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Stiftung Warentest hat 26 Lippenherpes-Produkte unter die Lupe genommen. Das Ergebnis ist ernüchternd: keine Aussicht auf schnelle Heilung.
München – Der Markt ist voller Produkte, die versprechen, Lippenherpes zu bekämpfen. Von Cremes über Gele bis hin zu speziellen Pflastern – die Auswahl ist groß. Stiftung Warentest hat 26 dieser Produkte unter die Lupe genommen und ein vernichtendes Urteil gefällt. Das Ergebnis ihrer Untersuchung: „Keine Aussicht auf schnelle Heilung“.
Wenn ein unangenehmes Jucken oder Kribbeln an der Lippe beginnt, wissen die Betroffenen, dass bald schmerzhafte Bläschen und oft eine Kruste folgen werden. Es dauert in der Regel ein bis zwei Wochen, bis der Lippenherpes wieder abgeklungen ist.
Lippenherpes – Ein weit verbreiteter Virus
In Deutschland sind 60 bis 90 Prozent der Bevölkerung Träger des Herpes-Simplex-Virus. Allerdings wird das Virus nicht zwangsläufig aktiv. Während viele Menschen nie Symptome zeigen, erleben etwa fünf bis zehn Prozent der Betroffenen mehr als fünf Ausbrüche pro Jahr. Die Krankheit ist nicht harmlos. Eine kürzlich durchgeführte Studie untersuchte, ob Herpes das Risiko für Demenz erhöht. Zudem können Herpesbläschen auch ein Symptom für andere Krankheiten wie Gürtelrose sein.
Betroffene fühlen sich mit einem Lippenherpes oft unwohl und haben das Gefühl, dass alle Welt auf ihren Mund schaut. Um die Bläschen schneller loszuwerden, versprechen rezeptfreie Cremes und Medizinprodukte wie Pflaster, Patches oder Thermostifte Abhilfe. Einige Produkte werben sogar mit einer Heilung innerhalb von 24 Stunden. Doch Stiftung Warentest ist von den Lippenherpes-Helfern nur wenig überzeugt.
Kein Herpesprodukt von 26 werden empfohlen
Die Tester haben 26 Produkte genauer untersucht. Sie haben Studien zur Wirksamkeit und Risiken analysiert, um zu beurteilen, ob die Produkte zur Behandlung von Herpes geeignet sind, berichtet die Deutsche Presse-Agentur (dpa). Sie konzentrierten sich dabei besonders auf die Eignung zur Behandlung (Verkürzung des Heilprozesses und Linderung der Symptome) und den mechanischen Schutz (Abdeckung der Bläschen). Die Ergebnisse ihrer Untersuchung wurden in der „test“-Ausgabe 6/2024 vorgestellt.
Das Urteil: „enttäuschend“. Stiftung Warentest hält die Produkte für „wenig geeignet“ für eine Behandlung. Keines der 26 getesteten Produkte könne die Heilungszeit signifikant verkürzen. Cremes mit den Wirkstoffen Aciclovir oder Penciclovir könnten die Heilungszeit im besten Fall um einen halben bis einen Tag verkürzen, so die Tester.
Der Grund dafür sei, dass die Wirkstoffe nicht tief genug in die Haut eindringen und daher nicht bis zu den Nervenknoten gelangen, von denen die Herpesinfektion ausgeht. „Von schneller Heilung kann also nicht die Rede sein“, so das Fazit der Stiftung Warentest.
Produkte können trotzdem hilfreich sein
Sollte man also komplett auf Herpesmittel verzichten? Das lasse sich nicht pauschal sagen. Einige Produkte können laut Stiftung Warentest durchaus einen Nutzen haben. Zum Beispiel transparente Patches gegen Herpes. Diese speziellen Pflaster, die auf die Bläschen geklebt werden, könnten Schmutz und Keime fernhalten.
Darüber hinaus bieten sie eine Möglichkeit, die Bläschen zu kaschieren. Denn die Pflaster können mit Lippenstift oder Make-up überschminkt werden – das ist direkt auf den Herpesbläschen nicht möglich. Ein weiterer Vorteil der Patches: Sie verringern das Risiko, die ansteckenden Herpesviren weiterzugeben. Teebaumöl als Zusatz kann jedoch allergische Reaktionen auslösen, warnt die Stiftung Warentest.
Der vollständige Test kann kostenpflichtig auf test.de eingesehen werden.
Auch viele Hausmittel versprechen schnelle Besserung
Es gibt auch viele Hausmittel, die gegen die lästigen Bläschen helfen sollen. Stiftung Warentest hat dazu Prof. Dr. Tobias Weberschock, Oberarzt für Dermatologie am Uniklinikum Frankfurt, befragt. Er ist skeptisch gegenüber Hausmitteln wie Zahnpasta, Honig oder Knoblauch gegen Herpes. Er warnt, dass die Haut auf einige Hausmittel allergisch reagieren könnte. „Geschädigte Haut neigt eher dazu, Kontaktallergien auszubilden.“
Hoch ansteckend – Bei Herpes küssen verboten
Herpesviren sind sehr ansteckend. Betroffene sollten daher auf gute Hygiene achten. Das bedeutet, die Finger von den Bläschen zu lassen. So kann man verhindern, dass sie sich entzünden – oder dass man die Viren weiter in die Augen trägt. Während der Infektion sollten Betroffene zudem keine Handtücher, Gläser, Trinkflaschen oder Lippenstifte mit anderen teilen.
Küssen ist ebenfalls tabu. Vor allem Neugeborene sollten nicht geküsst werden, wenn man gerade ein Herpesbläschen hat. Laut dem Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) kann eine Infektion mit Herpesviren bei Neugeborenen zu einer lebensbedrohlichen Gehirnentzündung führen. (ful/dpa/jh)
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