VonStella Henrichschließen
Im Vergleich zum europäischen Ausland zahlen die Verbraucher hierzulande am meisten für eine Kilowattstunde Strom. Ein Wechsel zum EU-Anbieter ist mit vielen Hürden verbunden und kann am Ende teuer werden.
München ‒ Die hohen Energiepreise beschäftigen weiterhin die Verbraucher. Denn inzwischen haben viele Versorger deftige Erhöhungen angekündigt, etliche von ihnen haben die Preise für Bestandskunden sogar bereits drastisch erhöht. Die Rede ist hier von bis zu 2300 Euro mehr pro Jahr. Ein Betrag, den ein Normalverdiener hierzulande erst einmal netto verdienen muss. Kein Wunder also, dass so mancher Verbraucher bei solchen Summen die Nase voll hat und jetzt - ganz unideologisch - nach alternativen Lösungen sucht.
Doch damit sind nicht die guten Ratschläge gemeint, auf das Duschen zu verzichten und den Waschlappen zu benutzen. Oder anstatt die Heizung voll aufzudrehen, es sich mit einer warmen Decke bei Kerzenschein auf dem Sofa gemütlich zu machen. Inzwischen hat sich bei den Verbrauchern rumgesprochen: Deutschland zählt zu den teuersten Stromanbietern in Europa. Und die Preise könnten im kommenden Jahr nochmals dramatisch für Verbraucher und Unternehmen nach oben gehen und damit etliche Existenzen ruinieren.
Die Preisentwicklung von Gas und Strom
Die privaten Haushalte in Deutschland haben für Strom im 1. Halbjahr 2022
durchschnittlich 33,50 Cent je Kilowattstunde bezahlt. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) jetzt mitteilt, stiegen die Strompreise um 1,9 Prozent. Bei den Nicht-Haushaltskunden, also vor allem Unternehmen und Behörden, fiel die Preissteigerung für Gas mit +38,9 Prozent im Vergleich zum 2. Halbjahr 2021 deutlich höher aus, bei Strom zahlten sie 19,3 Prozent mehr. (Quelle: Destatis)
Energiekrise: Verbraucher suchen nach Alternativen im Ausland
Beim Rundumblick und der Suche nach alternativen Lösungen trifft man auf die Europäische Verbraucherzentrale Deutschland. Und hält fest: Verbraucher können ihren Stromlieferanten frei wählen. Dieser könne auch aus dem europäischen Ausland kommen.
Voraussetzung ist aber, dass der Lieferant registriert ist, an den Wohnort des Verbrauchers Energie liefert und einem Vertragsabschluss mit dem Antragsteller zustimmt
Und genau dort hackt es offenbar bei der konkreten Umsetzung: „Es ist fast unmöglich, einen Energielieferanten zu finden, der bereit ist, Strom aus dem EU-Ausland nach Deutschland zu liefern“. Der Grund seien bürokratische Hindernisse. Denn der Kunde müsse die Erlaubnis des zuständigen Hauptzollamts des Wohnorts einholen. Ein Blick auf das Antragsformular bringt das Problem sprachlich auf den Punkt. Dort ist von „rollierenden Anmeldeverfahren“ die Rede, wiederkehrenden „beigefügten Anlagen“ und „Verfahrensdokumentationen“ sowie einer „Rückforderungsanordnung“.
Dabei könnten Verbraucher beim ersten Blick auf die Preise im europäischen Vergleich tatsächlich deutlich Geld einsparen:
| Land | Strompreis pro Kwh in Cent |
| Niederlande | 13,5 |
| Polen | 15,5 |
| Norwegen | 18,3 |
| Frankreich | 19,3 |
| Österreich | 22,2 |
| Spanien | 23,2 |
| Deutschland | 31,9 |
Quelle: Eurostat Strom in EU /Dez. 2021
Am Ende kann sich günstiger Strom aus dem EU-Ausland für die Verbraucher hierzulande nicht mehr lohnen, wenn der Aufwand für Verwaltung und zusätzliche Kosten für den Netzbetreiber hinzugerechnet werden. „Denn vermeintlich günstiger Strom aus dem EU-Ausland kann sich plötzlich als ziemlich teuer erweisen“, so das Urteil der Verbraucherschützer.
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