Je besser die Eltern dabei als gutes Vorbild dienen, desto eher lernt das eigene Kind, auf seine Umwelt einzugehen, Rücksicht zu nehmen und Mitgefühl zu entwickeln. Einfache Alltagstipps zur Förderung von Empathie können da helfen!

Empathie lernen: Eltern sind laut Wissenschaftler wichtiges Vorbild für ihre Kinder

Um Mitgefühl und Empathie zu lernen, brauchen Kinder Erwachsene, die ihnen das soziale Verhalten vorleben. (Symbolbild)

„Eltern, die ihren Kindern Aufmerksamkeit schenken, die mit ihnen sprechen, die ihnen zuhören, die ihnen vorlesen, die machen vieles richtig – und können so die Entwicklung des Kindes positiv beeinflussen. Das ist gerade in den ersten Lebensjahren wichtig: Die Persönlichkeit, der Sinn für Moral und Gerechtigkeit oder die Fähigkeit, sich in einen anderen Menschen hineinzuversetzen, werden in dieser Phase geprägt“, so der Wissenschaftsautor Dr. Ranga Yogeshwar.

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Mental Load, Stress, Schlafmangel, Einsamkeit: Dinge, die sich Eltern mit Kind anders vorgestellt haben

Mutter liegt mit Baby in der Wiese
Die Elternzeit wird schön, endlich Freizeit, wie Urlaub, abschalten und die Zeit mit dem Baby genießen, viel spazieren gehen, die angefangenen Bücher fertig lesen, neue Kochrezepte ausprobieren. Was sich gerade Mütter während der ersten Schwangerschaft ausmalen, entspricht in vielen Fällen nicht dem, wie es dann wird. Manche Mütter und Väter fühlen sich vom neuen Lebensabschnitt überrollt und trotz aller Vorbereitungen doch nicht genug vorbereitet. (Symbolbild) © Kzenon/Imago
Frau enttäuscht am Telefon
So sehr sich viele Mütter über den positiven Schwangerschaftstest und den Nachwuchs freuen, umso herausfordernder kann dann die Organisation rund um die Geburt werden. Je nachdem, in welcher Stadt sie leben, wird Eltern geraten, sich frühzeitig um einen Platz zur Entbindung in einer Klinik zu bemühen. 24vita.de sprach mit einer Mutter, die bereits in der 6. Woche der Frühschwangerschaft von Kliniken am Telefon abgewiesen wurde, weil sie zum errechneten Entbindungstermin keinen Platz ermöglichen konnten. „Das habe ich wirklich nicht erwartet“, berichtete die Mutter. (Symbolbild) © AntonioGuillem/Imago
Zwei Frauen mit Baby am Wickeltisch.
Ein für viele Mütter besonders frustrierender Umstand ist der Mangel an Hebammen in Deutschland, insbesondere zur Nachsorge. Ein Umstand, den sich so manche Eltern wohl anders vorgestellt haben. Die Hebamme kommt nach der Geburt zu den Müttern nach Hause – anfangs täglich, später wöchentlich – sieht nach dem Baby und ist auch wertvolle Ansprechpartnerin für die Mutter. Eltern brauchen speziell am Anfang Unterstützung und Kraft, um ihre nötige Kompetenz entwickeln zu können. Gerade nach der Geburt fühlen sich viele Mütter körperlich und mental erschöpft. Die Hebamme kontrolliert in der Nachsorge zudem die Rückbildung der Gebärmutter bei der betreffenden Mutter, den Wochenfluss sowie die Wundheilung von Riss- oder Operationswunden bei Dammriss oder -schnitt sowie Kaiserschnitt. Außerdem zeigt die Hebamme ihnen erste Übungen der Rückbildungsgymnastik. (Symbolbild) © Mareen Fischinger/Imago
Mutter sitzt erschöpft vor Babybett
Ein Baby bedeutet das pure Glück – so denken und hoffen es die meisten Eltern. Doch nicht immer stellt sich nach der Geburt das Gefühl von Glück und unendlicher Liebe ein. Bei etwa 710.000 Geburten pro Jahr in Deutschland zeigen über 70.000 Frauen und mit ihnen auch Männer pro Jahr Symptome einer postpartalen Depression. (Symbolbild) © Highwaystarz/LOOP IMAGES/Imago
Vater und Sohn schlafen im Sitzen
„Schlaf immer dann, wenn das Baby schläft.“ Ein gut gemeinter Rat von anderen Eltern, der nach der Geburt eine besondere Bedeutung einnehmen wird. Denn den schwierigen Umstand der veränderten Schlafqualität mit Schlafmangel haben sich viele Eltern definitiv anders vorgestellt. Nicht selten fühlen sich die übermüdeten Mütter und Väter dann über den ganzen Tag schläfrig-benommen, leiden unter Konzentrationsschwierigkeiten, Stimmungsschwankungen und sind stark reizbar. (Symbolbild) © Tanya Yatsenko/Imago
Mutter mit Baby erinnert sich
Zu dem neuen Leben mit Baby kommen auch jede Menge Aufgaben auf Mütter und Vater zu, angefangen vom neuen Tagesablauf, den oftmals kurzen Nächten, über das Stillen des Babys und Fläschchen geben bis hin zu Nachsorge- und Vorsorgeterminen. Gerade Mütter berichten, das Gefühl zu haben, an vieles denken zu müssen und machen dabei häufig die Erfahrung – auch wenn das Kind schon älter ist sowie, wenn Geschwister dazu kommen – Termine, Verabredungen oder Aufgaben zu vergessen. (Symbolbild) © Highwaystarz/LOOP IMAGES/Imago
Frau sortiert Wäsche in Waschmaschine
Mit dem Nachwuchs wird die Arbeit im Haushalt nicht weniger, ganz im Gegenteil. „Ich hätte es nie für möglich gehalten, so viel Wäsche pro Woche zu waschen“, erzählt eine Mutter 24vita.de im Gespräch. Mit dem Baby in der Familie fehlt es dann schlicht und ergreifend häufig an Zeit und vielen Eltern auch an Energie, Aufgaben zu erledigen, selbst wenn Eltern das Kind einbinden oder sich zur Erholung zum schlafenden Baby dazu legen. (Symbolbild) © YAY Images/Imago
Frau in der Dusche
Eine ausgiebige Dusche oder ein schönes, warmes Bad. Was für Menschen ohne Kinder meist selbstverständlich ist, muss von Eltern mit Baby nicht selten zeitlich eingeplant werden. „Ich habe anfangs immer nur ganz schnell duschen können, weil unser Kleiner nicht gerne abgelegt werden wollte und dann viel weinte“, beschreibt eine Mutter im Gespräch mit 24vita.de. Zwar mag es für die einen absurd klingen, doch ist dieser Umstand für so manche Mutter oder manchen Vater nach der Geburt des Babys blanke Realität, die vorher nicht in ihrer Vorstellung vorkam. (Symbolbild) © Ihar Ulashchyk/Imago
Mutter wiegt Baby im Arm
Über neun Monate warten Eltern darauf, ihr Baby in den Armen halten zu können. „Jeden Tag war das für mich ein besonderer Moment, wenn ich unser kleines Baby im Arm hielt, sie wiegte, an ihr roch“, so die Mutter einer jetzt 4-Jährigen. Die meisten Eltern freuen sich auf ihre Elternzeit mit Kind, doch es gibt auch die Mütter und Väter, die sich in dieser ersten Zeit mit Kind dennoch alleine fühlen, da ihnen beispielsweise die Ansprache mit anderen fehlt. (Symbolbild) © Monkey Business 2/Imago
Eltern mit kleinem Baby
Mit der Geburt des Babys werden aus zwei Menschen eine Familie. Wo sich vorher die Frau und der Mann voll auf ihre Partnerschaft konzentrieren konnten, stehen nun in der Regel vorrangig die Bedürfnisse des Nachwuchses im Zentrum der Aufmerksamkeit. Ein Baby verändert zwar eine Partnerschaft, kann sie aber auch bereichern. Mutter und Vater ist eine Rolle im Leben, in die Eltern zunächst hineinwachsen müssen, die auch mit Tücken, Hindernissen und verschiedenen Gefühlen verbunden ist, auch wenn es in der eigenen Vorstellung einfacher schien. (Symbolbild)  © Cavan Images/Imago

In der Wissensendung Quarks bezieht sich der Journalist Yogeshwar dabei auf eine Untersuchung mit Kindern von Wissenschaftlern aus Heidelberg und Leipzig, die aufzeigt, wie schon kleinste Kinder diese Fähigkeit der Empathie entwickeln. Entwicklungspsychologin der Universität Heidelberg Prof. Sabina Pauen und Entwicklungspsychologe Prof. Daniel Haun der Universität Leipzig konnten dabei belegen, dass Kinder schon sehr früh lernen, sich in andere hineinzuversetzen, bereits als Babys mit ca. zehn Monaten.

„Kinder lernen nicht nur, wenn wir versuchen, ihnen etwas beizubringen. Kinder lernen es aus ihrer sozialen Umgebung im Grunde ständig – weil Kinder vor der Aufgabe stehen, sich in das soziale Gefüge einzufinden, sich in die Kultur, in der sie aufwachsen, einzufinden, die Verhaltensweisen und sozialen Regeln zu lernen. Das gibt uns Erwachsenen und Eltern auch eine gewisse Vorbildfunktion und damit auch eine Verantwortung“, fasst Prof. Haun die Erkenntnisse aus der Untersuchung zusammen.

Empathie lernen: Psychologin erklärt, was Eltern beachten müssen

Sich in andere Menschen hineinversetzen – mit jedem Jahr lernen dies Kinder etwas besser, auch und gerade durch Beobachtung von Erwachsenen. Das beinhaltet auch die Fähigkeit, sich bei anderen zu entschuldigen – Eltern sollten ihr Kind nicht zu früh dazu „zwingen“, auch das kann gelernt werden. Stattdessen ist es besser, wenn sie ihrem Nachwuchs Mitgefühl vorleben, indem sie dem eigenen Kind gegenüber empathisch und weniger narzisstisch handeln.

Laut der Psychotherapeutin Ulrike Schneider-Schmid können Eltern dem eigenen Kind dabei helfen, Empathie zu lernen. Im Gespräch mit dem Portal Familie geht sie auf vier wesentliche Tipps ein:

1. Positive Vorbildfunktion der Eltern

Wichtig dabei sollte grundsätzlich sein, einen warmherzigen, liebevollen und respektvollen Umgang miteinander zu pflegen. Kinder orientieren sich an dem Verhalten der Erwachsenen und ahmen es nach. Wenn in der Familie gestritten wird, ruhig vor dem Kind auch vertragen – so lernt es schon früh, wie Konflikte gelöst werden können. Empathie vorleben und vormachen ist besser als es groß zu erklären. Das Kind erkennt dann am besten, was empathisches Verhalten ist und was es selbst tun kann, wenn jemand in seiner Umgebung traurig oder verletzt ist.

2. Induktiver Erziehungsstil

Eine induktive Erziehung steht für Maßnahmen, mit denen Eltern ihre Kinder auf Fehlverhalten und die damit verbunden Auswirkungen auf andere Menschen hinweisen. Wenn Eltern ihrem Kind immer wieder verdeutlichen, dass das eigene Verhalten Folgen hat, wird es ihm helfen, sich auch in andere hineinzuversetzen. Diese Form der Erziehung zeigt nach aktueller Erkenntnis weit mehr Wirkung als Strafen und Schimpfen. Und sie trägt auch stärker dazu bei, dass Werte wie Rücksichtnahme, Mitgefühl oder auch Höflichkeit – Danke und Bitte sagen – von Kindern verinnerlicht werden.

3. Anerkennung und Lob

Eltern können die Empathiefähigkeit ihres Kindes fördern, indem sie das Verhalten der Kleinen registrieren und kommentieren – sobald der Nachwuchs Mitgefühl in Situationen zeigt – beispielsweise durch eine Mimik, Geste oder ein kleines Lob.

4. Mitgefühl anhand von Büchern und Geschichten lernen

Empathie lernt ein Kind wunderbar durch Figuren in Büchern und Geschichten. Kinder können beim (Vor-)Lesen viele Erfahrungen nachleben, die sie selbst noch nicht machen konnten, diese verinnerlichen und dann selbst in der Praxis anwenden.

Die Psychotherapeutin Ulrike Schneider-Schmid betont daher, wie wichtig gemeinsames Vorlesen ist. „Empathie ist ein komplexes Zusammenspiel verschiedener emotionaler, sprachlicher und gedanklicher Komponenten, die einiges an Reifung erfordert. Seid nachsichtig mit eurem Kleinkind, wenn es euch das nächste Mal fröhlich kreischend und mit klebrigen Fingern an den Haaren reißt. Oh ja, es schmerzt, aber es kann dies einfach noch nicht wissen. Sein Gehirn steht gerade erst am Anfang eines langen, langen Lernprozesses“, so Schneider-Schmid gegenüber Familie.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteuren und Redakteurinnen leider nicht beantwortet werden.

Rubriklistenbild: © Irina Heß/Imago

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