Höchstens 17 Grad in der Nacht

Energiekrise: Wohnungskonzern Vonovia drosselt Mietern Heizungen - Hunderte Standorte betroffen

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Viele Verbraucher fürchten inzwischen, im kommenden Winter in kalten Wohnungen zu sitzen. Einige Vermieter wollen Mietern sogar demnächst die Heizung auf 17 Grad nachts runterdrehen.

Bochum/Dresden/München ‒ Man möchte sich empören bei dieser Meldung. Der Immobilienkonzern Vonovia will laut einem Bericht von Bild seinen Mietern zwischen 23 und 6 Uhr die Gas-Zentralheizung drosseln. Dann sollen die Heizkörper auf nicht mehr als 17 Grad hoch heizen. Als Grund nennt das Unternehmen, dass es damit in den Vorstufen zu einer Gasnotlage einen Beitrag zur Erdgas-Einsparung durch den optimierten Betrieb seiner Anlagen leisten wolle. Die Warmwasserversorgung sei davon aber nicht betroffen. Der Bochumer Immobilienriese besitzt rund 565.000 Wohnungen an rund 400 Standorten in Deutschland.

Schwierige Zeiten erfordern auch schwierige Entscheidungen. Die Energiekrise ist eine enorme Kraftanstrengung für alle Bürger des Landes. Die Frage ist nur, lässt sich die Krise noch mit „freiwilligem Mitmachen“ schaffen oder braucht es „Vorschriften per Gesetz“, die für alle gelten?

Auch der Wohnungskonzern „Deutsche Wohnen“ prüft nach Angaben von Bild bereits Möglichkeiten der Gas-Einsparung. Einen Schritt weiter ist man bereits im sächsischen Dippoldiswalde. Eine Wohnungsgenossenschaft stellt den Mietern nur noch zu den Hauptzeiten morgens, mittags und abends warmes Wasser zur Verfügung und begründet dies mit gestiegenen Energiepreisen. Bis September stellt derselbe Großvermieter die Heizung in seinen 300 Häusern ab. Die Bewohner wurden über die Maßnahmen mit einem Aushang in Kenntnis gesetzt. Merkur.de berichtete darüber.

Energiekrise: Blick in den Mietvertrag hilft

Der Aufschrei bei Bürgern auf dieses Vorgehen der Konzerne war enorm in den sozialen Medien. Von Nötigung ist die Rede. Wütende Nutzer raten den betroffenen Mietern zur Klage. In jedem Fall lohnt ein Blick in den Mietvertrag, ob dieses Vorgehen überhaupt rechtens ist. Denn frieren, weil der Eigentümer dies eigenmächtig anordnet, ist nicht vertretbar.

Sebastian Bartel vom Berliner Mieterverein erklärt, über solche Maßnahmen könne nicht einfach der Vorstand einer Genossenschaft entscheiden. Es fehlt demnach der Beschluss der Mitgliederversammlung. Der Mieter hat laut dem Experten das Recht, sich gerichtlich zu wehren.

Energiekrise: Vorgehen der Konzerne hoch bedenklich

Und was sagt die Politik zu den Maßnahmen? Daniel Fürst, Wohnungspolitischer Sprecher der FDP, spricht sich klar für Energiesparmaßnahmen aus. Jeder könne einen Beitrag dazu leisten. Aber dieses Vorgehen der Konzerne hält Fürst für hoch bedenklich. „Über Nacht einen Aushang ins Gebäude hängen, die Menschen zu verunsichern und dann das warme Wasser abzudrehen, ist der falsche Weg“, so Fürst. Frieren per Anweisung durch den Eigentümer sei nicht vertretbar.

Bartel ergänzt, dass der Staat und die Kommunen solche Maßnahmen anordnen dürften. Dann müsse der Vermieter diese auch durchsetzen, das heißt: Das Mietrecht ist in einem solchen Fall zweitrangig. Aber so weit sei es noch nicht, so der Experte weiter. Der Deutsche Mieterbund weist darauf hin, dass fehlendes warmes Wasser ein Grund für eine Mietminderung sei. 

Energiekrise: Welche Antworten gibt die Politik

Bleibt die Frage, wie sich die Politik auf die Energiekrise vorbereitet, damit die Menschen hierzulande künftig nicht in kalten Wohnungen bei Kerzenlicht sitzen und es gleichzeitig zu einer Flut an Gerichtsprozessen kommt. Zwar will Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) die Gasversorgung in Deutschland mit allen Mitteln sicherstellen. In der ZDF-Sendung „Markus Lanz“ sagte Habeck: „Wir sind nicht nur passiv. Wir müssen nicht staunend danebenstehen, was da passiert.“ Es sei schließlich auch gelungen, trotz um 60 Prozent abgesenkter Gaslieferungen die Versorgungssicherheit in Deutschland aufrechtzuerhalten.

Aber dennoch bleibt die Frage offen, zu welchem Preis? Was kommt da auf die Verbraucher zu? Laut dem grünen Minister liegen die Preiserhöhungen im Herbst und Winter pro Haushalt im vierstelligen Bereich. Und das könne dann eben auch mal ein Monatseinkommen für eine Familie sein. Und wenn der Sparwille allein nicht ausreicht, dann werde man eben Vorschriften machen, so Habeck im Gespräch mit Markus Lanz weiter. „Dann reden wir nicht mehr über Freiwilligkeit“, so der Minister.

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Rubriklistenbild: © Hauke-Christian Dittrich/dpa/Symbolbild

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